Veranstaltungen 2005

Kul­tur­trans­fer im Alpenraum

Ort: Literaturhaus

Moderation: Johann Holzner, Elisabeth Walde, Ludwig Paulmichl

Buchpräsentation: Brüche und Brücken (Folio 2004)
Vortrag mit Videoprojektion mit Helga Peskoller

Der Band versammelt Aufsätze zum Kulturtransfer im Alpenraum von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Sind die Alpen in der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte mehr Barriere oder Verbindung? Wie beeinflussen die Mittelmeerländer und der Norden einander? Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen von der Universität Innsbruck haben sich im Rahmen der Ringvorlesung mit dem Verbindenden und dem Trennenden in Kultur und Lebensweise zu beiden Seiten der Alpen auseinandergesetzt.
Der Bogen spannt sich von der Urgeschichte bis zur Neuzeit, die Beiträge beleuchten die Fragen des Kulturtransfers aus unterschiedlichen Perspektiven – als Thema der Archäologie, der Ur- und Frühgeschichte, der Kunst- und Kulturgeschichte - und bieten Einblicke auch in die Musik und Literatur.
Helga Peskoller, Professorin am Institut für Erziehungswissenschaften, beschäftigt sich u. a. mit Studien zu extremen Phänomenen im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Kunst, Bildung und Sport, Publikationen: BergDenken. Eine Kulturgeschichte der Höhe (W. Eichbauer 1997); extrem (Böhlau 2001).

Kul­tur­be­rich­te aus Tirol

Ort: Literaturhaus

Präsentation der Sondernummer Literatur und Film der Kulturberichte aus Tirol. Grußworte durch LRin Elisabeth Zanon und LRin Sabina Kasslatter-Mur. Lesungen mit Alessandro Banda, Birgit Unterholzner und weiteren
"Überraschungsgästen"

Die aktuelle Sondernummer der Kulturberichte aus Tirol, herausgegeben von den Ländern Tirol und Südtirol und redigiert von Hermann Heinrich, ist den Bereichen Literatur und Film gewidmet. Zahlreiche Autoren und Autorinnen verfassten Beiträge über ihre Sicht auf das Schreiben in Tirol, auf den Literaturbetrieb, auf die politische und geistige Situation und den Umgang mit Literatur und Literaturförderung in den jeweiligen Ländern. Weitere Schwerpunkte bilden: Literatur und Mehrsprachigkeit, Rückblick auf die Literaturgeschichte in Nord-, Ost- und Südtirol, Film und Kinos in Tirol.
Am Abend der Präsentation werden Alessandro Banda, Birgit Unterholzner und einige weitere "Überraschungsgäste" ihre jeweiligen Beiträge zu den Kulturberichten vortragen.

Lesung mit Anna Kim

Ort: Literaturhaus

Moderation: Stefan Neuhaus

Die Bilderspur. Erzählung (Droschl 2004).

Anna Kim, geboren 1977 in Südkorea, studierte Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und veröffentlicht seit 1999 in Literaturzeitschriften; 2004 erhielt sie das Wiener Autorenstipendium.
Die Bilderspur ist vieles zugleich: eine Künstlernovelle, in der das ostasiatische Motiv des in seinem Bild verschwindenden Künstlers auftaucht. die Erzählung ist aber auch ein politischer Text um die Begriffe Exil und Fremde, eine Reflexion über Sprache und Bild und ein spannender Schritt auf sprachlichem Neuland. Vor allem aber ist Die Bilderspur ein bewegendes Dokument über Entfremdung als paradigmatische Befindlichkeit der Gegenwart.
Stefan Neuhaus ist seit 2004 Professor am Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Angewandte Literaturwissenschaft und Literaturkritik.

