Veranstaltungen 2006

nach Japan

Ort: Literaturhaus

 Buchpräsentation mit AutorInnen, Verlegerin und Herausgebern

nach Japan ist eine Sammlung von Texten auf Deutsch schreibender AutorInnen, erweitert um drei Beiträge von Kenzaburô Ôe, Takashi
Hiraide und Yoshikichi Furui sowie einem Essay zur Reiseliteratur in Japan. "Japan" als Motiv in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ist ein interessanter Aspekt dieser Sammlung, ein zweiter ist die Frage nach Sinn und Zweck des Reisens in unserer digitalisierten Welt, in der die herkömmlichen Strukturen von Raum und Zeit außer Rand und Band geraten sind. Die Beiträge von Libuse Moníková, SAID und Yoko Tawada als transnationale und -kulturelle Brückenbauer oder Grenzensprenger sind schließlich eine dritte Möglichkeit, sich mit diesem Buch zu beschäftigen.

Die Herausgeber, Peter und Renate Giacomuzzi, die nach siebzehn Jahren in Tokyo wieder in Innsbruck leben, wollten sich mit nach Japan eine Art "Abschieds-" und "Willkommensgeschenk" machen.

Claudia Gehrke vom k Verlag hat mit vielen Fotos von Magdalena Kauz und den Reiseaquarellen von Christian Rothmann
den Texten jene Leichtigkeit verliehen, die jede Reise braucht, um nicht eine beschwerliche zu werden.

Heinz D. Heisl, geboren 1952 in Hall, lebt in Innsbruck und Basel. Bücher u.a.: Wohin ich schon immer einmal wollte. Eisenbahngeschichten(Haymon 2005 ).

Alban Nikolai Herbst, geboren 1955 in Refrath, lebt in Frankfurt am Main und Berlin. Bücher u.a.: Meere (marebuchverlag 2003 ),
Die Niedertracht der Musik (Tisch 7, 2005 ).

Magdalena Kauz, geboren 1963 in Luzern, lebt in Zürich und Innsbruck. Dokumentarfilmerin. Bücher u.a.: Wortgestöber (Skarabaeus 2005 ).

SAID, geboren 1947 in Teheran. Bücher u.a.: auf den leib. Mit fotos von james dummler (Bucher 2004 ).

Schat­ten­kämp­fe. Lite­ra­tur in Ost­ti­rol (Stu­di­en Ver­lag 2006)

Ort: Literaturhaus

Moderation: Sandra Unterweger

Grußworte: Landesrätin Dr. Elisabeth Zanon. Es lesen und erzählen Dietmar Eder, Hans Salcher, Uwe Ladstädter

Musik: zwieharmonika (Frajo Köhle und Siggi Haider)

Abseits, wie Christoph Zanon eine seiner schönsten Geschichten genannt hat, scheint Osttirol nicht nur geografisch und verkehrstechnisch zu liegen, auch um die Literaturlandschaft jenseits des Felber-tauerntunnels wissen nur Eingeweihte.
Osttirol bleibt trotz der Eröffnung dieses Tunnels, der seit 1967 eine bessere Verbindung zu Nordtirol ermöglichen sollte, der wohl abgelegenste Teil Tirols. Der Band Schattenkämpfe - Literatur in Osttirol
(Studienverlag) beleuchtet zum ersten Mal diese Literaturlandschaft, Essays und Texte führen auf eine literarische Reise und laden
einmal da und einmal dort zu längerem Verweilen ein.

Hans Salcher, geboren 1956 , Mautner am Hochstein, schreibt und malt, seine letzten Veröffentlichungen waren Himmelschauen (Skarabaeus 2002 ) und der Prosaband Weißgekalkt (Skarabaeus 2001 ).

Uwe Ladstädter, geboren 1942 , Uhrmacher und Optiker, ist Gründungsmitglied der Lienzer Wandzeitung, die Lesungen und Veranstaltungen organisiert und deren Hauptanliegen die Förderung der Literatur in Osttirol ist.

Dietmar Eder, geboren 1979, der jüngste Autor in diesem Band, veröffentlichte 2004 seinen Debütroman Stadtrundfahrt im renommierten deutschen Verlagshaus Klett-Cotta .

Grenz­ver­kehr. Essays, Kurz­ge­schich­ten und Gedich­te aus 11 Län­dern (Dra­va 2006 )

Ort: Literaturhaus

21 Schriftsteller und Schriftstellerinnen, alle Gäste des "Writers in Residence"-
Programms von Kultur Kontakt Austria erzählen in ihren Beiträgen zu dieser vielsprachigen Anthologie von ihren sehr persönlichen Grenzerfahrungen, von ihrer Kindheit und Jugend hinter dem Eisernen Vorhang, als die Grenzen noch dicht waren, und von den vielfältigen Problemen, um die nötigen Visa zu erlangen. Sie schreiben über Wien und ihre Entdeckungen von Ähnlichkeiten und überraschendem Neuen, von Begegnungen mit SchriftstellerkollegInnen
und den Schwierigkeiten, sich als Autor in diesen schnelllebigen Zeiten zu behaupten.

