Veranstaltungen 2010

Hans Haid

Ort: Literaturhaus

Lesung aus Anlass der Übergabe bedeutender Sammlungen des Autors an das Brenner-Archiv

Es sprechen Landesrätin Dr. Beate Palfrader und Institutsleiter Dr. Johann Holzner

Neben seiner literarischen Tätigkeit ist er Begründer und Initiator mehrerer Vereine und Organisationen, u.a. Ötztaler Heimatverein und Freilichtmuseum (1964), Internationales Dialektinstitut (1976), Arge Region Kultur (1985), Pro Vita Alpina (ein Zusammenschluss alpiner Initiativen von Slowenien bis Savoyen, 1989) und seit 1995 Entwickler von EU-Projekten.

    Christoph Wilhelm Aigner

    Ort: Literaturhaus

    AIGEN (Christoph Wilhelm Aigner):
    PolColls. Merkwürdige Ereignisse in Italien
    Vernissage mit Lesung von Christoph W. Aigner
    Zu den Arbeiten spricht Peter Prandstetter

    Christoph Wilhelm Aigner, der bisher vor allem als Lyriker und Prosaist bekannt ist, arbeitet seit zwanzig Jahren mit dem Medium Polaroid. Die Serie von 41 Polaroid Collagen (PolColls) unter dem Titel Merkwürdige Ereignisse in Italien ist in den Wintermonaten 1992 /93 in Marina di Cecina und Rieti entstanden. „Die Kamera erkannte zuweilen mehr als ich“, meint Aigner in seinem Essay Eigenleben oder wie schreibt man eine Novelle, den Sie im beiliegenden Inn-Lesebuch abgedruckt finden und in dem der Autor die Genese der PolColls beschreibt. Jede einzelne Arbeit erzählt eine Geschichte, bringt durch das formale Prinzip der Collage Ungewohntes, Überraschendes, Merkwürdiges zusammen. Novellen eben.

      Margit Hahn und Irene Prugger

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Robert Renk

      Die Reihe [AusDruck] beleuchtet den Wandel der Arbeitsplatzsituation in zeitgenössischen literarischen Texten. Wie reflektieren die Schreibenden die veränderten Bedingungen? Welchen Ausdruck finden sie für den Druck und die Zwänge, die immer stärker das Arbeitsleben definieren? Zwischen der Ich-AG, die mit allen Mitteln der Karriere zustrebt, der Mitarbeiterin, der sich Mobbing ausgesetzt sieht, der Karrierefrau, die plötzlich schwanger wird, dem Top-Manager, der plötzlich arbeitslos ist – genauso viele Facetten wie im „realen“ Leben finden sich in Texten von Autorinnen und Autoren.

      Der Auftakt der Reihe wird von Irene Prugger und Margit Hahn bestritten. Irene Prugger bettet ihre Romanfiguren sehr exakt und überlegt in bestimmte Arbeitswelten und Arbeitssituationen, sei es nun das vorzeitige Ende der beruflichen Selbstverwirklichung auf Grund der Familiensituation, das Arbeiten im touristischen Gastgewerbe, die zum Teil erpresserischen Vorgaben der Leistungsgesellschaft im Berufsleben oder die Austauschbarkeit der Arbeitskräfte, die das Scheitern bereits einberechnen. In ihrem Roman Frauen im Schlafrock führt uns Irene Prugger in die Bürowelt.

      Die Darstellung dieser Welt ist auch die Domäne von Margit Hahn. In den Erzählungen der Autorin geht es böse zu. Konkurrenzdenken, Karrierestrategien, inszeniertes Arbeiten und Mobbing in allen Facetten, all das stellt sie im kleinen Kosmos zwischen Firmenaufzug, Großraumbüros und Chefetage dar. Dass aus diesen speziellen Drucksituationen nicht selten zu allerlei sinnigen und hinterlistigen Wendunge kommt, die mitunter zu Mord und Totschlag führen, verwundert den Leser und die Leserin dabei gar nicht mehr.

        Petra Maria Kraxner und Oliver Kluck

        Ort: Literaturhaus

        Warteraum Zukunft Oder: Den Gipfel erreicht, Talfahrt, Schimpansenbörsianer überlebt
        Szenische Lesung mit Petra Maria Kraxner und Oliver Kluck

        Zum Stück Nutella Town von Petra Maria Kraxner: Großonkel Grau lebt für sein Fernsehprogramm. Großonkel Grau schaut jeden Tag die Nachrichten. Im Falle einer Katastrophe oder des Todes einer öffentlichen Person schaut Großonkel Grau die Sondersendungen, auch wenn sie zu seiner fernsehfreien Zeit übertragen werden (…) Jeden Tag Nachrichten. Jeden Tage diese Austauschbarkeit von variablen Vorkommnissen. Jeder Tag. Katastrophal. Und Großonkel Grau ist noch immer nicht dem Trübsinn verfallen.

        Zum Stück Dem Warteraum Zukunft der Welt des männlichen Elends von Oliver Kluck: [.. mein Name ist Daniel Putkammer. Ich bin nicht mit dem Raketenbauer verwandt. Ich bin einunddreißigJahre alt, ledig wie man so sagt. Abitur, Studium, Doktorarbeit. Ich musste keinen Reis vor dem Rathaus kehren, weil ich noch nicht ledig war, als ich dreißig wurde. Ich hätte auch keinen Reis gekehrt, genauso wenig, wie ich einen Junggesellenabschied feiern würde. Ich mache mir nichts aus Feiern, ich finde das Feiern albern. Das ist einer der Gründe, warum ich ledig bin. ..]

