Veranstaltungen 2002

Trakl: Rezi­ta­ti­on und Interpretation

Ort: Literaturhaus

Alfred Doppler präsentiert sein neues Buch Die Lyrik Georg Trakls. Beiträge zur poetischen Verfahrensweise und zur Wirkungsgeschichte (Otto Müller 2001).

Eintritt frei

Ausgehend von Hörbeispielen (gesprochen von Bernhard Wicki, Oskar Werner, Otto Sandre und Wolfgang Gasser) wird Alfred Doppler an Hand des neuen Bandes Interpretationsmöglichkeiten der Trakelschen Gedichte erörtern. Die Musikalisierung der Sprache bei Trakl und die Bedeutung seiner Lyrik, welche die Synthese der künstlerischen Bestrebungen der Zeit vollzieht und architektonische, bildnerische und sprachkritische Elemente einschließt, stehen dabei im Mittelpunkt. Alfred Doppler, geb. 1921, em. Univ.-Prof. für Österreichische Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Innsbruck. Zahlreiche Publikationen und Aufsätze zur österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere Georg Trakl. Alfred Doppler ist Träger des Wissenschaftspreises des Landes Tirol 2001.

Octa­ve Mirbeau

Ort: Literaturhaus

Nie wieder Höhenluft oder Die 21 Tage eines Neurasthenikers. (Manholt 2001). Einführung und Lesung mit dem Übersetzer Wieland Grommes. Mit Musik-Kostproben der Zeit.

Eintritt frei.

Octave Mirbeau ist der größte französische Schriftsteller unserer Zeit und derjenige, der in Frankreich den Geist des Jahrhunderts am besten repräsentiert. (Leo Tolstoi) Octave Mirbeau (1848–1917) war einer der berühmtesten und gefürchtetsten Romanciers seiner Zeit und der meistgespielte französische Bühnenautor im deutschsprachigen Raum. Er liebte den Skandal, verfasste pornografische Romane, verurteilte den Kolonialismus, kämpfte gegen den Antisemitismus in seinem Land, schrieb böse Glossen gegen die Mißstände seiner Zeit. All dies und vieles mehr hat er in dem 1901 erstmals erschienenen Roman Les 21 jours d’un neurásthenique (Edition Fasquelle, Paris) hineingepackt, mit vollen Händen hat er aus dem Leben geschöpft. Es ist eine rabiate Abrechnung mit dem Frankreich des 19. Jahrhunderts, doch bei nicht wenigen Sachverhalten, die hier geschildert werden, wird mancher sich fragen: Ist es heute nicht wieder oder immer noch so? Wieland Grommes (München), literarischer und wissenschaftlicher Übersetzer aus dem Französischen und Englischen, bietet einen fulminanten, bitterbösen und amüsanten Abend.

Chris­toph Janacs

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner, Peter Lindenthal

 [Schwerpunkt literarischer Tourismus]

Christoph Janacs liest aus Aztekensommer (Resistenz Verlag, 2001) und Gesang des Coyoten (Haymon 2002).

Eintritt frei.

Ein Schriftsteller auf seiner Reise durch Mexico: Was er beobachtet und erlebt, hält er, auf der Suche nach Stoff für ein neues Buch, fest. In einem am nouveau roman geschulten Stil, erzählt der Autor von einer gleichzeitig vertrauten und fremden Welt. Realität, Fiktion und Mythos mischen sich und ergeben ein neues Bild von dem, was wir Wirklichkeit nennen. Götter werden wieder lebendig, Figuren aus der Geschichte nehmen reale Gestalt an und Tote können wieder auferstehen. Peter Lindenthal, Mexikokenner und Autor von Büchern über das Reisen auf zwei Beinen, unterhält sich mit Janacs über die Faszination des literarischen Sammelns unterwegs. Christoph Janacs, geb. 1955 in Linz, schreibt Lyrik, Prosa und Essays. Zahlreiche Preise und Veröffentlichungen, zuletzt die beiden Gedichtsammlungen umava und Tras la ceniza / Der Asche entgegen (2000). Im Frühjahr 2002 erscheinen der Gedichtband draußen die Nacht in uns und die Erzählsammlung Gesang des Coyoten, aus der Janacs auch Kostproben bieten wird. Anna Rottensteiner, Literaturwissenschafterin und Kulturmanagerin in Innsbruck, hat Gesang des Coyoten lektoriert.

Die­ter Wellershoff

Ort: Literaturhaus

Moderation: Joachim Jung

Lesung des Autors aus Der Liebeswunsch und Der verstörte Eros (Kiepenheuer&Witsch 2000, 2001).

Eintritt frei.

In dem Essayband Der verstörte Eros folgt Dieter Wellershoff der Darstellung von Liebe und Leidenschaft, Verführung und Ehebruch in exemplarischen Werken der Literatur der letzten zweihundert Jahre, wobei er das Werk und die jeweilige Lebensgeschichte der Autoren, von Goethe bis Houllebecq, spannend und hellsichtig miteinander verknüpft. Sein vielbeachteter Roman Der Liebeswunsch zeichnet sich aus durch eine scharfsichtige und künstlerisch beeindruckende Darstellung von Sehnsucht, Angst, Not und Leidenschaft. Dieter Wellershoff, geb. 1925 in Neuss, lebt in Köln. Schreibt Romane, Erzählungen, Essays, Filmdrehbücher und Hörspiele. Zahlreiche Veröffentlichungen, gesammelt in einer sechsbändigen Werkausgabe bei KiWi, mehrere Auszeichnungen, u.a. Heinrich-Böll-Preis 1988, Friedrich-Hölderin-Preis 2001 und Joseph-Breitenbach-Preis 2001. Joachim Jung, geb. 1959 in St. Goar, studierte in Mainz Philosophie, Geschichte und Slawistik. Jung ist Philosoph und Publizist, arbeitet für größere deutsche und schweizer Medien. Seit 2001 Mitarbeiter des Forschungsinstituts Brenner-Archiv.

