Veranstaltungen 2000

Ronnith Neumann

Ort: Literaturhaus

Moderation: Dr. Veronika Bernard

Gemeinsam mit dem Institut für Germanistik

 

    Terézia Mora

    Ort: Literaturhaus

    Die Menschen in dem ungarischen Dorf unweit der österreichischen Grenze, von denen die Erzählungen Terézia Moras handeln, beherrschen das Trinken ebensogut wie den Traum von einer Flucht aus den ärmlichen Verhältnissen. Und die Erinnerungen an dieses Dorf mit seinen skurrilen, manchmal liebenswerten, manchmal brutalen Einwohnern beherrscht die Geschichten Terézia Moras wie ein Vexierbild, in dem die Landschaft der eigenen Heimat zur Fremde wird, zur seltsamen Materie.

      Armin Eidherr und Gerald Kurdoglu Nitsche

      Ort: Literaturhaus

      Jiddische Lyrik mit Musik/Vernissage zur Ausstellung: Bilder, Illustrationen zur Anthologie:
      Gehat hob ikh a heym/Ich hatte ein Zuhaus' (EYE Literaturverlag 1999).
      Der Herausgeber Armin Eidherr und Gerald Kurdoglu Nitsche lesen jiddische Gedichte.
      Musik (Guitarre und Gesang):
      A. Eidherr.
      Dazu Bilder von Monika Migl-Frühling, Gerald K. Nitsche und Willi Pechtl.
      (Reihe Jüdische Themen)
      Die Ausstellung ist zu besichtigen vom
      7. bis 25. Februar 2000, Mo-Fr 9-12 und 14-17h

      Eintritt frei.

        Josef Oberhollenzer

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Mag. Christine Riccabona

        Eintritt frei.

        Josef Oberhollenzer ist einer jener Literaten, die selten und nicht besonders laut auftreten, dafür aber umso tiefere Eindrücke hinterlassen. Großes und Ausschweifendes ist seine Sache nicht, der 1955 im Ahrntal geborene Autor schreibt vornehmlich Lyrik und kurze Prosa. Er veröffentlichte in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, Rockbands haben seine Texte vertont, zwei seiner Theaterstücke wurden bisher aufgeführt. 1994 erschien In der Tasse gegenüber (Haymon). Jetzt stellt er einen Geschichtenband vor: Texte zur Grausamkeit.

          Hrotsvith von Gandersheim

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Walter Klier

          Eine Entmystifizierung.Präsentation des Buches von
          Alfred Tamerl (Mantis Verlag 1999) über die erste Dichterin des europäischen Mittelalters.

          Eintritt frei.

          Als der berühmte deutsche Humanist Conrad Celtis (1459-1508) im Benediktinerstift St. Emmeram zu Regensburg eine mehrere hundert Jahre alte Handschrift fand, kannte sein Jubel keine Grenzen. Endlich war belegt, daß die deutsche Bildung im frühen Mittelalter einzigartig und der italienischen überlegen war. Die Handschrift enthielt die Dichtungen einer Nonne, der Mythos Hrotsvith von Gandersheim war geboren. Alfred Tamerl kommt in seinem Buch zum Schluß, daß Hrotsviths Werke in Wirklichkeit von der Humanistin Caritas Barbara Pirckheimer stammen. Wie er dazu kommt, und welche Folgen dies auf die frühe deutsche Literaturgeschichtsschreibung hat, wird das Thema des Abends sein.

            Anna Nöst

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Univ. Prof. Dr. Sigurd Paul Scheichl

            Präsentation der CD: mama, kimm he, mama (edition kürbis 1999).

            Eintritt frei.

            An der Wirklichkeit orientiert, sie durchleuchtend, eigenwillig und zuweilen bitterbös sind einige Qualitäten von Anna Nösts Texten in oststeirischer Mundart. Doch wenn diese Texte - Gedichte und Litaneien - von der Autorin gelesen werden, ereignet sich noch viel mehr, nämlich Poesie. Auch ihre letzte CD mama, kimm he mama beweist, daß es eine moderne Mundartdichtung abseits idyllischer Klischees geben kann.