        Petra Maria Kraxner: Nutella Town (Thomas Sessler Verlag)

        Oliver Kluck: Dem Warteraum Zukunft der Welt des männlichen Elends (Verlag Autorenagentur Pegasus

          Galizien. Erinnerungen an eine untergegangene Kulturlandschaft.

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Michael Klein

          In Kooperation mit dem Brenner-Forum

          Michael Klein, langjähriger Leiter des Innsbrucker Zeitungsarchivs,  erinnert in seinem Vortrag an das 1918 untergegangene ehemals größte Kronland der Habsburgermonarchie, das „Königreich Galizien und Lodomerien“ und versucht, die Faszination zu erklären, die bis heute von dieser östlichsten Provinz des damaligen Reiches ausgeht: Galizien, eine in höchstem Maße widersprüchliche Landschaft, einerseits geprägt von extremen sozialen Gegensätzen und von bitterster Armut und zugleich ausgezeichnet durch eine ungemein reiche Kultur auf beinahe allen Gebieten, deren vielfältige Einflüsse bis in die Gegenwart noch spürbar sind.

            Walter Grond

            Ort: Literaturhaus

            Was hält unsere Welt zusammen, was bewahrt unsere Gegenwart davor, in ihre Einzelteile zu zerfallen? Walter Gronds großer Roman Der gelbe Diwan entwirft ein vielschichtiges Panorama unserer Epoche am Beginn des 21. Jahrhunderts. Statt einer einfachen Antwort führt er uns tief hinein in den Großstadtdschungel zwischen Orient und Okzident, wo Menschen und Kulturen sich begegnen und verlieren, wo Ideen und Identitäten, Geschichten und Erinnerungen aufblitzen und verglühen, wo alles verbunden ist und doch jedes Leben für sich steht: Der Journalist Paul Clement bereitet sich auf eine Reise vor, die ihn auf den Spuren Gustave Flauberts durch Ägypten führen soll, als er vom Selbstmord seines ehemaligen Freundes erfährt. Die Reise zu seinem Begräbnis wird zu einer Reise zurück in seine Bohèmejahre, in eine Zeit, in der alles möglich und alles erklärbar schien, in der man genau wusste, wofür und wogegen man kämpfte.

            Walter Grond: Der gelbe Diwan. Roman (Haymonverlag 2009)

              Ilma Rakusa

              Ort: Literaturhaus

              Eine Kindheit und Jugend in Mitteleuropa, als dieses Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg gerade seine politischen und kulturellen Konturen neu eingeschrieben bekam: Ilma Rakusa geht in ihren Erinnerungen dem kleinen Mädchen nach, der Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter, deren Lebensstationen von einer slowakischen Kleinstadt über Budapest, Ljubljana, Triest nach Zürich – und von da weiter ausgreifend nach Ost und West, nach Leningrad/Petersburg und Paris reichen.

              Mehr Meer. Erinngerungspassagen geht weit über eine Nacherzählung einer Kindheit und Jugend hinaus; es ist die Beschwörung dessen, was von den vielen Lebensorten und Begegnungen bleibt: Töne und Klänge, Farben und Stimmungen, einzelne Szenen und Blitzlichter. In vielen kleinen Selbstbefragungen, in Dialogen, Gedichten und Erinnerungsbildern geht Ilma Rakusa ihrer Geschichte auf den Grund. Dadurch erstehen 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts im prismatischen Blick einer außergewöhnlichen Schriftstellerin, die wie wenige in und zwischen verschiedenen Kulturen lebt.

              Ilma Rakusa: Mehr Meer. Erinnerungspassagen (Droschl 2009)

                Regina Hilber, Robert Kleindienst, Gerhild Steinbuch

                Ort: Literaturhaus

                Im Zentrum von [   netz.werk   ] stehen intertextuelle und intermediale Vernetzungen zwischen Literatur und anderen Künsten sowie das Netzwerk der Autorin/des Autors selbst. Dieses Konzept wurde von StudentInnen der Komparatistik und der Germanistik entwickelt, die außerdem die Gestaltung der jeweiligen Veranstaltungen übernehmen werden.

                Für diesen Abend wurden AutorInnen aus der Anthologie zeichensetzung . zeilen-sprünge – Junge Literatur in Österreich ausgewählt. Die Anthologie versteht sich als Querschnitt durch die Möglichkeiten, Literatur heute zu denken und zu schreiben.

                Regina Hilber beschreibt in ihrem Text jeder.zeit zeitgenössische Kontexte aus Stadt und Land. Sie schildert Eindrücke, Blicke und Momente des Alltagslebens und lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf Nischen und Ränder.

                In seiner Lyrik spielt Robert Kleindienst mit traditionellen Bildern, Begriffen und Naturdarstellungen, indem er sie konstruiert, scheinbar nur um sie zu brechen. Seine Gedichte sind geprägt von Bildern, die er bewusst der Beschreibung entzieht, von der Infragestellung der Autorenschaft und intertextuellen Bezügen.

                In ihrem märchenhaft mystischen Prosatext Von einem schönen Dorf, das immer gern einen Mond gehabt hat baut Gerhild Steinbuch durch ihre bildhafte Sprache eine unheimliche Stimmung und kaum auszuhaltende Spannung auf.

