Veranstaltungen 2010

Hans Haid

Ort: Literaturhaus

Lesung aus Anlass der Übergabe bedeutender Sammlungen des Autors an das Brenner-Archiv

Es sprechen Landesrätin Dr. Beate Palfrader und Institutsleiter Dr. Johann Holzner

Neben seiner literarischen Tätigkeit ist er Begründer und Initiator mehrerer Vereine und Organisationen, u.a. Ötztaler Heimatverein und Freilichtmuseum (1964), Internationales Dialektinstitut (1976), Arge Region Kultur (1985), Pro Vita Alpina (ein Zusammenschluss alpiner Initiativen von Slowenien bis Savoyen, 1989) und seit 1995 Entwickler von EU-Projekten.

Chris­toph Wil­helm Aigner

Ort: Literaturhaus

AIGEN (Christoph Wilhelm Aigner):
PolColls. Merkwürdige Ereignisse in Italien
Vernissage mit Lesung von Christoph W. Aigner
Zu den Arbeiten spricht Peter Prandstetter

Christoph Wilhelm Aigner, der bisher vor allem als Lyriker und Prosaist bekannt ist, arbeitet seit zwanzig Jahren mit dem Medium Polaroid. Die Serie von 41 Polaroid Collagen (PolColls) unter dem Titel Merkwürdige Ereignisse in Italien ist in den Wintermonaten 1992 /93 in Marina di Cecina und Rieti entstanden. „Die Kamera erkannte zuweilen mehr als ich“, meint Aigner in seinem Essay Eigenleben oder wie schreibt man eine Novelle, den Sie im beiliegenden Inn-Lesebuch abgedruckt finden und in dem der Autor die Genese der PolColls beschreibt. Jede einzelne Arbeit erzählt eine Geschichte, bringt durch das formale Prinzip der Collage Ungewohntes, Überraschendes, Merkwürdiges zusammen. Novellen eben.

Mar­git Hahn und Ire­ne Prug­ger

Ort: Literaturhaus

Moderation: Robert Renk

Die Reihe [AusDruck] beleuchtet den Wandel der Arbeitsplatzsituation in zeitgenössischen literarischen Texten. Wie reflektieren die Schreibenden die veränderten Bedingungen? Welchen Ausdruck finden sie für den Druck und die Zwänge, die immer stärker das Arbeitsleben definieren? Zwischen der Ich-AG, die mit allen Mitteln der Karriere zustrebt, der Mitarbeiterin, der sich Mobbing ausgesetzt sieht, der Karrierefrau, die plötzlich schwanger wird, dem Top-Manager, der plötzlich arbeitslos ist – genauso viele Facetten wie im „realen“ Leben finden sich in Texten von Autorinnen und Autoren.

Der Auftakt der Reihe wird von Irene Prugger und Margit Hahn bestritten. Irene Prugger bettet ihre Romanfiguren sehr exakt und überlegt in bestimmte Arbeitswelten und Arbeitssituationen, sei es nun das vorzeitige Ende der beruflichen Selbstverwirklichung auf Grund der Familiensituation, das Arbeiten im touristischen Gastgewerbe, die zum Teil erpresserischen Vorgaben der Leistungsgesellschaft im Berufsleben oder die Austauschbarkeit der Arbeitskräfte, die das Scheitern bereits einberechnen. In ihrem Roman Frauen im Schlafrock führt uns Irene Prugger in die Bürowelt.

Die Darstellung dieser Welt ist auch die Domäne von Margit Hahn. In den Erzählungen der Autorin geht es böse zu. Konkurrenzdenken, Karrierestrategien, inszeniertes Arbeiten und Mobbing in allen Facetten, all das stellt sie im kleinen Kosmos zwischen Firmenaufzug, Großraumbüros und Chefetage dar. Dass aus diesen speziellen Drucksituationen nicht selten zu allerlei sinnigen und hinterlistigen Wendunge kommt, die mitunter zu Mord und Totschlag führen, verwundert den Leser und die Leserin dabei gar nicht mehr.

Petra Maria Krax­ner und Oli­ver Kluck

Ort: Literaturhaus

Warteraum Zukunft Oder: Den Gipfel erreicht, Talfahrt, Schimpansenbörsianer überlebt
Szenische Lesung mit Petra Maria Kraxner und Oliver Kluck

Zum Stück Nutella Town von Petra Maria Kraxner: Großonkel Grau lebt für sein Fernsehprogramm. Großonkel Grau schaut jeden Tag die Nachrichten. Im Falle einer Katastrophe oder des Todes einer öffentlichen Person schaut Großonkel Grau die Sondersendungen, auch wenn sie zu seiner fernsehfreien Zeit übertragen werden (…) Jeden Tag Nachrichten. Jeden Tage diese Austauschbarkeit von variablen Vorkommnissen. Jeder Tag. Katastrophal. Und Großonkel Grau ist noch immer nicht dem Trübsinn verfallen.

