Veranstaltungen 2011

Hanno Millesi

Ort: Literaturhaus

Präsentation des Luftschacht Verlags
Einführung, Präsentation: Bianca Jenewein
Gespräch: Alejandro Boucabeille, Cornelia Müller

Stefan Buchberger und Jürgen Lagger betrachten die Geschichte ihres Luftschacht Verlags als relativ kurz und doch haben sie sich seit der Gründung 2001 einen Namen am deutschsprachigen Buchmarkt gemacht. Ihr erstes Programm erschien 2003, seither bieten sie ein vielfältig ansprechendes literarisches Spektrum. Im selbst bezeichneten Publikumsverlag erscheinen vorwiegend deutschsprachige Belletristik, aber auch Übersetzungen, Kinderbücher für das Vorlese- bis frühe Lesealter und Comicbücher. Bekannt wurde der Verlag u. a. durch die Jury- und Verlegertätigkeiten im Literaturwettbewerb für NachwuchsautorInnen Wortlaut des österreichischen Radiosenders fm4.

Hanno Millesi, der den Ruf als unverwechselbare Stimme der jüngeren AutorInnengeneration (Frankfurter Allgemeine Zeitung) genießt, wurde erst vor kurzem im Rahmen der Buch Wien mit dem Exil-Literaturpreis 2010 ausgezeichnet. Er gilt als einer der bekanntesten Autoren des Luftschacht Verlags. In seinem neuesten Buch Das innere und das äußere Sonnensystem versammeln sich Kurzgeschichten über das Schreiben und die Literatur, über Kunst an und für sich.

Hanno Millesi: Das innere und das äußere Sonnensystem. Roman. Luftschacht Verlag, 2010

    Wirtschaft am Wendepunkt

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Herbert Salzmann

    Unter der Gesprächsleitung von Herbert Salzmann (Unternehmens- und Organisationsberater sowie Literaturwissenschaftler) diskutieren der Schriftsteller und Unternehmer Ernst-Wilhelm Händler und der Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Kappler (Leiter des Instituts für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck, Abteilungsleiter für Controlling und Organisationskultur).  

    Bei diesem Montagsfrühstück soll die Art und Weise, wie wir Wirtschaft betreiben, diskutiert und die Frage aufgeworfen werden, welchen Stellenwert die vorherrschende Form des kapitalistischen Wirtschaftens in unserem Handeln und auch Denken einnimmt und ob diese Form langfristig überhaupt (noch) Sinn macht. Diese Form scheint so selbstverständlich geworden zu sein, dass wir nur selten die Frage stellen, ob sie noch gesamtgesellschaftlich vertretbar ist bzw. ob sie es je war. Im Montagsfrühstück sollen zum einen alternative Formen des Wirtschaftens thematisiert werden, die – jenseits von sozialromantischen Vorstellungen – denkbar sind; zum anderen könnten auch Möglichkeiten ins Spiel gebracht werden, wie tief sitzende Überzeugungen von Menschen und kaum steuerbar erscheinende Strukturen gesellschaftlichen (ökonomischen, politischen) Seins und Agierens hinterfragt oder gar verändert werden können. Dass Kunst und Literatur bei der Reflexion und Veränderung von solchen Überzeugungen eine Rolle spielen oder spielen könnten, scheint uns evident.


      Ernst-Wilhelm Händler

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Anna Rottensteiner

      Ernst-Wilhelm Händler wurde 1953 in Regensburg geboren. Nachdem er in München Wirtschaftswissenschaften und Philosophie studiert hatte, übernahm er als Geschäftsführer die familieneigene Leichtmetallfirma bei Regensburg. In seinen Romanen setzt er sich mit dem kapitalistischen System und dessen Einfluss und Verführungskraft auf den Menschen auseinander. Er entwirft fiktive Szenarien der westeuropäischen Realität, konstruiert von Roman zu Roman fortschreitend das Gebäude der Gesellschaft und deren Funktionieren.

      „Händler ist nicht nur ein brillanter Romancier, sondern auch selbständiger Unternehmer und kennt sich aus. Wo die klassische Mikroökonomie aufhört, fängt Händler erst richtig an. Der Autor eröffnet die erschütternde Bilanz der Gefühlsökonomie in den Führungsetagen. Mit Proust’scher Präzision zeichnet er die psychischen Kollateralschäden des wirtschaftlichen Handelns bis in die feinsten Verästelungen nach. Fühlen und Denken seiner Personen ist vom unbedingten Willen zur Macht durchdrungen.“ (Stephan Maus zu Händlers Roman Wenn wir sterben, NZZ)

      Der Autor publiziert seit 1995 in der Deutschen Verlagsanstalt. Zuletzt erschienen die Romane Wenn wir sterben. (2002), Die Frau des Schriftstellers. (2006), Welt aus Glas. (2009).

