Veranstaltungen 2007

Evelyn Schlag

Ort: Literaturhaus

Moderation: Carolina Schutti

Architektur einer Liebe (Zsolnay 2006)

Die erfolgreiche Architektin Vittoria Monti begegnet in der St. Petersburger Eremitage einem Mann. Eine Beziehung entsteht, die bisher verborgene Wünsche nach Nähe, Vertrautheit und Intimität offen legt. Die Architektur ist in diesem Buch nicht nur "Milieu", auf das es zwar zahlreiche Seitenhiebe gibt, sondern vielmehr die Metapher für die Liebe zwischen diesen beiden Menschen.

"Nicht die Dramatik äußerer Ereignisse konstituiert diesen Roman, sondern die Sprache, die er für Beziehungen, Welt- und Körperwahrnehmungen findet. [...] Kein behagliches Erzählen strömt hier dahin in vorgefertigten Sätzen, keine langen Beschreibungen - es sind immer wieder kurze Erinnerungsfragmente und aufblitzende Empfindungen, die in sehr individuellen Sätzen Gestalt werden."(Cornelius Hell, Ex libris, ORF)

    Sylvia Ainetter — Weblog

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Stefan Neuhaus, Gabriele Wild

    Blogs - Literarische Aspekte eines neuen Mediums. Eine Analyse am Beispiel des Weblogs Miagolare (2006)
    Mit Lesungen von Stefan Abermann, Martin Fritz, Thomas Schafferer und einigen Überraschungsgästen aus der jungen Tiroler Literaturszene.

    Weblogs, oft auch salopp als "Internettagebücher" bezeichnet, dienen immer mehr Literaten zur Publikation ihrer Texte. Gewöhnliche und ungewöhnliche Alltagsgeschichten, träumerische Befindlichkeitsskizzen, gesellschaftskritische Essays, aber auch philo sophische Reflexionen -Weblogs spiegeln die individuelle Realität aller (un-)denkbaren Ebenen wider. Mit den Mitteln moderner Technik, die mehr als hypermediale Internetauftritte ermöglicht, erschufen sich Blogger Paralleluniversen mit teils hohem künstlerischen Wert. Ebenso spontan und unkonventionell wie dieses Medium ist die Buchpräsentation mit anschließender Lesung, bei der sich außergewöhnliche Internetliteraten zu Wort melden.

      Renate Welsh

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Anna Rottensteiner

      Die schöne Aussicht (Dtv 2005)

      Den Geschichten hinter den Geschichten aufspüren, hinter DER Geschichte - das ist wohl einer der innigsten Ansprüche im Schreiben von Renate Welsh, sei es in ihren Büchern für Kinder, für Jugendliche oder Erwachsene. In Die schöne Aussicht ist es die Lebensgeschichte einer Frau im 20. Jahrhundert, die in der Zeit des Zweiten Weltkriegs beginnt und bis in die Gegenwart heraufführt. "Unaufdringlich" wird erzählt, der Fokus ist eingestellt auf das Leben dieser Frau, nicht auf die Zeitläufe - bestimmen diese doch unweigerlich das Leben. Drei Jahre davor erscheint Dieda oder Das fremde Kind und erzählt die Geschichte eines Kindes in Kriegszeiten. Zuordnungen wie "Literatur für Erwachsene"oder "Literatur für Kinder"verschwimmen angesichts der Intensität des Erzählten.

        Josef Winkler

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Carolina Schutti

        Lesung aus Texten quer durch die Zeit

        Beginnend mit seinem Roman Menschenkind, erschienen 1979, verfasste Josef Winkler ein umfangreiches Werk, zuletzt Natura morta. Eine römische Novelle (2001) und das Reisejournal Indien (2006). Zahlreich sind die Literaturpreise und Stipendien, die Winkler seit 1979 beinahe im Jahresrhythmus erhalten hat, darunter der Alfred-Döblin-Preis 2001, der Premio Lateral für ausländische Autoren 2005 und der Franz-Nabl-Preis, der Literaturpreis der Stadt Graz 2006.
        Was macht den Erfolg und den Reiz eines Schriftstellers aus, der so anders erzählt als andere, in dessen Texten "alles aus Bildern" besteht, "die in Fluß kommen, die in Fluß gebracht werden, die sich verzweigen und die sich irgendwo auch wiederfinden"? Ein Angelpunkt von Winklers Schreiben ist die autobiographisch geprägte Todeserfahrung; das genaue Hinschauen und das präzise Übersetzen von Bildern in Sprache ist bestimmend für sein Werk. Die Entwicklung seines Schreibens über mehr als drei Jahrzehnte, Einflüsse anderer Autoren (vor allem französischer Existentialisten) und Winklers besondere Verwendung von Leitmotiven und Leitsätzen sind nur einige der Themen, die an diesem Lese- und Diskussionsabend Beachtung finden werden.

