Veranstaltungen 2008

Jürg Beeler und Jürg Schubiger

Ort: Literaturhaus

Moderation: Stefan Gmünder

Jürg Beeler: Solo für eine Kellnerin und Jürg Schubiger: Die kleine Liebe (beide: Haymon 2008)

„Zwei Männer, Onkel und Neffe, erzählen von ihrer Liebe zur selben Frau. Der eine ist mit ihr verheiratet, der andere sitzt in ihrem Ferienhaus in der Toskana. [ ... ] Leicht und präzise, mit Scharfsinn und Witz erzählt er von Beziehungen in schwierigen Zeiten und lotet verborgene Bezirke der menschlichen Seele aus. Ein dichtes, raffiniert komponiertes Stück Sprachmusik.“ (Verlagsankündigung)

„L., eine Abkürzung für Laetizia, versucht zu erkunden, was die anderen offensichtlich längst auswendig kennen: das Alltägliche. Aus ihren Beobachtungen entsteht eine befremdende Beschreibung unserer Welt und der Spielregeln unseres Zusammenlebens. In einer Mischung von Heiterkeit und melancholischer Hintergründigkeit entwickelt Jürg Schubiger die Biografie dieser Frau. [...] Mit stilistischer Meisterschaft erzählt Jürg Schubiger L.s Geschichte in Szenen und Episoden, hinter deren Leichtfüßigkeit und Eleganz sich das ganze Gewicht eines Menschenlebens verbirgt.“ (Verlagsankündigung)

Monica Cantieni und Barbara Hundegger

Ort: Literaturhaus

Moderation: Robert Renk

Monica Cantieni wird aus dem noch unveröffentlichten Manuskript Kuckucksei lesen, einem Roman rund um die Themen Schweiz, Verfolgung, Emigration, Adoption. „Cantieni schreibt gezügelt und üppig zugleich. Und auch das ist ein Plus: jede Zeile des Buchs ist streng durchdacht; aber der unbefangene Leser wird davon nichts merken.“ (Neue Zürcher Zeitung über die Erzählung Hieronymus’ Kinder, Rotpunktverlag 1996).

In ihrer Lyrik vermag Barbara Hundegger „die Grenzen von Form und Inhalt in ihren Texten zu sprengen und dadurch poetische Konzentration mit leidenschaftlicher Reflexion gesellschaftlicher Prozesse zu vereinen.“ (Anna Rottensteiner) 

Ein Literarisches Quintett im Zeichen der Migrationsliteratur

Ort: Literaturhaus

Die westlichen Gesellschaften zeichnen sich durch eine vielfach negative Wahrnehmung von Migrationsphänomenen aus, welche meist auch von den Humanwissenschaften übernommen wurde. Entgegen der üblichen Interpretation von Migration als einem für alle Betroffenen (d.h. für MigrantInnen ebenso wie für die Aufnahmegesellschaften) hochgradig problematischen Prozess gehen die unter dem Forschungsschwerpunkt „Kulturen im Kontakt“ versammelten ForscherInnen einen neuen Weg: Migrationserfahrung soll nicht nur als traumatisierende Erfahrung von Trennung, Entwurzelung und Entfremdung, von Verlust, Akkulturationsproblemen, Ausgrenzung aus der kollektiven Identität und Stigmatisierung begriffen werden, sondern vor allem als stimulierende Herausforderung, die Impuls zur Freisetzung kreativer Kräfte und Auslöser kreativer Prozesse ist.

Fünf LiteraturwissenschaftlerInnen stellen literarische Texte aus verschiedenen Kultur- bzw. Sprachräumen vor, die allesamt die Erfahrung der Migration reflektieren. Es diskutieren: Evi Binder, Doris G. Eibl, Kerstin J. Mayr, Susanne Pichler, Jens Nicklas.

Besprochene Bücher:

Julia Kissina: Vergiss Tarantino (Aufbau 2005); Abdourahman Waberi: In den Vereinigten Staaten von Afrika (Nautilus 2008); Yoko Tawada: Sprachpolizei und Spielpolyglotte. Literarische Essays (Konkursbuch 2007); Romesh Gunesekera: The Match (Bloomsbury 2006); Sasa Stanisi´c: Wie der Soldat das Grammofon repariert (Luchterhand 2006)

Hamir Sadr, Linda Lê und Joan Anim-Addo

Ort: Literaturhaus

Spiegel im fremden Wort: Unter diesem Titel seiner Dresdner Chamisso-Poetik-Vorlesungen thematisiert der in Russland geborene und in Österreich lebende Autor Vladimir Vertlib die literarischen Übersetzungsmöglichkeiten von Migrationserfahrungen sowie die Möglichkeiten und Grenzen des Schreibens in einer „fremden“ Sprache. Spiegel im fremden Wort: Hamir Sadr, Linda Lê und Joan Anim-Addo reflektieren in ihren Texten über literarische Spiegelbilder, Erinnerungen und „eigene“ und „fremde“ Worte.

