Veranstaltungen 2009

Kurt Dra­wert, Ilma Raku­sa, Eri­ka Wimmer

Ort: Literaturhaus

Lyrik aus der Offizin S.: Liebe

2006 begann Siegfried Höllrigl in seiner Offizin S. – Werkstatt für Literatur, Typographie und Graphik mit der Reihe Lyrik aus der Offizin S. Die handgesetzte und handgedruckte Ausgabe gestaltet jeweils drei Bände pro Reihe. Nach den Themen „Reise“ und „Musik“ ist sie in ihrer dritten Auflage dem Thema „Liebe“ gewidmet. Dafür stellte Ilma Rakua dreizehn Neunzeiler unter dem Titel Ich bin dein Nest, du bist mein Fest bereit; Erika Wimmers Gedichtband trägt den Titel Schau ich hinüber zu dir. Der Autor des dritten Gedichtbandes, Kurt Drawert, legt unter dem Titel Komm wieder, Traum. Liebesgedichte aus drei Jahrzehnten vor.

Zum Konzept der Reihe gehört eine in den Umschlag eingelegte, herausnehmbare Graphik im Format der Edition, nummeriert und signiert.

Kurt Drawert, 1956 in Hennigsdorf (Brandenburg) geboren. Lehre als Elektronikfacharbeiter in Dresden, Studium am Institut für Literatur in Leipzig, seit 1986 freier Autor. Lebt in Darmstadt.

Ilma Rakusa, 1956 in der Slowakei geboren, Studium der Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und St. Petersburg, freiberufliche Schrifstellerin, Übersetzerin, Publizistin, lebt in Zürich.

Erika Wimmer, 1957 in Bozen geboren, Studium der Germanistik, Anglistik und Komparatistik in Innsbruck, Mitarbeiterin am Brenner-Archiv, freie Schriftstellerin.

Brief­wech­sel zwi­schen Inge­borg Bach­mann und Paul Celan

Ort: Literaturhaus

Moderation: Hans Höller, Christa Gürtler

Es liest: Eleonore Bürcher

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, der sich über den Zeitraum von 1948 bis 1961 erstreckt, ist ein bewegendes Zeugnis: zunächst als das Gespräch einer Liebe nach Auschwitz, mit allen symptomatischen Störungen und Krisen aufgrund der so konträren Herkunft der beiden und ihrer schwer zu vereinbarenden Lebensentwürfe als Frau und als Mann und als Schreibende. Es ist aber auch ein Ringen um Freundschaft oder um wenigstens irgendeine Beziehung.

Hans Höller, Mitherausgeber des Briefwechsels, Professor für Germanistik an der Universität Salzburg. Verfasser zahlreicher Bücher zur zeitgenössischen Literatur, Mitherausgeber der Thomas-Bernhard-Werkausgabe und der Jean-Améry-Ausgabe.

Christa Gürtler, Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Publizistik, lebt in Salzburg als freie Verlagslektorin, Literaturwissenschafterin und Geschäftsführerin des Salzburger Literaturforums Leselampe und der Zeitschrift salz.

Eleonore Bürcher, Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater.

Herzzeit. Ingeborg Bachmann – Paul Celan. Der Briefwechsel. Mit den Briefwechseln zwischen Paul Celan und Max Frisch sowie zwischen Ingeborg Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange. Herausgegeben und kommentiert von Bertrand Badiou, Hans Höller, Andrea Stoll und Barbara Wiedemann. Suhrkamp 2008

Lukas Bär­fuss und Johan­nes Gelich

Ort: Literaturhaus

Moderation: Thorsten Ahrend

Was macht Menschen zu Komplizen der Macht? Diesem Thema spüren Lukas Bärfuss und Johannes Gelich auf unterschiedlichste Weise und in unterschiedlichsten Kontexten nach.

Lukas Bärfuss’  minutiös recherchierter Roman Hundert Tage spielt in Ruanda, im April 1994, und handelt von den Verwicklungen der Schweizer Entwicklungshilfe in Diktatur und Völkermord. Er berichtet von Menschen, die das Gute beabsichtigen und das Böse mittragen und erzählt ein dunkles Kapitel aus Afrikas Geschichte, in das „der Westen“ tiefer verstrickt ist, als er glaubt.

Johannes Gelich stellt in seinem Roman Der afrikanische Freund mit bohrender Intensität unser Selbstverständnis in Frage. Ein morbides Kammerstück, eine „verstörend furiose Camus-Überschreibung“ (SZ).

Thorsten Ahrend, langjähriger Lektor für deutschsprachige Literatur bei Suhrkamp, seit 2005 Programmleiter und Gesellschafter bei Wallstein.