        Murray Hall

        Ort: Literaturhaus

        Vortrag: Die „Führerbibliothek“ – Anmerkungen zu ihrer Geschichte

        Als Adolf Hitler Anfang April 1938  seiner „Patenstadt“ Linz an der Donau einen Besuch abstattete und dabei das Landesmuseum aufsuchte, war er voller Ideen über die Neugestaltung der Stadt. Linz sollte Standort eines weitläufigen Museumskomplexes, des zu erbauenden „Führermuseums“, werden. Als Teil dieser Planung sollte auch eine „Adolf-Hitler-Bibliothek“ bzw. die „Führerbibliothek“ in unmittelbarer Nähe gebaut werden. Entstehen sollte keine kunstwissenschaftliche Fachbibliothek, auch keine NS-Fachbibliothek, sondern einerseits eine wissenschaftliche Stadtbibliothek, anderseits eine universell repräsentative Landesbibliothek. Die Bändezahl – eine Million Bücher – legte Hitler höchstpersönlich fest, diese sollten auf sieben Stockwerke verteilt werden. Die Partei-Kanzlei in München begann mit dem Sammeln, vornehmlich aus geschlossenen Bibliotheken und geraubten Bücherbeständen. In Folge der Kriegsereignisse wurde im idyllischen Grundlsee eine Ausweichstelle gesucht und gefunden. Von Mitte 1943 bis zum Kriegsende war die „Füh-
        rerbibliothek“ in der Villa Castiglioni zu Hause. Eine der fleißigsten Bücherlieferanten war die Nationalbibliothek in Wien. Sie sollte auch nach Ende des Dritten Reichs bei der Auflösung der „Führerbibliothek“ eine maßgebliche Rolle spielen.

        Murray Hall, geboren 1947 in Winnipeg, Manitoba, Kanada. Studium der Germanistik, Romanistik und Anglistik, seit 2000 außerordentlicher Univ.-Prof. am Institut für Germanistik in Wien. Forschungsschwerpunkte: Literatur der Zwischenkriegszeit, Nachlässe, Buchhandels- und Verlagsgeschichte, Bibliotheksgeschichte in der NS-Zeit. Mitbegründer und Obmann des Vereins „Gesellschaft für Buchforschung in Österreich“. Aktuelles Projekt: Die Geschichte der deutschsprachigen literarischen Verlage in den böhmischen Ländern 1919–1945.

          Barbara Aschenwald und Dorothee Elmiger

          Ort: Literaturhaus

          Zwei Autorinnen, die im Jahr 2010 für ihre Debüts ausgezeichnet wurden, lesen aus ihren Werken.

          Barbara Aschenwald: Leichten Herzens. Erzählungen. Skarabaeus 2010
          Dorothee Elmiger: Einladung an die Waghalsigen. Roman. DuMont 2010

            Norbert Gstrein

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Johann Holzner

            Wer liebt, will den anderen ganz. Aber kann man ihn zum persönlichen Eigentum machen, bis über den Tod hinaus? Kann eine Frau behaupten, die ganze Wahrheit über ihren Mann zu wissen? Und liegt diese nicht immer irgendwo zwischen Wirklichkeit und Fiktion?

            Nirgends ist die Welt so klein wie in Wien. Jeder spricht über jeden, jeder schreibt über jeden. Einen Verleger wie Heinrich Glück kann es nur dort geben: Über vier experimentierfreudige Lyrikerinnen und eine katholische Mystikerin mit esoterischem Einschlag ist er nicht weit hinausgekommen. Dann aber taucht mit der exzentrischen Dagmar eine junge Frau auf, die seinem Leben eine andere Bedeutung geben will. Er läßt sich scheiden, um mit ihr seine letzten Jahre zu verbringen, aber sie ergreift nur immer ausschließlicher Besitz von seiner Existenz. Als er stirbt, soll er endgültig ihr Eigentum werden: Sie schreibt ein Buch über seinen Tod. Doch da zerbricht das prekäre Gleichgewicht: Der langjährige Verlagslektor weigert sich, das Buch zu publizieren. Er beschließt, Dagmars Wahrheit seine eigene Version entgegenzusetzen.
            In einem ironischen, brillanten Vexierspiel zeichnet Norbert
            Gstrein das Porträt einer Frau, die nur an eine Wahrheit glauben will: ihre eigene. Dabei stellt er die große Frage: Was soll das sein, die ganze Wahrheit über einen Menschen? Die Antwort wird eine Inszenierung der Macht.

            Norbert Gstrein: Die ganze Wahrheit. Roman. Hanser 2010

              Thomas Bernhard: Der Wahrheit auf der Spur

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Martin Huber

              Reden, Leserbriefe, Interviews, Feuilletons
              Lesung: Klaus Rohrmoser

              Wenn Thomas Bernhard sich öffentlich äußert, drängt sich der Eindruck auf, er verhalte sich genauso wie die Hauptpersonen in seinen Romanen und Theaterstücken: Da wird die Welt zum Katastrophenroman und zum sinnlosen Schauspiel, in dem Bornierte und Böswillige, Nichtwisser und Nichtkönner agieren, die es in gerechtem Zorn und kunstvoller Übertreibung anzuklagen und zu verurteilen gilt. Vorher werden sie aber, Höchststrafe, der Lächerlichkeit überführt.
              Deshalb konnte es nicht ausbleiben, dass Bernhards Interventionen ständig von Skandalen begleitet sind: Eine frühe Kritik am Spielplan trägt ihm einen Prozess des Intendanten ein, die Dankesrede bei einer Preisverleihung mündet in der Absage einer weiteren Preisverleihung, eine Rezension läßt einen Minister nach dem Sendeverbot eines Bernhard-Porträts rufen, ein Interview erregt Politiker und Journalisten gleichermaßen.