Bir­git Unter­holz­ner und Anna Stecher

Ort: Literaturhaus

Moderation: Irene Prugger

Birgit Unterholzner: Die Blechbüchse (Skarabaeus 2006) und Anna Stecher: Zou`´ ba! (Raetia 2005)

Der Abend ist den Debüts der beiden jungen Südtiroler Autorinnen gewidmet.

Birgit Unterholzner, geboren 1971 in Bozen, arbeitet und lebt mit ihrer Familie in Bozen. Sie ist Germanistin und Fachberaterin für The-aterpädagogik, schreibt Erzählungen und Theatertexte. Publikationen in Zeitschriften und Anthologien. Die Blechbüchse versammelt Geschichten von Liebe und Sehnsucht, Einsamkeit und Tod, vom Fluch des Erinnerns und vom Traum der Veränderung. Geschichten aus dem Leben. Geschichten, die unter die Haut gehen. Dicht komponiert und spannend.

Anna Stecher, geboren 1980 in Meran, Studium in Bologna, lebt in Peking, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.

Zou`´ba heißt "Gehen wir!" und bringt die Bewegung ins Spiel, die ausschlaggebend für die Texte ist. China ist in ihnen präsent in der
Erinnerung oder in der Sprache. Zou`´ba ist kein Reisebericht, keine Niederschrift "wirklicher" Erlebnisse. Aber die Texte handeln von einer Reise durch eine Gedankenwelt voller Phantasien, die gerade durch das fremde Land und seine Sitten, vor allem durch seine Sprache und seine Schrift bestimmt ist.

[ Neuerscheinungen aus Tirol ]

 

Zeit­los. Neun Porträts.

Ort: Literaturhaus

Von der ersten Krimiautorin Österreichs bis zur ersten Satirikerin Deutschlands (Milena Verlag )
Buchpräsentation mit Evelyne Polt-Heinzl


Der Band präsentiert Porträts über spannende Autorinnen, die in weitgehend unbekannte Schaffenswelten entführen, die dem Wiederfinden verborgener Schätze ein weites Feld eröffnet. In essayistischem Ton setzt sich Polt-Heinzl mit Leben und Werk der Autorinnen Bertha von Suttner (1843-1914), Auguste Groner (1950-1929), Sir Galahad (1874-1948), Martina Wied (1882-1957), Alma Johanna Koenig (1887-1942), Joe Lederer (1804-1987), Hertha Pauli (1909-1973), Annemarie Selinko (1914-1986) und Gisela Elsner (1937-1992) auseinander.
Sie unternimmt damit den gelungenen Versuch, sie dem Vergessen zu entreißen, sie vom heutigen Standpunkt aus neu zu sehen und zu zeigen, dass eine Beschäftigung mit ihren Texten mehr als lohnenswert ist.

"...Mit allem Wichtigen ausgerüstet ohne überfrachtet zu sein ist dieses Buch kein feministisches Sachbuch, sondern einfach ein Muss für alle Österreicher, die einen Blick aus dem Abseits auf ihr eigenes Land, auf Europa riskieren wollen.... Die Vergangenheit hat eine
Menge faszinierender Frauen hervorgebracht, die aufregende Blickwinkel pflegten. Polt-Heinzl hat die Suche nach manchen erleichtert."
(Beatrix M. Kramlowsky, Die Furche Buch Lese November 2005)
Evelyne Polt-Heinzl, geboren 1960, seit 1990 Mitarbeiterin der für neuere österreichische Literatur im Literaturhaus Wien, seit 1995 zahlreiche Anthologien für den Reclam-Verlag ; zahlreiche Publikationen; zuletzt: Bücher haben viele Seiten. Leser haben viele Leben (Sonderzahl 2004 ).

Ver­trei­bung und Rück­kehr der Wis­sen­schafts­theo­rie: Rudolf Car­nap und Wolf­gang Stegmüller”

Ort: Literaturhaus

Projektpräsentation und Ausstellung mit:

Friedrich Stadler (Institut für Zeitgeschichte/ Universität Wien und Institut Wiener Kreis) Allan Janik (Forschungsinstitut Brenner-Archiv/Universität Innsbruck), Hans Joachim Dahms (Berlin/Wien), Christian Damböck (Wien), Christoph Limbeck-Lilienau (Wien), Michael Schorner (Innsbruck)

Wolfgang Stegmüller ist einer der wichtigsten Vertreter der analytischen Philosophie und Wissenschaftstheorie im deutschen Sprachraum. Erstmals werden Briefe, Manuskripte und Bücher aus dem Nachlass gezeigt, der sich am Brenner-Archiv befindet. Außerdem wird das vom Institut Wiener Kreis und dem Brenner-Archiv organisierte FWF-Projekt "Vertreibung und Rückkehr der Wissenschaftstheorie: Rudolf Carnap und Wolfgang Stegmüller" präsentiert.
Ziel des Projektes ist es, anhand des lebenslangen wissenschaftlichen Austausches zwischen dem in die USA emigrierten Carnap und Stegmüller die erzwungene Emigration der Wissenschaftstheorie sowie deren stark verzögerte Rückkehr aus den Exilländern in die mitteleuropäischen Ursprungsländer zu rekonstruieren.

