Veranstaltungen 2007

Linda Stift

Ort: Literaturhaus

Stierhunger. Roman (Deuticke)

Linda Stift führt uns mit diesem Roman hinter die brüchigen Fassaden des alltäglichen Lebens, dorthin, wo der Wahnsinn stets ganz nahe ist: Die Ich-Erzählerin wird beim Einkaufen von einer alten Dame angesprochen, die ihr die Hälfte eines Gugelhupfs anbietet. Von da an nimmt der als unausweichlich beschriebene Strudel der Ereignisse seinen Lauf. Die alte Dame, die ganz in der Erinnerung an Kaiserin Sisi lebt, macht die junge Frau zur Verbündeten ihrer Beutezüge durch Wiener Museen. Diese wiederum verfällt ihrer überwunden geglaubten Fresssucht, ihrem Stierhunger. Vergangenheit und Gegenwart vermengen sich, und alles endet so, wie es begonnen hat: bei einem angebotenen Gugelhupf ...

Alltag und Wahnsinn, Unheimliches und offen zutage Liegendes befinden sich Kopf an Kopf, und es verwundert nicht, dass Linda Stift auf die Frage nach ihren literarischen Vorbildern an erster Stelle Franz Kafka nennt.

    Josef Oberhollenzer

    Ort: Literaturhaus

    Großmuttermorgenland. Eine Erzählung aus den Bergen (Folio)

    Großmuttermorgenland erzählt von einer Kindheit in den Bergen, von der Sehnsucht nach dem, was hinter den Bergen liegt, und von dem Hereinbrechen eines - wie auf der Lauer gelegenen - Unglücks. Josef Oberhollenzer, einer der wichtigsten Südtiroler Autoren, webt mit leisen, der Moderne verpflichteten Tönen die Geschichte von Bindung, Abhängigkeit und alltäglicher Gewalt. Der Ich-Erzähler entfaltet sein bedrohliches Idyll: die geliebte Großmutter, der ungeschlachte Vater, die fremde Mutter, die Komplizin Schwester, eine Hochzeit; und er erinnert sich an die kleinen Dinge, an das Inventar bäuerlichen Lebens, an die ersehnte Weite "hinter den Bergen" und an die Faszination, die die Irrenanstalt in Pergine auf ihn ausgeübt hat. Und dann, auf einer Wanderung mit seiner Frau zum Klockerkarkopf, nimmt das Unglück überhand, fast mitten im Glück.

      Robert Menasse

      Ort: Buchhandlung Tyrolia, M.-T.-Str. 15

      Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust. Roman. (Suhrkamp)

      Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und Buchhandlung Tyrolia

      Unterhaltsam und pointiert zeichnet Robert Menasse das Porträt der Nach-68er Generation und einer Gesellschaft, "die nicht einmal einen Liter Mineralwasser verkaufen kann, ohne diese Ware erotisch zu besetzen". Der Protagonist, Nathan, Redakteur für das Ressort "Leben" und Verführer, ist ein melancholischer, tragikomischer Wiederholungstäter im ritterlichen Kampf um die Rettung der Liebe. Der Erlösung freilich kommt er nicht näher, aber der Leser, die Leserin sieht sich am Ende dieses ungewöhnlichen Bildungsromans nicht nur aufgeklärt in einer abgeklärtenWelt, sondern auch merkwürdig getröstet, verführt von seltsam zärtlicher Ironie.

        Georg Trakl: neue Zugänge zu seiner Lyrik

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Eberhard Sauermann, Hermann Zwerschina

        * Innsbrucker Ausgabe. Historisch-kritische Ausgabe mit Faksimiles der handschriftlichen Texte Trakls. Präsentation

        * Silbenmusik: Vertonung von Gedichten Trakls

        * Alle Wasser laufen ins Meer: Vorstellung eines Trakl-Porträts

        Der Abend wird eröffnet mit der Präsentation der historisch-kritischen Innsbrucker Ausgabe der Werke und des Briefwechsels Trakls (Stroemfeld/Roter Stern, herausgegeben von Eberhard Sauermann und Hermann Zwerschina), von der nun der letzte Textband erschienen ist. Historisch ist die Ausgabe, indem sie die Genese jedes einzelnen Gedichts in den Mittelpunkt der Darstellung rückt, deren Ausgangspunkt Faksi-miles der Handschriften sind. Kritisch ist sie, indem sie das gesamte Überlieferungsmaterial so ordnet, dass der jeweilige Textbildungsprozess authentisch wiedergegeben wird. Die Darstellung der Genese soll der Arbeitsweise Trakls entsprechen.

