Veranstaltungen 2010

Kathrin Röggla und Ulrich Peltzer

Ort: Literaturhaus

Moderation: Robert Renk

„Auf den ersten Blick scheinen Ulrich Peltzers und Kathrin Rögglas literarische Arbeiten nur schwer vergleichbar. Ulrich Peltzer stellt seine Protagonisten in gesellschaftliche Entwicklungen, fächert Milieus aus, reibt Politisches an Privatem und verdichtet seinen Stoff in reflexiv durchdrungenen, aber sehr konkret geschilderten Szenen. Kathrin Röggla hingegen stürzt sich unmittelbar hinein in die ergehenden Reden, seien es Szenegespräche, Kommentare zur Lage, Medienklischees oder das Gewuchere innerer oder äußerer Monologe. Figuren, Räume, Handlungen entstehen indirekt aus den verzerrten Sprachformen, die zu einer schnellen, rhythmischen Suada verschnitten werden. Und doch ist beiden gemeinsam, daß sie sich sehr bewußt um eine Sprache bemühen, die gesellschaftliche Phänomene konkret zu fassen vermag.“ (Literarisches Colloquium Berlin)

    Josef Oberhollenzer

    Ort: Literaturhaus

    Lesung mit musikalischen Interventionen

    Einer verleibt sich die Träume der anderen ein, wo immer er ihrer habhaft wird – ein Traumklauber, der fremde Träume zu den eigenen macht. Oberhollenzer erzählt, wie der Traumklauber zu seinen Träumen kommt; schöne, traurige, grausame Träume – oder Schwesternträume, Elternträume, Großmutterträume. Geträumt von einem Vertreter, einem Pfarrer, einem Hund, aber auch von Andreas Hofer, Tirols Nationalhelden, oder von Arnold, der Hauptfigur aus Oberhollenzers Großmuttermorgenland – sie alle träumen im Traumklauber ihren Traum. Indem Oberhollenzer uns die Träume der anderen durch seinen Traumklauber erzählen lässt, kunstvoll aneinander gereiht, ähnlich einer Traumgalerie, entsteht allmählich das Bild des Traumklaubers selbst, das Bild eines Menschen, der nicht träumen kann und der doch alles dafür täte, es zu können, um endlich glücklich zu sein.

    Herman Kühebacher, Mitglied der Pustertaler Folk-Gruppe Titlá , wird mit der „Schwegl“ (alpenländische Querflöte) zu den Texten spielen.

    Josef Oberhollenzer: Der Traumklauber. Eine Erzählung in 52 Träumen. Folio 2010

      Poetik-Vorlesung mit Sepp Mall

      Ort: Literaturhaus

      Mittwoch, 20 Uhr: Lesung. Einführung: Wolfgang Wiesmüller
      Donnerstag und Freitag, jeweils 16   –   18 Uhr + 20   –   22 Uhr:

      Am Mittwochabend wird Sepp Mall als Auftakt zu seiner Poetik-Vorlesung einen Querschnitt aus seiner lyrischen Produktion lesen, von Läufer im Park (Haymon 1992 ) bis zu Wo ist dein Haus (Haymon 2007 ), von den Gedichten des Meraner Lyrikpreises 1996 bis hin zu neuen unveröffentlichten Texten.

      In der Poetik-Vorlesung wird der Autor folgende Themen streifen: Lyrik und andere Grenzüberschreitungen; Spiegelungen, Versteckspiele und blinde Hunde: Das lyrische und das biographische Ich; Schreiben lernen – von Einflüssen, falschen Vorbildern und Weggenossen; Schönheit ist unerlässlich – Wortkollisionen, Durchschüsse, Virgeln; Engagierte Lyrik – das verbotene Politische, das verschämt Poetische. Mit Textbeispielen von Erich Fried, Bert Brecht, Klaus Menapace, n.   c.   kaser, Martina Hefter und anderen.

        Inkompatibel? Die Sprache der Wissenschaft und die Sprache der Medien

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Martin Sexl

        Es diskutieren der Innsbrucker Glaziologe Georg Kaser, der als Mitglied des „Intergovernmental Panel on Climate Change   /   IPCC“ wesentlich an den Aufsehen erregenden internationalen Klimaberichten mitgewirkt hat und mitwirkt, und der Journalist Peter Angerer.

        Im Zentrum steht das Thema der Begegnung von Wissenschaft und  Öffentlichkeit(en), wobei die Frage im Vordergrund stehen wird, wie und mit welcher Sprache Wissenschaft  in den Medien verhandelt wird. Welche Sprache verwendet die universitäre Institution in der Begegnung mit den verschiedenen Öffentlichkeiten? Welche Sprache „verlangen“ die Medien von WissenschaftlerInnen? Diese Fragen sollen anhand der aktuellen Diskussion rund um die Berichte der KlimaforscherInnen diskutiert werden, deren Fehler von jenen umgehend instrumentalisiert wurden, die nicht an eine vom Menschen gemachte Erderwärmung glauben bzw. glauben wollen. In der Diskussion soll ein Reflexionsraum über die emotionale Ausschlachtung der Klimaforschung, insbesondere des medialen In-Szene-Setzens von Angst geschaffen werden.

         

          Richard Obermayr

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Jochen Jung

          Ist die Kugel, die durch diesen Roman fliegt, je abgefeuert worden? Und wenn ja, wird sie ihr Ziel erreichen, oder wird die Verlangsamungstaktik des Erzählers diesen Schuss aufhalten können? Dies ist die Geschichte einer Familie, die unter den Folgen eines Ereignisses leidet, für das es zwar viele Vorzeichen und Hinweise gab, das aber womöglich nie stattgefunden hat.

          Richard Obermayr hat einen Roman über das flüchtigste und zugleich unwiederrufbarste Element geschrieben: die Zeit. Tag für Tag geht sie durch uns hindurch und häuft sich als eine Vergangenheit auf, von der wir nicht wissen, was mit ihr geschieht. Ist es möglich, dass diese gelebte Zeit hinter uns weiterreift, ja dass jene Teile unserer Persönlichkeit, die wir zurücklassen mussten, um die zu werden, die wir heute sind, sich hinter unserem Rücken, gegen uns verbünden? Was ist, wenn eines Tages die Vergangenheit uns nicht mehr braucht und ohne uns weiterlebt?

          Richard Obermayr: Das Fenster. Roman. Jung und Jung 2010

            Zeitmesser: 100 Jahre “Brenner”

            Ort: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

            Ausstellungseröffnung

            Die Zeitschrift Der Brenner , 1910 bis 1954 herausgegeben von Ludwig von Ficker, gilt bis heute als herausragendes Zeugnis der Kulturgeschichte Österreichs. Der Entwicklungsbogen dieser Zeitschrift reicht von der Kultur der Moderne (Karl Kraus, Ludwig Wittgenstein, Georg Trakl, Hermann Broch, Else Lasker-Schüler) bis hin zu einer prononciert katholischen Heilsbotschaft (Søren Kierkegaard, Theodor Haecker, Ferdinand Ebner, Ignaz Zangerle).

            In der Ausstellung sind neben Gemälden, unter anderem von Oskar Kokoschka, Max von Esterle, Max Weiler und Wilfried Kirschl, auch Autographen und Werkmanuskripte aus der Redaktion des Brenner sowie jüngere Schätze aus den Beständen des Brenner-Archivs zu sehen.

            Dauer der Ausstellung: 11 . Juni bis 19 . September 2010

              Katharina Hacker

              Ort: Literaturhaus

              [ netz.werk ]

              Alix, Anton und die anderen ist der Auftakt eines mehrteiligen Romanprojekts. Aus verschiedenen Perspektiven wird in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen, die auch formal getrennt geführt werden, das Beziehungsgeflecht der Protagonisten und ihres sozialen Umfeldes porträtiert. Die Autorin spinnt ein feines Netz, welches die Schicksale der einzelnen Personen miteinander verwebt. Im Mittelpunkt steht die sensible Alix, die die „Wahlfamilie“, bestehend aus ihren Eltern, ihrem Ehemann Jan und den beiden Freunden Anton und Bernd, zusammenhält. Die Charaktere befinden sich auf einer scheinbar endlosen Sinnsuche, treiben ziellos zwischen Liebe, Leben, Glück und Tod. Beziehungswunsch und Bindungsangst liegen nahe beieinander … Im Mai 2010 erscheint die Novelle Die Erdbeeren von Antons Mutter, die ebenfalls Thema des Abends sein wird.

              Katharina Hacker, geboren 1967 in Frankfurt am Main, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Freiburg und Jerusalem, lebt derzeit in Berlin. Für ihren Roman Die Habenichtse erhielt sie 2006 den Deutschen Buchpreis und den Deutschen Literaturpreis. Literarische Veröffentlichungen: Eine Art Liebe. Roman ( 2003 ), Die Habenichtse . Roman ( 2006 ), Überlandleitung. Prosagedichte ( 2009 ). Alle: Suhrkamp.

              Katharina Hacker: Alix, Anton und die anderen. Roman.Suhrkamp 2009 . Die Erdbeeren von Antons Mutter . Roman. Fischer 2010

                Josef Winkler

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: Wolfgang Hackl

                im Rahmen des Writer-in-Residence-Programms der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck

                Josef Winkler hat „schonungslos und mit unerhörter Radikalität die Katastrophen seiner katholischen Dorf-Kindheit und die seines Ausgesetztseins in einer mörderischen Welt in barock-expressive, rhythmische Prosa von dunkler Schönheit verwandelt“, heißt es in der Begründung der Jury zur Verleihung des Büchner-Preises 2008 . Seit seinem ersten Roman Menschenkind ( 1979 ), der mit Der Ackermann aus Kärnten ( 1980 ) und Muttersprache ( 1982 ) die Trilogie Das wilde Kärnten bildet, beschreibt Winkler das bäuerlich-katholische Leben und die Stummheit und Sprachlosigkeit der österreichischen Provinz. Seine Texte kreisen in immer neuen Variationen um den Tod, der neben Sexualität oder Religion zu den zentralen Themen seiner suggestiven Prosa gehört. In den literarischen Reflexionen seiner vielen Reisen nach Italien, Mexiko und vor allem nach Indien kontrastiert er die religiös-liturgischen Bilder seiner Kindheit mit den Zeremonien fremder Totenrituale.

                  Alessandro Banda, Rut Bernardi, Bruna Dal Lago-Veneri, Roberta Dapunt, Sabine Gruber, Kurt Lanthaler

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Erika Wimmer

                  LESEFEST der SAV – Südtiroler Autorinnen Autorenvereinigung

                  Eine Kooperation von SAV, Literaturhaus am Inn und Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck

                  Südtirol und die drei Sprachgruppen Ladinisch – Deutsch – Italienisch: Das ergibt immer wieder spannende Kommunikationsmomente und interkulturelle Auseinandersetzungen - auch in Dichtung und Literatur. Nicht nur spielt Italien jenseits der Landesgrenzen in vielen Texten Südtiroler Autoren eine Rolle, die Mehrsprachigkeit wird vielfach, man denke etwa an die verstorbenen Dichter Gerhard Kofler und Norbert C. Kaser, gepflegt, sie findet in Prosa und Lyrik ihren Niederschlag.

                  Das SAV-Lesefest feiert nicht nur die Literatur des südlichen Landesteils, sondern auch die Lebendigkeit der drei Sprachen. Es wird auf Ladinisch und Italienisch (mit Übersetzung) und auf Deutsch gelesen. Rut Bernardi liest zweisprachig; die Übersetzungen der italienischen Texte von Roberta Dapunt, Bruna Dal Lago-Veneri und Alessandro Banda haben Verena Bernhard, Amra Causevic, Martina Holaus, Sara Lisci, Katharina Meller, Monika Reiterer, Flora Roider, Studierende des Instituts für Translationswissenschaft, unter der Leitung von Christiane Böhler übersetzt, sie werden ihre Übersetzungen auch vortragen.

                    Kunst, Kultur und Politik: spannende Verhältnisse

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Xaver Schumacher

                    Es diskutieren Erika Wimmer, Autorin und Literaturwissenschaftlerin, Ingeborg Erhart, Kuratorin und Geschäftsleiterin der Tiroler Künstlerschaft, und Beate Palfrader, Landesrätin für Bildung und Kultur.

                    Kulturpolitische Debatten zwischen VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und der Kunst- oder Kulturszene werden häufig als Kontroversen um Finanzierung und Verteilung von Geldern geführt. In dieser Veranstaltung des Montagsfrühstücks soll die kulturpolitische Diskussion auf eine fundamentalere Metaebene gehoben werden: Welche unterschiedlichen Definitionen der Begriffe „Kunst“ und „Kultur“ treffen in einer Begegnung dieser beiden gesellschaftlichen Bereiche aufeinander? In welchem Verhältnis stehen die Begriffe zueinander? Inwiefern sind (nationale) Kulturdefinitionen mit jenen der Kunst verbunden oder schließen sich aus? Welches Verständnis von Kunst und Kultur findet sich in der Politik und bei Kunst-Schaffenden?