Gabriele Werner-Felmayer

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner

Die Vorsicht der Schildkröten. Über Charles Darwin, den heimlichen Krieg der Natur und die zukünftigen Bewohner von Santa Rosalia ( Berlin University Press 2007)
Verlagsvorstellung durch den Verleger Gottfried Honnefelder

„Ein neuer Verlag? Ja, ein neuer Verlag. Nein, nicht ein neuer Verlag.“ So zu lesen auf der Homepage, auf der sich Berlin University Press als „DER Verlag für intelligent-leichte Wissenschaftsliteratur“ präsentiert. Die Innsbrucker Biochemikerin Gabriele Wer-
ner-Felmayer publizierte im Erstprogramm drei Essays unter dem Titel Die Vorsicht der Schildkröten. Ein Titel, der neugierig macht. Von der Evolutionstheorie Charles Darwins ausgehend, zieht sie die Fäden bis zu den neuesten Erkenntnissen der Genetik, um sich einer Antwort darauf, was uns als Menschen ausmacht, zu nähern. Die Spezifizierung des Wissens kann immer weniger Auskunft darüber geben, was denn nun Mensch-Sein, in Abgrenzung zu oder in Einheit mit der Natur, ist. Bleibt „nur“ das  Staunen? Feine Ironie, erzählerische Einschübe und ein Distanz einfordernder Blick auf die Wissenschaften kennzeichnen dabei ihre Herangehensweise.

Gabriele Werner-Felmayer forscht und lehrt als Professorin im Bereich der Medizinischen Biochemie an der Medizinischen Universität Innsbruck, wo sie zudem mit dem Aufbau einer interdisziplinären Plattform zur Diskussion wissenschaftsethischer Fragen befasst ist.
Gottfried Honnefelder studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Bonn, London und München. Ab 1974 war er 23 Jahre lang im Suhrkamp Verlag tätig, seit 1979 Geschäftsführer der Verlagsgruppe. Nach neun Jahren als alleingeschäftsführender Gesellschafter des DuMont Buchverlags übernahm er im April 2006 den Verlag Berlin University Press. Seit 1996 Mitglied des Stiftungsrates für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, seit 2001 Stellvertretender Vorsteher, seit 2006 Vorsteher des Börsen-vereins des Deutschen Buchhandels.

nach oben

Christian Loidl

Ort: Literaturhaus

Schale aus Schlaf. Gedichte aus dem Nachlass (Leykam 2008)
Buchpräsentation mit Eva Lavric (Lesung), Wolfgang Musil und Martina Cizek (Musik)
In Zusammenarbeit mit dem Verein Farnblüte

Christian Loidl, geboren 1957 in Linz, gestorben 2001 in Wien, war Lyriker und Performancekünstler, Mitbegründer der Schule für Dichtung und „bedingungsloser Verfechter der Poesie“ (Gerhard Ruiss). Was ist es, das seine Gedichte so besonders macht? Das Leichte und gleichzeitig Profunde, das Präzise und gleichzeitig Spielerische, das Verrückte und gleichzeitig Liebevolle. Dem Leben, der Welt ihren Zauber zurückgeben: der Dichter als Schelm, der Dichter als Schamane, der Dichter als Schlafender: Traum und Wachheit, Steinorakel und Trance-Reise, Ernst und Verschmitztheit. Der Dichter als Reisender: Fremdheit und Vertraut-Werden; der Dichter als Nicht-Ich: Stille und Klarheit; der Dichter als Luftikus: Abfliegen und Verschwinden. Der Dichter als Sprach-Befreier, als Aufbrecher geistiger Verkrustungen über deren sprachliche Korrelate: Indem er das Wort befreit, befreit er seinen Geist und den seiner Leser. Dass dies ohne große Emphase, mit Leichtigkeit und meistens spielerisch gelingt, macht die ureigenste Qualität Christian Loidls aus.

Zahlreiche Publikationen, (Auswahl): schwarzer rotz. gedichte und messerschnitte für H.C. Artmann, mit Joseph Kühn (2002/2005), kleinstkompetenzen. erinnerungen aus einer geheimen kindheit. Buch und CD, mit Otto Lechner (2000), ICHT. Poetische Prosa (1999), bei uns dahoam. zaubersprüche und -lieder.CD (1998), pupille. gedichte (1998), zaubersprüche. CD (1998), farnblüte. gedichte (1996), Wiener Mysterien. Prosa. Vorwort von Andreas Okopenko (1995), mortu tombu miyi. CD (1994), falsche prophezeiungen. gedichte (1994, alle: edition selene), weiße rede. gedichte (1990, edition umbruch; 2005 edition selene).