              Lieder aus 5 Jahrhunderten — weiblich, politisch. Mit Gina Pietsch (Gesang) und Dietmar Ungerank (Gitarre).

              Ort: Bierstindl

              In Zusammenarbeit mit dem Kulturgast Haus Bierstindl.

              Mehr als willige Spenden ....

              Das Duo Gina Pietsch und Dietmar Ungerank gastierte bereits im Vorjahr mit einem außergewöhnlichen Brecht-Programm im Literaturhaus am Inn. Das neue Liederprogramm beschäftigt sich mit Texten von und über Frauen. Um weiblicher Freud' und weiblichem Leid auf die Spur zu kommen, wurde aus nicht weniger als 500 Jahren geschöpft, u.a. sind vertonte Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bertolt Brecht, Julie Schrader, Lotte Ingrisch und Ingeborg Bachmann zu hören. "Gina Pietsch aus Ostberlin, Chansonette aus der Erblinie Brecht-Weill-Eisler-Dessau und der Interpretinnen-Sippe einer Therese Giehse und Lotte Lenya, ... kam, sah und eroberte ihr Publikum im Sturm. Ihre dralle Bühnenpräsenz, ihr urwüchsiges Stimmorgan, ihre facettenreiche Schauspielkunst, ihr proletarischer Charme sind unwiderstehlich" (Die Welt, 8.5.95). Der Konzertgitarrist Ungerank, Wahldeutscher Tiroler Herkunft, begleitet die starke Stimme bestimmt und feinsinnig.

                Gabriele Wohmann

                Ort: Literaturhaus

                Gabriele Wohmann liest aus: Schwestern (Piper 1999).

                Eintritt frei.

                In ihrem 1999 erschienenen Band mit Erzählungen geht Gabriele Wohmann dem "wundervoll komplizierten" Thema der Schwesternschaft nach. Wohmann folgt in ihren Geschichten grundverschiedenen Schwesternpaaren. Über die porträtierten Frauen werden Alter und Jungend, sense und sensibility, Gelassenheit und Schlaflosigkeit, Verschiedenheit, Gemeinsamkeit und Kenntnis voneinander zum Thema. Und: die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Verhältnis: "'Wenn es jemand auf der Welt gibt, der mich niemals stören könnte, dann ist es meine Schwester', meinte sie auf dem Weg zum Telefon und versäumte fast den ganzen restlichen Film." Gabriele Wohmann, geboren 1932, gilt als eine der wichtigsten Erzählerinnen der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte. Seit dem Erscheinen ihrer ersten Erzählung 1957 hat sie zahlreiche Romane, Erzählungen, aber auch Theater- und Fernsehstücke, Hörspiele und Gedichte veröffentlicht.
                Gabriele Wohmann wurde für Ihr Werk mit Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Bremer Literaturpreis und den Konrad-Adenauer-Preis für Literatur.

                  Dostoevskij lesen. Kulturkritik und Spiritualität.

                  Ort: Literaturhaus

                  Ein Samowargespräch im Rahmen des Osterfestivals "Musik der Religionen: Mut, Liebe| Europas vergessener Osten"
                  In Zusammenarbeit mit der Galerie St. Barbara.

                  Eintritt frei.

                  Zum Anfang des letzten Jahrhunderts waren Fedor Dostoevskijs Werke wichtige Lektüre vieler Intellektueller. Die Rezeption legte ihren Schwerpunkt entweder auf die Spiritualität oder auf die Kulturkritik des russischen Dichters. Wie hängen diese beiden Stränge zusammen? Ist Spiritualität Kulturkritik? Welche Funktionen kann Spiritualität haben - Lebensform, Gegenmittel, Kompensation? Wozu wird sie funktionalisiert - wozu wurde Dostoevskij damals gebraucht, wozu heute? Am runden Tisch sprechen Christine Engel (Slawistin und Universitätslehrerin), Allan Janik (Philosoph, Wittgenstein-Forscher), Walter Methlagl (Leiter des Forschungsinstituts Brenner-Archiv) und Ilse Somavilla (Wittgenstein-Forscherin). Das Publikum ist zu einem Gespräch, zu Fragen, Beiträgen, Diskussionen eingeladen.

