Veranstaltungen 2008

Brigitte Schwens-Harrant

Ort: Literaturhaus

Moderation: Stefan Neuhaus

Buchpräsentation Literaturkritik. Eine Suche und Diskussion mit der Buch-Autorin Brigitte Schwens-Harrant, dem Autor Michael Stavarič und der Leserin Hedwig Dejaco.

Wer macht Literaturkritik? Wer sagt, was sie ist, was sie sein soll? Was tun Literaturkritiker, wenn sie Literaturkritik verfassen? Und wie tun sie es? Und was tun sie immer noch? Oder auch nicht? Und wer schreibt immer auch noch mit? Und wer braucht Literaturkritik überhaupt? Literaturkritik entsteht zwischen vielen Polen und wird von ihnen bestimmt. Phänomene im Literaturbetrieb zwingen sie ebenso zum Handeln wie Veränderungen am Zeitungsmarkt. Literaturkritiker stehen in einem großen Spannungsfeld von Ansprüchen und Erwartungen, nicht zuletzt von Leserinnen und Lesern, den neuen öffentlichen Kritikern der Kritiker.
Brigitte Schwens-Harrant, Literaturressortleiterin der Wochenzeitung "Die Furche", fragt in ihrem Buch Literaturkritik. Eine Suche (Studienverlag 2008), wie sich Literaturkritik in diesem Spannungsfeld heute zeigt und entwirft. Ihr Buch erlaubt einen Blick hinter die Kulissen und in den Schreibvorgang der Literaturkritiker und erklärt so manches (lächerliche) Phänomen, versucht aber auch Antworten auf die Frage, wie Literaturkritik heute noch sinnvoll und wichtig sein kann.

    Martin Sexl, Arno Gisinger, Almir Zundja

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Antonia Rahofer

    Hotel Jugoslavija. Die literarische und mediale Wahrnehmung der Balkankonflikte.

    Kaum ein Ereignis hat das europäische Bewusstsein in den letzten Jahren so verstört wie die Kriege und Verbrechen der 1990er Jahre im ehemaligen Jugoslawien. Nun scheint zwar der Alltag wieder eingekehrt zu sein in den Nachfolgestaaten, dennoch bleiben die Kriegsjahre gegenwärtig. Sie haben in den betroffenen Regionen nicht nur offene Wunden und Narben hinterlassen, sondern auch Spuren in vielen Texten und Bildern. Diese haben das Denken und die Wahrnehmung auch jener Menschen stark geprägt, die die Ereignisse nicht unmittelbar selbst erlebt und erfahren haben.
    Martin Sexl und Arno Gisinger sind nicht so sehr dem Geschehenen, sondern dem Erinnerten in Form von Texten, Fotografien und Erzählungen von Betroffenen auf der Spur. Dabei haben sie unter anderem im Sommer 2006 Belgrad und Srebrenica besucht. Das vorliegende Buch ist in Text und Bild ihre Erzählung dieser Reise und bietet gleichzeitig eine Analyse der Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn man den Blick auf Ereignisse richtet, die fast ausschließlich über mediale Vermittlung wahrgenommen werden.

    Martin Sexl, Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker, Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Innsbruck.
    Arno Gisinger, Fotograf und Historiker, lebt und arbeitet in Paris. www.arnogisinger.com
    Antonia Rahofer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck.
    Almir Zundja, geboren in Foca (Bosnien und Herzegowina), kam als Besucher 1991 nach Österreich, wo er bedingt durch den Ausbruch des Jugoslawien-Krieges blieb und bis heute lebt. Berufsbedingt ist er oft in Sarajevo, Banja Luka und Mostar.

      Tresele Palfrader und Göri Klainguti

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Rut Bernardi

      Einblicke in die aktuelle rätoromanische und ladinische Literatur.