Martina Cizek (Musikerin, Komponistin; Wien) und Wolfgang Musil (Musiker, Komponist, lehrt am Institut für Komposition und Elektroakustik in Wien) haben jahrzehntelang mit Christian Loidl künstlerisch zusammengearbeitet. Eva Lavric (Romanistin, Innsbruck) war ebenso lang Christian Loidls Lebenspartnerin; sie ist nun die Herausgeberin seines Nachlasses.

Catalin Dorian Florescu

Ort: Literaturhaus

Moderation: Johann Holzner

Zaira (Beck 2008)

In seinem neuen, großen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die Geschichte von Zaira und einer Jahrhundertreise von Osteuropa bis nach Amerika. Es ist auch die Geschichte einer unmöglichen Liebe, die die Jahrzehnte überdauert. „Zairas Geschichte ist also wahr und doch auch Dichtung. Florescu webt eine Biografie in die großen Wechselfälle des 20. Jahrhunderts. Dabei beschreibt er jene Mächte, die Menschen zu Marionetten machen, mit einer bemerkenswerten Bildhaftigkeit und Ironie. Und er lässt erkennen, warum diese Frau ihr ganzes Leben lang in die Vergangenheit schaut.“ (Imke Markgraf, wdr)

Ex libris – Bücher im Gespräch

Ort: Literaturhaus

Ex-Libris-Moderator Peter Zimmermann diskutiert mit der Autorin Irene Prugger, dem Literaturkritiker Stefan Gmünder (Der Standard) und der Literaturwissenschaftlerin Evelyne Polt-Heinzl über Marlene Streeruwitz’ kapitalismuskritischen Roman Kreuzungen (S. Fischer 2008), Robert Olmsteads Kriegs- und Endzeitroman Der Glanzrappe (Die Andere Bibliothek 2008) und Norbert Gstreins Roman über die langfristigen Folgen der europäischen Kriege Die Winter im Süden (Hanser 2008).

Simona Ryser und Andrea Winkler

Ort: Literaturhaus

Moderation: Robert Renk

Zwei schwebende, aber dichte Texte, die in dem, wie sie dieses Schweben zum Ausdruck bringen, nicht unterschiedlicher sein könnten:

Simona Ryser liest aus ihrem Roman Maries Gespenster (Limmat 2007), für den sie mit dem Rauriser Literaturpreis für die beste deutschsprachige Erstveröffentlichung ausgezeichnet wurde. Marie wird nach dem Tod ihrer Mutter aus der Bahn geworfen. Verstrickt in innere Kämpfe um Ablösung und Erlösung, hangelt sie sich durch den Tag, lässt sich aushalten von Verehrern, sucht manchmal einen Job. Vor allem streift sie ziellos durch die Stadt, und im Bus, im Bahnhof, in der Delikatessabteilung steht plötzlich die Mutter vor ihr.
Die Autorin „hat ein virtuoses, kluges, federleichtes Prosadebüt veröffentlicht. Ein modernes Märchen vom Verlust; traurig, listig, mitunter komisch, und im besten Sinne eigensinnig.“ (Sabine Peters, Basler Zeitung).

Andrea Winkler liest aus Hanna und ich (Droschl 2008).
Hanna „sitzt zuhause und schweigt“, sie verschließt sich in sich selbst und öffnet sich kaum. Auch nicht dem erzählenden Ich, das versucht, Hannas Geheimnis und die Motive ihres Verstummens zu erkunden, weil es nicht will, dass Hanna „ausscheidet“, dass sie im Dunkel verschwindet, in die Schatten, die sie umgeben.
Die Autorin gehört zu den interessantesten und eigensinnigsten literarischen Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Sie verwebt Inhalt und Sprache zu einer poetischen Textur, in der sie existenzielle Fragen nach Erinnern und Vergessen wie schwerelos mit sich im Gepäck führt.

Katarzyna Sowula

Ort: Literaturhaus

Auftrieb (Tzuica 2008)

„Ich habe immer gesagt, ich heirate den, der mir einen Fallschirm kauft. Schon als Kind habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, von der Erde abzuheben, um so zu sein wie diese levitierenden Heiligen, die beim Beten frei über der Erde schweben.“ Die junge polnische Autorin Katarzyna Sowula geht in ihrem Erzählband Auftrieb einen überzeugenden Weg: Sie schöpft aus dem Vollen, was Themen und Motive betrifft, kombiniert sie neu und ungewöhnlich, wobei Lakonie und Ironie immer wieder aufblitzen, sie schreibt in jugendlich frischer Sprache, die jedoch nichts mit dem Stereotyp des Jugendlich-Frischen gemein hat.