Veranstaltungen 2008

Sabine Gruber, Sepp Mall, Ursula Moser, Georg Payr, Julia Pröll, Turi Werkner

Ort: Literaturhaus

Moderation: Birgit Holzner

Blätter – Neue Belletristik bei iup. Bücherpräsentation.
Begrüßung: Rektor Karlheinz Töchterle und Vize-Rektor Tilmann Märk

Was wäre ein Bücherherbst ohne Blätterrauschen? innsbruck university press präsentiert anlässlich seines dreijährigen Bestehens die ersten drei Bände seines Belletristikprogramms: Die Idiomatik des international renommierten Tiroler Künstlers Turi Werkner, der darin neue, noch nie in einem Lexikon registrierte Reihen „geschützter Titel“ und humorvolle, aber zugleich unmissverständlich gesellschaftskritische Wortspiele zusammenstellt, sowie zwei facettenreiche Anthologien. Die von Johann Holzner und Alois Hotschnig herausgegebene Anthologie Wechselnde Anschriften präsentiert neue Texte von bekannten Autorinnen und Autoren, die an der Universität Innsbruck gelehrt oder studiert haben: Sabine Gruber, Sepp Mall und Georg Payr werden aus ihren Texten lesen. Die Anthologie Fremde(s) schreiben – von Ursula Moser und Julia Pröll herausgegeben – bietet Streifzüge durch die frankophone „Welt-Literatur“ von Nancy Huston bis Andrei Makine und illustriert die Vielgestaltigkeit einer von den „Rändern“ bereicherten französischen Literatur. Die Herausgeberinnen werden aus der Anthologie lesen.

Ilija Trojanow und Alex Capus

Ort: Literaturhaus

Moderation: Robert Renk

Ein grandioser Abschluss von [A–CH]: Ilija Trojanow und Alex Capus gemeinsam im Literaturhaus am Inn.

Olga Flor

Ort: Literaturhaus

Moderation: Sieglinde Klettenhammer

Kollateralschaden. Roman (Zsolnay 2008)

Eine Stunde am frühen Abend in und um einen Supermarkt. Lichter, Autos, Menschen. Eine Allegorie des Alltäglichen. In ihrem neuen Roman stellt uns Olga Flor eine Reihe von Personen vor, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet: die 29-jährige Doris etwa, die hier regelmäßig und fast immer kalorienbewusst einkauft; den Rentner Horst, ehedem im Stadtbauamt tätig und nun für die Pflege seiner krebskranken Frau zuständig; Anton, einen Obdachlosen ... Im Takt der Minuten, auf eine Stunde verknappt, beobachtet die Autorin das Treiben, dem keiner unbeschädigt entkommt.

Ein packendes Stück Gegenwartsliteratur von analytischer Schärfe, „eine Groteske, mit der Olga Flor die Absurdität der Angststimmung in der Gesellschaft vor Augen führt.“ (Judith Brandtner)

Ursula Krechel

Ort: Literaturhaus

Moderation: Johann Holzner

Shanghai fern von wo. Roman (Jung und Jung 2008)

„Da steht sie mitten in einer Restaurantküche in Shanghai und walkt den Teig, als ginge es um ihr Leben, und das tut es auch. Ein Strudel soll es werden, ein süßer natürlich, aber dann füllt sie, was noch übrig ist, mit zartem Gemüse, und auf einmal hat sie der chinesischen Küche etwas hinzuerfunden, was niemand mehr missen möchte: die Frühlingsrolle.“ Franziska Tausig aus Wien ist eine von vielen, und am Ende waren es achtzehntausend Juden, die seit 1938 eines der letzten Schlupflöcher nutzen und im fernen fremden Shanghai überleben konnten. Sie kamen ohne Visum und Illusionen, und wenn sie in dieser überfüllten Stadt und dem feucht drückenden Klima zurechtkommen wollten, waren Erfindungsgabe und Tatkraft gefordert. Nicht jeder war, nach dem, was hinter ihm lag und vor ihm, dazu imstande.

Von denjenigen, die den Krieg dort überlebten, haben viele Zeugnisse hinterlassen. Ursula Krechel hat sie studiert, über Jahre, ist auch kleinsten Spuren nachgegangen, unternahm Reisen, stellte Fragen: nach Aufbruchsstimmung und Rückschlägen, heiteren und verschatteten Gemütslagen, nach politischem Engagement in der Emigration und der neuerlichen Verlorenheit nach dem Ende des Krieges. Atemberaubend vielstimmig, vielschichtig erzählt sie davon und spannt einen weiten erzählerischen Bogen, der den Leser in eine Welt bringt, die einem näher ist als erwartet.