Lukas Bärfuss: Hundert Tage. Roman. Wallstein 2008

Johannes Gelich: Der afrikanische Freund, Wallstein 2008

Ann Cot­ten, Sepp Mall, Mar­ga­reth Obexer

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Hanni

Scheitern in der Literatur
Präsentation der Literaturzeitschrift filadrëssa

Das „Scheitern“ war schon immer ein ambivalentes, jedoch durchwegs produktives Prinzip von Literatur, von künstlerischem Schaffen überhaupt. Ihm ist die neue Ausgabe der ambitionierten Südtiroler Literaturzeitschrift filadrëssa gewidmet. Zahlreiche Autorinnen und Autoren sowie bildende Künstler haben einen Beitrag zum Thema verfasst. Unter der Moderation von Martin Hanni, der die Ausgabe kuratiert hat, lesen Margareth Obexer, Ann Cotten sowie Sepp Mall, letzterer Gedichte von Klaus Menapace.

Ann Cotten, geboren 1982 in Ames, Iowa, seit 1987 in Wien, seit 2006 in Berlin als Schriftstellerin und Übersetzerin. Studium der Germanistik. Schreibt Prosa und Lyrik.

Sepp Mall, geboren 1955 in Graun, lebt als Lehrer in Meran. Autor von Lyrik, Prosa, Hörspielen, Theaterstücken.

Klaus Menapace, geboren 1954 in Tramin, gestorben 1990 in Bozen. Studium der Geschichte und Germanistik in Innsbruck, Dissertation über Erich Fried, Publikationen von Gedichten in den Sturzflügen und im skolast.

Margareth Obexer, geboren 1970 in Brixen, Studium der Philosophie und Romanistik in Wien und Berlin, Autorin von Theaterstücken, Hörspielen, Erzählungen und Essays. Lebt in Berlin.

Ulrich Pelt­zer

Ort: Literaturhaus

Moderation: Ekkehard Hey-Ehrl

Teil der Lösung ist ein hochaktueller Roman, der in einem rasanten Ineinander von einzelnen Szenen abbildet, wie bruchstückhaft und vielfältig Wirklichkeit ist. Kontrollierter Raum und spielerische Störmanöver, Decknamen und Spitzel, geheime Treffen und präzise Attentate auf den Alltag: Subtil verbindet Ulrich Peltzer eine störrische Liebesgeschichte mit der Beobachtung neuer politischer Bewegungen in einer Grammatik der Überwachung. Christian, einer der Protagonisten, schlägt sich mit journalistischen Gelegenheitsaufträgen durch. Mitte dreißig, hat er die Zeit des bewaffneten Widerstands gegen die Staatsmacht nur noch als Echo miterlebt. Für eine Story sucht er Kontakt zu untergetauchten Ehemaligen der Roten Brigaden. Zunächst aber trifft er auf Nele: Von einer geheimnisvollen Wut getrieben, bewegt sich die hochbegabte Studentin durch den Jahrhundertsommer 2003. Was mit ein paar ruppigen Zufallsbegegnungen eher harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer heftigen und verqueren Anziehung, deren Ausgangspunkt im neuen Berlin liegt und die ihren Show-down in den Arabervierteln von Paris erlebt.

Ulrich Peltzer, geboren 1956 in Krefeld,  Studium der Philosophie und Psychologie, längere Arbeitsaufenthalte in Süditalien und den USA, lebt in Berlin. Veröffentlichungen (Auswahl): Alle oder keiner. Roman (1999), Bryant Park. Roman (2002, beide: Ammann).

Ekkehard Hey-Ehrl, Studium der Germanistik und Geschichte, lebt als Buchhändler in Innsbruck.

Lou­is Begley

Ort: Leokino, Anichstr. 36

Eintritt: 5 Euro
In Kooperation mit 8ung Kultur
Eine Kooperation mit Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas und dem StifterHaus

Sher­ko Fatah

Ort: Literaturhaus

Moderation: Christa Kofler

Unter welchen Lebensbedingungen kann islamischer Extremismus entstehen? Wie können die Erscheinungsformen, seine Verführungsmacht und die Folgen aussehen? Sherko Fatah erzählt im Roman „Das dunkle Schiff“, in einem „asketischen Realismus“ die Lebensgeschichte des jungen irakischen Kurden Kerim. Es ist eine Geschichte von "Gewalt und Glauben", der Verführung eines jungen Menschen zum Gotteskrieger und seine Flucht  nach Deutschland. Bemüht, in der Fremde ein neues Leben zu beginnen, kann er die Vergangenheit nicht abschütteln, vielmehr scheint diese sich fortwährend auf ihn zuzubewegen.

