Veranstaltungen 2014

Dunkle Lieben: Georg und Margarethe Trakl

Ort: Literaturhaus

Moderation: Erika Wimmer

Lesung und Gespräch mit Hilde Schmölzer

Die Geschwisterbeziehung von Georg und Margarethe Trakl gibt nach wie vor Rätsel auf: Gab es einen realen Geschwisterinzest oder handelt es sich dabei lediglich um inzestuöse Phantasien des berühmten Dichters? Tatsache bleibt, dass die Schwester für ihn der wichtigste Mensch gewesen ist, dass er sie in seinen Gedichten an die 60 Mal anruft, beschwört, verklärt, dämonisiert, die „Jünglingin“, „Fremdlingin“, „Mönchin“. Die reale Gestalt Margarethes hingegen versinkt im Dunkel der Geschichte, sie wurde von ZeitgenossInnen ebenso wie von der Nachwelt verzerrt und verfälscht. Nicht einmal ihr Grab ist bekannt.

    Verortungen: Mösern – Arbeits- und Aufenthaltsort von Hermann Broch

    Ort: Mösern, Kirchplatz

    Moderation: Iris Kathan

    Ein Rundgang mit Iris Kathan und Thomas Lackner

    Für sein „von Sorgen, Nikotin und Überarbeitung genährtes Herz“, aber auch für sein neues Romanprojekt benötigt Hermann Broch einen „Aufenthalt in mittlerer Gebirgshöhe“. Broch arbeitet zu dieser Zeit am ersten Teil einer geplanten Romantrilogie. Schauplatz des Romans ist ein fiktives Dorf im Gebirge. Um das Lokalkolorit zu studieren, zieht Broch im September 1935 nach Mösern in Tirol und versucht, sich in der Abgeschiedenheit des Dorfes ein künstliches Vakuum zu schaffen, das es ihm erlaubt, jene radikale Konzentration und Naturerfahrung zu finden, die er für sein Schreiben zu brauchen glaubt. Während seines zehnmonatigen Aufenthalts in Mösern entstehen wesentliche Teile des unvollendet gebliebenen und in mehreren Fassungen vorliegenden „Bergromans“ (posthum Die Verzauberung).

      Neue Texte aus der Schreibwerkstatt

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Sepp Mall, Birgit Unterholzner

      Von „Schnipselsätzen“ zu ersten Geschichten
      Die jungen Autorinnen und Autoren präsentieren:

      Im letzten halben Jahr haben sich wieder junge Autorinnen und Autoren im Literaturhaus am Inn versammelt, um ihrer Kreativität und Fantasie freien Lauf zu lassen und ihr literarisches Schreiben zu vertiefen. Unter der Leitung von Sepp Mall und Birgit Unterholzner entstanden „Schnipselsätze“, Geschichten, Gedichte und sogar erste Entwürfe für Romane …

        Saskia Hennig von Lange

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Günther Eisenhuber

        Zurück zum Feuer erzählt die Geschichte dreier Menschen, in denen jeder für sich kämpft: um sein Überleben, um das Unwiederbringliche. Es ist ein Kampf ohne Gegner, in dem es nichts zu gewinnen gibt und der doch ein Feuer entfacht.

        Max Schmeling stirbt. Es gibt nichts mehr, woran er sich festhalten könnte: Sein Leben als Boxlegende, die Menschen, die ihn begleitet haben, seine Frau Anny Ondra, alles ist längst verloren. Der Sachverständige Max soll entscheiden, was mit Schmelings Haus geschehen soll, aber was als Besichtigung beginnt, gerät zunehmend außer Kontrolle. Während Max sich im Haus verkriecht, nimmt seine Frau Inge einen ganz anderen Kampf auf: Sie trennt sich von einem Leben, das es schon lange nicht mehr gibt.

        Saskia Hennig von Lange: Zurück zum Feuer. Roman. Jung und Jung 2014

        Lesen Sie dieses Mal im Inn-Lesebuch einen Auszug aus Zurück zum Feuer unter www.uibk.ac.at/literaturhaus

          Martin Pollack

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Joe Rabl

          An die offiziellen Opfer der Diktaturen und Kriege des 20. Jahrhunderts erinnern Mahnmale und Kriegerdenkmäler. Doch wo gedenken wir der Tausenden namenlos gewordenen, heimlich verscharrten Toten – seien es Juden oder Roma, Antikommunisten oder Partisanen? Wie leben wir in Landschaften, die kontaminiert sind mit den unzähligen vertuschten Massakern Mitteleuropas – im burgenländischen Rechnitz genauso wie im slowenischen Kocˇevski Rog oder in Kurapaty bei Minsk?