              Der Abend zeigt den „öffentlichen Bernhard“: Martin Huber, Mitherausgeber von Der Wahrheit auf der Spur – Die öffentlichen Auftritte. (Suhrkamp 2010), wird den Band vorstellen, der, in chronologischer Reihenfolge, Bernhards gewichtige journalistische Arbeiten, seine Leserbriefe, seine öffentlichen Erklärungen sowie die folgenreichen Interviews enthält. Es wird nachvollziehbar, wie Bernhard von der Öffentlichkeit gesehen werden möchte, wie er mit ihr spielt, wie er sie für seine Zwecke benutzt, Skandale inszeniert – und gleichzeitig seine Vorlieben, seine Sympathien, seine Vorbilder preist.

              Martin Huber, Leiter des Thomas-Bernhard-Archivs in Gmunden, Herausgeber zahlreicher Bände aus dem literarischen Nachlass Thomas Bernhards.

              Klaus Rohrmoser, Schauspieler, Schauspielleiter am Tiroler Landestheater. Brachte zuletzt Thomas Bernhards Heldenplatz in einer viel beachteten Inszenierung zur Aufführung.

              Thomas Bernhard: Der Wahrheit auf der Spur – Die öffentlichen Auftritte. Herausgegeben von Wolfram Bayer, Raimund Fellinger und Martin Huber. Suhrkamp Verlag 2010

                Maria Koch&Elisabeth Mehlmann, Gerald Kurdoglu Nitsche&Roman Santeler

                Ort: Literaturhaus

                An der Jazzgitarre: Michael Santeler

                Wortraum Oberland: Am Abend kommen unterschiedlichste Stimmen zu Wort, die sich auf je eigene Weise mit der Thematik von Fremdheit und Vertrautheit, Anpassung und Widerstand auseinandersetzen.

                Roman Santeler wird aus seinen Landecker Heften lesen. Das Schweigen, die Erfahrung der Beklemmung, die Sehnsucht nach Weitung und Wärme – all dies ist in seinen Texten spürbar, aber auch um sanftere, hellere Nuancen erweitert. Seine Gedichte: „karg, spitz, ein Hammerschlag der Existenz“. (Helmuth Schönauer)

                Elisabeth Mehlmann und Maria Koch lesen aus der Anthologie erinnerte gegenwarten. frauengeschichte(n) zwischen anpassung und widerstand, die „Wortraum“, die Plattform für Oberländer Autorinnen und Autoren, herausgegeben hat. In ihr stehen dialektale und schriftsprachliche Texte nebeneinander, Lyrik ist gleichermaßen präsent wie Prosatexte, in denen den Leben von Frauen im ländlichen Raum nachgespürt wird.

                Die freie, literarische Rede Nitsches, zwischen Märchen und Sachbuch mit satirischem Unterton und Galgenhumor, lässt trotz weltweiter Krisen, grassierender Zukunftsängste, einer Fast-Weltuntergangsstimmung, die Zukunft in nicht ganz so düsterem Licht erscheinen.

                  Karl-Markus Gauß und Klaus Zeyringer

                  Ort: Die Bäckerei Kulturbackstube Dreiheiligenstraße 21 a

                  Moderation: Robert Renk, Klaus Zeyringer

                  Eröffnungsabend
                  DAS FREMDE ZUHAUS

                  Der Literaturwissenschaftler Klaus Zeyringer führt mit Karl-Markus Gauß ein Gespräch über dessen Leben und Werk. Gauß liest ausgewählte Texte aus seinem umfangreichen Oeuvre, unter anderem aus dem zuletzt erschienenen Buch Im Wald der Metropolen (Zsolnay 2010).

                  Das Schreiben über vergessene Schriftsteller, über randständige Sprachgemeinschaften mitten in Europa, scharfzüngige Kommentare, wegweisende Kritiken, Journale; viele literarische Genres stehen Karl-Markus Gauß zur Verfügung, und mit leichter Hand hebt er sie in eigenständigen literarischen Formen auf. Sein Schreiben ist in hohem Maße von Reflexion und Selbstreflexion getragen, von Wachsamkeit und Widerständigkeit – gegen Denkgewohnheiten in jeder Richtung. Wie kein anderer versteht es der Schriftsteller, Weltgeschichte und private Geschichte, das scheinbar Entlegene und das vermeintlich ganz Nahe auf verblüffende Weise zusammenzusehen, Verbindungen zu entdecken, wo sie niemand vermuten würde. Was daraus erwächst und dem gleichermaßen zugrunde liegt, ist das Ethos eines Schriftstellers im genuinsten Sinn des Wortes, der „einzig schreibend so klug, empfindlich, unbestechlich, mutig, einsichtig ist, wie er sein kann und sein will“. (Karl-Markus Gauß: Mit mir, ohne mich. Ein Journal. Zsolnay 2002).