                    Zweisprachige Lesung und Buchpräsentation Dacia Maraini

                    Ort: Wagnersche Universitätsbuchhandlung

                    Dacia Maraini liest aus ihrem neuen Buch Kinder der Dunkelheit (in italienisch). Auf Deutsch liest N.N.
                    In Zusammenarbeit mit der Wagnerschen Universitätsbuchhandlung.

                    Eintritt 60,- / 40,- .

                    Die römische Kommissarin Adele Sòfia ist Leserinnen und Lesern schon aus dem Roman "Stimmen" bekannt. Im neuen, heuer auf deutsch erscheinenden Buch "Kinder der Dunkelheit" sieht sie sich mit Verbrechen konfrontiert, die Kinder betreffen: ein taubstummes Mädchen, einen fünfjährigen Buben, eine kleine Albanerin, die von ihren Eltern nach Italien zum Geldverdienen geschickt wurde. In Italien war Buio 1999 ein Bestseller, Dacia Maraini erhielt den angesehenen Premio Strega. Dacia Maraini, geboren 1936 in Florenz, ist eine der bekanntesten italienischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Ihre Werke sind geprägt von ihrem Anspruch an soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Zuletzt erschienen auf deutsch ihre Romane Die stumme Herzogin, Bagheria und Stimmen (alle: Piper).

                      Yoko Tawada

                      Ort: Literaturhaus

                      Yoko Tawada liest aus Opium für Ovid - Ein Kopfkissenbuch von 22 Frauen (konkursbuch).

                      Eintritt frei.

                      Das Interessante liegt im Zwischen", sagte Yoko Tawada in einem Interview. Zwischen den Worten, zwischen den Menschen, zwischen den Kulturen.
                      Yoko Tawada ist eine Autorin, die in deutscher und in japanischer Sprache schreibt. In ihren Werken - sie schreibt Prosa, Lyrik, Drama, Essays - setzt sie sich mit Realität, mit Wahrnehmung, Traumwelten und immer wieder mit Fremdheitserfahrungen auseinander.
                      Für ihr Werk erhielt Yoko Tawada angesehene Preise in Deutschland und Japan, z.B. den Akutagawa-Sho-Preis (der bekannteste Literaturpreis Japans 1993) oder den Chamissopreis 1996. 1998 war sie Poetikdozentin in Tübingen (vgl. das Buch Verwandlungen. Tübinger Poetik Vorlesungen, konkursbuch 1998). "Sozusagen im Kopfstand, nimmt sie mindestens 120 Dinge gleichzeitig wahr. Yoko Tawadas Texte entfalten ihre Magie nicht nur als brillantes Feuerwerk poetischer Einfälle. Mit überraschenden Fügungen, überscharfer Beobachtung entsprungen, stellen sie die groteske Realität bloß." (Die Welt)

                        Sibylle Schleicher

                        Ort: Literaturhaus

                        Sibylle Schleicher liest aus dem Roman Das schneeverbrannte Dorf (Haymon 2000).

                        Eintritt frei.

                        Eine junge Frau ist auf der Flucht, kehrt nach Jahrzehnten ins Dorf ihrer Kindheit zurück. Doch etwas Rätselhaftes und Unfaßbares scheint geschehen zu sein. Alle Bewohner sind fort, bis auf einen alten Bauern. Das Bewirtschaften der Felder, das Einbringen der Ernte, später das Aussäen im Frühjahr - all dies wird zur Überlebensfrage für den Alten und die junge Frau: Sie sind von der Zivilisation abgeschnitten. Für die Frau beginnt eine Zeit des intensiven Erinnerns: Die Kindheit wird greifbar nahe, und die unmittelbare Vergangenheit holt sie quälend ein. Was als Flucht begann, wird nach und nach zur Rückeroberung der eigenen Erinnerung, gleichzeitig aber auch zur Gewissheit, es ist eine trügerische Illusion, "Heimat" wiederzufinden. Sibylle Schleicher, geboren 1960 in der Steiermark, lebt als Schauspielerin und Autorin (Prosa, Lyrik) in Heidelberg.
                        Das schneeverbrannte Dorf ist ihr erster Roman.

