Veranstaltungen 2006

Die Bukowina, vergessene Literaturlandschaft

Ort: Literaturhaus

Die Bukowina als Herkunftsraum deutscher Literatur. Mit einem Seitenblick auf Galizien.
Vortrag von Klaus Werner

Eine Veranstaltung von Brenner-Archiv, Brenner-Forum und Literaturhaus am Inn

Aus den ehemaligen österreichischen Kronländern und Kulturlandschaften Bukowina und Galizien sind Schriftsteller und Intellektuelle hervorgegangen, die zu wesentlichen Trägern der deutschen Ideen- und Literaturgeschichte wurden. Der Vortrag zeichnet vor allem die Herausbildung der deutsch-jüdischen Czernowitzer Dichtung im 20. Jahrhundert nach. Näher besprochen werden die bukowinische Natur- und Landschaftslyrik und die parallel zur Shoah entstandenen Holocaust-Texte. Die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Zerstreuung zahlreicher Autoren über den ganzen Erdball, eine Art zweiter Diaspora, bildet den Schluss. Wert gelegt ist auf eine Engführung des Werks und der vielfach grotesken Vita bukowinischer (und galizischer) Schriftsteller, einer Vita, in der sich der Irrwitz der Epoche exemplarisch spiegelt.

Klaus Werner, Prof. Dr. phil. habil., geb. 1942 in Dresden, Studium der Germanistik und Musikwissenschaft in Leipzig, Hochschullehrer an ostdeutschen und, nach der politischen Wende 1989/90, auch westdeutschen Universitäten, Gastlehrtätigkeiten in Rumänien und Polen; derzeit Gastprofessor in Opava/Troppau (Tschechien).

    Literatur umkämpft?

    Ort: Literaturhaus

    Umkämpfte Literatur? - Eine Diskussionsrunde
    "termingerecht" zum Ingeborg-Bachmann-Preis
    Mit Peter Landerl, Doris Moser, Carolina Schutti

    Wie lebt, wie schreibt es sich als Schriftsteller in Österreich? Welchen Einfluss haben Verlage, Wettbewerbe, Stipendien, Preise, Autorenorganisationen usw. auf das Schreiben und auf das Wahrgenommenwerden?

    Im Mittelpunkt dieser Diskussion stehen einmal nicht Texte und ihre AutorInnen, sondern all das, was gemeinhin unter "Literaturbetrieb" verstanden wird. Ausgangspunkt ist die Überlegung des Soziologen Pierre Bourdieu, den von ihm entwickelten Begriff des "Feldes" auch auf die Literatur anzuwenden: "Das literarische (usw.) Feld", so schrieb er 1992, "ist ein Kräftefeld, das auf alle einwirkt, die es betreten, und zwar je nach der Position, in die sie sich begeben [...]". Um die unterschiedlichen (und zahlreichen) Kräfte, die auf österreichische Autorinnen und Autoren einwirken, soll es an diesem Abend gehen.

    Doris Moser, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Klagenfurt, von 1997-2001 Verantwortliche für die Organisation der "Tage der deutschsprachigen Literatur/Ingeborg-Bachmann-Preis", hat in in ihrem Buch Der Ingeborg-Bachmann-Preis. Börse, Show, Event (Böhlau 2004) exemplarisch gezeigt, welche Bedeutung ein groß angelegter Literaturwettbewerb sowohl für den Autor/die Autorin als auch für den Literaturbetrieb insgesamt haben kann.

    Carolina Schutti, geboren in Innsbruck, promovierte in Innsbruck mit einer Arbeit über Bibelbezüge in Elias Canettis Blendung, ist derzeit Universitätslektorin in Florenz. Forschungsschwerpunkte sind die Literatur des 20./21. Jahrhunderts, Intertextualität, Literaturkritik, Literatur im Umfeld anderer Disziplinen und neue Literatur aus Tirol.

      Die literarische Saison beginnt!