                    Karl-Markus Gauß, Dzevad Karahasan, Christian Thanhäuser

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Anton Thuswaldner

                    Im Schwerpunkt:
                    DAS FREMDE ZUHAUS
                    Annäherungen an Karl-Markus Gauß

                    Ausstellungseröffnung, Verlagspräsentation, Lesung

                    Die Verbindungen zwischen Karl-Markus Gauß, Dževad Karahasan und Christian Thanhäuser sind vielfältige. So haben Gauß, unermüdlicher Chronist Süd- und Osteuropas, und der Künstler und Verleger Christian Thanhäuser die Donau erkundet. Während Thanhäuser dem Lauf des Flusses mit einer Vielzahl an Zeichnungen und Holzschnitten ein komplexes Bild verleiht, erzählt Gauß von Menschen (oftmals Schriftstellerinnen und Schriftsteller), Orten und deren Geschichten. Daraus ging das Buch Die Donau hinab (Haymon 2009) hervor.

                    Im Literaturhaus am Inn werden die Zeichnungen und Holzschnitte Thanhäusers ausgestellt und sein Verlag, die Edition Thanhäuser, präsentiert. „Holzschneider, Silbenstecher, Bucherfinder“, so nennt Gauß seinen Freund, der 1989 in Ottensheim, angeregt von H. C. Artmann, eine eigene, aus dem Holzschnitt heraus entwickelte Handpressenwerkstatt eröffnete. In seinem Verlag, in dem seit 1995 zusätzlich die grenzüberschreitende, zum Teil zweisprachig angelegte Buchreihe RanitzDrucke verlegt werden, finden sich bibliophil gestaltete Bücher von chinesischen, albanischen, ukrainischen, slowenischen, kroatischen, litauischen und rumänischen Autorinnen und Autoren, und eben auch von Karl-Markus Gauß ( Vom Abkratzen. Zwei Dichter).

                    Dževad Karahasan, der große bosnische Schriftsteller, ist Gauß und Thanhäuser in gemeinsamer Tätigkeit und Freundschaft verbunden. Am Abend wird er aus dem Prosaband Berichte aus der dunklen Welt (2007, Suhrkamp) lesen. Der Literaturkritiker Anton Thuswaldner wird mit Gauß, Thanhäuser und Karahasan ein Gespräch führen.

                    Dauer der Ausstellung
                    Freitag, 4. März  – Freitag, 15. April 2011, Mo – Fr 9– 16 Uhr
                    sowie zu den Abendveranstaltungen desLiteraturhauses

                      Friedrich Hahn, Jürgen Lagger, Peter Landerl

                      Ort: Literaturhaus

                      Moderation: Birgit Holzner

                      Friedrich Hahn: Von allem Ende an. Engelbert Steller ist Büchernarr. In seinem turmähnlichen Haus betreibt er einen kleinen Buchladen. Sein Leben verläuft nach außen hin ereignislos. Mit seiner Kundin, der Lebensberaterin Christa Krön, verbindet ihn ein engeres Verhältnis. Bei freundschaftlichen Treffen tauscht er sich mit ihr über Literatur, Psychoanalyse, Plastikenten und ungeschriebene Bücher aus. Dabei entwirft er sich in Skizzen und Szenen ein zweites Leben, zitiert sich aus Angelesenem eine Parallelvita und verkriecht sich in die Welt seiner Notizzettel und Skizzenbücher. Bis eines Tages für ihn die Welt einstürzt. Im wahrsten Sinn des Wortes.

                      Jürgen Lagger: Cittá morta. Der Roman setzt mit der Ankunft des Protagonisten am Bahnhof Roma Termini ein und begleitet selbigen dann auf seinen Streifzügen durch die Stadt. Der in bewusster Anlehnung an Thomas Manns Tod in Venedig konzipierte Roman ist ein privates Stadtprotokoll. Er versucht die Poetik des Raumes zu begreifen, nicht nur, aber auch an touristisch überlaufenen Orten, selbst dort auf der Suche nach einer immer noch vorhandenen Intimität. Für einen Roman ungewöhnlich ist seine fließende, lyrische Form, die die Flüchtigkeit des Gesagten unterstreicht. Eine dreistimmige Elegie der Stadt als lebender, damit auch verfallender Organismus: der Körper Stadt.

                      Peter Landerl: Strombabwärts vereinigt zehn Erzählungen, die von einem unsichtbaren Band zusammengehalten werden, das ein ganz bestimmtes Lebensgefühl ausdrückt: jenes der Generation der heute Dreißigjährigen, die von Unsicherheit, Widersprüchlichkeit und Perspektivlosigkeit geprägt ist. Die Erzählungen, die an so unterschiedlichen Orten wie Paris, Belgrad, Brüssel, Budapest spielen, sind mittels feiner Fäden miteinander verwoben, manchmal dunkler, manchmal heller. Trotz allem bleibt viel Platz für Licht und Hoffnung: So ist das Leben.

                      Friedrich Hahn: Von allem Ende an. Roman
                      Jürgen Lagger: Cittá morta. Roman 
                      Peter Landerl: Stromabwärts. Erzählungen
                      alle: edition laurin by innsbruck university press, 2010

                        Joseph Zoderer

                        Ort: Literaturhaus

                        Moderation: Johann Holzner

                        Joseph Zoderer erzählt in seinem neuen Roman Die Farben der Grausamkeit die Geschichte eines Mannes, der gefangen ist in der Sehnsucht, mehr als ein Leben, mehr als eine Liebe leben zu können: Hier das ländliche Idyll eines Bergbauernhofes, den er zum Familiennest ausgebaut hat, dort die Betriebsamkeit der Großstadt, in der er Karriere macht; hier die pragmatische Liebe zu seiner Ehefrau Selma, dort die Leidenschaft, die er für die mädchenhafte Ursula empfindet. Mit atmosphärischer Dichte und poetischer Klarheit erzählt der Südtiroler Romancier die Geschichte von den Möglichkeiten der Liebe und den Wunden, die sie schlägt, von der Sehnsucht und vom Weg eines Mannes zu sich selbst.

