Veranstaltungen 2014

Mar­ga­ri­tha Wanit­schek und Caro­li­na Schutti

Ort: Literaturhaus

Bildwechsel – Blickwechsel

Vernissage und Lesung

Bildwechsel im Literaturhaus: In der nächsten Zeit können Sie im Literaturhaus „neue Bilder“ sehen; die Schwazer Künstlerin Margaritha Wanitschek stellt bei uns eine kleine Auswahl aus ihrem umfangreichen und vielschichtigen Werk aus. Das neue Jahr beginnt auch mit einem neuen Text: Carolina Schutti wird aus der Novelle Eulen fliegen lautlos lesen.

Zum Anklang lädt das Literaturhaus zu einem Glas Sekt.

Alban Niko­lai Herbst und Uwe Schüt­te

Moderation: Renate Giacomuzzi

Argo. Anderswelt ist der umfangreichste und letzte Teil der Anderswelt-Trilogie (Thetis, 1998 und Buenos Aires, 2001) von Alban Nikolai Herbst. Der 872 Seiten umfassende neue Roman ist die Fortsetzung einer modernen Odyssee durch eine zukünftige Welt, in der sich aber unsere Gegenwart sehr deutlich erkennen lässt: Die Überschreitung der Grenzen zwischen Ost und West, Mensch und Technik, Realität und Fiktion führt zu desaströsen Verschiebungen, doch je finsterer sich die von Herbst gezeichnete Cyberwelt darstellt, umso erhellender wirkt sie als Spiegelbild unserer Gegenwart. Wie schon in den vorangegangen Bänden mischt der Autor Realien und Fingiertes wild durcheinander und lässt die Leser zweifeln, ob die erzählende Figur Deters nicht doch dem realen Autor näher ist als der ebenfalls im Romangeschehen auftauchende „Herbst“.

Auch mit den herkömmlichen Wertungskriterien für Unterhaltungs- und Hochliteratur kommt man diesem Werk nicht näher, das sich in Stil und Erzähltechnik weit ab vom gegenwärtigen Mainstream bewegt, aber Stilelemente und Motive aus den Unterhaltungsgenres einbaut.

 

Alban Nikolai Herbst: Argo. Anderswelt. Elfenbein Verlag 2013
Uwe Schütte: Poetik des Extremen. Vandenhoeck & Ruprecht 2006

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Innsbrucker Zeitungsarchiv 

Jour­na­lis­tisch? Ästhe­tisch? Lite­ra­risch?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner

Rainer Merkel und Andrei Siclodi im Gespräch.

Täglich konfrontieren die Medien mit Informationen über Krisenländer, Katastrophen, Kriege und Konflikte. Dabei stößt der klassische Journalismus in seiner Definition, Informationen für eine größtmögliche Anzahl von Menschen aufzuarbeiten, an seine Grenzen und hinterlässt bei den ZuseherInnen oft ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Information wird zur Konsumware, Verstrickungen und Hintergrundinformationen kommen selten zu Wort; es scheint Zeit für „Metamedien“ zu sein, für „die erklärende Sparte“.

Rai­ner Mer­kel

Ort: Literaturhaus

Rainer Merkel erzählt in seinem Roman Bo mit waghalsiger Leichtigkeit eine Reise durch die afrikanische Welt und das Erwachsenwerden dreier Heranwachsender. Benjamin, der mitten in der Nacht allein am Flughafen von Monvrovia steht, da ihn sein Vater, Entwicklungshelfer in Liberia, nicht abholt, trifft auf den blinden Bo und die wohlstandsverwöhnte Brilliant. Zu dritt machen sie sich auf und ihre vom Autor kunstvoll verwobene Abenteuergeschichte wird zu einer rasanten Road-Novel.

Ohne Betroffenheitsrhetorik, vielmehr durch Fabuliervermögen und unaufdringliches Erzählen, in der Figurenzeichnung schonungslos und empathisch zugleich, schildert Merkel die unterschiedlichsten Schauplätze und Lebenswelten, die im vom Bürgerkrieg verwüsteten Liberia aufeinanderprallen. Zahlreiche Erinnerungen und Gedankenströme geben Einblick in die inneren Welten der Figuren. Dabei lässt der Autor die „Großerzählung“ um zwei Leerstellen kreisen, die die Atemlosigkeit und Spannung des Romans zusätzlich antreiben.

Rainer Merkel: Bo. Roman. Fischer 2013

Her­aus­ge­ber Erwin Köst­ler prä­sen­tiert die Slo­we­ni­sche Biblio­thek

Ort: Literaturhaus

[ Im Fokus: Slowenien ]

Erika Wimmer liest aus den Texten

Haben Sie schon einmal von Zofka Kveder gehört – der polyglotten Zeitgenossin Ivan Cankars, die die erste slowenische Berufsschriftstellerin und schon zu Lebzeiten eine Ikone der südslawischen Frauenbewegung war? Sind Ihnen Ivan Pregelj und Vladimir Bartol ein Begriff – beides Autoren der Zwischenkriegszeit, der eine ein strenger katholischer Expressionist, der andere ein menschenerforschender Insektenkundler und, ja, doch: ein posthumer Bestsellerautor? Kennen Sie Vitomil Zupan, der die slowenische Literatur schon in den 1930er Jahren aufzumischen begann und nach dem Krieg eine der verrufensten Figuren der slowenischen Literatur war? Oder Marjan Rožanc, der in den bleiernen 1970er Jahren zu einem der großen Überwinder ideologischer Tabus wurde?