          Hugo von Hofmannsthal

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Alfred Doppler

          Hugo von Hofmannsthal beschreibt in seinen Dichtungen das Lebensklima der zu Ende gehenden österreichisch-ungarischen Monarchie. In seinen Gedichten lebt noch einmal der Klangzauber der Romantik auf, zugleich aber auch die Skepsis gegenüber den Mitteilungsmöglichkeiten der Sprache. Diese Sprachskepsis lenkte Hofmannsthals Aufmerksamkeit auf Ausdrucksmöglichkeiten, die der Sprache nicht bedürfen, wie wortloses Handeln, Pantomime, Tanz und Musik. In seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Richard Strauss war es ihm ein Anliegen, eine innige Verbindung von Sprache und Musik zu verwirklichen. Es soll gezeigt werden, wie literarische Tradition in der Gegenwart weiterwirkt und alte ungelöste Fragen des menschlichen Zusammenlebens an die Zukunft weiterreicht.
          Alfred Doppler, geboren 1921, war u.a. von 1971-1991 als Professor für österreichische Literatur an der Universität Innsbruck tätig. Bücher: u.a. Die Lyrik Georg Trakls (2001); Geschichte im Spiegel der Literatur (1992); Der Abgrund des Ichs (1985); Herausgeber der Historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters.

            Christoph W. Aigner

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Erika Wimmer

            Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk (DVA 2006)


            Christoph W. Aigners Roman spielt im Jahre 1971 in einer österreichischen Provinzstadt: Der siebzehnjährige Johann Nepomuk Müller steht mit beiden Beinen fest im Leben. Er ist ein Riesenfußballtalent und hat gelernt, für sich selbst zu sorgen. Vom prügelnden Vater, der Frau und Sohn verlassen hat, hat er nichts zu erwarten, von der aus der Bahn geworfenen Mutter außer Vorwürfen und Geldforderungen auch nichts. Der Besuch des Gymnasiums ist für ihn ein Luxus, den er sich durch Gelegenheitsjobs verdienen muss. Als er nach dem Abendtraining Zeuge einer versuchten Vergewaltigung hinter dem Stadion wird, schlägt er die Täter in die Flucht. Sein Leben, das bisher bloß von Gewalt geprägt war, nimmt eine unerhörte Wendung, durch Mariella eröffnet sich eine ihm bislang unbekannte Welt.

              Angelika Reitzer und Gabriele Petricek

              Ort: Literaturhaus

              [Neuerscheinungen]

              Angelika Reitzers Roman-Debüt Taghelle Gegend (Haymon 2007) handelt vom Erwachsenwerden einer jungen Frau: Sprachlich ebenso präzis wie poetisch, verdichtet sich in Rückblenden, Episoden und Momentaufnahmen das Bild einer jungen Frau, die ihr Leben anprobiert wie die Kleider, die sie näht. Sie möchte endlich ihren Platz finden in diesem Geflecht aus vorübergehenden Lieben und Jobs, aus familiären Spuren, flüchtigen Begegnungen - in eine eigene, selbstbestimmte Zukunft.

              Gabriele Petricek durchschreitet in ihrem Erzählband Zimmerfluchten (Literaturedition Niederoesterreich 2005) gelebte und erinnerte Räume. Sie erzählt mit verblüffender Präzision von Menschen, Einzelgängern, Fremdgängern und Außenstehenden, deren Leben sie in die Ungewissheit der Existenz entlässt. Den Figuren ist ein Zug von Tragik, Ernsthaftigkeit und von elegantem Witz eingeschrieben.

                Barbara Frischmuth

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: Johann Holzner

                Kann der Glauben Berge versetzen? Und wenn ja, wie hoch dürfen sie sein? Gedanken zum gegenwärtigen Erscheinungsbild des Islam

                Raymund-Schwager - Innsbrucker Religionspolitologische Vorlesungen

                "Wo das Vorurteil ungerührt seine starren Welt- und Sinnordnungen etabliert, weiß es Barbara Frischmuth nicht aus Besserwisserei besser, sondern weil sie ihr Wissen offen hält und so auch dem vermeintlichen 'Unsinn' des Fremden, seiner andersartigen Logik, Geltung verschafft." (Gerhard Melzer)

                Immer wieder hat die Autorin ihre Stimme erhoben, wenn statt Verständigung und Toleranz Terroranschläge oder Kriege die interkulturellen Beziehungen beherrschten. Beharrlich wie nur wenige andere steht Frischmuth für eine Offenheit, eine aktive Suche nach dem Anderen, dem (noch) Fremden, für das Verständnis zwischen Religionen, Kulturen und Literaturen.

                Barbara Frischmuth hat 2006 den "Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" erhalten.

                 

                  Kevin Vennemann

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Ekkehard Hey-Ehrl

                  Nahe Jedenew und Mara Kogoj

                  Kevin Vennemanns Romandebüt Nahe Jedenew (Suhrkamp 2006), eine radikale literarische Annäherung an ein antijüdisches Pogrom, wurde als "die schönste traurige Geschichte" (Die Zeit) gefeiert, als "der beste literarische Text, der in den letzten Jahren von einem unter Dreißigjährigen erschienen ist" (Süddeutsche Zeitung). Jedenew -, das ist ein Kindheitsort und ein gedachtes, vielleicht polnisches Dorf, in dem mit einem Schlag die funktionierende Zweckgemeinschaft zwischen Juden und Katholiken zerschlagen wird. Versteckt in ihrem Baumhaus, beobachten zwei Zwillingsschwestern die Zerstörung ihres Weilers und durchleben gleichzeitig die letzten Augenblicke der Kindheit wie im Zeitraffer. Ihre Flucht gerät zu einer Flucht vor dem Ende der Vergangenheit.

