Sei­ten­wei­se

Bücher im Gespräch
Lite­ra­tur­kreis mit Gabrie­le Wild
ab Jän­ner 2018

Neu­erschei­nun­gen, Welt­li­te­ra­tur, Gedich­te, Erzäh­lun­gen

Im kom­men­den Lese­kreis erwar­tet Sie wie­der: Das gemein­sa­me Ent­de­cken und Erfor­schen von Lite­ra­tur in all ihren Facet­ten, die Lust am Lesen, neue Lese-Erfahrungen und nicht zuletzt der Aus­tausch unter Gleich­ge­sinn­ten. Neu im Kon­zept: Jeder Abend wird einem Buch gewid­met und dar­über hin­aus unter einem bestimm­ten The­ma ste­hen.


Ter­mi­ne:
Mon­tag, 08.01., 05.02., 05.03., 09.04., 14.05., 04.06. 2018, jeweils 19 — 21 Uhr
Anmel­dung erfor­der­lich: unter literaturhaus@uibk.ac.at

Begrenz­te Teil­neh­me­rIn­nen­zahl

Kos­ten: 20 € (für Mit­glie­der gra­tis)

Die im Lese­kreis gele­se­nen Bücher lie­gen in der Buch­hand­lung Stu­dia, Herzog-Siegmund-Ufer 15, auf.

Das Buch des Monats Febru­ar — Jean Rhys: Die wei­te Sargas­so­see
Das Buch des Monats März — Vla­di­mir Jabo­tin­sky:  Die Fünf 
 
Gedan­ken­split­ter aus den Gesprä­chen

Ste­fan Zweig Die Welt von Ges­tern.

Unter­ti­tel: Erin­ne­run­gen eines Euro­pä­ers .

Han­delt es sich um eine Bio­gra­fie ?  Nein. Erin­ne­run­gen sind sehr per­sön­lich, ein Euro­pä­er ist aber anonym. Also schreibt Zweig weder eine Bio­gra­fie noch eine Erzäh­lung. Was sagt mir also die Welt von ges­tern heu­te? War­um soll­te man das Buch von  ca. 500 Sei­ten lesen? Die Spra­che ist  lang­at­mig und anti­quiert, die Beschrei­bung der Jahr­zehn­te von 1890 bis 1940 ist ein­sei­tig und unvoll­stän­dig . Was ist also der Reiz und  das  zwei­fel­los Berei­chern­de an dem Werk ?

Zweig kommt aus einer   groß­bür­ger­li­chen, jüdisch- assi­mi­lier­ten Gesell­schafts­schicht und von sei­nem Blick­win­kel aus erle­ben wir die gelieb­ten, leben­di­gen, hoff­nungs­fro­hen Jah­re vor dem 1. Welt­krieg voll­kom­men anders als in Geschichts- oder Sach­bü­chern.  Wir erfah­ren eine sehr spe­zi­el­le Sicht  auf  Schul­zwang und sexu­el­le Tabus und die gro­ßen Ver­än­de­run­gen in Rich­tung neue Zeit. Er unter­nimmt Rei­sen, hält sich in den ver­schie­de­nen Städ­ten Euro­pas auf und lernt unglaub­lich vie­le Per­sön­lich­kei­ten ken­nen, die er auf eine über­aus  sen­si­ble  Art beschreibt : Hoff­mans­thal, Herzl, Ril­ke, Romain Rolland,  Richard Strauß und zuletzt Freud. Im  Auf­stieg  des Bier­kel­ler­agi­ta­tors   Hit­lers  täuscht er sich vor­erst wie so vie­le. Und doch zer­stört gera­de er  sei­ne Welt von ges­tern  total. Das Ende des Krie­ges erlebt Zweig nicht mehr, sei­ne Erin­ne­run­gen schreibt er im Exil. Er schreibt sie gegen Iden­ti­täts­ver­lust in der Frem­de, außer­halb von Euro­pa und  gegen das Ver­ges­sen .

Also ist es doch eine Auto­bio­gra­fie wie es per­sön­li­cher nicht geht, genau­er , prä­zi­ser machen es wohl die ande­ren. (Hel­ga Ren­ner)