        SilbenMusik: dieser Name ist Programm für die Symbiose von Poesie und Musik, von Wort und Klang. Mal fragil, mal voller Kraft präsentieren der Germanist und Autor Martin Beyer sowie der Gitarrist Gerald Kubik ihre Vertonungen von Gedichten Trakls mit Unterstützung durch die Sängerin Claudia Wricke. Sie wollen mit ihrer Initiative "Bringen Sie Georg Trakl in die Charts!" Trakls Lyrik in das öffentliche und vor allem jugendliche Bewusstsein zurückbringen, damit einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts nicht in Vergessenheit gerät und Lyrik wieder hörbar und hautnah erfahrbar wird, zum Nachdenken oder Sich-Verlieren. Beyer hat weiters gemeinsam mit Steffi Herrmann ein Trakl-Porträt verfasst, in dem diese Vertonungen integriert sind. Mit dem biblischen Bild der laufenden Wasser verfolgen sie Trakls Leben, dem Untergang verschrieben. Am Abend wird neben den Vertonungen auch ein Ausschnitt aus dem Porträt zu hören sein.

          Erich Hackl

          Ort: Literaturhaus

          Als ob ein Engel. Erzählung nach dem Leben (Diogenes).

          Erich Hackls Erzählung nach dem Leben verflicht die Stimmen der Eltern, Schwestern und Freunde von Gisela Tennenbaum, die am 8. April 1977 in Mendoza, einer beschaulichen argentinischen Provinzstadt am Fuße der Anden, spurlos verschwindet. Ihr weiteres Schicksal ist ungewiss. Doch auch der Erzähler interveniert, leidenschaftlich und argumentierend, so dass die Eindimensionalität des Erzählten aufgehoben und in der Vielstimmigkeit transzendiert wird.

          "Letztlich geht es auch und vor allem darum, wie man mit dem Verschwinden einer geliebten Person fertig wird, als wäre sie ,weder tot noch lebendig, sondern würde, eine Art Engel, zwischen Himmel und Erde herumflattern'. [...] Erich Hackl hat eine großartige transatlantische Familiengeschichte von Verfolgung und Widerstand geschrieben, die zeigt, wie es jeder Generation aufgegeben ist, ihre politische Aufgaben vor dem Hintergrund vergangenen Unrechts neu zu definieren." (Walter Grünzweig, Der Standard)

            Marica Bodrožić

            Ort: Literaturhaus

            Der Windsammler. Erzählungen (Suhrkamp).

            Am ungewöhnlich starken Romandebüt Der Spieler der inneren Stunde hob die Literaturkritik die lyrische Eigenwilligkeit von Marica Bodrožić hervor, die immer wieder an Rilke erinnere. Auch in ihren neuen Erzählungen greift die Erzählerin die vertrauten Topoi wieder auf: das dörfliche Leben, die Natur, den Aberglauben; die Suche nach der verlorenen Kindheit, aber auch Krieg und Diktatur. Mit poetischem Blick sammelt sie auf elf dalmatinisch-istrischen Inseln Bilder und Szenen, schöne und erschreckende.

             

             

             

              Vernissage — Lesung

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Siegfried Höllrigl

              19.15 Uhr: Viva, viva la musica!
              Bilder von Peter Prandstetter. Vernissage
              20 Uhr:Lyrik aus der Offizin S.: Musik. Lesung mit
              Hans Raimund, Semier Insayif und Gerhard Ruiss

              Ausschließlich an diesem einen Abend wird im Literaturhaus eine kleine Auswahl aus Peter Prandstetters Bilderzyklus Viva, viva la musica! zu sehen sein. Auf inhaltlich verspielte und arbeitstechnisch akribische Weise führen die Arbeiten in die Welt der Musik, wobei Prandstetters profundes musikalisches Wissen zum Vorschein kommt.