                  Kevin Vennemanns zweiter Roman Mara Kogoj (ebenfalls Suhrkamp) setzt da an, wo der erste aufgehört hat: Wie und mit welchen Folgen wird Geschichte interpretiert, verdrängt, erinnert oder vergessen?

                    Josef Haslinger

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Carolina Schutti

                    Lesung aus Texten der letzten 10 Jahre

                    Sprachreflexives Schreiben und lakonisches, präzises Erzählen, an den Linien der Zeitgeschichte, der Gegenwart Österreichs und der eigenen Geschichte entlang: Josef Haslinger zählt zu jenen Autoren und Autorinnen der österreichischen Gegenwartsliteratur, in deren Werk sich beides findet. Am Abend wird der Autor aus seinem Erzählband Zugvögel (Fischer 2006) sowie ältere Texte lesen.

                      Kritik der Gegenwart. Søren Kierkegaard seinerzeit und heute

                      Ort: Parkhotel Hall und Kleiner Kurhaussaal

                      10.00 Uhr: Eröffnung/Begrüßung

                      10.15 - 12.00 Uhr, Parkhotel Saal 1-2

                      Gesprächsmatinee:
                      Kierkegaard und seine Zeit - Philosophie, Kunst, Musik

                      Teilnehmer/Statements:
                      Jörgen Iversen Jensen (Kopenhagen),
                      Anders Munch (Odense),
                      Rainer Thurnher (Innsbruck)

                      Moderation: Allan Janik (Innsbruck, Boston)

                      12.00 - 16.00 Uhr, Parkhotel Saal 1-2

                      Nachmittagsgespräch: Kierkegaards Kritik der Gegenwart - eine Schrift für unsere Zeit?

                      Teilnehmer/Statements:
                      Jörgen Iversen Jensen (Kopenhagen) , Anders Munch (Odense),
                      Walter Methlagl (Hall),
                      Rainer Thurnher (Innsbruck) - Moderation: Allan Janik (Innsbruck, Boston)

                      16.30 - 18.00 Uhr, Kleiner Kurhaussaal

                      Lesung und Buchpräsentation - Steen Steensen Blicher: Der Himmelberg 12 Erzählungen (Libelle Verlag)

                      Einführung und zweisprachige Lesung mit den Übersetzern Inger und Walter Methlagl Überraschungsgäste!

                      Feier zum 70. Geburtstag Walter Methlagls

                      20.30 Uhr, Kleiner Kurhaussaal: Dänische Reise

                      Erik Kaltoft (Kopenhagen) spielt Werke von Josef Matthias Hauer, Per Nörgaard, Carl Nielsen und Rued Langgaard.

                      Mit einer Einführung von Jörgen Iversen Jensen

                       

                      Eine Veranstaltung von:
                      Brenner-Forum
                      Forschungsinstitut Brenner-Archiv
                      Literaturhaus am Inn

                      Gefördert von:
                      Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
                      Land Tirol
                      Stadt Hall
                      Stadt Innsbruck

                        Juri Andruchowytsch

                        Ort: Literaturhaus

                        Moderation: Christine Engel

                        liest aus seinem Roman Zwölf Ringe sowie Essays

                        Mit seinen drei Romanen Rekreacij (1992), Moskoviada (1993), Perverzija (1999), die ins Polnische und Russische übersetzt wurden, ist er zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur geworden. 2000 erschien in Polen Mein Europa (mit Andrzej Stasiuk), Ergebnis einer gemeinsamen Reise durch den unbekannten europäischen Osten.
                        Während er im 2006 auf deutsch erschienenen Roman Moscoviada (Suhrkamp) radikal mit der Sowjetunion kurz vor deren Verfall abrechnet, entwirft er in Zwölf Ringe ein Kaleidoskop der ukrainischen Gesellschaft im Transit. "Das Buch ist gesättigt mit Details der ukrainischen Gegenwart, ein Karneval der Lebenden mit den Untoten, magischer Realismus, ein großer postmoderner Jux." (Wolfgang Schneider)
                        In seinen Essaybänden Das letzte Territorium (2003) und Mein Europa (2004, Suhrkamp) plädiert er, erfrischend im Ton, farbig im Detail und voller Ironie, für eine Neu-Definition, eine geographische und gedankliche Erweiterung von "Europa".