Sherko Fatah, geboren 1964 in Berlin. Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin. Zuletzt erschienen: Onkelchen (Jung und Jung 2004).

Christa Kofler, geboren 1959, Studium der Geschichte und Romanistik, unterrichtet derzeit in Schwaz.

Sherko Fatah: Das dunkle Schiff. Roman (Jung und Jung 2008)

Jakob Was­ser­mann im Porträt

Ort: Literaturhaus

Vortrag, Lesung und Film von Thomas Kraft 

Jakob Wassermann (1873–1934), Sohn eines jüdischen Spielwarenfabrikanten aus Fürth, zählt zu den Meistern der psychologisch-realistischen Darstellung und war einer der meistgelesenen Autoren in der Weimarer Republik. Viele seiner Romane wurden zu internationalen Bestsellern, wie Caspar Hauser oder Der Fall Maurizius. Anlässlich seines 75. Todestages erschien die erste klassische Biografie Wassermanns (dtv 2008), herausgegeben von Thomas Kraft. Im Rahmen der Buchpräsentation wird nach dem Vortrag von Thomas Kraft ein Film zu Jakob Wassermann zu sehen sein, der mit vielen Originalfotos die Lebensstationen des Autors dokumentiert.

Thomas Kraft, geboren 1959 in Bamberg, promovierter Germanist, war Programmleiter des Literaturhauses München und arbeitet heute als freier Literaturkritiker und Organisator kultureller Veranstaltungen.

Dubrav­ka Ugresic

Ort: Literaturhaus

Moderation: Evi Binder

„Baba Jaga ist eine böse und hässliche Greisin, der man nachsagt, sie fresse kleine Kinder. Sie ist eine mythische ‚Episodengestalt‘ und hat oft eine Schlüssel-, nie jedoch eine Hauptrolle. Bei der Entscheidung, sie zu meinem Thema zu machen, ließ ich mich vielleicht von einem Gerechtigkeitsgefühl leiten oder aber auch von dem kindlichen Wunsch, in Baba Jagas Hütte hineinzuschauen, hinter den Spiegel zu sehen.“ So schildert Dubravka Ugresic ihren Ansatz zum Buch Baba Jaga legt ein Ei – und entstanden ist eine geistreiche und intelligente Geschichte über drei alte Damen, die ganz nebenbei zu einer Beschreibung des 20. Jahrhunderts, seiner Konflikte und Bruchstellen wird. Im zweiten Teil breitet Dubravka Ugresic auf amüsante Weise die Früchte ihrer volkskundlichen Studien aus und liefert damit ihrer Erzählung die mythopoetische Grundierung nach. Ein Tipp: Lesen Sie nach dem zweiten Teil noch einmal den ersten, und es werden Ihnen die Augen aufgehen!
   Dubravka Ugresic, geboren 1949 im heutigen Kroatien, Studium der Komparatistik und Russistik. Bis zu ihrer Emigration 1993 lehrte sie Literatur an der Universität Zagreb. Lebt als freie Schriftstellerin in Amsterdam. Publikationen (zuletzt): Das Ministerium der Schmerzen. Roman (2005), Keiner zu Hause. Essays (2007, beide Berlin Verlag).

Dubravka Ugresic: Baba Jaga legt ein Ei. Roman. Berlin 2008

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Maria E. Brunner

Ort: Literaturhaus

Traumfabrik mit schmutzigen Füßen – ein ungeschönter weiblicher Blick auf ein Land zwischen Traditionalismus und radikalem Umbruch: „Es ist ein Geruch, der Indien ausmacht. Moder. Meer. Rauch. Abgase. Aasgeruch.“ Maria Brunners Texte sind Skizzen von indischen Städten, Straßen und Universitäten, Slums und Meditationszentren – poetische Annäherungen an die mitunter grausame Realität, polemisch, reflexiv und kontrastreich wie das Land selbst. Vor dem historischen Hintergrund gewähren sie einen parteiischen weiblichen Einblick in das heutige Indien: Modern India – in the hands of fate.

Maria E. Brunner, geboren in Pflersch/Südtirol, Studium der Germanistik in Innsbruck, lebte sieben Jahre in Sizilien und Kalabrien; Dozentin für italienische Sprache und Literatur an der Universität Stuttgart; seit 2000 Professorin für Deutsche Literatur an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Publikationen: Berge Meere Menschen. Roman (2004), Was wissen die Katzen von Pantelleria. Prosa (2006, beide: Folio).

Maria E. Brunner: Indien. Ein Geruch. Erzählungen. Folio 2009