            Kohlweißling und Schrapnellwölkchen Ludwig von Ficker und der Erste Weltkrieg

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Markus Ender, Ingrid Fürhapter

            Obwohl Ludwig von Ficker (1880–1967) während seines Einsatzes im 1. Weltkrieg an der Col di Lana-Front desolaten Verhältnissen und starkem Beschuss ausgesetzt war, konnte er dem Kriegsgeschehen immer wieder poetische Aspekte abgewinnen, wie sich in seinen Briefen zeigt: „Und als ich vorgestern mittags aus dem Unterstand trat, um der Beschießung eines Fliegers zuzusehen, der hoch oben im Blau des Himmels dahinflog, da taumelte plötzlich – vom Tal in die Schneeregion verschlagen – ein Kohlweißling der Sonne zu und schien für ein paar rührende Augenblicke mit den hellhin zerfließenden Schrapnellwölkchen in einen seltsamen Reigen verwoben.“

              Daniel Falb, Steffen Popp und Katharina Schultens

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Gabriele Wild

              Frag nicht, was die Poesie für die Gegenwart tun kann.
              Frag, was die Gegenwart für die Poesie tun kann!

              „Muss man es akzeptieren, dass Literaturkritik alle Jahre wieder auf dem Niveau dieser Frage betrieben wird: ‚Wie gegenwärtig ist die Gegenwartsliteratur?‘“ fragte die Literaturkritikerin Insa Wilke in ihrer Dankesrede zum Alfred-Kerr-Preis 2014. Gerade die Poesie wird immer wieder auf die Frage reduziert, ob und in welcher Weise sie vermeintliche Gegenwart aufnimmt, zeigt und verarbeitet. Daniel Falb, Steffen Popp und Katharina Schultens möchten dieser Frage nicht ausweichen, sondern sich ihr stellen, indem sie sie umdrehen: „Frag nicht, was die Poesie für die Gegenwart tun kann. Frag, was die Gegenwart für die Poesie tun kann!“ Welches Material liefern Begriffsfelder aus Politik und Gesellschaft, etwa der Finanzwelt und der Ökologie, für Gedichte? Kann Gegenwart allein über die Sprache in die Poesie einwandern? In Lesungen und Gesprächen stellen Daniel Falb, Steffen Popp und Katharina Schultens ihre Gedichte zur Diskussion.

               

                Andrej Kurkow und Jurij Wynnytschuk

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: Georg Hasibeder

                Übersetzung: Ukrainisch-Deutsch: Mila Scharnagl-Nidzelska

                „Vom Partisanenkrieg ist immer öfter auch bei jenen die Rede, die nicht daran glauben, dass der Majdan den Machthabern irgendwelche Zugeständnisse abtrotzen kann“, notiert Andrej Kurkow am 1.12.2013 in seinen Aufzeichnungen aus dem Herzen des Protests, zusammengefasst unter dem Titel Ukrainisches Tagebuch. Vor ca. einem Jahr blickte die Welt gebannt auf die Ereignisse in der Ukraine: wochenlange Demonstrationen auf dem Kiewer Majdan, die Eskalation der Gewalt, die Annexion der Krim durch Russland, die drohende Spaltung des Landes – aber wie ist es dazu gekommen? Und wie wird es weitergehen? Die Situation in der Ukraine scheint ungewisser und undurchsichtiger denn je. Andrej Kurkow lebt wenige Gehminuten vom Kiewer Majdan entfernt und hat das Geschehen hautnah miterlebt. In seinem Ukrainischen Tagebuch schildert er die Tage des Umbruchs in seiner Heimat und liefert eine persönliche Chronik der Ereignisse.

                  Literatur und Wertung: Was ist „gute“, „bepreisenswerte“, „besprechenswerte“ Literatur?

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Gabriele Wild

                  Federico Italiano und Paul Jandl im Gespräch.