                          Peter Henisch

                          Ort: Literaturhaus

                          Lesung und Buchpräsentation Peter Henisch. Aus dem neuen Roman: Schwarzer Peter (Residenz 2000). Eintritt frei.

                          "Sie werden lachen, aber ich komme aus Wien. Auch wenn ich möglicherweise nicht ganz so aussehe. Vienna. Austria. Europe. Ob Sie es glauben oder nicht. Ich bin dort geboren und habe meine ersten dreißig Jahre dort verbracht."
                          Peter Henisch, "ein Sonderfall der österreichischen Literatur" (Helmut Schödel, Die Zeit), erzählt die Geschichte von Peter, der nicht völlig schwarz, aber schwarz genug ist. Etwas zu schwarz für die Verhältnisse, in die er 1946 als Sohn einer Straßenbahnschaffnerin und eines amerikanischen Soldaten hineingeboren ist. Der Roman reicht "aus der Enge der Nachkriegszeit über den antiautoritären Geist der späten sechziger bis zur Fremdenfeindlichkeit der neunziger Jahre" (Die Presse). Ein Buch über Vielfalt und Anderssein, ein Thema von brennender Aktualität. Peter Henisch (Jg. 1943) war Gründungsmitglied von wespennest, Texte und Sänger der Musikgruppe Wiener Blut und arbeitet seit 1989 mit den Jazzmusikern W. Schabata und H. Zinkl. Autor zahlreicher Romane und Erzählungen, zuletzt Amerika landete und Kommt eh der Komet (Residenz 1994 und 1995).

                            Jürg Amann / A.T. Schaefer

                            Ort: Literaturhaus

                            Lesung und Buchpräsentation Jürg Amann / A.T. Schaefer: Kafka (Haymon 2000).

                            Eintritt frei.

                            Der Schriftsteller Jürg Amann und der Photograph A.T.Schaefer setzen sich, im Bereich ihres jeweiligen künstlerischen Ausdrucks, mit dem Verhältnis von Leben und Schreiben Franz Kafkas, eines unerbittlichen, konsequenten Künstlers auseinander. Amanns Text, vor 20 Jahren bei Piper erschienen und längst vergriffen, versucht "das Unerklärliche zu erklären", wie Kafka in seinem "Prometheus"-Mythos schreibt. Der Bild-Essay von Schaefer lotet die Grenze zum nicht mehr Darstellbaren aus. A.T. Schaefer (Jg. 1944) stammt aus Westfalen und hat Malerei und Design studiert. Seit 1981 hauptsächlich als Photograph tätig, zahlreiche Ausstellungen und Bücher.

                              Marino Niola

                              Ort: Literaturhaus

                              Zweisprachige Lesung Italienisch und Deutsch;
                              Buchpräsentation Marino Niola: Totem und Ragù. Neapolitanische Spaziergänge (Luchterhand 2000). Mit Beiträgen der Übersetzer Anton Holzer und Benedikt Sauer.

                              Eintritt frei.

                              Marino Niola führt die Leser in einer Sammlung von Essays auf Spaziergängen durch seine Stadt, in ihre Zentren, Vororte, Friedhöfe und Untergründe. Wir erfahren etwas über die anthropologischen Grundlagen der Pasta und über die Mamma als zentrale Institution der süditalienischen Gesellschaft. Camorra, Mamma, Maccheroni - Totem und Ragù ist ein Vielgängemenü, seine Happen sind mit Ironie gewürzt, sie machen Appetit auf mehr und haben Biß. Von Anton Holzer und Benedikt Sauer vorbildlich übersetzt, ist dies ein Buch für Italiensehnsüchtige und Liebhaber intelligenter, barocker, tiefgründiger Gedankenspiele: Eine Annäherung an die Wirklichkeit einer Stadt abseits der Klischees von Schmutz, Armut, Korruption und protzig zur Schau getragenem Reichtum.

                                Rose Ausländer, Gedichte

                                Ort: Literaturhaus

                                Gelesen von Ilse M. Seifried.
                                Elfriede Pöder führt ein Literaturgespräch mit Ilse M. Seifried über Rose Ausländer. (Reihe Jüdische Themen)

                                Eintritt frei.