                          Frankophone Impulse

                          Ort: Literaturhaus

                          Ein Leseabend mit den französisch-schreibenden Autoren und Autorinnen Marie-Célie Agnant, Fatou Diome, Abdourahmam A. Waberi und Andreï Makine

                          Lesungen auf französisch und deutsch
                          Lesung der deutschen Texte: Doris Eibl, Barbara Hundegger, Irene Prugger, Erika Wimmer

                          Jedes Jahr wird am 20. März weltweit der Internationale Tag der Frankophonie gefeiert. 710 Millionen Menschen, 63 Staaten und Regierungen gehören der internationalen Organisation (Organisation internationale de la Francophonie - OIF) an.
                          Am 26. März teilen vier berühmte Autoren aus drei Kontinenten ihre literarische Welt mit dem Publikum in Innsbruck im Literaturhaus am Inn. Am 27. März debattieren sie um 18 Uhr in der Claudiana/Universität Innsbruck zum Thema Frankophone Impulse: zeitgenössisches Schreiben in französischer Sprache.

                          Eine Veranstaltung des Französischen Kulturinstituts in Kooperation mit Kanada-Zentrum, Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck und Literaturhaus am Inn

                            Anna Mitgutsch

                            Ort: Literaturhaus

                            Moderation: Wolfgang Hackl

                            Zwei Leben und ein Tag (Luchterhand 2007)

                            Nach einem Nomadenleben in Amerika, Südostasien und Osteuropa haben sie sich getrennt: Edith und Leonard, zwei Menschen, die nicht wieder zusammen finden und nicht voneinander lassen können. Was sie verbindet, ist ihr Sohn Gabriel und die Frage, was diesem in seiner Kindheit zugestoßen ist und ihn zum Außenseiter gemacht hat. In langen Briefen an den Ex-Mann, die sie freilich nie abschicken wird, versucht sich Edith noch einmal über ihr Leben und ihr Schicksal Klarheit zu verschaffen und darüber, woran ihre Liebe zerbrach - und ihr Glück. In diesen Briefen denkt Edith aber auch über den großen Exzentriker der amerikanischen Literatur, Herman Melville, nach, für den sie und Leonard sich früh schon so rauschhaft begeistert hatten, dass sie gemeinsam ein Buch über das Leben des geheimnisvollen Außenseiters und sein Werk schreiben wollten - den unbehausten Reisenden, dessen Schicksal ihnen oft wie ein Schlüssel für ihr eigenes Leben vorgekommen war, für das Anderssein ihres Sohnes, für Gabriels Scheitern an der Welt. (Verlag)

                              Anne Marie Pircher und Christine Pitzke

                              Ort: Literaturhaus

                              Anne Marie Pircher liest aus ihrem neuen Erzählband Rosenquarz (Skarabaeus 2007): Nicht auf der Suche nach spektakulären Höhepunkten, sondern den Blick auf die schlichten Details gerichtet, begleitet die Autorin ihre Figuren, wandert mit ihnen an der Grat-schneide entlang, die den Alltag vom Phantastischen und Surrealen trennt, und erzählt ihre Geschichten, in denen immer wieder die Magie aufblitzt, die sich in der Realität versteckt. (Verlag)

                              Christine Pitzke liest aus ihrem neuen Roman Nächste Nähe, weit entfernt (Jung und Jung 2007). "Früher ist Karoline jedes Jahr umgezogen, damit Hausrat erst gar nicht zustande kam, Hausrat oder Verdruß ... jetzt will Karoline bleiben." Zusammen mit Mann und Tochter. Doch wieviel Wachheit, Phantasie muss man aufbringen, täglich, damit Zuneigung, Nähe nicht einfach weggleiten, dass der gemeinsame Entwurf nicht schadhaft wird? Und natürlich braucht es dafür den Weg über die Welt. Der Roman ist ein Versuch, dem, was man leichthin Beschädigung des Humanen nennt, entgegenzutreten, unbeugsam zu sein der Zerstörung gegenüber und ein Dach zu errichten aus fragilen, kühn sich emporschwingenden Sätzen, unter dem es sich sein lässt. (Verlag)

                                Ludwig Laher

                                Ort: Literaturhaus

                                Moderation: Matthias Part

                                Und nehmen was kommt (Haymon 2007)

                                Ohne falsche Sentimentalität und hart an der Wirklichkeit erzählt Ludwig Laher von einer jungen Frau aus einer ostslowakischen Roma-Familie: Mit Selbstbestimmtheit hat der Lebensweg von Monika nichts zu tun - ihrer an sich starken Persönlichkeit fehlen Bildung und der Rückhalt, sich in der Welt zurechtfinden zu können. Kampf, Flucht und Angst bestimmen ihre Entwicklung. Ausgenützt, hintergangen und gedemütigt scheint ihr Weg am Strich und in Clubs an der Grenze Tschechiens zu Deutschland und Österreich vorgezeichnet. Ludwig Laher konzentriert sich in seinem Roman auf die Entwicklung dieser Frau, die er ebenso präzise wie beklemmend erzählt. Dennoch ist das Buch gleichzeitig ein messerscharfer Befund über gesellschaftliche Zustände mitten in Europa, jenseits moralisierender Anklage, aber auch jenseits der öden Beschwörungs-formel, es gälte vor allem, die Eigenver-antwortung des Individuums zu stärken, während gleichzeitig unter immer mehr Menschen der Boden wegbricht.