      Ort: KulturGastHaus Bierstindl

      Spätsommer-Brunch im Gastgarten

      Mit Kurzlesungen von Hans Aschenwald, Regina Hilber, Lina Hofstädter, Stefanie Holzer, C. H. Huber, Magdalena Kauz, Markus Köhle, Otto Licha, Irene Prugger, Thomas Schafferer, Helmut Schiestl - Eine Veranstaltung von KulturGastHaus Bierstindl & Literaturhaus am Inn

        Dževad Karahasan

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Christa Kofler

        Der nächtliche Rat (Insel 2006)

        Der nächtliche Rat ist ein vielstimmiges Buch. Es ist Kriminalroman, theologischer und kulturhistorischer Essay in einem. Vor dem Hintergrund der jüngsten Zeitgeschichte erzählt Dževad Karahasan die Geschichte eines Mannes, der sich seiner Herkunft vergewissern will und mit dem heraufziehenden Krieg konfrontiert wird. Simon Mihailoviç, Arzt in Berlin, kehrt nach einem Vierteljahrhundert in seine Heimatstadt Foča zurück. Es ist Ende August 1991, Gewalt, Angst, Fanatismus, nationalistischer Wahn vergiften die Atmosphäre, in der die ethnischen Spannungen in Hass umzuschlagen beginnen. Simon liegt jedoch nichts ferner als sich an den kommenden Schlachten zu beteiligen. Er begibt sich mit seinem Freund Enver, einem Sufi-Mönch, in den Barzakh, das unterirdische Zwischenreich, wo sich die Seelen der seit Jahrhunderten Ermordeten versammeln, um die große Kette der Gewalt zu durchtrennen.

          Barbara Hundegger

          Ort: Literaturhaus

          rom sehen und (Skarabaeus)

          In ihrem Gedichtzyklus rom sehen und gelingt Barbara Hundegger eine atmosphärisch dichte und facettenreiche literarische Auseinandersetzung mit den Ereignissen, in die sie während ihres Romaufenthalts im April 2005 nur aus Zufall geraten war: mit dem Tod von Papst Johannes Paul II und der nachfolgenden Inszenierung durch die Medien. In einer Art "Gedicht-Bericht", der sich aus Stimmungen wie aus Fakten speist, kontrastiert sie vor Ort gesammelte Medienzitate und Schlagzeilen mit realen Impressionen, Gegebenheiten, persönlichen Schauplätzen. Sie filtert das Gewirr der Zeitungsstimmen, konzentriert es und verwebt es mit ihrer ganz eigenen lyrischen Stimme zu einer eindrücklichen Textur, deren Spannung neben der Sprache auch daraus entsteht, was hier nebeneinander zu stehen kommt: Kardinalsroben und Beziehungsfragen, Hubschrauberkreise und Scheinwerfermeere, Frauenliebe, Männerbastionen, Medienirrsinn und innere Frachten.

            Christian Steinbacher

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Christoph W. Bauer

            Zwirbeln, was es hält (Haymon)

            Poesie liegt nicht im Besonderen des Welt-Details, sondern im besonderen Blick darauf, sagt Christian Steinbacher. Wie in seinen bisherigen Publikationen setzt er auch in seinem neuen Gedichtband die ganze Palette des poetischen Handwerkszeugs ein, versucht dabei immer wieder neue Formen zu entwickeln. Neben den leichtfüßigen Flecken und Flocken zu Beginn finden sich versponnene Künststücke ebenso wie Gedichte, die zugleich freundlich gesonnene Persiflagen auf Kollegen wie etwa Paul Wühr oder Oskar Pastior sind.

              Lange Nacht der Museen

              Ort: Literaturhaus

              * 18 Uhr
              Eröffnung der Ausstellung "Schätze aus dem Brenner-Archiv"

              * 21 Uhr
              Begrüßung: Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Tilmann Märk

              Präsentation des "Blauen Buches" von Erich Kästner

              * 22 Uhr
              Günter Gräfenberg liest Texte von Erich Kästner

              Anschließend: Führung durch das Brenner-Archiv

              Dazwischen, davor und danach:
              Herbstbuffet - Wein, Brot und Früchte, Bücher-Verkauf

              Erich Kästner (1899-1974) blieb nach 1933 in Deutschland. Seine Bücher wurden verbrannt, unter seinem eigenen Namen konnte er nicht mehr veröffentlichen. Als Zeitzeuge füllte er heimlich ein blaues Buch mit stenografischen Aufzeichnungen. Dieses Tagebuch, das sich in seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach fand, wurde jetzt zum ersten Mal veröffentlicht. Kästner berichtet darin vom Wahnwitz des Berliner Alltags im Krieg, von Bombennächten, Gerüchten und Flüsterwitzen, vom Schicksal und Verhalten der großen und kleinen Täter und Opfer.

              Im März 1945 nahm Kästner das Blaue Buch mit nach Mayrhofen. Er gehörte zu einer Filmgruppe der Ufa, die sich unter dem Vorwand, einen Film für den Endsieg zu produzieren, ins Zillertal zurückgezogen hatte. Hier erlebte er das Ende des Krieges. Seinen geplanten Roman über das Dritte Reich, für den er im Blauen Buch Stoff sammelte, hat Kästner nicht vollendet. Notizen aus dem Nachlass geben erstmals eine Vorstellung von diesem groß angelegten Projekt.