                                Rose Ausländer ist 1901 in Czernowitz geboren und 1988 in Düsseldorf gestorben. Zwischen diesen beiden Daten erstreckt sich ein von starken Bewegungen, von Vertreibung und Abschied gezeichnetes Leben: Flucht, Neubeginn, Veränderung, kraftvoller Versuch und wieder Flucht - das sind nur einige schwache Begriffe für einen Weg von der Bukowina über Wien nach New York und wieder zurück, nicht nur einmal. Parallel dazu Erfahrungen von Elend, Hunger und Tod der Ghettos, von Erfahrungen des Weiterlebens und doch Getriebenseins, des ewigen Fremdseins. "Schreiben war Überleben", schrieb R. Ausländer wohl in dem Bewußtsein, durch das Schreiben ihren eigenen psychischen Tod verhindert zu haben. Die Wiener Lyrikerin und Literaturvermittlerin Ilse M. Seifried (Jg. 1956), stellt in einer Auswahllesung das lyrische Werk Rose Ausländers vor, ein Literaturgespräch mit Elfriede Pöder gibt Einblick in das Leben und in die literarische Entwicklung der Dichterin.

                                  Olga Sedakova

                                  Ort: Literaturhaus

                                  Zweisprachige Lesung Russisch und Deutsch; Buchpräsentation Olga Sedakova: Reise nach Brjansk. Zwei Erzählungen (Folio 2000).
                                  Mit einer Einführung des Übersetzers Erich Klein.

                                  Eintritt frei .

                                  In den beiden Erzählungen des kleinen Bandes skizziert die wohl berühmteste lebende russische Dichterin anhand zweier entscheidend zeitverschobener Reisen das klassische Verhältnis von Geist und Macht. Die titelgebende Erzählung charakterisiert die Sowjetunion kurz vor ihrem Niedergang und beschreibt eine Provinzgesellschaft voll Skurrilitäten und Fantastereien. Reise nach Tartu und zurück führt eine Gruppe russischer Intellektueller von Moskau nach Estland zum Begräbnis des großen Literaturwissenschaftlers Jurij Lotman: Symbol für den Abgesang einer großen Epoche - jener der sowjetischen Dissidenz und des verbindenden Selbstverständnisses von Demokratie und der Vorstellung vom Westen.

                                  Die Einführung eines ihrer Übersetzer, Erich Klein, wird dazu beitragen, daß die Begegnung mit dieser Autorin zu einem Erlebnis wird.

                                    Schriftbilder. Portraits und Texte aus dem Burgenland (Bibliothek der Provinz 1999)

                                    Ort: Literaturhaus

                                    Mit Lesungen von El Awadalla, Karin Ivancsics, Andreas Novosel und Jakob Michael Perschy.
                                    Kurzvortrag zur gegenwärtigen Literatur im Burgenland von Barbara Tobler (Literaturhaus Mattersburg) und einer Fotoausstellung Burgenländische AutorInnen von Hans Wetzelsdorfer.

                                    Eintritt frei.

                                    Während in Tirol 1999 der Literatur Hauskalender mit Präsentationen von 53 SchriftstellerInnen erschienen ist, hat das Literaturhaus Mattersburg zur selben Zeit eine Anthologie mit Fotos und Texten zur burgenländischen Gegenwartsliteratur herausgegeben - eine bemerkenswerte Publikation unter mehreren Gesichtspunkten. Zum einen stellen die Fotografien von Hans Wetzelsdorfer einen eigenwilligen Zugang zur Welt der Literaten dar. Zum anderen erhalten die LeserInnen einen hervorragenden Einblick in die literarische Vielschichtigkeit, in die Qualität und den Abwechslungsreichtum der Burgenländer.

                                      Literatur-Jam im Colinhof

                                      Ort: Colinhof

                                      5 Skaterinnen und Skater lesen aus ihren Büchern vor. Dazu Fest mit DJ und Graffitti-Wand (gemeinsam mit der Stadtbücherei Innsbruck).

                                      Eintritt für alle Jugendlichen und Erwachsenen frei. .