Albert Camus, Glücks­su­cher zwi­schen Alge­ri­en und Frank­reich

Ort: Literaturhaus

Vortrag von Julia Pröll
Mit einer Lesung von Florian Eisner

Der 100. Geburtstag des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus im vergangenen Jahr war der Anlass für zahlreiche Publikationen zu seinem Leben und Werk, aber auch, um sich erneut mit den Gedanken des Denkers auseinanderzusetzen. Der 1913 in Algerien geborene Albert Camus suchte in seinen Werken nach moralischen Grundsätzen und Positionen, die mehr denn je auch unsere Gegenwart betreffen – sowohl in seinen literarischen als auch in seinen philosophischen Werken.

Mari­on Posch­mann

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Der Rheinländer Altfried Janich findet nach der Wiedervereinigung eine Stelle im „Ostschloss“, einem heruntergekommenen Barockbau, der neuerdings eine psychiatrische Anstalt beherbergt. Hier hält er es für seine Aufgabe, seinen Patienten gegenüber die Sonnenposition einzunehmen: ihnen Orientierung und eine Quelle des Trostes zu sein. Als sein Freund Odilo durch einen rätselhaften Autounfall zu Tode kommt, gerät er selbst auf die Nachtseite der Dinge. Tagsüber rücken ihm die Patienten zu nahe, nachts geistert er durch die Säle, als sei Odilos Schlaflosigkeit auf ihn übergegangen, und es bedrängen ihn Erinnerungen: Es scheint, als ob Altfrieds ganzes bisheriges Leben auf die Situation im Schloss zuläuft: Alle Geschichten enden hier, und bald stellt sich die Gewissheit ein, dass er aus dem Schloss nicht mehr wegkommen wird.

Roman Ehr­lich

Ort: Literaturhaus

Moderation: Paul Jandl

Das Land ist eingeschneit. Ein junger Mann wandert in Das kalte Jahr an einer Autobahn entlang. Einsame Felder, Jauchegruben, Rasthöfe und fensterlose Möbelhäuser sind die Stationen seines Weges. Das Ziel ist ein Dorf am Meer, am Rande eines ehemaligen Militärgebietes, wo sein Elternhaus steht. Müde und erschöpft muss er bei seiner Ankunft jedoch feststellen, dass die Eltern verschwunden sind. Ein geheimnisvoller Junge öffnet ihm die Tür. Schweigsam und störrisch zieht sich dieser in der darauffolgenden Zeit meist in das Kinderzimmer zurück, wo er an einem mysteriösen Projekt arbeitet. Nach und nach finden die beiden Zugang zueinander. Was sie verbindet, sind Geschichten. Historische Geschichten von Auswanderern und Naturkatastrophen. Aber auch nacherzählte Geschichten aus dem Fernsehen, die den Jungen begeistern. – Am Ende steht mitten in der Eislandschaft ein Haus in Flammen, und in den Augen der Dorfbewohner spiegelt sich weit mehr als die Farbe des Feuers.

Mar­ja­na Gapo­nen­ko und Cor­du­la Simon

Ort: Literaturhaus

Moderation: Julia Rhomberg

Wer ist Martha? ist ein wunderbar kühner Roman. Es geht um die Freude am Dasein, die Würde des Menschen, die Liebe zur Schöpfung. Wer Martha ist, wird hier nicht verraten, aber über Luka Lewa-dski kann Folgendes berichtet werden: Ornithologe aus der Ukraine und der Verfasser der bahnbrechenden Studie Über die Rechenschwäche der Rabenvögel. Über seine Forschungen ist er in die Jahre gekommen und 96 geworden. Viel Zeit bleibt nicht mehr, sagt der Arzt. Und die will genützt sein, sagt sich Lewadski. Also reist er nach Wien, steigt im noblen Hotel Imperial ab und lernt im Fahrstuhl einen Altersgenossen kennen, dem der Lebensfaden auch schon reichlich kurz geworden ist. Die beiden in die Jahre gekommenen Herren finden ihren Platz in der Hotelbar, kommentieren die Frisuren der Damen, rekapitulieren das mörderische vergangene Jahrhundert und träumen von der Revolution. Phantastisch und originell, lebendig und frech – so zeigt sich die Romanwelt von Marjana Gaponenko.

Wie löst man wohl die Apokalypse aus? Diese Frage stellt sich in Cordula Simons Roman Ostrov Mogila. Man könnte sie einer jungen Frau in Odessa zuschreiben: Als sie mit ihrem Freund schläft, beginnt der Zusammenbruch der Stadt. Wie eine Kettenreaktion setzt sich der Untergang nun fort, macht nicht Halt vor Gebäuden und Straßen, lässt Gewässer über ihre Ufer treten, Straßenbahnen entgleisen, Menschen zu Riesen wachsen und Drachen und Einhörner aus ihren Verstecken kriechen. Vor allem aber macht er nicht Halt vor den Menschen, deren Schicksale in Cordula Simons schaurigem Reigen einander die Hand zu reichen scheinen. Kraftvoll, mit überbordernder Fantasie für das Unfassbare, das Menschliche und das Abgründige, taucht Cordula Simon auch in ihrem neuen Roman einmal mehr in den fantastischen Realismus ein, dem sie ihre eigene, morbide Note verleiht.

Marjana Gaponenko: Wer ist Martha? Roman. Suhrkamp Verlag 2012
Cordula Simon: Ostrov Mogila. Roman. Picus Verlag 2013

Ein Abend zu Her­mann Kupri­an

Ort: Literaturhaus

Begrüßung: Sebastian Donat

Hermann Kuprian – Erinnerungen an literarische Konflikte:

Vortrag von Sigurd Paul Scheichl
Zum Nachlass von Hermann Kuprian:
Anton Unterkircher und Christine Riccabona

Eine Vitrinenausstellung zeigt Materialien aus dem Nachlass.