Stegmüller, geboren in Natters/ Tirol, studierte an der Universität Innsbruck und blieb dort bis 1958. Gerade wegen seiner philosophischen Ausrichtung konnte er seine Hochschulkarriere jedoch erst in späteren Jahren in der Bundesrepublik Deutschland begründen, wo er von München aus eine der bis heute einflussreichsten wissenschaftstheoretischen Schulen aufbaute.

Ein vom FWF gefördertes Projekt

[ Schätze aus dem Brenner-Archiv ]

Jürg Amann

Ort: Literaturhaus

Moderation: Sieglinde Klettenhammer

Kann Literatur (noch) pornographisch sein?

In einem Hotelzimmer treffen ein Mann und eine Frau aufeinander. Ihre Begegnung beginnt als zärtliche Entdeckungsreise auf dem Kör­per des anderen. Zunehmend entfaltet sich jedoch aus ihrem Wunsch nach körperlicher Nähe immer stärker ein Drang nach Selbstauflö­sung. Dieses Verlangen erschöpft sich nicht in Zärtlichkeiten.

 

Vla­di­mir Vertlib & Leo­pold Federmair

Ort: Literaturhaus

Am Anfang war: die Wohngemeinschaft. Lebensentwürfe, so schien es, ließen sich hier leichter verwirklichen. Jeder bekam, was er brauch­te, und mit den Pflichten nahm man es nicht so genau. Doch das liegt lange zurück. Als Kave auftaucht, hat sich in der WG die Weh­mut eingenistet. Der Fremde, der mit Euphorie empfangen wird, nimmt sich vergessener Dinge an. Doch die Begeisterung hält nicht lange an. Was gut war, ist plötzlich unerträglich ...

Mit Witz und ohne Häme zeichnet Leopold Federmair in seinem Roman Ein Fisch geht an Land das Porträt einer Generation auf der Suche nach der verlorenen Sehnsucht.

In der Titelgeschichte Mein erster Mörderin Vladimir Verdibs neuem Erzählband wird ein bis dahin unbescholtener Mann wegen Totschlags zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Was haben sein Vater und dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg mit dem Sohn und seiner Tat zu tun? In insgesamt drei Geschichten zeichnet Vladimir Vertlib das Leben von Menschen, die zwischen politischer Willkür und schicksalhaf­ten Gegebenheiten ihre Würde oder auch nur ihr nacktes Leben zu bewahren versuchen, nach: ganz ruhig und unaufgeregt, stets auf Augenhöhe mit den Menschen, ohne sich über sie zu erheben - und gerade deshalb umso spannender.

Vladimir Vertlib: Mein erster Mörder (Deuticke),

Leopold Federmair: Ein Fisch geht an Land (Otto Müller)

 

 

Samu­el Beckett — zum 100. Geburtstag

Ort: Literaturhaus

Wieland Schmied: Begegnung mit Samuel Beckett
Lesung aus Endspiel mit Michael Arnold (TLT)

Samuel Beckett (1906-89), geboren in Irland, lebte seit 1937 in Paris, lernte dort u.a. James Joyce kennen, schloss sich während des Zwei­ten Weltkriegs der Resistance an. 1952 publizierte er Warten auf Godot, wodurch er international bekannt wurde, 1957 folgte Endspiel, 1969 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Endspiel: Vier Menschen sind die Helden dieser grotesken Tragö­die. Sie werden gezeigt kurz vor dem Erlöschen ihres Lebens. Das Ende ergreift langsam Besitz von ihnen. Ein Zustand, worin die hilf­los kreatürliche Traurigkeit, die allen Geschöpfen innewohnt, nicht mehr mit Komfort und Geschäftigkeit übertönt werden kann. Das Stück rührt damit an eine elementare Dimension des Daseins.

Wieland Schmied, geboren 1929 in Frankfurt am Main, emeritierter Professor für Kunstgeschichte, hat sich über Jahrzehnte gleicher­maßen mit Fragen der bildenden Kunst wie der Literatur beschäf­tigt. Dabei gehören der Maler Giorgio de Chirico und der Dichter Ezra Pound zu den Figuren, mit denen er sich am intensivsten aus­einandergesetzt und über die er immer wieder geschrieben hat. Wie­land Schmied wurde mit dem Friedrich-Märker-Preis für Essay­isten und dem Theo-Wormland-Preis für sein kunstschriftstelle­risches Werk ausgezeichnet, er lebt in Vorchdorf. Seine jüngste Publi­kation ist Begegnung mit Samuel Beckett in Berlin (Rimbaud Verlag 2006).

Michael Arnold, geboren in Graz, Schauspielstudium an der Grazer Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Schauspie­ler am Tiroler Landestheater, zuletzt in Chorphantasie von Gert Jonke zu sehen und derzeit in Der Kontrabass von Patrick Süßkind (Innsbrucker Kellertheater).