                                      Sie stehen bei der Markthalle, sie lungern vor dem Museum, sie fetzen über Straßen und Gehsteige, drehen kunstvoll und springen halsbrecherisch: die Jugendlichen mit den nämlichen Bretteln, über die dann in Fachgeschäften oder vor einschlägigen Videos auch entsprechend gefachsimpelt wird. Was man im allgemeinen nicht sieht: Skaterinnen und Skater nehmen zuweilen auch ein Buch zur Hand. Zum Beispiel anläßlich des Literatur-Jams im Colinhof, wo allerdings nicht nur vorgelesen, sondern mit Musik, Farben und Quarter Pipe auch ordentlich gefeiert wird. Daß sich beides verbinden läßt, daß Bretteln und Buchdeckel einander nicht ausschließen müssen, das werden einige Jugendliche vor versammelter Gesellschaft vorführen: mit jenen Geschichten, die ihnen in letzter Zeit am besten gefallen haben. Vielleicht ist die eine oder andere Skateboard-Kuriosität dabei.

                                        Elfriede Jelineks Auseinandersetzung mit Liquidationen des Lebendigen

                                        Ort: Literaturhaus

                                        Öffentlicher Vortrag Dr. Sieglinde Klettenhammer (Institut für Germanistik)

                                        Im Rahmen der Ringvorlesung am Institut für Erziehungswissenschaften zum Thema: Die Gegenwart der Zukunft des menschlich Lebendigen. Das Literaturhaus am Inn zeigt dazu Fotografien von Elfriede Jelinek in Innsbruck 1969.

                                        Eintritt frei

                                        Vor dem Hintergrund des Unbehagens an einer mechanistisch-technizistischen Einstellung zum Lebendigen und an der technischen Reproduzierbarkeit der Natur hat sich seit den 70er Jahren auch die Literatur wieder verstärkt dem Thema Natur zugewandt. Im Unterschied zur ökologischen Naturästhetik, die die sinnlich-ekstatische Naturerfahrung ins Zentrum rückt und Natur als nicht entfremdeten(Selbst-)Erfahrungsraum neu entdeckt, steht in den provokanten Texten Elfriede Jelineks die ideologiekritische Entmystifizierung des Natur-Begriffs mit den Mitteln der Satire im Vordergrund. Die Auseinandersetzung mit dem Roman Die Kinder der Toten (1995) und dem Drama Ein Sportstück (1999) soll sichtbar machen, daß Jelineks sprachkritische Durchquerung des Natur-Diskurses vor allem auch eine Durchquerung des Todes ist, weil sich die gesellschaftliche Rede über Natur als synthetisches Produkt erweist, das Herrschaftsverhältnisse verschleiert und Bilder kreiert, die auf Verdrängung der Geschichte und auf die Vernichtung des Subjekts ausgerichtet ist.
                                        Dr. Sieglinde Klettenhammer (Jg. 1957) ist Assistentin am Institut für Germanistik, zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge zur österreichischen Literatur und zur regionalen Literaturdebatte.

                                          Präsentation der Gesamtausgabe in Kassette von: Der Prokurist (1990–2000)

                                          Ort: Literaturhaus

                                          Präsentation der Gesamtausgabe in Kassette von: Der Prokurist (1990-2000) sowie Neuerscheinungen in der edition per procura. Mit Lesungen von Michael Donhauser (Wien/Vaduz) und Deszö Tandori (Budapest).

                                          Eintritt frei
                                          .

                                          Eigenwillige Wege ist der Südtiroler Verein der Bücherwürmer in Lana von Anfang an gegangen. Das institutionell zwischen Lana und Wien angesiedelte, literarisch allerdings bewußt europäisch orientierte Projekt per procura umfaßt seit den Achtziger Jahren so vielfältige literarische Aktivitäten wie die jährlich stattfindenden Kulturtage Lana, die Verleihung des N.C.Kaser-Lyrikpreises, die Herausgabe einer Edition vorwiegend für Poesie in Übersetzung sowie die vom Südtiroler Autor Oswald Egger herausgegebene Literaturzeitschrift Der Prokurist.

                                            Monika Wogrolly

                                            Ort: Literaturhaus

                                            Monika Wogrolly (Graz): Die Menschenfresserin (Deuticke 2000). Vorangehendes Literaturgespräch mit der Autorin zum Thema: Text als Psychogramm.