              2006 begann Siegfried Höllrigl in seiner Offizin S. – Werkstatt für Literatur, Typographie und Graphik mit der Reihe Lyrik aus der Offizin S. Letztes Jahr war es das Thema Reisen, das drei Hefte, die mit höchstem bibliophilen Können und literarischer Sorgfalt gestaltet sind, miteinander verband. Heuer ist es das Thema Musik. Höllrigl gewann dafür die Autoren Hans Raimund, Semier Insayif und Gerhard Ruiss mit seinen Nachdichtungen von Liedern Oswald von Wolkensteins. Sämtliche Texte sind Erstveröffentlichungen. Den drei Gedichtausgaben ist jeweils eine nummerierte und signierte Originalgraphik in den Techniken Linolschnitt, Holzschnitt und Originaltypo der Künstler Gerhard Gutruf (Wien), Hansjörg Quaderer (Schaan/Lichtenstein) und Stefan Fabi (Meran) beigegeben.

               

                Joseph Zoderer

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: Johann Holzner

                Liebe auf den Kopf gestellt.

                Musikalische Umrahmung: Christina Bauhofer (Gesang), Matteo Facchin (Akkordeon)

                Mit Liebe auf den Kopf gestellt legt der Erzähler Joseph Zoderer zum ersten Mal seit Jahrzehnten einen Gedichtband vor. Und zwar einen, der sich mit den großen Themen seines Werks beschäftigt: Fremdheit und Vertrautheit, Abschied und Wiederkehr, Verzweiflung und Liebe, Liebe in all ihren Facetten der Unsicherheit, Geborgenheit, Verzweiflung und Wärme.

                  mitSprache 2007

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Valerie Besl

                  Das kann ich auch. Literaturkritik im Zeitalter des Internet

                  Vortrag und Gespräch mit Harald Klauhs und Brigitte Schwens-Harrant.

                  Über Literatur finden sich im Internet genug Informationen, Google sei Dank. Das wenigste davon ist Literaturkritik. Wo liegen denn die Unterschiede zwischen engagierter Meinung und professioneller Kritik? Wer braucht Literaturkritik eigentlich?

                  Der Literaturbetrieb hat sich in den letzten Jahren stark verändert, das Zeitungsfeuilleton muss darauf reagieren. Die klassische Rezension wird zunehmend ersetzt durch Porträts der Buchstabenkünstler. Diese passen sich immer stärker der Welt des Glamours an, manche verweigern gar das Gespräch mit ihren Kritikern. Bleibt Literaturkritik dennoch ein fester Bestandteil der Feuilletons? Über Veränderung und Bedeutung der Literaturkritik und eigene Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb sprechen Brigitte Schwens-Harrant und Harald Klauhs.

                  Brigitte Schwens-Harrant, Literaturkritikerin und Redakteurin der Wochenzeitung "Die Furche", Wien.

                  Harald Klauhs, Literaturkritiker und Redakteur der Tageszeitung "Die Presse", Wien.

                  Valerie Besl, Haymonverlag.

                    Ferdinand Schmatz und Thomas Ballhausen

                    Ort: Literaturhaus

                    Ferdinand Schmatz: Durchleuchtung. Ein wilder Roman aus Danja und Franz (Haymon). Ein Künstlerroman, eine poetische Reise in die fragile Innenwelt einer Künstlerseele, die sich in einem kühnen Strom aus Beobachtung und Beschreibung, Träumen und inneren Dialogen verankert. Franz, dem Künstler, sind Professor Pokisa, ein Arzt, und Danja, die Frau an Franz' Seite, gegenübergestellt. Ferdinand Schmatz entwickelt in seinem "wilden Roman" ein schelmisches und hintergründiges Spiel um Bild und Idee, er umkreist grundlegende Fragen von menschlichem Sein und Schein, von Sprache und Kunst.