      „Die Sprachen von Minoritäten werden immer weiter an den Rand gedrängt. Es ist ein Anliegen von eye, Literatur der Wenigerheiten, dem stilleren Wort der Kleinen Völker Gehör zu verschaffen. Die Mehrheit soll erfahren, welche Kostbarkeiten nebenan, sozusagen Tür an Tür, im Verborgenen blühen.“
      Seit 1999 gibt Gerald Kurdoglu Nitsche die Reihe „Am Herzen Europas“ im eye-Verlag heraus (www.brg-landeck.tsn.at/~eye/), in der er sich der Literaturen der „Wenigerheiten“ annimmt. Der rätoromanischen und der ladinischen Literatur sind die letzten beiden Anthologien gewidmet, im Literaturhaus soll nun auch der Klang der beiden besonderen Sprachen erfahrbar gemacht werden.

        Niklaus Mazohl

        Ort: Literaturhaus

        An Izumi. Gedichte aus dem Nachlass Hrsg. von Christine Riccabona.
        Mit einem Text von Peter Giacomuzzi und Grafiken von Annemarie Laner (Skarabaeus).

        Blick nach Japan: Hans Augustin liest aus den Gedichten von Niklaus Mazohl.
        Dieter Strehly spielt auf der Shakuhachi, einer japanischen Zen-Bambusflöte. Die Südtiroler Künstlerin Annemarie Laner hat zu den Texten Mazohls Grafikzyklen geschaffen, die an diesem Abend in einer Ausstellung gezeigt werden.

        Der Nachlass von Niklaus Mazohl (1924–1995), der sich im Brenner-Archiv befindet, enthält u.a. eine umfangreiche von der Dichtkunst des alten Japan inspirierte Gedichtsammlung mit dem Titel An Izumi. Der Südtiroler Schriftsteller, Journalist und Fotograf Mazohl verfasste Bühnenstücke, Hör- und Fernsehspiele, u.a. Fast ein Hamlet (Wien 1969) und den unveröffentlichten Roman Herz und Karo. Die Sammlung An Izumi entstand in den letzten Jahren vor seinem Tod. Mit diesen Gedichten reiht sich Mazohl in die Tradition der westeuropäisch geprägten Rezeption der Kultur Japans und seiner eigenständigen, vor einem gänzlich anderen Hintergrund ausgebildeten Schriftkultur. Die Gedichte sind als freie Anlehnung an die Tankas der japanischen Hofdichterin Izumi Shikibu (ca. 974–1033) entstanden, entwickeln diese weiter und weben ein eigenes Netz von Gedichten, die dialogisch zueinander in Bezug stehen und die Themen Liebe, Vergänglichkeit, bedrohte Seins- bzw. Zeiterfahrung aufgreifen.

          Ausstellung zu Franz Tumler: Donau.Verzweigt.

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Barbara Hoiß

          Schreiben unter und nach dem Nationalsozialismus

          Unterstützt vom Brenner-Forum

          Zur Eröffnung
          Vortrag: Christine Riccabona: Hubert Mumelter und
          Franz Tumler – Nachprüfung einer Beziehung
          Filmvorführung:Franz Tumler. Interview mit dem Autor (1984)
          in Anwesenheit des Interviewers Hansjörg Waldner und des Regisseurs Karl Prossliner

          Wie schreibt man nach 1945, hat man sich auf den restriktiven Literaturbetrieb des Nationalsozialismus eingelassen? Am Beispiel von Franz Tumler sollen anhand dieser Ausstellung Schreibentwicklungen und ihre Kontinuitäten und Brüche von 1933–1955 gezeigt werden. Für den literarischen Shooting Star der NS-Zeit führt der Weg hinaus aus der Provinz, in der er kaum Möglichkeiten sieht, sich Inspirationen zu holen und seine Literatur einem größeren Publikum vorzustellen. Er begibt sich von Pregarten nach Altmünster, nach Salzburg und schließlich nach Berlin, wo er Kontakte zu Gottfried Benn, Walter Höllerer und Jean Améry knüpft. Ein Schreibverfahren, das u.a. von Hemingway und Robbe-Grillet beeinflusst ist, löst die der politischen Macht verbundene Metaphorik ab. Für Tumler ist der Schritt nach Berlin mehr als bloß eine Ortsveränderung, es ist ein Schritt zu einem neuen Schreibverfahren.