                        Joseph Zoderer: Die Farben der Grausamkeit. Roman. Haymon 2010

                          Subversive sex sale? Literarische Aneignungen des Obszönen

                          Ort: Literaturhaus

                          Moderation: Julia Prager

                          Mieze Medusa und Waltraud Mittich im Gespräch.

                          Läuft der Sex der Erotik in der Literatur den Rang ab? Sind „schmutzige Worte“ oder eine „Ästhetik des Hässlichen“ ein Indiz für eine emanzipatorische Bewegung der Aneignung eines „weiblichen“ Begehrens in der Schrift, möglicherweise sogar ein Instrument der Subversion, während gefühlsbetonte erotische Darstellungen in die Trivialität abdriften – und sozusagen zum Verworfenen des Kanons werden? Oder verkommt der literarische Sex gerade dann zur Ware, wenn er als omnipräsente Behauptung von Authentizität daherkommt? Zum Frühlingsbeginn lässt das Montagsfrühstück die Hüllen fallen und lädt zu einer heißen Diskussion zwischen den Autorinnen Waltraud Mittich und Mieze Medusa.

                            Christoph W. Bauer, Clemens Berger und Evelyn Schlag

                            Ort: Literaturhaus

                            Moderation: Anna Rottensteiner

                            DAS FREMDE ZUHAUS:
                            Annäherungen an Karl-Markus Gauß
                            Literatur und Kritik

                            Wichtige Publikationsmöglichkeit für österreichische Autorinnen und Autoren zum einen, Erkundungsort unbekannter europäischer Literaturen, bedeutendes Rezensionsmedium und potentielles Forum für Kontroversen: Seit 1991 führt Karl-Markus Gauß Literatur und Kritik, wohl eine der renommiertesten österreichischen Literaturzeitschriften, gegründet 1966 von Rudolf Henz, Gerhard Fritsch und Paul Kruntorad. Die aktuelle Nummer ist der Lyrik gewidmet. So wird am Abend, der dieser Facette literarischer Tätigkeit von Karl-Markus Gauß gewidmet ist, Clemens Berger erstmals mit Lyrik an die Öffentlichkeit treten; Christoph W. Bauer liest aus einem in Arbeit befindlichen Lyrik-Projekt, Evelyn Schlag unter anderem aus ihrem zuletzt erschienenen Lyrik-Band.

                            Mit freundlicher Unterstützung des Otto Müller Verlags.

                              Michael Köhlmeier, Karlheinz Rossbacher, Margit Schreiner, Carolina Schutti, Daniela Strigl

                              Ort: ORF Tirol Kulturhaus Rennweg 14

                              DAS FREMDE ZUHAUS
                              Grenzgänge zu Karl-Markus Gauß

                              „Sanft oder polemisch, präzise oder abschweifend, poetisch oder diskursiv: Gauß ist, zu unser aller Freude, all das zugleich.“ (Ulrich Weinzierl, Die literarische Welt). Im Buch Grenzgänge, herausgegeben von Daniela Strigl und Herbert Ohrlinger (Zsolnay 2010), versammeln sich die Stimmen von Wissenschaftlern, Kolleginnen, Kollegen und Weggefährten zu einem vielstimmigen Chor über das Werk von Karl-Markus Gauß. Ein Abend mit Gesprächen über die vielfältigen Zugänge, die Gauß’ Texte seinen Leserinnen und Lesern eröffnet.

                              Mit der Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl, den AutorInnen Michael Köhlmeier, Margit Schreiner und Carolina Schutti sowie mit Karlheinz Rossbacher, Literaturwissenschaftler.

                                C. H. Huber und Brita Steinwendtner

                                Ort: Literaturhaus

                                Wie vielseitig und voller Leben Lyrik sein kann, zeigt die Tiroler Autorin C. H. Huber unaufdringlich in ihrem Lyrikband die poesie der waschstraße. Dabei öffnet sie geographische Räume, von den Gebirgstälern ihrer engeren Umgebung bis ins mediterrane Ambiente griechischer Inseldörfer. Hier wie dort tastet sie kritischen Geistes Land und Leute ab, sättigt die Eindrücke mit reichhaltiger Lebenserfahrung und formt sie in Verse. Deren Machart verrät eine akribische Spracharbeiterin, die sich den Spielarten der Moderne verpflichtet hat.

                                Sparsamster Wortgebrauch, präziser Einsatz der formalen Mittel, suggestive Bildhaftigkeit: Wenn Brita Steinwendtner Stimmungen und Schwingungen in ihrem neuen Gedichtband Mittagsvorsatz. Noon resolution ins Lyrische überträgt, wird Sprache auf das Notwendigste reduziert. Noch der knappste Vers hat seine zwingende Melodie und entfaltet seine sinnbildliche Wirkung umso mehr, je länger man ihm nachsinnt und seinen Klang in sich wirken lässt.