                  Auch in diesem Jahr wurde beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt wieder um die Wette gelesen. Das Prozedere ist Jahr für Jahr dasselbe: Die von den Jurymitgliedern ausgewählten Autorinnen und Autoren werden dem Publikum vorgesetzt und der Gewinner oder die Gewinnerin wird schließlich der Öffentlichkeit als herausragend schreibend präsentiert. Doch welche Kriterien und Überlegungen stecken hinter dieser Auswahl? Oder ist diese Auswahl aufgrund der Jury-Autoritäten schon nicht mehr zu hinterfragen? Die Debatte um Wertungskriterien für Literatur scheint zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Auch in den Literaturkritiken werden Kriterien nur noch selten sichtbar gemacht. Es scheint, als hätten die Mechanismen des Marktes die Literaturkritik abgelöst. Die Aufgabe von Bildungseinrichtungen ist es nach wie vor eine Art Bildungskanon zu erstellen, es geht also um Auswahl, Orientierung und letztlich darum, die Studierenden im Umgang mit „guten“ Texten zu bilden. Umso wichtiger erscheint hier die Reflexion der Auswahlkriterien, wie z. B. „Nachhaltigkeit“ oder „Zeitlosigkeit“. Es diskutieren der Lyriker und Literaturwissenschaftler Federico Italiano und der Literaturkritiker und u. a. ehemalige Juror des Ingeborg-Bachmann-Preises Paul Jandl.

                    William Shakespeare: Der Mann und sein Mythos

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Andrew Milne-Skinner, Sandra Milne-Skinner und Heinrich Payr

                    Vortrag und Lesung in deutscher und englischer Sprache

                    William Shakespeare (1564–1616) war ein Theatermensch: Dramatiker, Schauspieler – aber auch Dichter. Vor 450 Jahren wurde er in Stratford-upon-Avon getauft. Wer war dieser „Shakespeare“ aber wirklich? Wo verbrachte er die „verlorenen Jahre“? Und später, nachdem er als führendes Mitglied der Theatertruppe The Lord Chamberlain’s Men aufgetreten war – was wurde da aus diesem Schauspieler? Seit Shakespeares Tod ranken sich zahllose Überlieferungen und Legenden um seine Person, sehr verlässlich sind sie aber nicht. Sicher ist bloß: Er war einer der erfolgreichsten englischen Schriftsteller seiner Zeit, des Elisabethanischen Zeitalters. Die Stücke Shakespeares wurden veröffentlicht, indem sie aufgeführt wurden. Doch brachten sie nicht bloß Unterhaltung der Spitzenklasse, sondern behandelten ebenso brennende moralische und philosophische Fragen jener Zeit.

                      Georg Trakl zum 100. Todestag

                      Ort: Literaturhaus

                      Vortrag, Präsentation der Innsbrucker Trakl-Ausgabe und Lesung

                      Begrüßungen

                      Wolfgang Meixner (Vizerektor der Universität Innsbruck);
                      Christine Oppitz-Plörer (Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck); Karl D. Wolff (Stroemfeld-Verlag); Ulrike Tanzer (Leiterin des
                      Forschungsinstituts Brenner-Archiv)

                      Vortrag

                      Rüdiger Görner Georg Trakl oder: Das Gedicht als Landschaft

                      Präsentationen

                      – Eberhard Sauermann Georg Trakl: Sämtliche Werke und Briefwechsel: Innsbrucker Ausgabe. Historisch-kritische Ausgabe mit Faksimiles der handschriftlichen Texte Trakls (6 Bände und
                      2 Supplementbände. Basel, Frankfurt: Stroemfeld 1995–2014)

                      – Präsentation des Faksimiles aus dem Brenner-Archiv Nr. 10

                      Lesung

                      Helmuth A. Häusler liest Gedichte und Briefe von Georg Trakl

                      Buffet

                        Barbara Hundegger

                        Ort: Literaturhaus

                        Moderation: Donatella Trevisan

                        Als eine der versiertesten Lyrikerinnen Österreichs hat Barbara Hundegger sich in Sprache und Bilder von Dante Alighieris Fegefeuer /Läuterungen gestürzt. Kunstvoll verwebt Hundegger die Themen, Gefühls- und Denkwelten des großen europäischen Dichters in eine moderne lyrische Auseinandersetzung und geleitet ihre Leser_innen durch ein Fegefeuer unserer Zeit. Fragend und kritisch, unpathetisch und emanzipatorisch zeigt die Lyrikerin in ihrer Reise durch Dantes Reich, wie viel aktuelle gesellschaftspolitische Brisanz in der Göttlichen Komödie steckt – vom Raubrittertum der so genannten Eliten bis zur Vernutzung der Liebe im Kalkül. Dabei beherrscht sie es wie keine andere, mit allen sprachlichen Mitteln und Techniken von Fortschreibung, Montage, Widerspruch und Fokussierung Verse von größter atmosphärischer Dichte zu erzeugen, die vielgestaltig nachhallen.

