Veranstaltungen 2013

Angelika Rainer

Mit ihrem Debüt, der lyrischen Erzählung Luciferin, hat Angelika Rainer im Jahr 2008 Publikum und Kritik in Staunen versetzt. In ihrem unverwechselbaren, klangvollen Ton kreist sie in ihrem zweiten Werk nun um Odradek – ein gesichtsloses Zwirnspulenwesen, wie es Kafka in seiner Erzählung Die Sorge des Hausvaters beschreibt. Rainer erzählt die Geschichte weiter: Das Wesen Odradek hat keine feste Bleibe, es zeigt sich selten, und nur solange der Hausvater zu ihm spricht, ist es anwesend. Doch auch von den Zeiten seiner Abwesenheit gibt es Bericht, und unversehens gerät die Erkundung des Wesens zu einer Erkundung der Seele – geheimnisvoll und lange nachhallend.

 

Angelika Rainer: Odradek. Haymon 2012 

    Digitalisierung von Bücherwelten: Zukunftsvision oder Albtraum?

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Martin Fritz

    Bettina Kann und Radek Knapp im Gespräch.

    Die Österreichische Nationalbibliothek will sich in den kommenden Jahren mit einem großangelegten Digitalisierungsprojekt zu einem „offenen Wissenszentrum“ entwickeln. Mit dieser Meldung ging die Generaldirektorin der ÖNB Johanna Rachinger im Herbst letzten Jahres an die Presse: „Wir sind die erste Kultur- und Wissensinstitution, die eine Vision für die Zukunft entwickelt hat“, so Johanna Rachinger über das Projekt „Vision 2025“. Für Kontroversen sorgte vor allem das auf einer angestrebten Novelle des Mediengesetztes basierende Vorhaben, nur noch die E-Books neuer Bücher zu archivieren. Der Vorstand der IG Autorinnen und Autoren stellte eine verlässliche Archivierung und bleibende Zugänglichkeit durch eine rein digitale Speicherung infrage. Kritisiert wurde u.a. nicht nur, dass Bücher bzw. Printmedien als kollektives gesellschaftliches Gedächtnis in Zukunft ausschließlich in virtueller Form aufbewahrt werden sollen, sondern auch die Abwicklung über den Konzern Google.

    Im Montagsfrühstück diskutieren Bettina Kann, Leiterin der Hauptabteilung Digitale Bibliothek der ÖNB, und der Autor und Kritiker des Projekts Radek Knapp über die Risiken und Möglichkeiten eines solchen Digitalisierungsprojekts und über seine Auswirkungen.

     

     

      Widerständige Windsbräute in surrealistischen Hexenküchen: Leonora Carrington und Remedios Varo

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Doris Eibl

      Es liest Verena Mayr

      Der historischen Avantgarde war es eigen zu schockieren, Menschen aufzuregen, sich an die Grenzen des Denkbaren, des Sagbaren, des Darstellbaren heranzuarbeiten, sie bisweilen zu verschieben und neue Denkräume zu erschließen. Der französische Philosoph Jean-François Lyotard sagte über die Avantgarde, sie hätte auf künstlerischer und literarischer Ebene eine Reihe von Fragen vorweggenommen, die ab den 1960er Jahren auf theoretisch-philosophisch-wissenschaftlicher Ebene einen Paradigmenwechsel einleiteten.

      Die surrealistischen Künstlerinnen und Schriftstellerinnen Leonora Carrington (1917–2011) und Remedios Varo (1908–1963) inszenierten in ihren Werken Maskeraden, untergruben Geschlechterrollen, zelebrierten Hybridität und Métissage in einer eigenwilligen Prononciertheit, die dem Zwischen den Sprachen, dem Zwischen den Bilderwelten, dem Zwischen den Mythen und den Kulturen im weitesten Sinne geschuldet war, wobei sie sich in ihren Text- und Bildzwischenräumen als mögliche Identitäten unentwegt neu und anmaßend entwarfen.

      Doris Eibl, Vertragsassistentin am Institut für Romanistik, arbeitet in ihrer Habilitation zur surrealistischen Literatur von Frauen in der Romania.

        Martin Roda Becher und Anja Becher

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Konstantin Kaiser

        Ulrich Becher, geboren 1910 in Berlin, wird 1933 als aufstrebender junger Schriftsteller durch die Machteinsetzung Hitlers 1933 zu einem Niemand, so auch der Titel eines Stücks, dessen Uraufführung in Berlin verboten wird. Er flieht aus Deutschland und streift durch das noch freie Europa, abhängig von den Zuwendungen des vermögenden Vaters. 1941, sein Gesamtwerk wird im Deutschen Reich verboten, emigriert er mit seiner Frau Dana, Tochter von Alexander Roda Roda, nach Brasilien, 1944 in die USA. Er kehrt zur Uraufführung von Der Bockerer 1948 nach Wien zurück und lässt sich 1959 definitiv in Basel nieder.

        In den Briefen an die Eltern aus dem Zeitraum 1917 bis 1945 werden die Lesenden Zeugen eines unruhigen Lebens, der Irrtümer und Erfahrungen eines Autors, der rastlos von Ort zu Ort zieht.

        Martin Roda Becher, Sohn von Ulrich Becher, geboren 1944 in New York, lebt heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Basel. 2000 erschien von ihm Dauergäste. Meine Familiengeschichte (Nagel & Kimche)

        Anja Becher, Enkelin von Ulrich Becher, geboren 1977 in Basel, Schauspielausbildung in Wien und Zürich, Schauspielerin.

        Ulrich Becher: Ich lebe in der Apokalypse. Briefe an die Eltern 1917 – 1945. Vorwort von Martin Roda Becher, herausgegeben von Martin Roda Becher, Dieter Häner und Marina Sommer.

        Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2012

          Gabriele Bösch und Sylvie Schenk

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Gabriele Wild

          Am Umschlagbild von Gabriele Böschs Roman Schattenfuge ist Die Liebenden von René Magrittes abgebildet und die Bilder des surrealistischen Malers begleiten das Zusammentreffen des Mannes und der Frau, das sich während einer einzigen Nacht abspielt. Die beiden haben eine Abmachung: Sie will schweigend sein Porträt malen, er soll währenddessen von sich erzählen. Er, ein Architekt, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hat, beginnt seine Erzählung mit der Schilderung seines Scheiterns. Als sie das nicht mehr aushält, schickt sie ihn fort. Er kommt zurück und beginnt, von seiner Fußwanderung nach Finisterre zu erzählen. Schritt für Schritt hört sie ihm zu, Strich für Strich entsteht das Porträt eines Liebenden, in dem sie sich selbst erkennt. Die Bezüge zu Malerei und Architektur machen den Roman zusätzlich zu einer Auseinandersetzung mit dem Sehen.

            Brigitte Schwens-Harrant und Jörg Seipp

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Johann Holzner

            Ein Dialog, zwei Disziplinen. Beide, Religion und Literatur und ihre jeweiligen Wissenschaften, produzieren und interpretieren Texte, bewahren sie auf, nehmen sie auseinander. Der geplünderte Tempel vereint kulturwissenschaftliche Essays über profane und heilige Literatur, verzweckte und wilde Lektüren, inhaltliche und formale Interessen und die Frage, wie man das Verhältnis von Literatur und Religion denken kann. Auf eine kritische Bestandsaufnahme folgen Wege, wie der Diskurs beschreitbar wird und beibt.

              Enno Stahl und Jörg Sundermeier

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Lisa Astl, Theresa Krug

              Verlagspräsentation im Rahmen der Praxiserfahrung des Literaturhauses am Inn

              Wie wird man Verleger? Man tut einfach so, als wäre man einer. So begann zumindest die Geschichte des Verbrecher Verlags. Er wurde gegründet „um kein Verlag zu sein“. 1995 suchten die Literaturstudenten Werner Labisch und Jörg Sundermeier einen Weg, um für ihren privaten Lesegenuss an unveröffentlichte Manuskripte zu kommen – also gründeten sie einen Verlag. Mittlerweile betreibt Sundermeier dieses Unternehmen in Berlin alleine und hat über 150 Bücher veröffentlicht. Das Programm ist breit gefächert, der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, zudem veröffentlicht der Verbrecher Verlag Sach- und Kunstbücher sowie eine Stadtbuch- und eine Filmliteratur-Reihe. Das Motto lautet: „Verbrecher Verlag – gute Bücher!“

              Enno Stahl: Winkler, Werber. Verbrecher Verlag 2012

                Präsentation eines neuen Frauenkulturmagazins durch Landesrätin Beate Palfrader

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: LA Beate Palfrader

                Auf Initiative der Tiroler Kulturlandesrätin erscheint erstmals ein Kulturmagazin von Frauen für Frauen. Das Magazin eröffnet interessante Einblicke in die Vielfalt des weiblichen Kunst- und Kulturschaffens in Tirol und stellt weibliche Lebenswelten vor. In Porträts werden Frauenleben nachgezeichnet und in Reportagen bzw. Essays auf unterschiedliche Lebensperspektiven hingewiesen. Historische Gegebenheiten finden ebenso Platz wie gegenwärtige Phänomene im Alltag, bei der Arbeit und in der Kunst – ein spannender Querschnitt.

                  Marlen Haushofer: „Dabei wäre es möglich gewesen, anders zu leben“

                  Ort: Literaturhaus

                  Vortrag von Daniela Strigl
                  Lesung ausgewählter Texte: Verena Mayr

                  Marlen Haushofer gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen der österreichischen Literatur nach 1945. Ihr eher stilles Wesen, ihre Verbundenheit mit der Familie und ihre Scheu, vor Menschen zu sprechen, führten die Schriftstellerin auf einen anderen Lebensweg als etwa ihre Zeitgenossin Ingeborg Bachmann, obwohl ihr jeweiliges Schaffen durchaus auf gleicher Ebene anzusehen sind. Schonungslos fasst Haushofer in ihrem Schreiben die Abgründe der bürgerlichen Existenz in Worte, sprengt in ihren Werken die Grenzen der Realität, ganz im Gegensatz zu ihrem „bodenständigen“ Leben.

                  Durch die Frauenbewegung in den 1980er Jahren neu entdeckt, wurde es anschließend wieder still um sie und ihr Werk, bis die Verfilmumg ihres wohl bekanntesten Romans Die Wand durch Julian Pölsler im Jahr 2012 die Schriftstellerin erneut in den Blick und das Interesse eines großen Publikums rückte.

                  Anlass für das Literaturhaus, im Rahmen der Reihe [Nahaufnahme] Daniela Strigl, die im Jahr 2000 eine eindrucksvolle Biographie zu Haushofer vorlegte, einzuladen, um sich mit dem Werk und dem Leben der Schriftstellerin auseinanderzusetzen.

                  Daniela Strigl, geboren 1964 in Wien, Studium der Deutschen Philologie, Geschichte, Philosophie und Theaterwissenschaft, Assistentin am Institut für Germanistik an der Universität Wien. Aufsätze zur österreichischen Literatur. Essayistin, Literatur- und Theaterkritikerin. 2001 Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik, seit 2003 Mitglied der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises.

                  Daniela Strigl: „wahrscheinlich bin ich verrückt …“
                  Marlen Haushofer – die Biographie. Claassen 2000