                                            Eintritt frei.

                                            Rosa, einst als Kind einer überforderten Mutter der Allmacht eines Krankenhauses ausgeliefert, kehrt an den Ort des Schreckens zurück, nicht mehr als Patientin, sondern als Werbeagentin, die die Wirkung eines neuen Medikamentes beobachten soll. Wie in einem teuflischen Sog erweckt sie die totgeglaubten Geister der Vergangenheit und begibt sich auf ein hochgefährliches Terrain grausamer Abhängigkeit. Monika Wogrolly führt die Leser in die bedrückende Welt der Weggesperrten und direkt in den Abgrund der menschlichen Seele. Die 1967 in Graz geborene Autorin einer Kurzprosasammlung und zweier Romane legt mit ihrem neuen Buch eine Arbeit vor, deren Sprachartistik in ihrer Konsequenz an Albert Drachs Protokollstil erinnert. Wogrolly studierte Germanistik und Philosophie, arbeitet u.a. als Werbetexterin und macht eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. Dieser Tatsache und dem Thema des Romans Menschenfresserin wird in einem vorangehenden Gespräch mit der Autorin Rechnung getragen. Suche meinen Mörder. Roman (Deuticke 1994) und Ins Feuer. Roman (Deuticke 1995).

                                              Gerhard Kelling

                                              Ort: Literaturhaus

                                              Rauriser Literaturpreis 2000!

                                              Gerhard Kelling (Hamburg) liest aus seinem Roman: Beckersons Buch (Suhrkamp 1999).
                                              Eintritt frei.

                                              Er ist 58 Jahre alt und schrieb seinen ersten Roman: Gerhard Kelling, der seit 1969 Theaterstücke, Hörspiele und Opernlibretti schreibt und in vielfältiger Weise für Bühne und Funk arbeitet, hat heuer den Rauriser Literaturpreis mit Beckersons Buch, einer geheimnisvollen Geschichte über Wahn und Verfolgung, davongetragen. Vor dem Hintergrund der Verbrechen des Nationalsozialismus konstruiert Kelling auf mehreren gebrochenen Ebenen einen nicht völlig durchschaubaren Vorgang, in den Figuren mit gestörter Identität, Doppelgänger und von Mutmaßungen Getriebene verwickelt sind. Walter Levinson, ein dreißigjähriger Deutscher, stößt auf eine vielversprechende Annonce und erledigt bedingungslose Botengänge, deren Sinn ihm verborgen bleiben. Ein Geheimdienst? Eine Sekte? Minutiös beschreibt Kelling, was Menschen dazu treibt, sich in derlei Abhängigkeit zu begeben.

                                                Präsentation des Literatur Küchen Kalenders 2001

                                                Ort: Fotoforum West

                                                Mit Fotografien (Ulrike Jussel) und Geschichten österreichischer Autorlnnen zum Motto: fressen, tafeln, saufen, dinieren. Überraschendes Literaturprogramm, Foto-Ausstellung, Musik, Kiachln und Krapfen. Eintritt und Getränke frei, Speisen gegen Unkostenbeitrag..

                                                Der neue Literatur Haus Kalender mit fotografischen Küchen-Stichproben der Axamerin Ulrike Jussel und 12 ausgesuchten Tafel-Geschichten aus ganz Österreich ist da und will im nächsten Jahr nicht nur in Küchen, Restaurants und Feinkostläden hängen. Österreichische Autorlnnen erzählen in 12 amüsanten und tiefgründigen Geschichten von ihrem Hang zur irrwitzigen Tintenfisch-Küche, vom Blick der Köchin auf männliche Lippen, von den sechsundvierzig Arten, einen Kaffee zu kochen und anderen Wahrheiten und Obsessionen. Der Kalender, die Literatur und ihre gute Beziehung zur Fotografie werden im Fotoforum West am Adolf-Pichler-Platz in Innsbruck mit einem bunten literarischen und kulinarischen Abend begangen und begossen. Das Literaturhaus am Inn freut sich, den vierten (Veranstaltungs-) Herbst mit allen Freunden und seinem Publikum zu feiern. Tiroler Autorlnnen werden an diesem Abend literarische Kostproben servieren!