                Regina Hilber, Thomas Ballhausen, Barbara Zwiefelhofer (Hrsg.): zeichensetzung. zeilen-sprünge. Junge Literatur in Österreich (Luftschacht 2009 )

                  Evelyne Polt-Heinzl und Günter Kaindlstorfer

                  Ort: Literaturhaus

                  Einstürzende Finanzwelten - Gespräch

                  Die Literaturwissenschaftlerin Evelyne Polt-Heinzl hat mit gewohnter Akribie die Literaturgeschichte des 20 . Jahrhunderts, von Joseph Roth über Peter Handke bis Kathrin Röggla und viele heute eher vergessene Literaten wie Otto Soyka oder Raoul Auernheimer durchforstet. So kann man bezüglich der aktuellen Wirtschaftskrise einiges lernen aus der Literatur der 1920 er Jahre, wo mit Kriegsschiebern, Inflationsgewinnlern, Hochstaplern und hunderttausenden Arbeitslosen die wirtschaftliche und sozialpolitische Deregulierung gewissermaßen Dauerthema war. Das Buch ist selbst „eine überraschend schnelle, analytische Reaktion auf den Einbruch des internationalen Finanzsystems, denn Polt-Heinzl arbeitet nicht nur heraus, „wie intensiv sich die Literatur mit ökonomischen Krisen auseinandersetzt, sie hat ihren Untersuchungsgegenstand in einen weiten soziologischen, kulturhistorischen und politologischen Kontext gestellt, der sich als überaus erhellendes Begleitbuch zur aktuellen Krise liest. Ein am Ende vielmehr politischer als literaturwissenschaftlicher Beitrag.“ (Gerhard Zeillinger, Spectrum/Die Presse)

                    Kann man Kreativität messen?

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Martin Sexl

                    Tasos Zembylas und Andrea Winkler im Gespräch

                    „Lassen Sie sich Zeit, aber tun Sie es schnell, denn Sie wissen nicht, was Sie erwartet.“
                    {Jacques Derrida}

                    Überall werden notwendige Freiräume des Denkens kleiner, weil sich – auch in der Wissenschaft (der Universität) und der Kunst – die Spirale einer Logik des Verwert- und Verkaufbaren immer schneller dreht. Mit dem Montagsfrühstück wollen wir einen solchen Freiraum aufspannen und ein Forum schaffen, das sich mit der nötigen Langsamkeit der Reflexion grundsätzlicher Fragen und Probleme des Zusammenhangs von Literatur/Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft widmet. Das Montagsfrühstück findet ungefähr einmal im Monat statt und richtet sich an Studierende sowie an alle, die sich für den erwähnten Zusammenhang interessieren. Kaffee und Croissants sollen uns zur Langsamkeit verpflichten, ohne die Schärfe des Gedankens zu beeinträchtigen.

                    Die Auftaktveranstaltung der Reihe widmet sich der Frage nach Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer wissenschaftlich-empirischen Erhebung und Darstellung von literarischen Arbeits- und Schreibprozessen.

                     

                      Andrea Winkler

                      Ort: Literaturhaus

                      In ihrem neuen Buch Drei, vier Töne, nicht mehr. Elf Rufe (Zsolnay 2009 ) setzt eine Figur elf Mal an, sich zu erinnern. Sie leidet an dem Verlust eines geliebten Menschen, an einer heftigen Verletzung und einem Abschied, der nicht stattgefunden hat. Gerade diese Erschütterung und die Angst, sich selbst verlorenzugehen, werden zum Motor ihrer Wege zurück. Egal, ob sie innehält in einem Park, eine Straße entlanggeht oder auf einer Schaukel sitzt, immer spricht sie mit dem Abwesenden, als wäre er noch hier und die Geschichte mit ihm könne noch einmal beginnen: „Kommen Sie näher und teilen Sie meine Verwirrung, die Lust auf ein Leben, das sich noch verspielen lässt, das Verlangen nach etwas Rätselhaftem.“

                      Andrea Winkler: Drei, vier Töne, nicht mehr. Elf Rufe (Zsolnay 2009)

                        Clemens Berger

                        Ort: Literaturhaus

                        Moderation: Gabi Wild, Xaver Schumacher

                        Sebastian muss sich nach dem Ende seines Philosophie-Studiums endlich etwas einfallen lassen, um ein „nützliches Mitglied des menschlichen Marktes“ zu werden. Um das erfolgreich umsetzen zu können, braucht es heutzutage Kreativität und die Bereitschaft zum Risiko. Er sei ein sensationeller Streichler, beruhigend und aufregend zugleich – findet jedenfalls Anna, seine Freundin. Als Sebastian anderthalb Jahre später wirklich zum Gewerbeamt geht, um in der Mondscheingasse ein Streichelinstitut zu eröffnen, stößt er schon bei der Anmeldung auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Dass wirklich Leute kommen und auch noch eine Menge Geld bezahlen, überrascht Sebastian fast selbst, wenngleich er sich eingestehen muss, dass Zielgruppe und Wunschgruppe nicht identisch sind und sich überhaupt plötzlich ganz ungeahnte Probleme auftun …

                        Clemens Berger: Das Streichelinstitut. Roman (Wallstein 2009)

                          Fabio Bonafé

                          Ort: Literaturhaus

                          Le pecore impazienti (Verlag Curcu & Genovese, 2009), zu deutsch Die ungeduldigen Schafe von Fabio Bonafé vereint „ 75 Geschichten und ein Rezept“. Geschichten, die sich ineinander verflechten, voneinander entfernen und letztendlich in ihrer Gesamtheit einen einzigen, etwas bizarren Roman bilden, dessen Komposition an Bilder erinnert wie etwa jene von Pieter Bruegel dem Älteren, dem eine der Geschichten gewidmet ist. Das Buch hat nicht nur einen Protagonisten, sondern viele, so wie jedes Leben sich aus mehreren Personen und vielen kleinen Geschichten zusammensetzt. Jedes „Schaf“ hat seine Rolle, betritt die Bühne mit seinem Charakter und verlässt sie wieder, um seinem Abenteuer zu folgen. Bestimmte Schafe erscheinen mehrmals und führen jenen Wollfaden mit sich, der das Buch zusammenhält, den man aber, wenn man unaufmerksam ist, immer wieder verlieren kann.