                        Donatella Trevisan, Studium als Übersetzerin und Dolmetscherin in Triest, Promotion im Bereich Gehirnwissenschaften in Tübingen.

                        Barbara Hundegger: wie ein mensch der umdreht geht. dantes läuterungen reloaded. Gedichte. Haymon Verlag 2014

                          Anne Marie Pircher und Ilma Rakusa

                          Ort: Literaturhaus

                          Moderation: Barbara Siller

                          Im Erzählband Zu den Linien folgen Anne Marie Pirchers Protagonisten den Linien, die das Leben zeichnet: Zwei Frauen und ein Mann, die im winterlichen Val di Sela im Trentino nach den Spuren ihrer Vergangenheit suchen. Ein Wellness-Hotel in den Bergen entpuppt sich als Endstation für eine gedemütigte Ehefrau. Und unter den Klängen eines Konzerts von Maurice Ravel zerrinnt ein scheinbares Glück. Ob am westlichsten Punkt Europas oder im heimatlichen Meran, ob als Kind in Mailand oder einfach nur am Fluss entlang. Mit nüchterner Melancholie, mit Andeutung und Aussparung erzählt die Autorin von Zeiten des Übergangs, von der Komik und Tragik des scheinbar Alltäglichen – und von der Ambivalenz des Daseins.

                          Im Zentrum von Ilma Rakusas Erzählband Einsamkeit mit rollendem „r“ stehen Begegnungen mit Menschen und Orten, vorübergehende Aufhebungen der Einsamkeit in Zürich, Nagoya und Graz, am Mont Ventoux und im slowenischen Karst: Da ist die aus Russland nach Berlin gekommene Marja, eine passionierte Köchin, die in der Fremde erst von den Gräueln der sowjetischen Geschichte der 1930er Jahre erfährt; da ist Katica aus der ungarischen Steppe, die mit Dóra zusammen irgendwo im Westen auf der Straße Geige spielt und dann doch wieder heimkehrt nach Budapest … Es sind Menschen mit sehr gegenwärtigen Biografien, freiwillig und unfreiwillig Reisende, in vielerlei Hinsicht Entwurzelte, Suchende mit rätselhaften, oft dramatischen Schicksalen, denen sich Ilma Rakusa mit großer Diskretion und sprachlicher Sensibilität nähert.

                          Anne Marie Pircher: Zu den Linien. Erzählungen.

                          Edition Laurin 2014

                          Ilma Rakusa: Einsamkeit mit rollendem „r“. Erzählungen.

                          Literaturverlag Droschl 2014

                            Opferboom und Sündenbockkultur: Phänomene des 21. Jahrhunderts?

                            Ort: Literaturhaus

                            Moderation: Martin Fritz

                            Kirstin Breitenfellner und Andreas Oberprantacher im Gespräch

                            „Alle wollen Opfer sein, aber niemand will sich mehr opfern“, so heißt es in Kirstin Breitenfellners aktuellem Sachbuch Wir Opfer. Breitenfellner diagnostiziert für das 20. und 21. Jahrhundert eine zunehmende Verdrängung des „aktiven Opfers“, das sich für etwas hingibt bzw. für etwas hingegeben wird, durch das „passive Opfer“, das sich jemandem oder etwas ausgeliefert fühlt und darunter leidet. Auch wenn die Geschichte der Menschheit voll von unsinnigen aktiven Opfern ist, die Diktaturen, Kriegen oder extremer Armut ausgesetzt sind, so verwundert diese Verdrängung: Fühlen sich doch – und heute mehr denn je – viele Menschen, die man eher auf der Seite der vom Leben Begünstigten oder sogar auf der der Täter_innen sehen würde, als Opfer. Das reicht von all den überzeugten österreichischen Nationalsozialist_innen, die sich nach 1945 als Opfer deutscher Aggression empfanden, bis zu jenen, die sich versehentlich in den Finger schneiden und den Messerhersteller dafür verantwortlich machen. Über die Gründe und die Konsequenzen eines solchen Opferbooms für unsere Wohlstands- und Überflussgesellschaft diskutieren die Autorin Kirstin Breitenfellner und der Philosoph Andreas Oberprantacher.