                                                  Walter Schlorhaufer

                                                  Ort: Literaturhaus

                                                  Walter Schlorhaufer (Innsbruck) liest aus dem neuen Abschlußband seiner Romantrilogie. Vortrag über das Werk Walter Schlorhaufers von Johann Holzner (Germanistik). Anschließend Buffet zu Ehren des Autors.

                                                  Eintritt frei.

                                                  Anläßlich seines 80. Geburtstages liest Walter Schlorhaufer Kostproben aus seinem noch nicht publizierten Roman-Manuskript, dem dritten Teil einer Trilogie, vor. Der Germanist und Freund Schlorhaufers, Univ. Prof Dr. Johann Holzner, bietet in einem vorangehenden Vortrag einen Überblick über das reichhaltige Werk des Innsbrucker Autors.

                                                    Franz Schuh: Schreibkräfte. Über Literatur, Glück und Unglück. Essays (DuMont 2000)

                                                    Ort: Literaturhaus

                                                    Eintritt frei. .

                                                    Mit List und Leidenschaft finden die essayistischen Erkundungen des Franz Schuh ihre Position, indem sie zunächst alle möglichen Antworten in Fragen auflösen (F. Sch.) und unsere Gewißheiten ironisieren. Mit Schuh folgen wir begeistert der Überzeugung, daß Sprache ein Leben hat und dieses auf den Menschen übergeht. Ob Konrad Bayer, die 50er Jahre und die literarische Radikalität, oder Die Bücher von Paulus Hochgatterer, oder Die Dialektik von Glück und Unglück: Franz Schuhs Essays kommen nicht trocken gelehrt daher, sie bereiten Freude. Die eigentlichen Dichter der Epoche, in deren Kunst alles kulminiert, was die Zeit zu ihrer Diagnose bedarf, sind die Werbe- und Klappentexte der Buchbranche. (F. Sch.)

                                                      Eine inszenierte Lesung mit Texten von Christine Lavant von und mit Cornelia Peschko

                                                      Ort: Innsbrucker Kellertheater

                                                      Eintritt öS 100,-/erm. öS 80,- .

                                                      "Zu hören sind Prosa, Gedichte und Briefe der Dichterin Christine Lavant, auf der akustischen Ebene als Hörspiel konzipiert: Die Texte einmal stockend, um die Erfindung der Halbsätze ringend, einmal wie über Geschriebenes hinwegstreichend, leicht oder laut, denkend ... Zu sehen ist eine Gestalt, sie erinnert sich, reflektiert die Zustände ihres Schaffens, feiert diese Zustände im Brennpunkt ihrer Sprache. Sie verbrennt an ihrer Genauigkeit ..." (Cornelia Peschko). Cornelia Peschko arbeitete als Schauspielerin und Regisseurin in Köln, Bonn, Düsseldorf, Heidelberg und Tübingen. 1990 gründete sie in Bonn ein Theater für experimentelles Arbeiten. Zusammenarbeit mit modernen Komponisten, Inszenierungen im Bereich Musiktheater, enger Kontakt zum Tanz. Ausbildung in Alexandertechnik. Lesungen in Deutschland und Österreich.

                                                        Raoul Schrott

                                                        Ort: Literaturhaus

                                                        Lesung und Buchpräsentation Raoul Schrott: Die Wüste Lop Nor (Hanser 2000).

                                                        Willige Spende öS 80,- .

                                                        Eine poetische Liebesgeschichte, eine Erinnerung an Länder und Städte: Raoul Schrott erzählt von einem Mann und drei Frauen, von einem kleinen Ort in der Wüste und von Reisen auf andere Kontinente. Die Wüste Lop Nor ist eine Novelle in hundert und einem Kapitel, sie berichtet von der Hälfte des Lebens, von Frauen und von der Begegnung mit dem Fremden. Die Sprache ist von äußerster Einfachheit, der Ort, von dem aus das Erzählen beginnt, auch: Das Haus liegt auf einem Hügel. In einem Zimmer stehen ein Eichentisch und eine Truhe voller Fläschchen mit Sand. In der Fensternische ein Pinienzapfen, ein Cri-Cri und ein Stein.