                          Es ist auch ein Buch über das zwanzigste Jahrhundert, über dessen Ängste, Illusionen, Tragödien aber auch dessen Suche nach Sinn. Mit verhaltener Ironie, gleichzeitig unsicher und verloren, begegnen die Schafe den Wahrheiten der Vergangenheit und hauchen somit einem letztendlich politischen und religiösen Buch ihr Leben ein.

                          Fabrizio Bonafé: Le pecore impazienti. Settantacinque storie e una ricetta (Curcu & Genovese 2009)

                            Shakespeares Schwestern — Zum Ausschluss der Künstlerinnen aus dem kollektiven Gedächtnis

                            Ort: Literaturhaus

                            Moderation: Sigrid Schmid-Bortenschlager

                            Die Forschungen der letzten Jahre haben die historische Existenz von Künstlerinnen in allen Bereichen nachgewiesen. Der Widerspruch zwischen ihrer zeitgenössischen Präsenz und ihrer historischen Absenz kann nur durch strukturelle und kollektive Verdrängungsmechanismen erklärt werden. Im Bereich der Literatur ist es der mit der Romantik etablierte Begriff von Literatur selbst – Genie, nationale Identität, Innovation –, der zu diesem Ausschluss führt. Sollen die Schriftstellerinnen den ihnen gebührenden Platz erhalten, so muss Literatur neu definiert werden.

                            Sigrid Schmid-Bortenschlager, geboren 1946 , Professorin (in Pension seit 2004 ) für neuere deutsche Literatur mit besonderer Berücksichtigung der Komparatistik in Salzburg; Gastprofessuren in Graz, Paris, Utrecht. Forschungsgebiete: Literatur von Frauen, Literaturtheorie, Avantgarde, österreichische Literatur des 20. Jahrhunderts.

                            Publikationen (Auswahl): Eigensinn und Widerstand. Schriftstellerinnen der Habsburgermonarchie (gemeinsam mit Christa Gürtler, 1998, Ueberreuter); Erfolg und Verfolgung. Österreichische Schriftstellerinnen 1918–1945 (gemeinsam mit Christa Gürtler, 2002, Residenz), Österreichische Schriftstellerinnen 1800–2000. Eine Literaturgeschichte (2009, Wissenschaftliche Buchgesellschaft).

                              Nelly Sachs im Porträt

                              Ort: Literaturhaus

                              Moderation: Christoph W. Bauer

                              Nelly Sachs, eigentlich Leonie Sachs, Tochter eines jüdischen Elternhauses, wurde 1891 in Berlin-Schöneberg geboren. Sehr früh kam sie mit den deutschen Klassikern in Berührung und begann mit siebzehn Jahren ihre ersten Gedichte im Stil des literarischen Impressionismus zu schreiben. Ihre Dichtungen wurden in den zwanziger Jahren in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht. In den dreißiger Jahren setzte sich Nelly Sachs in ihren Werken mit dem wachsenden Faschismus in Deutschland und ihren jüdischen Wurzeln, dem Chassidismus und der Kabbala, auseinander. 1940 emigrierte sie zusammen mit ihrer Mutter und mit Hilfe der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf nach Schweden. Erst 1953 erhielt sie die schwedische Staatsbürgerschaft, lebte und arbeitete dort bis zu ihrem Lebensende. Ihre Reisen nach Deutschland, die erste 1960 anlässlich der Verleihung des Meersburger Droste-Preis für Dichterinnen waren traumatische Erfahrungen.

                              In der Nachkriegszeit schrieb Nelly Sachs mit einer hochemotionalen, herben, aber dennoch zarten Sprache über das Grauen des Holocaust. Im Jahr 1965 erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, ein Jahr später gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Samuel Josef Agnon den Nobelpreis für Literatur. 1970 starb Nelly Sachs in Stockholm.

                                Dirk Kurbjuweit und Joachim Zelter

                                Ort: Literaturhaus

                                Moderation: Robert Renk

                                Die Reihe [   AusDruck   ] beleuchtet den Wandel der Arbeitsplatzsituation in zeitgenössischen literarischen Texten. Wie reflektieren die Schreibenden die veränderten Bedingungen? Welchen Ausdruck finden sie für den Druck und die Zwänge, die immer stärker das Arbeitsleben definieren?

                                Dirk Kurbjuweit erzählt in seinen fünf Romanen, von denen drei verfilmt wurden, gut recherchiert und literarisch einfühlsam aufbereitet von Berufsfeldern wie von einem Privatdetektiv, der ehrbar bleiben will, von einem Zivildiener und Pazifisten, der ein Attentat verüben möchte oder vom Graphiker in einer Werbeagentur, der die retuschierten Leberflecke oder Schamhaare sammelt und unter Echolalie leidet. Seit 1999 Spiegel -Reporter und aktuell Leiter des Berliner Spiegel -Büros, weiß er einiges vom Beruf des Journalisten zu erzählen. Über die Diktatur der Ökonomie hat er ein lesenswertes Fachbuch verfasst.