                    Thomas Ballhausen: Die Unversöhnten. Roman (Skarabaeus). Asterios, das traurige Monster, halb Stier und halb Mensch, ist der zweifelhafte Held von Thomas Ballhausens Erzählung Die Unversöhnten: In einer Stadt, die ihrem Untergang in einer Flut von Krieg und Gewalt entgegensieht, fristet er ein Dasein als einsamer Auftragskiller. Thomas Ballhausen gestaltet mit Elementen der antiken Mythologie ebenso wie der Popkultur und Comicästhetik eine virtuose Erzählung rund um den traurigen Stiermenschen. Mit messerscharfen Sprachbildern und funkelnden Gedanken leuchtet er die Abgründe einer Welt ohne Zeit und Raum aus, die am Rande der Apokalypse steht.

                     

                      Christine Busta

                      Ort: Literaturhaus

                      "ich singe dir Gras ...". Zum 20. Todestag von Christine Busta am 3. Dezember. Mit Margit Jautz, Anton Gruber, Wolfgang Wiesmüller, Ursula Schneider, Annette Steinsiek

                      Ein Werk von Christine Busta kennen die meisten aus ihrer Kindheit: Die Sternenmühle. Gedichte für Kinder und ihre Freunde(1959) lag und liegt in vielen Kinderzimmern zerlesen herum. Hauptsächlich schrieb sie jedoch für Erwachsene: Lampe und Delphin (1955), Salzgärten (1975) oder Wenn du das Wappen der Liebe malst (1981) heißen drei ihrer sieben Gedichtbände. Christine Busta, geboren 1915 in Wien, gestorben 1987 in Wien, wird neben Ingeborg Bachmann und Christine Lavant zu den wichtigsten österreichischen Lyrikerinnen der Nachkriegszeit gezählt.

                      Ihr Nachlass, der im Februar 2007 als Schenkung der Familie an das Brenner-Archiv gelangte, ist von großem literatur- und auch kulturhistorischem Interesse: Er beleuchtet die österreichische Kulturgeschichte der 1950er bis 1970er Jahre und wird es möglich machen, die poetische Arbeitsweise der Dichterin zu erforschen und bisher unbekannte Aspekte für die Öffentlichkeit und die Forschung zu erschließen.

                      Aus dem Nachlass werden einzelne Stücke in einer Ausstellung erstmals vorgestellt. Margit Jautz liest bekannte und noch unveröffentlichte Gedichte zum Wieder-hören und Kennen-lernen. Anton Gruber und Wolfgang Wiesmüller zeigen Wege zum Werk Christine Bustas. Ursula Schneider und Annette Steinsiek sprechen zu Nachlass und Ausstellung.

                      Margit Jautz, Schauspielerin und Sprecherin. Schauspielerin als Gast am Schauspielhaus Graz bis 2005, von 1965 – 2000 Lehrbeauftragte an der Kunstuniversität Graz, 40 Jahre lang Sprecherin im ORF Landesstudio Steiermark. 2005 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark.

                        Hans Lebert

                        Ort: Literaturhaus

                        Moderation: Michael Klein

                        Die Wolfshaut

                        Spät, erst 1960, Hans Lebert war damals bereits 41 Jahre alt, ist sein erster und wichtigster Roman Die Wolfshaut erschienen, nicht in Österreich, wo der Autor keinen Verleger für ihn gefunden hatte, sondern bei Claassen in Hamburg. Das Buch schlug in die österreichische Nachkriegsliteratur wie eine Bombe ein: von den einen in höchstem Maße als verstörend empfunden, wegen seiner Thematik, der Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit in unserem Land, von den anderen gerade deshalb bewundert und hoch gelobt als einer der wenigen Versuche, auch die heimische Mitschuld an den Verbrechen dieser Jahre anzusprechen – jenseits aller großkoalitionären Harmonisierungsbemühungen der fünfziger Jahre. Obwohl heute unstrittig zum Kanon gehörend, sind sowohl der Autor wie auch der Roman heute weitgehend vergessen oder zumeist nur noch dem Namen nach bekannt. Michael Klein hat das Buch aus dem Abstand von fast 50 Jahren wieder gelesen und versucht eine kritische Neueinschätzung sowohl des Autors als auch seines bedeutenden Romans.