                            Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

                             

                              Stephan Groetzner und Georg Payr

                              Ort: Literaturhaus

                              Moderation: Rainer Götz (Literaturverlag Droschl)

                              So einfach können Romane sein. Stephan Groetzners So ist das ist so lapidar, wie es der Titel verspricht – aber das heißt nicht, dass es in diesem Roman nicht Ab- und Ausschweifungen mancher Art gibt, rasende Autofahrten, merkwürdige Verwechslungen, dramatische Unfälle, schöne Frauen und eigenartige Männer, dazu Landschaften, Städte, Subkulturen, Haustiere und knappe Dialoge. Unter dem Buster-Keaton-Blick von Stephan Groetzner zeigen die turbulenten Ereignisse ein sehr komisches Eigenleben. „Es lässt sich nicht leugnen, dass hier ein Sprachkünstler am Werk ist, ein Sprachberserker, der nichts von Zufälligkeiten hält.“ (Carola Leitner, Faq)

                                Kunst und Tabu

                                Ort: Literaturhaus

                                Moderation: Andreas Hapkemeyer

                                [ Kunst & Kultur im Konflikt ]

                                Als Waldimir Putin erklärte, dass Kunst, die für Homosexualität werbe, in Russland gesetzlich verfolgt würde, ging ein Aufschrei durch den Westen. Doch auch hierzulande gibt es immer wieder Fälle, in denen die Freiheit der Kunst für manche Menschen zu einem Problem wird. Darf Kunst alle Tabus brechen? Andreas Hapkemeyer behandelt eine Anzahl von Fällen, bei denen Kunst mit der öffentlichen Meinung bzw. mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Die verletzten Tabus sind primär Tod, Sexualität, religiöse und nationale Gefühle. Hierher gehört natürlich auch das Persönlichkeitsrecht. Einige Beispiele hat Hapkemeyer am Museion Bozen selbst miterlebt, 2008 führte Martin Kippenbergers gekreuzigter Frosch zu einem handfesten, von der Presse geschürten Skandal um das neu eröffnete Museion; 2011 wurden Werke der mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles gezeigt, in denen sie mit Sekreten von Menschen arbeitete, die im Zug des mexikanischen Drogenkrieges ermordet wurden. Ist sie damit zu weit gegangen? Der Vortrag wird keine Antwort darauf geben, was Kunst darf und was nicht. Ziel ist es, im einzelnen Fall ein Für und Wider abzuwägen. Welche Tabuverletzungen sind nicht zu akzeptieren – z. B. die Verharmlosung des Nationalsozialismus oder der Pädophilie?

                                  Lutz Seiler

                                  Ort: Literaturhaus

                                  Moderation: Thomas Wegmann

                                  Als das Unglück geschieht, flieht Edgar Bendler, der Protagonist in Lutz Seilers Roman Kruso, aus seinem Leben. Er wird Abwäscher auf Hiddensee, jener legendenumwobenen Insel, die, wie es heißt, schon außerhalb der Zeit und „jenseits der Nachrichten“ liegt. Im Abwasch des Klausners, einer Kneipe hoch über dem Meer, lernt Ed Alexander Krusowitsch kennen – Kruso. Eine schwierige, zärtliche Freundschaft beginnt. Von Kruso, dem Meister und Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die Rituale der Saisonarbeiter und die Gesetze ihrer Nächte, in denen Ed seine sexuelle Initiation erlebt. Geheimer Motor dieser Gemeinschaft ist Krusos Utopie, die verspricht, jeden Schiffbrüchigen des Landes (und des Lebens) in drei Nächten zu den „Wurzeln der Freiheit“ zu führen. Doch der Herbst 1989 erschüttert die Insel. Am Ende steht ein Kampf auf Leben und Tod – und ein Versprechen.

