Blog zu Tür­kis­blau von Cle­mens Ber­ger

 

Land, Volk, Begeh­ren

DAS BEGEHREN DES VOLKES

Es war ein bizar­res Schau­spiel, als Sebas­ti­an Kurz und Heinz-Christian Stra­che erst­mals nach Koali­ti­ons­schluss im neu­en Regie­rungs­sen­der Öster­reich TV auf­tra­ten. Ein­träch­tig und lächelnd saßen sie neben­ein­an­der, wäh­rend der feis­te Wolf­gang Fell­ner sei­ne gewohnt har­ten Schmei­chel­fra­gen stell­te. Wahl­kampf sei Wahl­kampf, sag­ten bei­de uni­so­no, da sage man Sachen in einer Schär­fe, in der man sie übli­cher­wei­se nicht unbe­dingt sage. Zumal sie, sag­ten bei­de uni­so­no, ein­an­der noch nicht gekannt hät­ten, jetzt aber, da sie ein­an­der in lan­gen Vier­au­gen­ge­sprä­chen ken­nen und schät­zen gelernt hät­ten, sei all das Schnee von ges­tern. Unver­wandt räum­ten bei­de ein, dass die neue Volks­par­tei ihren Stand­punkt in der Fra­ge des Rauch­ver­bots und die Frei­heit­li­chen den ihren in der Fra­ge des Frei­han­dels­ab­kom­mens CETA habe auf­ge­ben müs­sen. Das sei nun ein­mal das Wesen einer Koali­ti­on, sag­ten bei­de uni­so­no, da müs­se man Kom­pro­mis­se schlie­ßen.

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Abu Kickl

Dass die Frei­heit­li­chen, zumal in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung, nichts gegen Juden haben, wis­sen wir. Sind sie doch selbst, wie Stra­che vor sechs Jah­ren sag­te, die neu­en Juden. Zudem sind sie, wie Stra­che und Co. sagen, die Speer­spit­ze gegen den neu­en Anti­se­mi­tis­mus, also gegen jenen impor­tier­ten, der mit den vie­len Mos­lems kommt, ohne die der Anti­se­mi­tis­mus längst von der öster­rei­chi­schen Schol­le ver­schwun­den und höchs­tens in man­chen spe­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Kel­lern noch viru­lent wäre.

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Der Mann im Schlaf­sack

Als ich unlängst nach Wien zurück­kam, stan­den mei­ne Nach­barn, ein Ehe­paar im Ruhe­stand, mit einer ande­ren Nach­ba­rin vor dem Haus­ein­gang. Der Ein­gang führt zur ers­ten Stie­ge und in einen Innen­hof, an des­sen Ende die zwei­te Stie­ge liegt. Ich grüß­te sie. Als ich wei­ter woll­te, frag­ten sie mich, ob ich den Mann gese­hen hät­te, der seit eini­ger Zeit hier, gleich hin­ter dem Ein­gang an der Wand, in einen Schlaf­sack gehüllt lie­ge. Das Haus­tor ist übli­cher­wei­se ab neun Uhr abends ver­sperrt, Gegen­sprech­an­la­ge gibt es kei­ne. Ich war zwei Wochen in Jena gewe­sen. Nein, sag­te ich, aber man könn­te ja das Käl­te­te­le­fon der Cari­tas anru­fen. Die bei­den, die übli­cher­wei­se sehr freund­lich und hilfs­be­reit sind, und die Dame, die ich nur vom Sehen ken­ne, blick­ten mich ent­geis­tert an. Den müs­se man foto­gra­fie­ren — und das Foto der Poli­zei schi­cken! Das sei ja ein Wahn­sinn! Der schla­fe ein­fach hier! Ich dreh­te mich um und ging. Will­kom­men zuhau­se, dach­te ich. mehr lesen

Kar­rie­re und Res­sen­ti­ment

„Schwei­gen der Läm­mer“ von Man­fred Deix

Im Schwei­gen der Läm­mer zitiert Han­ni­bal Lec­ter den in Wien gestor­be­nen Marc Aurel: „Bei jedem ein­zel­nen Ding die Fra­ge, was ist es in sich selbst? Was ist sei­ne Natur?“ Auf Tür­kis und Blau umge­legt, fällt die Ant­wort leicht: Kar­rie­re und Res­sen­ti­ment im Zei­chen des Kapi­ta­lis­mus.

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