                                  Lange Nacht der Innsbrucker Literatur

                                  Die INNSEITS-AutorInnen lesen Lyrik und Prosa

                                  17 Uhr, Kunstpavillon, Rennweg 8a:
                                  Hans Aschenwald, Angela Jursitzka, Julia Rhomberg.
                                  Moderation: Gabi Wild

                                  18.30 Uhr, Claudiana - Claudiasaal, Herzog-Friedrich-Straße 3/2. Stock:
                                  Hans Augustin, Čenet Weisz, Regina Hilber, Barbara Hundegger.
                                  Moderation: Christina Krenmayr

                                  19.30 Uhr, Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Badgasse 2:
                                  Erika Wimmer, Thomas Schafferer, Günther Loewit, Aurelia Seidl-Todt.
                                  Moderation: Robert Renk

                                  21.30 Uhr, Literaturhaus am Inn, Josef-Hirnstraße 5/10. Stock:
                                  Stefan Abermann, C.H.Huber, Helmut Schiestl, Kerstin I. Mayr.
                                  Moderation: Anna Rottensteiner

                                    H.C. Artmann in einem Porträt

                                    Ort: Literaturhaus

                                    Moderation: Raoul Schrott

                                    Den Alltag in Poesie zu verwandeln, ist Programm genug, eine stille und nie je abgeschlossene Revolution. [...] Ein Handwerker der Worte, nichts anderes ist ein Poet, schon von seiner altgriechischen Ethymologie her; allein er vermag uns aus allem Vorgefundenen eine Welt zu bauen. [...] Die Art, wie Artmann zugange geht, war mir selbst von Anfang an die liebste, kein anderer Zauber kam dem gleich, nichts inspirierte so wie diese Demiurgie (als erhabenste Industrie), die fingerschnippend eins um das andere um einen herum verwandelt. Sie arbeitete nicht mit der Sprache, sondern in ihr, aus ihr; sie schuf 'imaginäre paysagen, landschaften, die die worte selbst schaffen oder die durch die worte neu erstellt werden' - weil diese Art von Dichtern ihnen keine Szenographie aufdrückte, sondern der Sprache die Regie überließ."
                                    So Raoul Schrott über H.C. Artmann in seinem Nachwort der Neuausgabe von Artmanns fleiß und industrie (Jung und Jung 2000). Schrott und Artmann verband über poetologische Affinitäten hinaus eine gegenseitige Wertschätzung und Freundschaft.

                                    H.C. Artmann (1921-2000) war eine zentrale Figur der österreichischen Literatur nach 1945. Sein Werk hat bis heute nichts von seiner Faszination und Ausstrahlungskraft verloren.

                                      Felicitas Hoppe Poetik-Vorlesung

                                      Ort: Literaturhaus

                                      Geistesgegenwart

                                      "GEISTESGEGENWART, sagt mein alter Brockhaus, sei Besonnenheit und rasche Entschlusskraft. Und ich füge hinzu, sie meint weder Zeitgeist noch Zeitgenossenschaft, sondern jene seltene Wachheit, die uns instand setzt, alles, was uns betrifft, sei es nun Teil der Gegenwart, der Vergangenheit oder der Zukunft, miteinander in ein produktives Verhältnis zu setzen." (Felicitas Hoppe)

                                      Und wie geht das in der Literatur? Felicitas Hoppe spricht über Geister der Gegenwart und der Vergangenheit, über die Unmöglichkeit des Historischen Romans und über den zweifelhaften Begriff der Gegenwartsliteratur. Und nicht zuletzt über den großen Wunsch zu handeln und das Eingesperrtsein im Erzählen darüber. Die Autorin hält sich im Mai als Writer in Residence auf Einladung der Philologisch Kulturwissenschaftlichen Fakultät der
                                      Leopold-Franzens-Universität und der Stadt in Innsbruck auf. Näheres zu den weiteren Veranstaltungen mit Felicitas Hoppe finden Sie unter: www.uibk.ac.at/writer-in-residence

                                      Eine Veranstaltung im Rahmen der Tagung
                                      "Felicitas Hoppe im Kontext der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur"
                                      vom 22. bis 24. Mai, durchgeführt vom Innsbrucker Zeitungsarchiv www.uibk.ac.at/iza

                                        Manfred Schullian

                                        Ort: Literaturhaus

                                        Moderation: Birgit Holzner

                                        Die Essenz der getrockneten Tomate

                                        Die Essenz der getrockneten Tomate (Raetia 2007) vereinigt drei Erzählungen: Die kurzatmige Liebeserklärung eines zweitrangigen Orchestermusikers und skurrilen Einzelgängers, der den größeren Teil seines Lebens schon hinter sich hat, es nun noch einmal Revue passieren lässt und sich dabei mit den großen Fragen des Lebens beschäftigt. Die Satire Der Fluch der Rosinen, die anhand zweier Schicksale vom Unheil, das von einer Traube ausgehen kann, erzählt und sich entschieden gegen den Siegeszug der Rosinen stellt, die sich in verschiedensten Formen und Größen, doch immer mit derselben fatalen Wirkung auf der gesamten Welt durchsetzten und sich als angebliche Verfeinerer von Speisen zu behaupten wussten. Und Des Küsters Schuppen, eine der Phantasie des Lebens entsprungene Karikatur der kleinbürgerlichen Gesellschaft der Provinz, in der sich ein unerhörter Kriminalfall zusammenbraut und das Gefüge des Kleinstadtmilieus zum Wanken bringt.