Micha­el Guttenbrunner

Ort: Literaturhaus

Moderation: Johann Holzner

Michael Guttenbrunner liest aus seinen Prosaschriften.

Eintritt frei.

Guttenbrunner, streitbarer Schriftsteller, politisch Verfolgter während der Zeit des Nationalsozialismus und einer der bekanntesten Lyriker des österreichischen Widerstands, hat unlängst die Sammlung Aus dem Machtgehege. Prosa 1976–2001 herausgebracht. Seine präzise Arbeit am Text ist an Karl Kraus geschult, mit seinem Werk ist er für die österreichische Literatur durchaus das, was Ludwig Hohl für die Schweiz bedeutet. Michael Guttenbrunner, geb. 1919 in Althofen/Kärnten, lebt seit 1954 in Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. Der Abstieg (Gedichte, 1975), Lichtvergeudung (Gedichte, 2000).

Fried­rich Ch. Zauner

Ort: Literaturhaus

Moderation: Wolfgang Hackl

[Schwerpunkt literarischer Tourismus]

Friedrich Ch. Zauner liest aus seiner Romantetralogie Das Ende der Ewigkeit.

Eintritt frei.

In der Edition Geschichte der Heimat, Grünbach, erschien dieser monumentale vierbändige Roman, der in der österreichischen Gegenwartsliteratur kaum einen Vergleich hat und gewiß eine ihrer spannendsten Unternehmungen ist. (Karl Markus Gauß in die ZEIT, Oktober 1996) Es geht darin um die Umwälzungen mit Beginn des 20. Jahrhunderts, die den Abschluß einer Epoche und den Beginn einer neuen Aera der abendländischen Geschichte bedeuten, aufgezeigt am Schicksal der Bauern eines Dorfes Namens Thal an der österreichisch-deutschen Grenze im Innviertel. Zauners Tetralogie ist Heimatliteratur im besten Sinn: sie preist und verdammt die Heimat nicht, sie entdeckt sie (K. M. Gauß). Friedrich Ch. Zauner, geb. 1936 in Oberösterreich, Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik in Wien. Prosaautor und Verfasser zahlreicher Theaterstücke. Diverse Auszeichnungen, u.a. Drehbuchpreis des orf, Kulturpreis des Landes Oberösterreich und dem Hans-Czermak-Preis. 1997 wurde er vom Bundespräsidenten mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet.

Mari­el­la Mehr

Ort: Literaturhaus

Moderation: Irene Prugger

Mariella Mehr liest neue Gedichte und Prosa.

Eintritt frei.

Mariella Mehr erzählt ihre wilden wie fürchterlichen Geschichten von Opfern und Tätern mit einer knappen und harten Sprache, der man den unermüdlichen Kampf gegen Schrecken, Schmerz und Wut anmerkt. Ihre Bücher sind von immer wiederkehrenden Themen gekennzeichnet: die Fahrenden, die Ausgegrenzten, das ausgesetzte Judenkind. Mehrs Bücher müssen geschrieben sein. Das macht sie unverwechselbar und wichtig. (Gunhild Kübler in die weltwoche) Mariella Mehr, geb. 1947 in Zürich, lebt in der Toscana und schreibt Dramen, Gedichte, Romane und Beiträge für u.a. die berner zeitung. Zahlreiche Preise, u.a. Ida Somazzi-Preis der Ida Somazzi-Stiftung Basel, Preis der Schillerstiftung für Daskind (Nagel & Kimche 1995). Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt Brandzauber (Roman, Nagel & Kimche 1998), Nachrichten aus dem Exil(Gedichte deutsch & romanes, Drava 1998) und Widerwelten (Gedichte, Drava 2001).

Lesung mit Joseph Zoderer

Ort: Literaturhaus

Buchpräsentation und Lesung mit Joseph Zoderer aus seinem Roman Der Schmerz der Gewöhnung (Hanser 2002). Mit einer Einführung von Sigurd Paul Scheichl (Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik).

willige Spenden

Der Roman wird von einer persönlichen Spurensuche zur Chronik eines Landes und eines Jahrhunderts. In der Geschichte Juls und seiner Familie spiegelt sich die Geschichte Italiens zwischen dem Faschismus Mussolinis und dem Aufbruch der Revolte von 68, bis hin zu einer Gegenwart, die von der Vergangenheit nichts mehr wissen will. Josef Zoderer, geb. 1935 in Meran, lebt als freier Autor auf einem Bauernhof in Südtirol. Sein Werk wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet, u.a. erhielt er die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung 2001. Veröffentlichungen, erschienen bei Hanser: Das Glück beim Händewaschen (1982), Die Walsche (1982), Lontano(1984), Dauerhaftes Morgenrot (1987) und Das Schildkrötenfest (1995).

Jürg Bee­ler

Ort: Literaturhaus

Moderation: Michael Forcher

Die Liebe, sagte Stradivari (Haymon 2002).

willige Spenden.

Der von Beelers virtuoser Sprachkunst getragene Roman erzählt nicht nur von den amourösen Verwicklungen seiner Figuren, sondern ist zugleich ein großer Essay über Liebe und Leidenschaft, ein Buch über Bücher, über Musik und Kunst, über Zeit und Vergänglichkeit, ein Spiel mit Kunst und Wirklichkeit.