                                Joachim Zelter hat in seinem zweiten Buch dem Lügen seine Würde zurück gegeben und danach fünf Bücher publiziert, die fast alle als Theaterstücke an deutschsprachigen Bühnen aufgeführt wurden. Er erzählt über das Dozenten-, Autoren-, Schauspielerdasein, über die Lebensqualität von ernsten Philosophen und charmanten Hochstaplern. Sein Theaterstück Vorstellungsgespräch sowie sein tragisch-aktueller Roman Schule der Arbeitslosen (ebenfalls erfolgreich als Theaterstück aufgeführt) geben besten Einblick in die Thematik der Reihe [   AusDruck   ] .

                                  Helene Flöss , Wolfgang Hermann und Birgit Unterholzner

                                  Ort: Literaturhaus

                                  i nnsbruck university press präsentiert die ersten drei Bände der edition laurin von Helene Flöss, Wolfgang Hermann und Birgit Unterholzner

                                  Begrüßung: Rektor Karlheinz Töchterle  und VR Tilmann Märk

                                  Helene Flöss: Mütterlicherseits . Roman. Schon als Kind zieht Lilí verträumt die Erinnerungen mütterlicherseits wie einen geheimen Sack hinter sich her. Darin die Bruchstücke einer ihr nicht ganz geheuren Welt, der Schneiderstube ihrer Mutter, deren Überlebenswerkzeug die Nähmaschine ist. Helene Flöss macht einerseits aus der Perspektive eines Kindes, andererseits aus dem Blickwinkel alter, gebrechlicher Menschen sichtbar, was die Welt gern übersieht: Das scheinbar Unscheinbare, das oft identisch ist mit dem Wesentlichen. In einem Ton, der vielfach überlieferte Redensarten aufnimmt, durchbricht sie keineswegs nur die Grenzlinien zwischen dem Deutschen und dem Italienischen; in bild(er)dichter Sprache enthüllt sie die Poesie der Erzählungen von Menschen, die noch etwas zu erzählen haben.
                                     
                                  Wolfgang Hermann: In Wirklichkeit sagte ich nichts. Erzählungen. „Ich spüre, wie die Nacht zögert. Schritt für Schritt weicht sie zurück. Eine Handbreite noch, und der Tag ist über die Schwelle“, heißt es am Ende der Erzählung Die Tunesische Nacht , in welcher der Erzähler versucht, dem Winter zu entkommen und – wie die meisten von Wolfgang Hermanns Figuren – ein Leben zu führen, das ihm ganz allein gehört. Wie der Protagonist der Erzählung Die Treppe , der sich nach langer Krankheit auf die Seite der „Zeitdiebe“ schlägt. Oder jener am Pariser Flughafen gestrandete Iraner, dem der Leser in Warte im Schatten auf mich begegnet. Es geht darin um nichts und doch um alles. Aus der Gleichzeitigkeit des Schönen und des Schrecklichen, dem ständigen Grenzgang zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit entwickeln diese Erzählungen ihre Kraft und ihre Zerbrechlichkeit.

                                  Birgit Unterholzner: Flora Beriot . Roman. In ihrer Goldschmiede entwirft Flora Beriot Schmuckstücke. Eines Tages kommt ein Mann Mitte vierzig in die Werkstatt und erklärt, er wolle ein Buch über sie, die Tochter des Malers Jakob Beriot, schreiben. Von der unerwarteten Nähe des Fremden angezogen, stellt sich Flora mehr und mehr den Irrungen der Vergangenheit. Die Wahrheit lässt sich kaum mehr finden, denn diese ist untrennbar verknüpft mit der Frage der Perspektive. Birgit Unterholzner erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte einer deutsch-italienischen Künstlerfamilie, eine Geschichte, die von Glanz und Verlust und einer außergewöhnlichen Liebe geprägt ist.

                                    Gefrorene Zeit: Vom Erinnern

                                    Ort: Literaturhaus

                                    Moderation: Martin Sexl

                                    Gespräch zwischen der Autorin Anna Kim und der Historikerin Ingrid Böhler über die Frage nach unterschiedlichen Arten des Erinnerns und nach dem Zugang zu vergangenen Ereignissen in Literatur und Geschichte bzw. Geschichtswissenschaft.

                                      Georges Perec

                                      Moderation: Doris Eibl

                                      Anton Voyls Fortgang.

                                      Es liest Johann Nikolussi

                                      Georges Perec ( 1936 – 1982 ) wird zu den wichtigsten Vertretern der französischen Nachkriegsliteratur gezählt. Er war Mitglied der Oulipo-Gruppe, die, von Sprachartismus und Surrealismus geprägt, neue literarische Formen erprobte. In Anton Voyls Fortgang ( 1969 auf französisch erschienen, ins Deutsche 1986 übersetzt von Eugen Helmlé ) beschreitet Perec das Experiment, einen Roman ohne den Buchstaben „e“ zu verfassen.
                                      Auszüge aus dem Nachwort des Übersetzers Eugen Helmlé sowie eine Leseprobe finden Sie im beiliegenden Inn-Lesebuch.