                                          Peter Landerl und Georg Pichler

                                          Ort: Literaturhaus

                                          Moderation: Bernhard Sandbichler

                                          Peter Landerl liest aus seinem Roman Dunkle Gestalten (Bibliothek der Provinz 2007). Um seinen sterbenden Onkel, die einzige Bezugsperson seiner Kindheit, noch einmal zu sehen, kehrt der Ich-Erzähler Jakob vorübergehend nach Oberösterreich zurück. Ein Zeitungsausschnitt bringt ihn auf die Geschichte des mehrfachen Vergewaltigers und Mörders Engleder, der zwischen 1951 und 1957 in der Gegend von Steyr und Sierning als "Mörder mit dem Maurerfäustel" berüchtigt war. "Ein verstörendes Porträt der österreichischen Nachkriegsgesellschaft in dunklen Grautönen" (Georg Renöckl, Literaturhaus Wien)

                                          Georg Pichler liest aus der Erzählung Alle heiligen Zeiten, die 2004 bei Suhrkamp erschienen ist und zu der Peter Handke ein Nachwort geschrieben hat. An einem Frühjahrsvormittag im Jahr 1945 trifft Robert Flusser mit seiner Frau Vera in einem ausrangierten Waggon der Kroatischen Eisenbahn im Grazer Hauptbahnhof ein. In der Stadt Fohnsdorf im obersteirischen Aichfeld finden sie Zuflucht vor den Tragödien, die sich in den letzten Tagen des
                                          Zweiten Weltkriegs in ihrem Heimatort Racinovci ereignen. Flusser findet Arbeit, aber keine Heimat. Georg Pilcher erzählt von einem betrogenen Leben, einem exemplarischen Flüchtlingsschicksal, vom Leidensweg eines Entwurzelten, über den das Schicksal gleichgültig hinweggeht, und der Tristesse eines Lebens, wie sie in der sterbenden Industrieregion Obersteiermark tief in die Gegenwart reicht, ungelöst und in dieser Deutlichkeit bisher noch unbeschrieben.

                                            Klaus Hoffer und Alfred Kolleritsch

                                            Ort: Literaturhaus

                                            Moderation: Sigurd Paul Scheichl

                                            Mit Alfred Kolleritsch und Klaus Hoffer sind zwei der Großen der österreichischen Literatur steirischer Herkunft zu Gast im Literaturhaus.

                                              In welcher Sprache träumen Sie? Österreichische Lyrik des Exils und des Widerstands

                                              Ort: Literaturhaus

                                              Buchpräsentation mit den Herausgebern Konstantin Kaiser und Daniela Strigl.
                                              Hans Augustin und Johann Holzner lesen aus der Anthologie

                                              Über 50 Jahre nach der bisher einzigen Lyriksammlung des österreichischen Exils, Dein Herz ist deine Heimat(Wien 1955), erscheint eine neue große Anthologie des Exils, der Verfolgung, des Widerstands und der inneren Emigration und stellt 278 Lyrikerinnen und Lyriker mit markanten Werkproben und in Kurzbiographien vor.
                                              Die Lyrik ist die zentrale literarische Gattung des Exils: als Überlebenshilfe in einer bedrückenden Außenwelt, als Möglichkeit des genauen und doch unmittelbaren Ausdrucks, als Behauptung der eigenen Persönlichkeit ... Das Exil war 1945 und auch 1955 nicht zu Ende, und so sind seitdem viele
                                              Autorinnen und Autoren neu hervorgetreten oder überhaupt erst mit ihren bereits vor 1955 entstandenen lyrischen Werken bekannt geworden, so z.B. Alfredo Bauer, Ruth Klüger, Trude Krakauer, Anna Krommer, Felix Pollak, Stella Rotenberg oder Jaffa Zins.

                                              Konstantin Kaiser, seit 1983 freier Schriftsteller und
                                              Literaturwissenschaftler in Wien. Spezialgebiet: Erforschung der österreichischen Exilliteratur. Veröffentlichte Essays, Gedichte und Prosa.
                                              Mitherausgeber der Zeitschrift Zwischenwelt und der Buchreihe Antifaschistische Literatur und Exilliteratur - Studien und Texte.
                                              Mitverfasser des Lexikons der österreichischen Exilliteratur (Deuticke, 2000).

                                              Daniela Strigl, Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Essayistin. Schrieb u.a. eine Monographie über die Lyrik Theodor Kramers und eine Biographie
                                              Marlen Haushofers, zuletzt Herausgeberin von Francisco Tanzer: Der Österreicher in mir (Edition Atelier 2006).

                                              Hans Augustin, Lyriker und Erzähler, Hörspielautor. Zuletzt erschienen: Fayum und andere Erzählungen. (Skarabaeus 2004), Weggelebte Zeit. Gedichte. (Skarabaeus 2001), Und wohnt mitten unter uns. Gedichte (Kyrene 2005). Für sein Romanprojekt Der im brennenden Dornbusch, eine sehr persönliche und vielschichtige Auseinandersetzung mit einer jüdischen Familiengeschichte, erhielt er das Literaturstipendium des Landes Tirol.

                                              Johann Holzner, Leiter des Brenner-Archivs. Zahlreiche wissenschaftliche Forschungen zur Literatur des Exils und des Widerstands, u.a. Eine
                                              schwierige Heimkehr. Österreichische Literatur im Exil 1938 bis 1945. Gemeinsam mit Sigurd Paul Scheichl und Wolfgang Wiesmüller (Innsbruck 1991), Literatur der Inneren Emigration aus Österreich. Gemeinsam mit Karl Müller (Wien 1998), sowie zahlreiche Aufsätze.

                                                10 Jahre Literaturhaus — das Fest

                                                Ort: Literaturhaus

                                                Feiern Sie mit uns!

                                                In unseren Räumen können Sie an diesem Abend multimedial auf 10 Jahre Literatur und mehr im 10. Stock zurückblicken.

                                                Barbara Aschenwald

                                                Christoph W. Bauer

                                                Franz Josef Czernin

                                                Marianne Gruber

                                                Martin Pichler

                                                Irene Prugger

                                                Erika Wimmer

                                                und weitere Überraschungsgäste

                                                lesen aus Büchern, die ihnen lieb und teuer sind.

                                                Freuen Sie sich außerdem auf eine Fotogalerie,
                                                Hörproben, eine Powerpoint-Präsentation mit Geschichte und Geschichten, Lesungen, Kulinarisches und mehr!

                                                  Ex ‑Libris — Bücher im Gespräch

                                                  Ort: Literaturhaus

                                                  Das Ö1-Bücherradio verlässt das Studio und zieht durch's Land. In den Literaturhäusern Österreichs diskutiert der Ex Libris-Moderator Gerhard Moser mit Gästen aus Kultur und Medien über aktuelle Neuerscheinungen, Trends und den Literaturbetrieb. Im Literaturhaus am Inn sind Brigitte Schwens-Harrant, Leiterin des Literaturressorts der Wochenzeitschrift Die Furche, Martin Sailer vom ORF Tirol & der Autor Walter Klier die Gesprächspartner.

                                                    Peter Handke in einem Porträt

                                                    Ort: Literaturhaus

                                                    Moderation: Peter Hamm, Erika Wimmer

                                                    Filmporträt Der schwermütige Spieler und Buchvorstellung Es leben die Illusionen. Gespräche in Chaville und anderswo (Wallstein).

                                                    Die Voraussetzungen für ein Gespräch zwischen Peter Handke und Peter Hamm sind geradezu ideal: Sie kennen einander über vierzig Jahre, sind seit langem eng befreundet. Hier treffen nicht einfach Autor und Kritiker (oder Literaturwissenschaftler) aufeinander, sondern beide Gesprächspartner sind Autoren, die in den 60er Jahren ihren Weg in die Literatur begannen und den Schaffensprozess von beiden Seiten kennen. Außerordentlich genau reflektieren sie in ihrer Arbeit die Bedingungen des Schreibens mit; Handke über das eigene Schreiben hinaus auch als Übersetzer und im Schreiben über andere Schriftsteller, Hamm wie kaum ein anderer als einfühlsamer und kenntnisreicher Journalist. Wenn Peter Hamm nach Prägungen in der Kindheit fragt, nach der Mutter, den Jahren im Internat und an der Universität, nach den schriftstellerischen Anfängen, nach Kafka, Wim Wenders und Thomas Bernhard, nach Jugoslawien und Deutschland, nach dem Verhältnis von Spiel und Gebet in der Dichtung, so ist sofort spürbar, dass er das Werk des anderen in allen Verästelungen kennt. Er öffnet einen Gesprächsraum, den Peter Handke bereitwillig, mit äußerster und ungekannter Offenheit ausschreitet, dankbar für das "Auf-die-Sprünge-Helfen" und widersprechend, tastend, suchend nach der richtigen Formulierung, frozzelnd. Nicht zuletzt über sich selbst. Anlass für diese Gespräche war der von Hamm gedrehte Film über Handke Der schwermütige Spieler. Dass sie sich über einen längeren Zeitraum erstreckten, in einer fast unwirklichen Ruhe geführt wurden, gibt ihnen selbst einen literarischen Rhythmus, der sichtbar werden lässt, was Literatur heute sein kann.