Rudolf Sti­bill: Aus dem Nachlass

Ort: Literaturhaus

Moderation: Annette Steinsiek, Ursula Schneider

Lesung: Margit Jautz. La Ville imaginaire: Szenische Umsetzung von Texten Rudolf Stibills durch Hans-Christian Hoth. Am Akkordeon: Beate Schmidt

Rudolf Stibill, geboren 1924 in Graz, gestorben 1995 in Rendsburg, Schleswig-Holstein, erlangte mit seinem ersten Gedichtband Vox humana nach dem Zweiten Weltkrieg bereits im Alter von 23 Jahren in Österreich als "Dichter der ersten Stunde" Bedeutung. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen weiterer Lyrikbände, Erzählungen sowie ein autobiographischer Roman. Als ständiger freier Mitarbeiter der Sendergruppe Alpenland bzw. später des ORF verfasste er rund 150 Hörfunksendungen. Der Gedichtzyklus La Ville imaginaire umfasst 61 Gedichte. Mit der Phantasie des Dichters wird der Zuschauer an einen Ort ohne Raum und Zeit geführt. Der Protagonist, der surrealistische Romantiker Roman Sürtiker, wandert durch eine unsichtbare Stadt, und bekommt dabei eine solche Identitätskrise, dass er am Ende nicht mehr weiß, ob er er ist oder die Drehtür im Einwohnermeldeamt. Der Nachlass Stibills befindet sich seit 2004 im Brenner-Archiv.
Margit Jautz, Schauspielerin und Lehrbeauftragte an der Kunstuniversität Graz, 40 Jahre Sprecherin im ORF Landesstudio Steiermark.
Hans-Christian Hoth, geboren 1960, Schauspielschule Stuttgart, 1984 Debüt in Wien, 1985 Debüt als Solist. Seither zahlreiche Solo-Programme.

Werk­statt­ge­sprä­che mit zeit­ge­nös­si­schen Autorinnen

Ort: Literaturhaus

I: Barbara Hundegger im Gespräch mit Maria Brunner

Erste Bücher - jüngste Bücher: biobibliografische Werkstattgespräche mit zeitgenössischen Autorinnen vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer, künstlerischer, persönlicher und ökonomischer Bedingungen, eingebettet in die Lesung aus ersten und zuletzt geschriebenen Texten der jeweils eingeladenen Schriftstellerin. Geplant sind über das Jahr verteilt fünf Werkstattgespräche mit deutschsprachigen Autorinnen.
Barbara Hundegger betreut dieses Projekt, das die Bereitschaft der Eingeladenen zu offenen Gesprächen voraussetzt. In ihnen soll es um folgendes gehen: um das Vermitteln von Denk- und Gefühlssystemen, die hinter einem Werk stehen, um das Vermitteln von Arbeitsweisen, um einen Kontrapunkt zum schnellen Verfallsdatum von Büchern, um das Nachzeichnen künstlerischer und persönlicher Entwicklungen und Entscheidungen und schließlich um das Ermöglichen eines Kennenlernens von Autorinnen und deren Arbeit, das über das übliche Ausmaß hinausgeht.
Maria E. Brunner, geboren in Pflersch/Südtirol, ist Literaturwissenschaftlerin und seit den Achtziger Jahren literarisch tätig. Zuletzt erschien von ihr der Roman Berge Meere Menschen(Folio 2004).

Lesung mit Bar­ba­ra Frischmuth

Ort: Literaturhaus

Moderation: Christa Gürtler

Als sich Anna, die Protagonistin in Barbara Frischmuths neuestem Roman, während ihres Studiums in Ali, einen Türken, verliebt, bricht sie das Studium ab, heiratet ihn, bekommt zwei Kinder und kehrt in ihre Heimatstadt zurück. Doch eines Tages ist Anna verschwunden. Ali und die Kinder sind plötzlich allein, und jeder versucht, auf seine Weise damit fertig zu werden, die vierzehnjährige Tochter besinnt sich auf ihre türkischen Wurzeln.