Zum Stück Dem Warteraum Zukunft der Welt des männlichen Elends von Oliver Kluck: [.. mein Name ist Daniel Putkammer. Ich bin nicht mit dem Raketenbauer verwandt. Ich bin einunddreißigJahre alt, ledig wie man so sagt. Abitur, Studium, Doktorarbeit. Ich musste keinen Reis vor dem Rathaus kehren, weil ich noch nicht ledig war, als ich dreißig wurde. Ich hätte auch keinen Reis gekehrt, genauso wenig, wie ich einen Junggesellenabschied feiern würde. Ich mache mir nichts aus Feiern, ich finde das Feiern albern. Das ist einer der Gründe, warum ich ledig bin. ..]

Petra Maria Kraxner: Nutella Town (Thomas Sessler Verlag)

Oliver Kluck: Dem Warteraum Zukunft der Welt des männlichen Elends (Verlag Autorenagentur Pegasus

Gali­zi­en. Erin­ne­run­gen an eine unter­ge­gan­ge­ne Kul­tur­land­schaft.

Ort: Literaturhaus

Moderation: Michael Klein

In Kooperation mit dem Brenner-Forum

Michael Klein, langjähriger Leiter des Innsbrucker Zeitungsarchivs,  erinnert in seinem Vortrag an das 1918 untergegangene ehemals größte Kronland der Habsburgermonarchie, das „Königreich Galizien und Lodomerien“ und versucht, die Faszination zu erklären, die bis heute von dieser östlichsten Provinz des damaligen Reiches ausgeht: Galizien, eine in höchstem Maße widersprüchliche Landschaft, einerseits geprägt von extremen sozialen Gegensätzen und von bitterster Armut und zugleich ausgezeichnet durch eine ungemein reiche Kultur auf beinahe allen Gebieten, deren vielfältige Einflüsse bis in die Gegenwart noch spürbar sind.

Wal­ter Grond

Ort: Literaturhaus

Was hält unsere Welt zusammen, was bewahrt unsere Gegenwart davor, in ihre Einzelteile zu zerfallen? Walter Gronds großer Roman Der gelbe Diwan entwirft ein vielschichtiges Panorama unserer Epoche am Beginn des 21. Jahrhunderts. Statt einer einfachen Antwort führt er uns tief hinein in den Großstadtdschungel zwischen Orient und Okzident, wo Menschen und Kulturen sich begegnen und verlieren, wo Ideen und Identitäten, Geschichten und Erinnerungen aufblitzen und verglühen, wo alles verbunden ist und doch jedes Leben für sich steht: Der Journalist Paul Clement bereitet sich auf eine Reise vor, die ihn auf den Spuren Gustave Flauberts durch Ägypten führen soll, als er vom Selbstmord seines ehemaligen Freundes erfährt. Die Reise zu seinem Begräbnis wird zu einer Reise zurück in seine Bohèmejahre, in eine Zeit, in der alles möglich und alles erklärbar schien, in der man genau wusste, wofür und wogegen man kämpfte.

Walter Grond: Der gelbe Diwan. Roman (Haymonverlag 2009)

Ilma Raku­sa

Ort: Literaturhaus

Eine Kindheit und Jugend in Mitteleuropa, als dieses Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg gerade seine politischen und kulturellen Konturen neu eingeschrieben bekam: Ilma Rakusa geht in ihren Erinnerungen dem kleinen Mädchen nach, der Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter, deren Lebensstationen von einer slowakischen Kleinstadt über Budapest, Ljubljana, Triest nach Zürich – und von da weiter ausgreifend nach Ost und West, nach Leningrad/Petersburg und Paris reichen.

Mehr Meer. Erinngerungspassagen geht weit über eine Nacherzählung einer Kindheit und Jugend hinaus; es ist die Beschwörung dessen, was von den vielen Lebensorten und Begegnungen bleibt: Töne und Klänge, Farben und Stimmungen, einzelne Szenen und Blitzlichter. In vielen kleinen Selbstbefragungen, in Dialogen, Gedichten und Erinnerungsbildern geht Ilma Rakusa ihrer Geschichte auf den Grund. Dadurch erstehen 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts im prismatischen Blick einer außergewöhnlichen Schriftstellerin, die wie wenige in und zwischen verschiedenen Kulturen lebt.