          Die Ausstellung läuft vom 21.10. bis zum 21. 11. 2008
          Führungen auf Anfrage Kontakt: T 0512 / 507-4513 (Barbara Hoiß)

            Roberto Alajmo

            Ort: Haymonverlag, Erlerstraße 10, 2. Stock

            Moderation: Michael Forcher

            Mutterherz (Haymon)
            Lesung und Gespräch mit dem Autor sowie dem Übersetzer Kurt Lanthaler.

            „Dieser Roman ist dermaßen stark und dicht, dass er den Leser geradezu zwingt, ihn ohne Unterbrechung bis zum Ende zu lesen.“ (Andrea Camilleri)
            Eigentlich betreibt Cosimo Tumminia eine Fahrradwerkstatt in Calcara, einem erfundenen und vergessenen Dorf auf Sizilien. Doch da hartnäckig das Gerücht umgeht, er bringe Unglück, bleiben die Kunden aus. So sitzt er Tag um Tag vor seinem Laden, hört Radio und löst Kreuzworträtsel. Eines Tages zwingt ihn eine Gruppe Fremder, ein kleines Kind auf Zeit „in Obhut“ zu nehmen. Doch die Unbekannten bleiben verschwunden; die Nachrichten vermelden nichts über ein entführtes Kind. Schließlich nimmt seine Mutter die Sache in die Hand  und kommt dem Geheimnis auf die Spur …
            Spannend, grotesk, hochbrisant ist dieser Roman, und gleichzeitig eine liebevolle Hommage an Alajmos Heimat Sizilien und die berühmt-berüchtigte Liebe zwischen italienischen Mammas und ihren Söhnen.

            In Zusammenarbeit mit dem Italienzentrum der Universität Innsbruck und dem Haymonverlag.

              Reiner Kunze

              Ort: Literaturhaus

              In Zusammenarbeit mit dem Turmbund und dem Pen - Club.

              „Kunzes Lyrik ist leise, seine Gedichte umfassen meist nicht mehr als ein paar Verse. Wenn man eine ungefähre Entwicklung innerhalb des Werkes skizzieren will, dann vielleicht vom unterdrückten, chiffrierenden und oft auch zynischen DDR-Ideologie-Kritiker zum aufmerksam wahrnehmenden und vertraulichen Beobachter der Welt.“ (Sabine Klomfaß)
              „Man muss diese Prosa langsam lesen, langsam einatmen … um die Satire zu bemerken … Vielleicht wäre die Formulierung angebracht: Kunze stellt die Wirklichkeit, die ihm in die Falle geht“, schrieb Heinrich Böll über Reiner Kunzes wohl bekanntesten Prosaband Die wunderbaren Jahre.

                Lesung und Poetik-Vorlesung mit Ludwig Laher

                Ort: Literaturhaus

                Poetik-Vorlesung

                Donnerstag, 6. Nov., 16–18 Uhr, 20–22 Uhr
                und Freitag, 7. Nov., 10–12 Uhr, 14–16 Uhr

                Ist Sprache lebender Organismus oder tote Materie? Läßt sich ihre schriftliche Wiedergabe von Zeit zu Zeit neu verordnen? Präskriptiv und exakt? Indem Entwicklungen nachvollzogen und Optionen akzeptiert werden? Was bleibt vom Disziplinierungsmittel „Rechtschreibfehler“ angesichts der Kraft des faktischen technischen Fortschritts (SMS, E-Mail, Blog usw.) und sich ständig ändernder Vorschriften? Von solchen Fragen führen Ludwig Lahers Überlegungen zu den persönlichen „Hausorthographien“ von Prosaschriftstellern als Teil ihres ästhetischen Programms. Laher befasst sich etwa mit Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla, Raoul Schrott oder Peter Waterhouse und hat sich mit ihnen persönlich dazu ausgetauscht. Aber auch Goethe, Stifter, Kafka oder Uwe Johnson kommen zur Sprache. Ludwig Lahers Poetikvorlesungen erlauben tiefe Einblicke in die ästhetischen wie die literatursoziologischen Implikationen sprachlicher Zeichen.