Barbara Frischmuth, geboren in Altaussee, wo sie heute als Schriftstellerin lebt, studierte Türkisch und Ungarisch in Graz, Erzurum und Debrecen und später Orientalistik in Wien. Romane u. a: Die Klosterschule (1968); Die Mystifikationen der Sophie Silber (1976); Kopftänzer (1984); Die Entschlüsselung (2001); das Gartentagebuch Löwenmaul und Irisschwert (2003) und zuletzt: Der Sommer, in dem Anna verschwunden war (2004). Sie hat außerdem Kinderbücher und Hörspiele geschrieben.
Christa Gürtler, geboren 1956, Literaturwissenschaftlerin, freie Verlagslektorin und Geschäftsführerin des Literaturforums Leselampe in Salzburg. Zahlreiche Publikationen zu zeitgenössischen Autorinnen in Symposiumsbänden und Zeitschriften

stadt­sti­che dorf­skiz­zen (Ska­ra­ba­eus 2004)

Ort: Literaturhaus

Mit der Herausgeberin Brigitte Messner.
Lesung mit Georg Aichinger, Julia Rhomberg, Selma Mahlknecht, Josef Oberhollenzer, Klaus Händl
Musik von zwieharmonika Frajo Köhle & Siggi Haider

Die Anthologie stadtstiche dorfskizzen in der Reihe der Brenner-Texte ist Fortsetzung und Ausweitung eines Projektes des Literaturhauses aus dem Jahr 2003: AutorInnen aus Nord-, Ost- und Südtirol führen uns an "ihre Orte" innerhalb der Regionen. Wem wir dort begegnen, was (nicht) geschieht, was wir sehen - hören - riechen - empfinden - erleben, ist ebenso unterschiedlich wie die verwendeten literarischen Verfahren und Formen. Verortung ist also relativ, auch in literarischen Texten, die reale Örtlichkeiten zum Anlass ihres Entstehens und zum Thema haben. Sie hängt von Bezügen ab, von Einordnungen, Blickwinkeln, Sichtweisen, Zeitpunkten, Standpunkten. So sehr die Texte ortsbezogen scheinen, widersetzen sie sich doch auch, widerstehen doch viele einer Ortsgebundenheit.
Herausgeberin: Brigitte Messner, geboren 1962 in Kufstein, ist Übersetzerin und Lektorin.

Neue Süd­ti­ro­ler Lite­ra­tur in der Edi­ti­on Raetia

Ort: Literaturhaus

Präsentation der Literaturreihe raetia club mit Thomas Kager und Karin Dalla Torre, Herausgeberin der neuen Nummer der Zeitschrift "filadressa". Lesung mit Nadja Thoma

Thomas Kager spricht über das Konzept sowie über eine Auswahl der bisher erschienenen Titel der Taschenbuch-Literaturreihe in der Edition Raetia. raetia club bringt Literatur in all ihren Facetten: Prosa, Lyrik, Essay, dokumentarische und experimentelle Texte, in deutscher und italienischer Sprache, sowie in Mundart. Bisher wurden Texte von Joseph Zoderer und Herbert Rosendorfer ebenso in die Reihe aufgenommen wie jene junger Talente, von Selma Mahlknecht und Anna Stecher.
" filadrëssa", eine Jahresschrift in der Reihe raetia club mit wechselnder Herausgeberschaft, gibt junger Literatur Raum und Dialog. Karin Dalla Torre, Leiterin der Dokumentationsstelle für neuere Südtiroler Literatur, hat Autorinnen und Autoren aller drei Sprachgruppen zusammengebracht und den aktuellen Kontext der Südtiroler Literatur mit Bildern von Annemarie Laner und dem Projekt art drive in eingefangen.
Nadja Thoma, 1977 in Schlanders geboren, erhielt den österreichischen Interfemme-Literaturpreis 2003. Sie liest u. a. die Erzählung wüstenhochzeit .

Lesung mit Ursu­la Fri­cker und Eve­lyn Grill

Ort: Literaturhaus

Moderation: Daniela Strigl

Eine Veranstaltung des Literaturhauses am Inn und dem PEN-Club Tirol im Rahmen der Aktion Innsbruck liest des Kulturamtes der Stadt Innsbruck

Ursula Frickers Fliehende Wasserund Evelyn Grills Winterquartier waren bei der Auswahl des Buches für Innsbruck liest diesmal sehr lange im Gespräch. Jurorin Daniela Strigl wird am Abend die beiden Autorinnen und ihre Bücher vorstellen. Die Autorinnen lesen aus den von der Jury ausgewählten Büchern sowie aus Neuerscheinungen.