                                      Doris Eibl, Assistentin am Institut für Romanistik, wird in ihrer Einführung auf die enge Verschränkung zwischen diesem sprachartistischen Experiment und den lebensgeschichtlichen Erfahrungen des Autors eingehen, der als Kind polnischer Juden Vater und Mutter verlor.

                                      Georges Perec: Anton Voyls Fortgang. Roman. Herausgegeben und übersetzt von Eugen Helmlé (Zweitausendeins 1986 )

                                      In Kooperation mit dem PEN-Club Tirol

                                       

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                                        Arno Gisiner und Martin Sexl

                                        Ort: Literaturhaus

                                        Imagined Wars. Mediale Rekonstruktionen des Krieges

                                        Mit einem Kurzfilm von Georg Simbeni und Ale Bachlechner

                                        Begrüßung: VR Tilman Märk

                                        Kriege sind real, aber wie Nationen, Gesellschaften, der Klimawandel oder die Verteilung von Armut und Reichtum sozial konstruiert. Es ist also nicht ganz „natürlich“, dass es Kriege gibt, sondern kulturell bedingt: Kriege entstehen durch die Verwendung von Zeichen. Die Bezeichnung und Beschreibung von Ereignissen ist also nicht einfach ein Versuch, etwas im Nachhinein kommunikativ zugänglich zu machen, vielmehr ist dieser Versuch der medialen Rekonstruktion Teil des Konstruktionsprozesses selbst. Imagined Wars präsentiert zwei Essays, die einen solchen Konstruktionsprozess darstellen und gleichzeitig reflektieren: Martin Sexl entwickelt eine Kritik der Verwendung von fotografischem Material in der Konstruktion von Kriegen und im Berichten darüber, Arno Gisinger demonstriert in einer gegenläufigen Bewegung, dass Fotografien nicht zwangsläufig einer Logik der Abbildung folgen müssen, sondern auch eine Erzählung aufspannen können, welche den „Zwang zur Abbildung“ unterläuft.

                                        Der Kurzfilm Under construction: Imagined wars , der anlässlich der Buchpräsentation das erste Mal gezeigt wird, verwendet das Textmaterial und die Fotografien des Buches, ist aber eine eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema und eine weitere „mediale Rekonstruktion des Krieges“.

                                        Martin Sexl, geboren 1966 in Hall in Tirol, Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker, lebt in Innsbruck als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Innsbruck.

                                        Arno Gisinger, geboren 1964 in Dornbirn, Fotokünstler, lebt und arbeitet in Paris.

                                        Arno Gisiner, Martin Sexl: Imagined Wars. Mediale Rekonstruktionen des Krieges. innsbruck university press 2010

                                          Kathrin Röggla und Ulrich Peltzer

                                          Ort: Literaturhaus

                                          Moderation: Robert Renk

                                          „Auf den ersten Blick scheinen Ulrich Peltzers und Kathrin Rögglas literarische Arbeiten nur schwer vergleichbar. Ulrich Peltzer stellt seine Protagonisten in gesellschaftliche Entwicklungen, fächert Milieus aus, reibt Politisches an Privatem und verdichtet seinen Stoff in reflexiv durchdrungenen, aber sehr konkret geschilderten Szenen. Kathrin Röggla hingegen stürzt sich unmittelbar hinein in die ergehenden Reden, seien es Szenegespräche, Kommentare zur Lage, Medienklischees oder das Gewuchere innerer oder äußerer Monologe. Figuren, Räume, Handlungen entstehen indirekt aus den verzerrten Sprachformen, die zu einer schnellen, rhythmischen Suada verschnitten werden. Und doch ist beiden gemeinsam, daß sie sich sehr bewußt um eine Sprache bemühen, die gesellschaftliche Phänomene konkret zu fassen vermag.“ (Literarisches Colloquium Berlin)

                                            Josef Oberhollenzer

                                            Ort: Literaturhaus

                                            Lesung mit musikalischen Interventionen

                                            Einer verleibt sich die Träume der anderen ein, wo immer er ihrer habhaft wird – ein Traumklauber, der fremde Träume zu den eigenen macht. Oberhollenzer erzählt, wie der Traumklauber zu seinen Träumen kommt; schöne, traurige, grausame Träume – oder Schwesternträume, Elternträume, Großmutterträume. Geträumt von einem Vertreter, einem Pfarrer, einem Hund, aber auch von Andreas Hofer, Tirols Nationalhelden, oder von Arnold, der Hauptfigur aus Oberhollenzers Großmuttermorgenland – sie alle träumen im Traumklauber ihren Traum. Indem Oberhollenzer uns die Träume der anderen durch seinen Traumklauber erzählen lässt, kunstvoll aneinander gereiht, ähnlich einer Traumgalerie, entsteht allmählich das Bild des Traumklaubers selbst, das Bild eines Menschen, der nicht träumen kann und der doch alles dafür täte, es zu können, um endlich glücklich zu sein.

                                            Herman Kühebacher, Mitglied der Pustertaler Folk-Gruppe Titlá , wird mit der „Schwegl“ (alpenländische Querflöte) zu den Texten spielen.

                                            Josef Oberhollenzer: Der Traumklauber. Eine Erzählung in 52 Träumen. Folio 2010

                                              Poetik-Vorlesung mit Sepp Mall

                                              Ort: Literaturhaus

                                              Mittwoch, 20 Uhr: Lesung. Einführung: Wolfgang Wiesmüller
                                              Donnerstag und Freitag, jeweils 16   –   18 Uhr + 20   –   22 Uhr:

                                              Am Mittwochabend wird Sepp Mall als Auftakt zu seiner Poetik-Vorlesung einen Querschnitt aus seiner lyrischen Produktion lesen, von Läufer im Park (Haymon 1992 ) bis zu Wo ist dein Haus (Haymon 2007 ), von den Gedichten des Meraner Lyrikpreises 1996 bis hin zu neuen unveröffentlichten Texten.

                                              In der Poetik-Vorlesung wird der Autor folgende Themen streifen: Lyrik und andere Grenzüberschreitungen; Spiegelungen, Versteckspiele und blinde Hunde: Das lyrische und das biographische Ich; Schreiben lernen – von Einflüssen, falschen Vorbildern und Weggenossen; Schönheit ist unerlässlich – Wortkollisionen, Durchschüsse, Virgeln; Engagierte Lyrik – das verbotene Politische, das verschämt Poetische. Mit Textbeispielen von Erich Fried, Bert Brecht, Klaus Menapace, n.   c.   kaser, Martina Hefter und anderen.

                                                Inkompatibel? Die Sprache der Wissenschaft und die Sprache der Medien

                                                Ort: Literaturhaus

                                                Moderation: Martin Sexl

                                                Es diskutieren der Innsbrucker Glaziologe Georg Kaser, der als Mitglied des „Intergovernmental Panel on Climate Change   /   IPCC“ wesentlich an den Aufsehen erregenden internationalen Klimaberichten mitgewirkt hat und mitwirkt, und der Journalist Peter Angerer.

                                                Im Zentrum steht das Thema der Begegnung von Wissenschaft und  Öffentlichkeit(en), wobei die Frage im Vordergrund stehen wird, wie und mit welcher Sprache Wissenschaft  in den Medien verhandelt wird. Welche Sprache verwendet die universitäre Institution in der Begegnung mit den verschiedenen Öffentlichkeiten? Welche Sprache „verlangen“ die Medien von WissenschaftlerInnen? Diese Fragen sollen anhand der aktuellen Diskussion rund um die Berichte der KlimaforscherInnen diskutiert werden, deren Fehler von jenen umgehend instrumentalisiert wurden, die nicht an eine vom Menschen gemachte Erderwärmung glauben bzw. glauben wollen. In der Diskussion soll ein Reflexionsraum über die emotionale Ausschlachtung der Klimaforschung, insbesondere des medialen In-Szene-Setzens von Angst geschaffen werden.

                                                 

                                                  Richard Obermayr

                                                  Ort: Literaturhaus

                                                  Moderation: Jochen Jung

                                                  Ist die Kugel, die durch diesen Roman fliegt, je abgefeuert worden? Und wenn ja, wird sie ihr Ziel erreichen, oder wird die Verlangsamungstaktik des Erzählers diesen Schuss aufhalten können? Dies ist die Geschichte einer Familie, die unter den Folgen eines Ereignisses leidet, für das es zwar viele Vorzeichen und Hinweise gab, das aber womöglich nie stattgefunden hat.

                                                  Richard Obermayr hat einen Roman über das flüchtigste und zugleich unwiederrufbarste Element geschrieben: die Zeit. Tag für Tag geht sie durch uns hindurch und häuft sich als eine Vergangenheit auf, von der wir nicht wissen, was mit ihr geschieht. Ist es möglich, dass diese gelebte Zeit hinter uns weiterreift, ja dass jene Teile unserer Persönlichkeit, die wir zurücklassen mussten, um die zu werden, die wir heute sind, sich hinter unserem Rücken, gegen uns verbünden? Was ist, wenn eines Tages die Vergangenheit uns nicht mehr braucht und ohne uns weiterlebt?

                                                  Richard Obermayr: Das Fenster. Roman. Jung und Jung 2010

                                                    Zeitmesser: 100 Jahre “Brenner”

                                                    Ort: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

                                                    Ausstellungseröffnung

                                                    Die Zeitschrift Der Brenner , 1910 bis 1954 herausgegeben von Ludwig von Ficker, gilt bis heute als herausragendes Zeugnis der Kulturgeschichte Österreichs. Der Entwicklungsbogen dieser Zeitschrift reicht von der Kultur der Moderne (Karl Kraus, Ludwig Wittgenstein, Georg Trakl, Hermann Broch, Else Lasker-Schüler) bis hin zu einer prononciert katholischen Heilsbotschaft (Søren Kierkegaard, Theodor Haecker, Ferdinand Ebner, Ignaz Zangerle).

                                                    In der Ausstellung sind neben Gemälden, unter anderem von Oskar Kokoschka, Max von Esterle, Max Weiler und Wilfried Kirschl, auch Autographen und Werkmanuskripte aus der Redaktion des Brenner sowie jüngere Schätze aus den Beständen des Brenner-Archivs zu sehen.

                                                    Dauer der Ausstellung: 11 . Juni bis 19 . September 2010

                                                      Katharina Hacker

                                                      Ort: Literaturhaus

                                                      [ netz.werk ]

                                                      Alix, Anton und die anderen ist der Auftakt eines mehrteiligen Romanprojekts. Aus verschiedenen Perspektiven wird in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen, die auch formal getrennt geführt werden, das Beziehungsgeflecht der Protagonisten und ihres sozialen Umfeldes porträtiert. Die Autorin spinnt ein feines Netz, welches die Schicksale der einzelnen Personen miteinander verwebt. Im Mittelpunkt steht die sensible Alix, die die „Wahlfamilie“, bestehend aus ihren Eltern, ihrem Ehemann Jan und den beiden Freunden Anton und Bernd, zusammenhält. Die Charaktere befinden sich auf einer scheinbar endlosen Sinnsuche, treiben ziellos zwischen Liebe, Leben, Glück und Tod. Beziehungswunsch und Bindungsangst liegen nahe beieinander … Im Mai 2010 erscheint die Novelle Die Erdbeeren von Antons Mutter, die ebenfalls Thema des Abends sein wird.