                                  Einmischung, aber schnell! Kunst und Tagespolitik

                                  Ort: Literaturhaus

                                  Moderation: Martin Sexl

                                  Antonio Fian und Konrad Paul Liessmann im Gespräch

                                  Ausgangspunkt dieses Montagsfrühstücks ist die Beobachtung, die in den Medien verschiedentlich seit einigen Jahren auch beklagt wird, dass sich SchriftstellerInnen und GeisteswissenschaftlerInnen immer weniger in (gesellschafts)politische Diskussionen einmischen würden. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob diese Beobachtung den Tatsachen entspricht, woran dies - sofern es stimmt - liegen könnte und ob es bedenklich ist. Es geht also um Fragen nach den Formen der Einmischung der Kunst und der Wissenschaft in gesellschaftspolitische Debatten: dabei sollen grundsätzlichere Fragen (nach den Begriffen des Autors, der Autorität, der Autorisierung etc.) aufgeworfen werden. Ebenso soll das „Apolitische“ in der Literatur und Kunst konturisiert werden, indem ein historischer Vergleich mit den Zeiten eines Günter Grass, einer Christa Wolf, eines Martin Walser, eines Jean-Paul Sartre oder eines Wolf Biermann gezogen werden soll.


                                    Antonio Fian

                                    Ort: Literaturhaus

                                    Die Grundform von Antonio Fians Literatur, zu der er immer wieder zurückkehrt, sind die Dramolette, die regelmäßig, zumeist im Standard, erscheinen und den Irrwitz des Alltags, der Politik und der Kultur in Fians unvergleichlichem Tonfall kenntlich machen.

                                    Antonio Fian: Man kann nicht alles wissen. Dramolette V. Droschl 2011

                                      Catalin Dorian Florescu

                                      Ort: Literaturhaus

                                      In seinem neuen großen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. Es ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschen zu lieben ihn über alles hinwegretten kann. Jacobs Geschichte – zeitlich zwischen dem Ende der 1920er- und Anfang der 1950er-Jahre angesiedelt – weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal der Obertins über 300 Jahre hinweg erzählt wird, beginnend mit dem 30jährigen Krieg in Lothringen.

                                      Catalin Dorian Florescu: Jacob beschließt zu lieben. Roman. C. H. Beck 2011

                                        Annette Pehnt

                                        Ort: Literaturhaus

                                        Moderation: Doris Eibl

                                        Mit beklemmender Eindringlichkeit schildert Annette Pehnt in ihrem Roman Mobbing, wie eine Mobbing-Aktion die Existenzbedingungen und den Seelenhaushalt einer jungen Mittelstandsfamilie erschüttert. Der Roman erzählt von Macht und Ausgrenzung in der Arbeitswelt und versteht es, ebenso behutsam wie klug die großen Themen Vertrauen, Achtung und Würde ins Alltägliche einzubetten.
                                        Im Autorinnengespräch wird Annette Pehnt mit der Literaturwissenschaftlerin Doris Eibl über ihr Werk und ihren Literaturbegriff sprechen sowie im besonderen über das Verhältnis von Erfahrung und Literatur.

                                        Veröffentlichungen: Ich muß los. Roman (2001), Insel 34.Roman (2003), Haus der Schildkröten. Roman (2006), Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen, das muss gar nicht lange dauern. Erzählungen (2010, alle Piper).

                                        Annette Pehnt: Mobbing. Roman. Piper 2007

                                        In Zusammenarbeit mit dem PEN-Club Tirol

                                         

                                          Stefan Abermann und Robert Prosser

                                          Ort: Literaturhaus

                                          Präsentation eines literarischen Debüts und einer Neuerscheinung

                                          In seinem Romandebüt Hundestaffel erzählt Stefan Abermann von Hannes, der es gewohnt ist alles zu bekommen. Er ist ein moderner Don Juan: Mit einem charismatischen Lächeln bezwingt er jede Frau, mit einer herrischen Geste bricht er den Willen seiner Freunde Thomas und Leo. Stefan Abermann rekonstruiert in seinem Roman die Geschehnisse einer Woche im fatalen Beziehungskonstrukt dreier junger Männer. Seite für Seite verstrickt der Autor den Leser in Spannung und Unbehagen – und zeigt eindrucksvoll, dass seine Sprache das Leben gleichermaßen kennt wie das Geschichtenerzählen.

                                          Feuerwerkvon Robert Prosser ist der unmögliche Versuch, die Zeit auszuspielen mithilfe der Erinnerung – die sich hier, während einer Reise durch Venezuela, in ihrer Vielfalt auffächert, wild und anarchisch Welt gebärend: Die Vergangenheit als Countdown, runtergezählt etwa in einem Stundenhotel im Rotlichtviertel von Caracas, im Jetzt aus Ventilatorsurren und Hitze, um darin zu münden; als Sprechen zwischen Mann und Frau, die darum kämpfen, weder im Anderen noch in der Fremde verlorenzugehen – stattdessen reisen sie von Gegenwart zu Gegenwart einem Rätsel hinterher.