                                  Lutz Seiler schlägt in seinem lang erwarteten Roman einen Bogen vom Sommer 1989 bis in die Gegenwart. Die einzigartige Recherche, die diesem Buch zugrunde liegt, folgt den Spuren jener Menschen, die bei ihrer Flucht über die Ostsee verschollen sind, und führt uns dabei bis nach Kopenhagen, in die Katakomben der dänischen Staatspolizei.

                                  Lutz Seiler: Kruso. Roman. Suhrkamp 2014

                                    Ludwig Wittgenstein: „Die Arbeit an der Philosophie“ als „Arbeit an Einem selbst“

                                    Ort: Literaturhaus

                                    Moderation: Ilse Somavilla

                                    Es liest Johann Nikolussi.

                                    Wittgensteins Beziehung zur Zeitschrift Der Brenner geht auf eine an den Herausgeber Ludwig von Ficker überwiesene Spende von 100.000 Kronen für „unbemittelte österreichische Künstler“ im Jahre 1914 zurück. In der Folge kam es zu einer Korrespondenz zwischen Wittgenstein und Ficker, von der seither wertvolle Briefe im Brenner-Archiv aufbewahrt sind.

                                    1988 wurde in Wien ein umfangreiches Konvolut an Briefen, an Ludwig Wittgenstein adressiert, aufgefunden und dem Brenner-Archiv in einer Schenkung übergeben. Von da an intensivierte sich die Wittgenstein-Forschung im Archiv – mit der Herausgabe von Briefen und Tagebüchern, sowie einer elektronischen Fassung seines Gesamtbriefwechsels. Wesentlich dabei war die Erkenntnis des engen Zusammenhangs zwischen Wittgensteins Leben und Werk, die Bedeutung von Ethik und Religion sowie Kunst und Literatur für das Verständnis seiner philosophischen Gedankengänge.

                                      Verena Roßbacher

                                      Ort: Literaturhaus

                                      Moderation: Gabriele Wild

                                      Hier geht es nicht zur Sache, hier wird lange gefackelt, hier wird um den heißen Brei herumgeredet, hier werden viele Worte gemacht – und es ist ein Riesenspaß. Auch wenn Verena Roßbachers Roman Schwätzen und Schlachten mit der dramatischen Ankündigung beginnt, dass jemand umgebracht werden wird und drei junge Kerle sich als Detektive beweisen müssen, die nicht dazu taugen. Es gibt ein Hausmusiktrio, jede Menge Ungereimtheiten und dazu eine Erzählerin, die Teil des Geschehens ist und sich nach Kräften bemüht, den Überblick zu behalten … Verena Roßbacher erschafft einen ganz eigenen Kosmos, in dem ihre monomanischen Figuren darum ringen, ihre Sicht der Dinge mit der allgemeinen Verfasstheit der Welt zusammenzubringen.

                                        Literatur vs. (Natur)wissenschaft?

                                        Ort: Literaturhaus

                                        Moderation: Gabriele Wild

                                        Thomas Berger und Ernst-Wilhelm Händler im Gespräch.

                                        Der Naturwissenschaft schreibt man häufig zu, wahre Aussagen über Faktisches und Reales zu tätigen, während im Gegensatz dazu die Literatur als Erfindung angesehen wird. Aber erfindet nicht auch die Sprache der (Natur)wissenschaft? Ist es nicht die Aufgabe des Forschenden, Modelle und Begriffe zu erfinden, mit denen wir Realität verstehen können? Und liefert nicht auch die Sprache der Literatur Modelle, mit denen wir unsere Realität erst begreifen können? Am Beispiel der Neurowissenschaften wollen wir diskutieren, wie nahe die Wissenschaft mit ihren Instrumenten tatsächlich an ihre Realität – an kognitive und neuronale Prozesse – herankommt und welche Art der Erforschung der Gedanken- und Gefühlswelt die Literatur zu bieten hat. Welche „Resultate“ liefern uns Naturwissenschaft und Literatur? Welche „Zwecke“ verfolgen sie? Wie greift die Literatur Stoffe aus den verschiedensten Wissenschaften und Lebensbereichen auf? Und inwiefern lässt sich die Wissenschaft von den Möglichkeiten und der Metaphernwelt der Literatur leiten oder beeinflussen? In diesem Montagsfrühstück machen sich der Autor Ernst-Willhem Händler und der Neurologe Thomas Berger auf die Suche nach Schnittstellen, Gegenpolen und Grenzen von Literatur und Wissenschaft.

                                        Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck