Veranstaltungen 2010

Konrad Rabensteiner

Ort: Literaturhaus

Moderation: Christine Riccabona

In seiner Lyrik zeigt sich neben vielfältiger Thematik Rabensteiners besondere Nähe zur Bildenden Kunst. In den letzten Jahren wendet sich Rabensteiner vermehrt der Prosa zu, 2007 ist in der Edition Raetia sein umfangreicher Roman erschienen, über den Hans Bender schreibt: „Gestern Abend habe ich Ihren Roman Der Befall zu Ende gelesen (…). Ich geriet in einen Sog, wie ich ihn lange nicht mehr erlebte. (…) Hohes Lob verdient die Sprache des Romans; die Genauigkeit, ja Penibilität der Beschreibung. Gerne höre ich den Tonfall, erfreue mich an den Wörtern aus Südtirol.“ (Verlag)

Der Abend bietet einen Querschnitt durch das Werk des Südtiroler Autors. Rabensteiner wird Texte aus älteren und jüngeren Bänden lesen, insbesondere aus seinem jüngsten Werk, dem im Herbst in der Edition Raetia erscheinenden Roman Aldo Ricci, der von der schwierigen Liebe zweier Männer handelt.

 

    Ale Bachlechner, Stefanie Denz, Martin Fritz, Nina Fuchs, Anna Gschnitzer, Robert Prosser, Richard Schwarz, Xaver Schumacher, Simon Wirthensohn, Jörg Zemmler

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Nina Fuchs und David Prieth

    Die Literaturzeitschrift Komplex wird von Studierenden der Innsbrucker Vergleichenden Literaturwissenschaft in Eigeninitiative herausgegeben. Über das studentische Umfeld hinaus bietet sie nun schon seit einigen Jahren eine innovative Plattform für junge Nachwuchstalente. Zweimal jährlich erscheinend, zeichnet sich jede Ausgabe durch ein vielgestaltiges Nebeneinander von Text- und Bildbeiträgen aus, stets zusammengehalten durch eine thematische Klammer. Anspruchsvolles, Kritisches und Ernstes trifft auf Unterhaltendes, Spontanes und Experimentelles - ein ebenso bunter wie stimmiger Mix. Studierende veröffentlichen neben bereits bekannteren AutorInnen, professionelle JungdesignerInnen verleihen dem Blatt durch ihre Illustrationen seine besondere Optik.

    Der Abend bietet eine Auswahl besonders gelungener Texte der letzten Jahre, umrahmt von Bild- und Videobeiträgen. Organisiert wird die Veranstaltung von Studierenden der Innsbrucker Vergleichenden Literaturwissenschaft.

      mitSprache unterwegs: Literarische Reportagen nach Joseph Roth (Teil I)

      Ort: Literaturhaus

      Elf literarische Einrichtungen Österreichs konnten mit Hilfe von Stipendien des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur österreichische Autoren und Autorinnen beauftragen, sich reisend und schreibend mit der literarischen Gattung der Reportage auseinanderzusetzen. Als ideeller Bezugspunkt dieses Projekts diente Joseph Roth, als Resultat liegt nun ein Buch mit neun literarischen Reportagen vor.

      Aus dem Reiseprojekt von Radek Knapp: "Meine Reise wird in Wien beginnen und nach Krakau und Umgebung gehen. Nach einem langen Aufenthalt im Westen (über dreißig Jahre in Wien sind es inzwischen), der viele von uns (ob man es will oder nicht) zu Kennern aller möglichen Tücken der freien Marktwirtschaft gemacht hatte, möchte ich es mir erlauben, das Land an der Weichsel mit den Augen eines skeptischen Fachmanns zu betrachten. Banaler ausgedrückt: Seit langer Zeit habe ich Lust, einen nostalgischen Schlussstrich zu machen und mit einem Land ,abzurechnen', das nicht nur aufgehört hatte meine Heimat zu sein, sondern auch unzählige Menschen heimatlos gemacht hat, ohne dass sie das Land zu verlassen brauchten."

      Aus dem Reiseprojekt von Doron Rabinovici: "Ich will in diesem Winter nach Sri Lanka und nach Südindien fahren. Ich möchte dort auf israelische Reservisten stoßen, um sie zu fragen, was sie nach der Armee bewegt, weshalb es sie forttreibt aus dem Nahen Osten, und wonach sie fern der besetzten Gebiete und weitab der Kampfzone Ausschau halten. Ich werde mit den jungen Chassiden sprechen, um von ihnen zu erfahren, wie es ihnen in jener Gegend unweit des Äquators und so fern von Smolensk und von Czernowitz, von Brooklyn und der Bronx, von Safed und von Zion ergeht."

        mitSprache unterwegs Literarische Reportagen nach Joseph Roth (Teil II)

        Ort: Literaturhaus

        Christoph W. Bauers Beitrag trägt den Titel Im Blick versunkene Landschaften, in dem er Joseph Roth mit einer seiner Hauptfiguren, Leutnant Trotta konfrontiert. Dieser fordert seinen Schöpfer auf, sich mit ihm auf Reisen zu begeben. Und so sind sie zu dritt unterwegs, pendeln zwischen den Zeiten und Orten, Paris, Wien, Lemberg, Tarnopol. Bauer entwirft ein ungewöhnliches Porträt von Joseph Roth einerseits, andererseits ist sein Beitrag ein Essay, der über Heimat, Flucht, Reisen und die Imaginationskraft von Literatur erzählt.

        Manfred Müller, Kurt Neumann (Hg.): mitSprache unterwegs. Literarische Reportagen. Mit Beiträgen von Christoph W. Bauer, Clemens Berger, Anna Kim, Radek Knapp, Lydia Mischkulnig, Martin Pollack, Doron Rabinovici, Peter Rosei, Sabine Scholl. Vorwort von Ilija Trojanow. Edition Atelier 2010

          Oksana Sabuschko

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Christa Kofler

          Lesung auf Deutsch: Alexander Kratochvil

          Der zweite Roman der ukrainischen Autorin, Museum der vergessenen Geheimnisse, ist eine schonungslose, mutige und manchmal schockierende Abrechnung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der Ukraine. In einem komplexen Panorama erzählt sie die Geschichte dreier Frauen und damit auch die schwierige und verworrene Geschichte der Ukraine im zwanzigsten Jahrhundert.

          Oksana Sabuschko: Museum der vergessenen Geheimnisse. Roman. Aus dem Ukrainischen von Alexander Kratochvil. Droschl Verlag 2010

            Kenka Lekovich und Sepp Mall

            Ort: Literaturhaus

            Zweisprachige Lesung (italienisch und deutsch)
            Am Akkordeon: Matteo Facchin

            Kenka Lekovichs Erzählband Se il treno improvvisamente si fermasse a Maglern wurde vom Südtiroler Autor Sepp Mall unter dem Titel Der Zug hält nicht in Ugovizza ins Deutsche übersetzt. Es sind lose untereinander verwobene Geschichten, eine verweist auf die andere. Gemeinsam ist ihnen der Ort der Handlung: ein Zugabteil auf der Strecke zwischen Udine und Bruck an der Mur und das Thema, um das jede von ihnen in der einen oder anderen Weise kreist: Grenzen und Grenzräume, als Niemandsland erlebt oder als Schwelle, über die man in eine andere Welt eintritt, Grenzen, die im Zuge der europäischen Integration in Identitätskrisen geraten, und solche, die sich erst recht als undurchdringliches Dickicht erweisen.

            Kenka Lekovich: Se improvvisamente il treno si fermasse a Maglern. 12 racconti di confine piú uno. Edizioni alpha beta 2010; Der Zug hält nicht in Ugovizza.12 Grenzgeschichten und eine. Aus dem Italienischen von Sepp Mall. Edizioni alpha beta/Drava 2010

              Eine Google Weltbibliothek: Demokratisierung oder Raubzug?

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Martin Fritz

              Gerhard Ruiss und Katja Stopka im Gespräch

              Anlass für diese Veranstaltung rund um das Urheberrecht und die Verbreitung von Kunst im worldwideweb ist die vom kalifornischen Internet-Konzern Google geplante Bildung einer digitalen "Weltbibliothek". Im Kontext dieser heiklen Debatte eröffnet sich ein weiter Fragenkatalog: Bedeutet ein derartiges Unterfangen Demokratisierung oder unkontrollierte Freigabe? Wie kommt die Auswahl der aufgenommenen Werke zustande? Was für Folgen haben derartige Entwicklungen für die Schöpfer der Werke und für die klassische Konzeption des Urheberrechts? Müssen neue Rechts-/Entgeltformen angedacht werden?

                Gerhard Ruiss und Martin Fritz

                Ort: Literaturhaus

                "Frisch und erstaunlich gegenwärtig, von lustvoll und frivol bis sinnlich, zart" - so lässt sich der Ton des Lyrikers Gerhard Ruiss beschreiben, den er in seinen Nachdichtungen der späten Lieder von Oswald von Wolkenstein anschlägt. Im dritten Band der Nachdichtungen wird das gesamte Panorama des dichterischen Schaffens des weltgewandten mittelalterlichen Dichters deutlich: Liebesgesänge, Spottlieder, Sprüche, religiöse und politsche Lieder. Den Witz und die ungebändigte Lebensfreude Wolkensteins überträgt Ruiss in ein frisches, heutiges Deutsch.

                Martin Fritz liest Auszüge aus dem in Arbeit befindlichen Romanprojekt hier war jetzt über Exzess, Wahrheit und Scheitern sowie Gedichte aus dem unveröffentlichten Zyklus the definition of correctnessüber Tiere, Kosmologie und Informationstheorie.

                  Lisa Fritsch und Erika Wimmer im Gespräch

                  Ort: Literaturhaus

                  Wannen Wonnen von Lisa Fritsch besteht aus unterschiedlichen Genres. Mit einem Gemisch von Erzählung, Notat, Reportage, Essay und Gedicht wird Lisa Fritsch dem Phänomen Badewanne in seinen kulturhistorischen Facetten gerecht: vom Ort des Alleinseins bis zum Badezimmer für die gemeinsame Schönheitspflege, vom Ort für physikalische Experimente bis zur Wanne als Tatort. Das Motiv der Annäherung ist dabei "oft nur nebenbei anwesend, blinkt als Geschichtenkatalysator und die einzelnen Texte verbindende (markierende) Konstante mitunter bloß am Rand des Erzählten kurz auf: zum Anlass gewordenes objet trouvé." (Birgit Schwaner)

                  Erika Wimmer erzählt in ihrem Roman Die dunklen Ränder der Jahre zwei Lebensgeschichten, die miteinander verstrickt und aufeinander bezogen sind, ohne sich mehr als ein halbes Jahrhundert lang berührt zu haben. Die Dynamik aus Flucht und Täuschung, Verdrängung und Enttäuschung durchdringt und bestimmt diese beiden Leben, die so nur in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts denkbar sind. "Ein Roman, sprachmächtig und stilsicher, ein reifes Werk voller Spannung, die das Erzählfeuer geschickt entfacht und stets lodern lässt, indem die Handlung nach einer fein komponierten Erzähldramaturgie enthüllt wird." (Bernhard Sandbichler).

                  Lisa Fritsch: Wannen Wonnen. Sonderzahl 2009

                  Erika Wimmer: Die dunklen Ränder der Jahre. Roman. Folio 2009

                    Rose-Anne Clermont, Louis-Philippe Dalembert, Dany Laferrière, Hans Christoph Buch

                    Ort: Literaturhaus

                    Veranstaltet von: Zentrum für Kanadastudien, Zentrum für Interamerikanische Studien, Frankreich- Schwerpunkt und Südwind

                    Literatur aus Haiti
                    Zweisprachige Lesung

                    Am 12. Jänner 2010 bebt in Haiti die Erde, die internationale Gemeinschaft verspricht Hilfe. Wo aber steht Haiti elf Monate danach? Was bleibt vom "Kieselstein", der "in der Sonne glänzt", jenem "caillou au soleil", den Dany Laferrière in seinen frühen Texten beschwor? Seine Antwort lautet: "Retten wird uns unsere Kultur." Der literarischen Kultur Haitis, der Vielfalt vor allem seiner AutorInnen der Diaspora, ist dieser Leseabend gewidmet.