                                          Stefan Abermann: Hundestaffel. Roman. Skarabaeus 2011
                                          Robert Prosser: Feuerwerk. Prosa. Klever Verlag 2011

                                            Gustav Ernst, Arno Camenisch, Günter Wels

                                            Ort: Literaturhaus

                                            9. Innsbrucker Prosafestival - Eröffnungsabend

                                            Zum neunten Mal treffen sich – eingeladen vom Verein 8ungKultur – Autoren und Autorinnen aus dem deutschen Sprachraum, um ihre aktuellen Texte in Innsbruck zu präsentieren. Das Moderatorenduo bleibt: Robert Renk und Markus Köhle, die Orte sind neu.

                                            Nach dem Auftakt im Literaturhaus am Inn lesen am Freitag, 13. Mai Annette Pehnt, Guy Helmiger und Christian Uetz im Stadtarchiv, am Samstag, 14. Mai in der Bäckerei Clemens J. Setz, Anna Kim, Nadja Bucher und Der Koschuh. Beginn jeweils 20 Uhr.

                                              Entblößung des Selbst im Netz

                                              Ort: Literaturhaus

                                              Moderation: Martin Fritz

                                              Sabine Gruber und Thomas Schröder im Gespräch

                                              Das Prinzip des Web 2.0. als Demokratisierungsgebot wird fortwährend von Kategorisierungsmaßnahmen unterlaufen. Das Registrieren in so genannten sozialen Netzwerken wie etwa facebook führt vielfach zu regelrechten Identitätsbaustellen: Merkmale, Geschmack, Vorlieben, Geschlecht und vieles mehr werden in bereitstehende Sparten eingetragen, das Selbst auf diese Weise regelrecht transformiert und konstituiert. Auf der anderen Seite spielen digitale Informations- und Kommunikationsquellen eine wichtige Rolle im globalen Demokratisierungsprozess.

                                              Wie schmal ist der Grat zwischen politischer Partizipation und reiner Selbstdarstellung? Und was passiert durch diese Form der Zurschaustellung des individuellen Selbst? Cyber-Mobbing ist beispielsweise eine Konsequenz des exzessiven Zurschaustellens im halb-öffentlichen Raum und es verschiebt sich nicht nur die Grenze zwischen öffentlich und privat, sondern auch jene zwischen Nähe und Distanz.

                                                Poetik-Vorlesung mit Alois Hotschnig

                                                Ort: Literaturhaus

                                                Donnerstag und Freitag
                                                jeweils 16–18 Uhr, 20–22 Uhr
                                                Literaturhaus am Inn
                                                Poetik-Vorlesung

                                                Die Poetik-Vorlesung ist öffentlich zugänglich.

                                                Unter dem Titel Das Spiegelbild im aufrechten Gang soll es in Gesprächsform um Fragen des Erzählens gehen, um Erzählhaltungen, Erzählperspektiven, darum, wer aus einem Text heraus spricht und zu wem, über die Interaktion zwischen Text und Leser, um Fragen der Autorenschaft, darüber, wem eine zu beschreibende oder beschriebene „Wirklichkeit“ denn „gehören“ kann und wem der Text.

                                                Über das Schreiben „über die Bande“ soll gesprochen werden und über das Schreiben „aus dem Zentrum eines Geschehens heraus“, über Erwartungen des Lesers, der Leserin an Literatur und über die Erwartung eines Textes an seine Leser.

                                                  Laura Cheie

                                                  Ort: Literaturhaus

                                                  Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Brenner-Forum

                                                  „Die lakonische Lyrik der Nachkriegszeit, deren Siegeszug in den späten sechziger Jahren einsetzte und bald beinah alle anderen Formen der Lyrik alt aussehen ließ, war in erster Linie Ausdruck der damals hoch im Kurs stehenden Rhetorik der Vernunft, eine Stimme des Protests gegen jegliches politische und literarische Geschwätz, nicht selten vorgetragen mit dem Anspruch, in diesen Zeitläuften allein noch relevant zu sein, aber auch verbunden mit dem Mut, den Erwartungshorizont des Publikums mit gewaltigen Hieben zu durchbrechen und dieses mit semantisch extrem dichten Konstellationen zum Nach-Denken, wenn nicht sogar zum Mit-Dichten herauszufordern. Günter Eich, Erich Fried, Reiner Kunze – sie sind nicht die einzigen, aber die herausragenden Repräsentanten dieser oft schon nahe am Schweigen angesiedelten, vielfach auf subversive Wirkung bedachten Poesie. […] In ihren paradigmatischen Gedichtanalysen leuchtet Cheie die Psychologie und Rhetorik lakonischer Dichtung so scharf wie nur möglich aus und geht den diversen Funktionen der verschiedenen ästhetischen Konstruktionen mit der denkbar größten Aufmerksamkeit nach: Hier erscheinen somit auch Gedichte in einem neuen Licht, die schon vielfach besprochen und gewürdigt worden sind, wie Eichs Inventur, Frieds Was es ist oder Kunzes Kinderzeichnung.“ (Aus dem Vorwort von Johann Holzner)

                                                  Laura Cheie: Harte Lyrik. Zur Psychologie und Rhetorik lakonischer Dichtung in Texten von Günter Eich, Erich Fried und Reiner Kunze. StudienVerlag 2010

                                                    Michael Stavaricˇ

                                                    Ort: Literaturhaus

                                                    Brenntage, der neue Roman von Michael Stavaricˇ, erzählt von einem Jungen, der nach dem Tod der Mutter bei seinem Onkel in einer von Bergen und Schluchten umgebenen Siedlung aufwächst, die zunehmenden Gefahren ausgesetzt ist. Die Grenzen zwischen Surrealität und Realität verschwimmen – Menschen verschwinden, durch die Wälder ziehen Soldaten, Hunderudel und mitunter sogar Geister, die auf längst geführte Kriege verweisen. Ein wunderschön geschriebener, abgründiger Roman.