                                                      Katharina Hacker, geboren 1967 in Frankfurt am Main, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Freiburg und Jerusalem, lebt derzeit in Berlin. Für ihren Roman Die Habenichtse erhielt sie 2006 den Deutschen Buchpreis und den Deutschen Literaturpreis. Literarische Veröffentlichungen: Eine Art Liebe. Roman ( 2003 ), Die Habenichtse . Roman ( 2006 ), Überlandleitung. Prosagedichte ( 2009 ). Alle: Suhrkamp.

                                                      Katharina Hacker: Alix, Anton und die anderen. Roman.Suhrkamp 2009 . Die Erdbeeren von Antons Mutter . Roman. Fischer 2010

                                                        Josef Winkler

                                                        Ort: Literaturhaus

                                                        Moderation: Wolfgang Hackl

                                                        im Rahmen des Writer-in-Residence-Programms der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck

                                                        Josef Winkler hat „schonungslos und mit unerhörter Radikalität die Katastrophen seiner katholischen Dorf-Kindheit und die seines Ausgesetztseins in einer mörderischen Welt in barock-expressive, rhythmische Prosa von dunkler Schönheit verwandelt“, heißt es in der Begründung der Jury zur Verleihung des Büchner-Preises 2008 . Seit seinem ersten Roman Menschenkind ( 1979 ), der mit Der Ackermann aus Kärnten ( 1980 ) und Muttersprache ( 1982 ) die Trilogie Das wilde Kärnten bildet, beschreibt Winkler das bäuerlich-katholische Leben und die Stummheit und Sprachlosigkeit der österreichischen Provinz. Seine Texte kreisen in immer neuen Variationen um den Tod, der neben Sexualität oder Religion zu den zentralen Themen seiner suggestiven Prosa gehört. In den literarischen Reflexionen seiner vielen Reisen nach Italien, Mexiko und vor allem nach Indien kontrastiert er die religiös-liturgischen Bilder seiner Kindheit mit den Zeremonien fremder Totenrituale.

                                                          Alessandro Banda, Rut Bernardi, Bruna Dal Lago-Veneri, Roberta Dapunt, Sabine Gruber, Kurt Lanthaler

                                                          Ort: Literaturhaus

                                                          Moderation: Erika Wimmer

                                                          LESEFEST der SAV – Südtiroler Autorinnen Autorenvereinigung

                                                          Eine Kooperation von SAV, Literaturhaus am Inn und Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck

                                                          Südtirol und die drei Sprachgruppen Ladinisch – Deutsch – Italienisch: Das ergibt immer wieder spannende Kommunikationsmomente und interkulturelle Auseinandersetzungen - auch in Dichtung und Literatur. Nicht nur spielt Italien jenseits der Landesgrenzen in vielen Texten Südtiroler Autoren eine Rolle, die Mehrsprachigkeit wird vielfach, man denke etwa an die verstorbenen Dichter Gerhard Kofler und Norbert C. Kaser, gepflegt, sie findet in Prosa und Lyrik ihren Niederschlag.

                                                          Das SAV-Lesefest feiert nicht nur die Literatur des südlichen Landesteils, sondern auch die Lebendigkeit der drei Sprachen. Es wird auf Ladinisch und Italienisch (mit Übersetzung) und auf Deutsch gelesen. Rut Bernardi liest zweisprachig; die Übersetzungen der italienischen Texte von Roberta Dapunt, Bruna Dal Lago-Veneri und Alessandro Banda haben Verena Bernhard, Amra Causevic, Martina Holaus, Sara Lisci, Katharina Meller, Monika Reiterer, Flora Roider, Studierende des Instituts für Translationswissenschaft, unter der Leitung von Christiane Böhler übersetzt, sie werden ihre Übersetzungen auch vortragen.

                                                            Kunst, Kultur und Politik: spannende Verhältnisse

                                                            Ort: Literaturhaus

                                                            Moderation: Xaver Schumacher

                                                            Es diskutieren Erika Wimmer, Autorin und Literaturwissenschaftlerin, Ingeborg Erhart, Kuratorin und Geschäftsleiterin der Tiroler Künstlerschaft, und Beate Palfrader, Landesrätin für Bildung und Kultur.

                                                            Kulturpolitische Debatten zwischen VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und der Kunst- oder Kulturszene werden häufig als Kontroversen um Finanzierung und Verteilung von Geldern geführt. In dieser Veranstaltung des Montagsfrühstücks soll die kulturpolitische Diskussion auf eine fundamentalere Metaebene gehoben werden: Welche unterschiedlichen Definitionen der Begriffe „Kunst“ und „Kultur“ treffen in einer Begegnung dieser beiden gesellschaftlichen Bereiche aufeinander? In welchem Verhältnis stehen die Begriffe zueinander? Inwiefern sind (nationale) Kulturdefinitionen mit jenen der Kunst verbunden oder schließen sich aus? Welches Verständnis von Kunst und Kultur findet sich in der Politik und bei Kunst-Schaffenden?