              Die Herausgeber Silke Becker und Ulrich von Bülow stellen das Blaue Buch (Marbacher Magazin 2006) von Erich Kästner vor .

                Schritte über Grenzen

                Ort: Literaturhaus

                Die Autoren Semier Insayif und Farhad Showgi im Gespräch mit dem Psychoanalytiker Herbert Bickel. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Psychoanalyse Innsbruck

                " Wertvolle Bundesgenossen sind aber die Dichter, und ihr Zeugnis ist hoch anzuschlagen, denn sie pflegen eine Menge von Dingen zwischen Himmel und Erde zu wissen, von denen sich unsere Schulweisheit noch nichts träumen läßt. In der Seelenkunde gar sind sie uns Alltagsmenschen weit voraus, weil sie da aus Quellen schöpfen, welche wir noch nicht für die Wissenschaft erschlossen haben." Die Feststellung von Sigmund Freud aus seiner Schrift "Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva" enthält in Text und Subtext folgende Argumentation: Dichter erkennen eine Dimension des Realen, die sich wissenschaftlicher Wahrnehmung entzieht. Sie verfügen über ein Verständnis des Menschen, das gewohntes Wissen übertrifft und nützen einen Zugang zu Erkenntnis, den reguläre Forschung versagt. Auf einen einzigen Punkt gebracht: Dichter besitzen ein heuristisches Gespür, das ihnen einen privilegierten Aufenthalt im verborgenen Land des Unbewussten gewährt.
                Das Gespräch ist einem ersten Vergleich der dichterischen und der psychoanalytischen Forschungs- und Darstellungsmethode gewidmet.

                  Thomas Glavinic

                  Ort: Literaturhaus

                  Die Arbeit der Nacht (Hanser)

                  Thomas Glavinic, der mit seinem Kriminalroman Der Kameramörder2004 erster Autor der Aktion "Innsbruck liest" war, liest aus seinem neuen Roman Die Arbeit der Nacht. Jonas ist allein. Zuerst ist es nur eine kleine Irritation, als die Zeitung nicht vor der Tür liegt und Fernseher und Radio nur Rauschen von sich geben. Dann jedoch wird Jonas klar, dass seine Stadt, Wien, menschenleer ist. Ist er der einzige Überlebende einer Katastrophe? Sind die Menschen geflüchtet? Wenn ja, wovor? Jonas beginnt zu suchen. Er durchstreift die Stadt, die Läden, die Wohnungen und bricht schließlich mit einem Truck auf, um nach Spuren der Menschen zu suchen. Mit wachsender Spannung erzählt Thomas Glavinic davon, was Menschsein heißt, wenn es keine Menschen mehr gibt.

                    Texte in Szene

                    Ort: Literaturhaus

                    Schüler der Schauspielschule Sachers spielen Toni Bernhart

                    Judith Blank, Thomas Rizzoli, Philip Rudig, Marco Schaaf, Lukas Zolgar, Schüler von Walter Sachers, spielen ausgewählte Szenen aus Stücken von Toni Bernhart.

                    Seit mittlerweile zehn Jahren verfolgt die Schauspielschule Sachers (ehemals Schauspielforum Tirol) im Kulturgasthaus Bierstindl das ehrgeizige Ziel, junge Talente in der Kunst der Darstellung zu unterrichten und ist damit die einzige Ausbildungsstätte für den darstellerischen Bereich in Westösterreich. Nicht zuletzt geht es im Unterricht um die Schulung der Fähigkeit, das Denken, die Wahrnehmung, die Gefühle und die Fantasie von sich aus in Gang zu setzen.

                    Walter Sachers, gebürtiger Innsbrucker, erhielt seine Schauspielausbildung bei Lee Strasberg in New York. Seine Engagements führten ihn an das Stadttheater Würzburg, die Städtischen Bühnen Regensburg, zu den Wiener Festwochen etc. Er wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, u.a. Verkaufte Heimat, Zug um Zug, Tatort. Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater und seit 1994 gemeinsam mit Lore Mühlberger in der Leitung der Schauspielschule.

                    "Toni Bernharts Theaterstücke sind Texte, hinter deren stiller Oberfläche die Wirklichkeit in grellen und komischen, zärtlichen und düsteren Tönen schimmert." ( Martinisommer, Skarabaeus 2005). Toni Bernhart, 1971 in Südtirol geboren, Germanist und Schriftsteller, lebt in Berlin.