                                                    Michael Stavaricˇ: Brenntage. Roman. C. H. Beck 2011

                                                      Rudolf Habringer

                                                      Ort: Literaturhaus

                                                      Durch den Abend führen: Alejandro Boucabeille, Bianca Jenewein, Cornelia Müller

                                                      Ein Literaturprofessor, die Frau eines Politikers und ein Privatdetektiv geraten in Habringers neuem Roman Engel zweiter Ordnung in ein verworrenes Beziehungsgeflecht aus Wissen und Unwissen, Sein und Schein. Alles beginnt mit der hoffnungsvollen Suche nach einer Jugendliebe und verengt sich zu einem aussichtslosen Wechselspiel zwischen Affäre, Erpressung und Mord. „Man wird Habringers Namen künftig wohl in einem Atemzug mit Hochgatterer, Geiger, Glavinic nennen müssen.“ (Günter Kaindlstorfer, Ö1)

                                                      Rudolf Habringer, 1960 in Desselbrunn/Oberösterreich geboren, studierte Germanistik und Theologie an der Universität Salzburg. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Walding bei Linz.

                                                      Für sein literarisches Werk (Romane, Erzählungen, Satiren, Kabarett, Theaterstücke) wurde Rudolf Habringer mit zahlreichen Stipendien und Förderpreisen ausgezeichnet. 2009 wurde Habringers Erzählband Alles wird gut im Rahmen der Aktion „Innsbruck liest“ verteilt. Im Picus Verlag erschienen zuletzt Alles wird gut. Liebesgeschichten (2007) sowie der Roman Island-Passion (2008).

                                                      Rudolf Habringer: Engel zweiter Ordnung. Roman. Picus Verlag 2011

                                                        Sylvia Geist und Kathrin Schmidt

                                                        Ort: Literaturhaus

                                                        Befremdlich und unterwartet zugleich sind die Begegnungen, von denen Sylvia Geist in ihrem neuen Buch Letzte Freunde erzählt, zufällig, grotesk und gefährlich: Ein Altenpfleger verhilft mit verbotenen Substanzen einer alleinstehenden Rentnerin zu ein wenig Glück; eine Frau steht vor der Entscheidung zwischen ihrem Mann und einem Hund, der ihr in einer sich beängstigend rasch verändernden Umgebung Schutz zu bieten scheint; eine Millionärin nimmt eine Geisel, um Rechenschaft für den an ihr begangenen Verrat zu fordern: Bruchstückhaft setzen sich die Biografien von Menschen zusammen, zersetzt vom Verlust der Vergangenheit und dem drohenden Kommenden, bis an den Punkt, an dem der Mut zu jener Nähe da ist, die nur unter Freunden möglich scheint.

                                                        Kathrin Schmidt erzählt in Finito. Schwamm drüber Geschichten von der Liebe, der Einsamkeit, der Sehnsucht und der Verwandlung, mit überraschenden Wendungen, genauem Blick, realistischem Detail, großer sprachlicher Wucht und viel Humor. Kathrin Schmidts Erzählungen spannen den Bogen von der Zeit des geteilten Deutschlands bis in die Gegenwart, führen in Familien und Singelhaushalte, zeigen starke Frauen in schwachen Momenten und Männer, die nie so stark geworden sind, wie sie sich immer empfanden.

                                                        Sylvia Geist: Letzte Freunde. Erzählungen. Luftschacht Verlag 2011

                                                        Kathrin Schmidt: Finito. Schwamm drüber. Erzählungen Kiepenheuer & Witsch 2011.

                                                          Zwischen Dienstleistung und Autonomieanspruch: Wovon die Kunst leben soll

                                                          Ort: Literaturhaus

                                                          Moderation: Nina Fuchs

                                                          Cornelia Travnicek, Frank Klötgen und Martin Fritz im Gespräch.

                                                          Nur sehr wenige SchrifstellerInnen können allein von ihren Buchverkäufen leben. Literarisches Schreiben geht also fast immer mit der prekären Lage zwischen Hoffen auf Preise und Stipendien, privatem Mäzenatentum, Einkünften durch Lesungen oder literaturfernen Nebentätigkeiten einher. Welche und wessen Kriterien leiten dabei die jeweiligen eigenen künstlerischen Erzeugnisse? Und, gesellschaftspolitisch gefragt, welchen Ansprüchen sollte Literatur genügen? Hängen ästhetische Fragestellungen mit konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen zusammen? Wenn man als SchriftstellerIn am freien Markt nicht überleben kann, soll dann die Allgemeinheit dafür bezahlen – und falls ja, welche Art der Literatur soll dadurch gefördert werden? Und wer soll darüber entscheiden und wie?