                                                      Helene Flöss, Sepp Mall, Kurt Lanthaler

                                                      Ort: Literaturhaus

                                                      25 Jahre Haymonverlag - eine Ausstellung

                                                      Helene Flöss: Der Hungermaler. Erzählung

                                                      Die Geschichte eines Malers, seiner Mutter und seiner Geliebten, aus deren Perspektive erzählt. Der knappe Stil entspricht der geradezu asketischen Kürze des Textes, die es der Autorin trotzdem erlaubt, sich über die Geschichte einer missglückten Liebe hinaus mit einem breiten Spektrum von Themen auseinanderzusetzen.

                                                      Sepp Mall: Wo ist dein Haus. Gedichte

                                                      Mit sparsamsten poetischen Mitteln bringt Sepp Mall die verlorenen Orte der Kindheit, die Vertrautheit und Leichtigkeit jener Zeit zum Schwingen. Sein Blick auf die Welt, auf Fremdes und Nahes, ist voll Skepsis und Zuneigung zugleich, er schließt Verstörendes und Gegenläufiges mit ein. Aber über allem bleibt die Ahnung von einem Ort, an dem man nicht mehr fremd ist.

                                                      Kurt Lanthaler: Das Delta. Roman

                                                      Fedele Conte Mamai, so nennt der Autor seinen Protagonisten, ein Findelkind aus dem Schwemmland des Po. Es ist ein Schelmen- und Entwicklungsroman, in dem Technik und Natur aufeinanderprallen, während sich der Protagonist um ein Leben zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Anpassung bemüht. Fünfzig Jahre italienischer Geschichte ziehen vorüber, und das Buch endet dort, wo es seinen Ausgang nahm: im Delta des ober-italienischen Flusses, der das Leben so vieler Menschen entscheidend geprägt hat.

                                                      Die Ausstellung ist vom 26. September bis 17. Oktober 2007,

                                                      Mo - Fr 9-12 Uhr und 14 -16 Uhr zu sehen.

                                                        Lange Nacht der Museen

                                                        Ort: Literaturhaus

                                                        21.15 Uhr: Begrüßung

                                                        21.30 Uhr: Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht. Der Briefwechsel zwischen Karl Kraus und Kurt Wolff. Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin (Wallstein).
                                                        Einleitung und Kommentare: Friedrich Pfäfflin

                                                        22.30 Uhr: N. C. Kaser elementar. Ein Leben in Texten und Briefen (Haymon). Ausgewählt - und am Abend gelesen - von Raoul Schrott

                                                        "Der Briefwechsel zwischen Karl Kraus und Kurt Wolff ist die Dokumentation eines der merkwürdigsten Beispiele einer Autor-Verleger-Beziehung. Kurt Wolff, der Verleger für expressionistische Literatur in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts schlechthin, warb mit Karl Kraus um einen Schriftsteller, der den Literaturbetrieb verachtete. Wolff verehrte den polemischen Moralisten, der Weltgericht hielt über die "große Zeit". Und Karl Kraus? Seine Wertschätzung für den "edlen Jüngling" Wolff überstand verlagsinterne Autorenpolemiken, seine grundsätzliche Abneigung gegen alle, die er "Neutöner" nannte und die großen Fährnisse bei der Herstellung seiner Bücher.

                                                        Dichter und Provokateur, Kapuziner und Kommunist, Volksschullehrer, der kleine Prosaminiaturen für "seine" Kinder verfasste, und Trinker, der seinen Rotwein mit Gedichten bezahlte: norbert c. kaser (1947-1978) war nicht nur eine außergewöhnliche, zu Lebzeiten sträflich unterschätzte Begabung, sondern zugleich auch eine schillernde, facettenreiche Persönlichkeit: Seine Verse "voller spröder Schönheit, voll Trauer und Empörung" (NZZ) und seine minimalistischen Prosaskizzen spiegeln das Wesen, die Brüche, die Wendungen und Abgründe seines Lebens, seine Verletzlichkeit ebenso wie seine Rebellion gegen das konservative kulturelle und gesellschaftliche Klima seiner Zeit.

                                                        Die Biografie norbert c. kasers nimmt Raoul Schrott zum Ausgangspunkt für seine Werkauswahl: Die Briefe, Gedichte und Prosatexte Kasers geben einen Eindruck von Vielfalt, Energie und poetischem Reichtum von dessen Schaffen, das mittlerweile, knapp 30 Jahre nach seinem Tod, verdientermaßen zum modernen Klassiker erhoben worden ist.

                                                          Peter Henisch

                                                          Ort: Literaturhaus

                                                          Eine sehr kleine Frau. Roman (Deuticke)

                                                          1945 hörte Paul Spielmann auf Spaziergängen durch das zerbombte Wien Geschichten von seiner Großmutter, und nun, Jahrzehnte danach, nimmt er den Faden wieder auf und sucht nach ihrer eigenen Geschichte.

                                                          Mehr als dreißig Jahre nach Die kleine Figur meines Vaters setzt sich Peter Henisch noch einmal mit seiner Familiengeschichte auseinander. Mit einprägsamen Bildern erinnert sich der Autor in seinem neuen Roman an jene Frau, von der er gelernt hat, was sein weiteres Leben prägen sollte: das Erzählen.