Evelyn Grill, geboren bei Steyr in Oberösterreich, studierte Jura in Linz und lebt jetzt in Freiburg im Breisgau. Winterquartier (Suhrkamp 2004): eine Geschichte aus der österreichischen Provinz, die Geschichte eines beschädigten Frauenlebens. Ein "kunstvolles Kammerspiel, das eine bittere Beziehungsgeschichte ebenso subtil und ironisch wie spannungsreich erzählt" (jdl, nzz).
Evelyn Grill wird auch aus dem 2005 im Residenzverlag erschienenen Vanitas oder Hofstätters Begierden lesen.

Ursula Fricker, geboren 1965 in Schaffhausen, lebt als freie Autorin in der Nähe von Berlin. In ihrem Debutroman Fliehende Wasser (Pendo 2004) erzählt Fricker mit einer "Bildhaftigkeit von quälender Wucht" (Beatrice Eichmann-Leutenegger, nzz) eine Familiengeschichte über drei Generationen.

II: Bar­ba­ra Hun­deg­ger im Gespräch mit Bri­git­te Oleschinski

Ort: Literaturhaus

begegnungen mit zeitgenössischen autorinnen
lesungen - fragebögen - gesprächssequenzen
eine veranstaltungsreihe des literaturhauses am inn
betreut von barbara hundegger

die veranstaltungsreihe am anfang war ... will versuchen, einen kleinen bogen durch das schriftstellerische leben zeitgenössischer autorinnen vor dem hintergrund persönlicher, künstlerischer, geschlechtsspezifischer, gesellschafts-/politischer und ökonomischer bedingungen zu spannen - allerdings ohne den anspruch geschlossener ergebnisse, eines heiligen ernstes oder der vollständigkeit. eher in der art einzelner streiflichter, mosaiksteine, ausschnitte aus komplexen konstellationengeflechten, atmosphären. nicht um literaturwissenschaftliche einführungen geht es, sondern um persönlichere zugänge zu den literaturen, die jede einzelne von ihnen mitbringt aus den räumen, in denen sie entstanden sind - inneren wie äußeren räumen, die jedes leben prägen und in jeder/jedem aufeinandertreffen, sich bedingen, vermischen, verfestigen, auflösen, aneinander geraten ...

um so einen atmosphärischen einblick in die jeweilige dichterinnenwelt zu begünstigen, werden die abende aus drei teilen bestehen: zuerst der lesung eines älteren textes durch die autorin; dann der verlesung eines von barbara hundegger zusammengestellten fragebogens, den jede der eingeladenen vorab zur beantwortung geschickt bekommen hat; im anschluss daran eventuell kurze gespräche oder ein paar zusatzfragen, die sich aus den antworten ergeben haben könnten; und als letzten teil und um einen bogen zu schließen, wird die jeweilige autorin aus einem neueren, neuesten text lesen.

literatur und woraus sie sich speist.
(bahu)

Brigitte Oleschinski, eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur, wurde 1955 in Köln geboren. Sie studierte Politische Wissenschaft, arbeitete als Zeithistorikerin und lebt heute als Lyrikerin und Essayistin in Berlin. Für ihre Arbeiten erhielt sie u.a. den Peter-Huchel-Preis 1998, Ernst-Meister-Preis 2001 und 2004 den Erich-Fried-Preis.
Veröffentlichungen: Mental heat control. Gedichte (Rowohlt 1990), Die Schweizer Korrektur, mit Durs Grünbein und Peter Waterhouse (Urs Engeler 1995), Your passport is not guilty. Gedichte (Rowohlt 1997), Reizstrom in Aspik. Wie Gedichte denken. Ein Poetik-Projekt zusammen mit Urs Engeler (DuMont 2002), Argo Cargo. Wie Gedichte singen. Essay mit Audio-CD (Das Wunderhorn 2003), Geisterströmung. Gedichte (DuMont 2004).