                  Vincenzo Consolo

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Anna Rottensteiner

                  Palermo. Der Schmerz

                  Lesung und Gespräch mit dem Autor sowie mit der Übersetzerin Maria E. Brunner

                  Palermo. Der Schmerz eine schonungslose literarische und moralische Abrechnung mit dem Italien der letzten 60 Jahre. Das Bombenattentat von 1992 auf den Mafiaankläger Paolo Borsellino markiert den Endpunkt der langsamen Rückkehr des sizilianischen Schriftstellers Gioacchino Martinez in sein hassgeliebtes heimatliches Palermo. Über den Umweg Paris – wo er seinen exilierten, des Linksterrorismus angeklagten Sohn Mauro besucht – verabschiedet sich der Alte von der Industriemetropole Mailand und siedelt in die Hochburg der politischen Zweideutigkeit und der Mafia zurück.

                  Die Konfrontation mit seinem Sohn und die Vorwürfe der politischen Feigheit geben für den Schriftsteller, der nicht mehr schreibt, den Anstoß zur Überprüfung der eigenen Geschichte: die Mitschuld am Tod des Vaters durch den Verrat an deutsche Soldaten; die Flucht aus Sizilien in den Norden, um die Schuld zu vergessen und die Ehe zu retten, die Unerreichbarkeit seiner geliebten Frau in ihrer Depression. Consolo erzählt vielstimmig, andeutungsreich und jegliche Hoffnung verweigernd von schuldhafter persönlicher Verstrickung, vom Verlust gemeingültiger Wertehaltungen und vom Niedergang der politischen Eliten im Italien der Nachkriegszeit.

                  Filmvorführungen in Kooperation mit dem Otto-Preminger-Institut

                  Freitag, 14. November, Leokino,
                  Anichstraße 36, 20 Uhr

                  Sicilia! (Regie: Jean Marie Straub, Danièle Huillet, 1999, s/w, b/n, OmU)

                  Gedreht nach dem Roman Gespräch in Sizilien von Elio Vittorini aus den späten dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, in dem ein Mann seine Rückkehr nach Sizilien beschreibt, entwickelten Straub und Huillet ihre ganz eigene filmische Dynamik. Bestimmt von Komik, Groteske, dadaistischen Elementen ist Sicilia!, eine kostbare filmische Rarität.


                  Samstag, 15. November, Leokino, Anichstraße 36, 20 Uhr

                  La terra trema (Regie: Lucchino Visconti, 1948, s/w, b/n, OmU)

                  La terra trema spielt in Aci Trezza, einem kleinen Fischerhafen nahe Catania. Der Film zählt zu den wichtigsten Filmen des italienischen Neorealismus und beruht auf dem Roman I Malavoglia von Giovanni Verga. Regisseur Luchino Visconti arbeitete ausschließlich mit Laiendarstellern aus der Umgebung.

                  Eine Veranstaltungsreihe von Literaturhaus am Inn und Italien-Zentrum der Universität Innsbruck.

                    Anna Kim

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Christine Riccabona

                    Die gefrorene Zeit. Roman

                    Anna Kims neuer Roman Die gefrorene Zeit, angesiedelt im ehemaligen Jugoslawien, schildert das Leid und den Schrecken derer, die verlassen und zurückgeblieben auf der Suche nach vermissten Kriegsopfern sind. Die Ich-Erzählerin Nora dringt in das Leben und in die Welt der Kosovo-Albaner ein, in eine Welt voller ungeschriebener Gesten und Verbote. Dabei bedient sie sich einer ebenso sachlichen wie poetischen Sprache.

                     „Es tut wohl, dass Anna Kim ihre eindringliche Geschichte gründlich recherchiert hat, kenntnisreich berichtet sie, hat ihr Buch auf soliden Untergrund gebaut. Die gefrorene Zeitist ein Buch, das einen frieren lässt ob der Brutalität menschlichen Tuns, es ist Anna Kims Leistung, den Leser mit all dem Leid und der Gewalt nicht alleine zu lassen. Mit Sicherheit eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres.“ (Peter Landerl)