Ilma Rakusa: Mehr Meer. Erinnerungspassagen (Droschl 2009)

Regi­na Hil­ber, Robert Klein­dienst, Ger­hild Stein­buch

Ort: Literaturhaus

Im Zentrum von [   netz.werk   ] stehen intertextuelle und intermediale Vernetzungen zwischen Literatur und anderen Künsten sowie das Netzwerk der Autorin/des Autors selbst. Dieses Konzept wurde von StudentInnen der Komparatistik und der Germanistik entwickelt, die außerdem die Gestaltung der jeweiligen Veranstaltungen übernehmen werden.

Für diesen Abend wurden AutorInnen aus der Anthologie zeichensetzung . zeilen-sprünge – Junge Literatur in Österreich ausgewählt. Die Anthologie versteht sich als Querschnitt durch die Möglichkeiten, Literatur heute zu denken und zu schreiben.

Regina Hilber beschreibt in ihrem Text jeder.zeit zeitgenössische Kontexte aus Stadt und Land. Sie schildert Eindrücke, Blicke und Momente des Alltagslebens und lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf Nischen und Ränder.

In seiner Lyrik spielt Robert Kleindienst mit traditionellen Bildern, Begriffen und Naturdarstellungen, indem er sie konstruiert, scheinbar nur um sie zu brechen. Seine Gedichte sind geprägt von Bildern, die er bewusst der Beschreibung entzieht, von der Infragestellung der Autorenschaft und intertextuellen Bezügen.

In ihrem märchenhaft mystischen Prosatext Von einem schönen Dorf, das immer gern einen Mond gehabt hat baut Gerhild Steinbuch durch ihre bildhafte Sprache eine unheimliche Stimmung und kaum auszuhaltende Spannung auf.

Regina Hilber, Thomas Ballhausen, Barbara Zwiefelhofer (Hrsg.): zeichensetzung. zeilen-sprünge. Junge Literatur in Österreich (Luftschacht 2009 )

Eve­ly­ne Polt-Heinzl und Gün­ter Kaindl­s­tor­fer

Ort: Literaturhaus

Einstürzende Finanzwelten - Gespräch

Die Literaturwissenschaftlerin Evelyne Polt-Heinzl hat mit gewohnter Akribie die Literaturgeschichte des 20 . Jahrhunderts, von Joseph Roth über Peter Handke bis Kathrin Röggla und viele heute eher vergessene Literaten wie Otto Soyka oder Raoul Auernheimer durchforstet. So kann man bezüglich der aktuellen Wirtschaftskrise einiges lernen aus der Literatur der 1920 er Jahre, wo mit Kriegsschiebern, Inflationsgewinnlern, Hochstaplern und hunderttausenden Arbeitslosen die wirtschaftliche und sozialpolitische Deregulierung gewissermaßen Dauerthema war. Das Buch ist selbst „eine überraschend schnelle, analytische Reaktion auf den Einbruch des internationalen Finanzsystems, denn Polt-Heinzl arbeitet nicht nur heraus, „wie intensiv sich die Literatur mit ökonomischen Krisen auseinandersetzt, sie hat ihren Untersuchungsgegenstand in einen weiten soziologischen, kulturhistorischen und politologischen Kontext gestellt, der sich als überaus erhellendes Begleitbuch zur aktuellen Krise liest. Ein am Ende vielmehr politischer als literaturwissenschaftlicher Beitrag.“ (Gerhard Zeillinger, Spectrum/Die Presse)

Kann man Krea­ti­vi­tät mes­sen?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Tasos Zembylas und Andrea Winkler im Gespräch

„Lassen Sie sich Zeit, aber tun Sie es schnell, denn Sie wissen nicht, was Sie erwartet.“
{Jacques Derrida}

Überall werden notwendige Freiräume des Denkens kleiner, weil sich – auch in der Wissenschaft (der Universität) und der Kunst – die Spirale einer Logik des Verwert- und Verkaufbaren immer schneller dreht. Mit dem Montagsfrühstück wollen wir einen solchen Freiraum aufspannen und ein Forum schaffen, das sich mit der nötigen Langsamkeit der Reflexion grundsätzlicher Fragen und Probleme des Zusammenhangs von Literatur/Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft widmet. Das Montagsfrühstück findet ungefähr einmal im Monat statt und richtet sich an Studierende sowie an alle, die sich für den erwähnten Zusammenhang interessieren. Kaffee und Croissants sollen uns zur Langsamkeit verpflichten, ohne die Schärfe des Gedankens zu beeinträchtigen.

Die Auftaktveranstaltung der Reihe widmet sich der Frage nach Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer wissenschaftlich-empirischen Erhebung und Darstellung von literarischen Arbeits- und Schreibprozessen.