Veranstaltungen 2014

Handwerk, Form oder Konzept? Die Position der Kunst im 21. Jahrhundert

Ort: Literaturhaus

Moderation: Andrei Siclodi

Maria Peters und Petra Gerschner im Gespräch.

Über Jahrhunderte verband man den Begriff der Kunst mit der Gestaltung von, im weitesten Sinne, schönen Dingen und mit der ästhetisch ausgewogenen Formung von Material, für die handwerkliches Geschick und Können nötig waren bzw. sind. Seit den „Ready Mades“ von Marcel Duchamp, spätestens aber seit Erfindung der Konzeptkunst nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser Konnex und die Ansicht, dass die Sprache der Kunst die Form sei, nicht mehr selbstverständlich. Auch die über lange Zeit vorherrschende Auffassung der idealistischen Ästhetik, dass der Zweck der Kunst in ihrer Zwecklosigkeit liege, wird im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder ins Wanken gebracht. Conceptual art, art & language, aesthetic journalism, land art und viele andere Formen zeitgenössischer künstlerischer Arbeit stellen die Kunst nicht nur vor banale methodische Fragen der Ausstellbarkeit oder der Konservierung, sondern auch vor das Problem der gesellschaftlichen Positionierung künstlerischen Schaffens: Hat Kunst einen Nutzen? Wenn ja, welchen? Was ist der gesellschaftliche Auftrag der Kunst? Ist jeder Mensch ein Künstler, wie es Joseph Beuys formulierte? Kann eine Idee schon Kunst sein?

    Präsentation der Zeitschrift filadrëssa mit Stefano Zangrando

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Barbara Siller

    Lesung von Waltraud Mittich

    In Abschied von der Serenissima verknüpft Waltraud Mittich das Schicksal von Straßen mit dem von handelnden Personen. Das Leben einer alleinerziehenden Mutter in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Jugend zweier Mädchen, die in der Jahrhundertmitte an der Strada d’Alemagna, der alten Handelsstraße von Augsburg nach Venedig, groß wurden und sich zeitlebens nach der Serenissima sehnten, sowie Alexander Langers fiktives Leben im Südtirol der 1960er bis 1980er Jahre. Alle haben sie das Warten als einen Zustand entdeckt, der alle anderen überlagert, der sie aber auch unsichtbar macht und Träume entstehen lässt. Ein Roman über Wege, Umwege und Traumwege, der zeigt, wie Straßen und Flüsse, Verkehrsverbindungen eben, schicksalhaft für Menschen und Städte wirken.

      Podiumsgespräch mit Stefan Horvath, Anna Mitgutsch und Vladimir Vertlib

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Andreas Maislinger

      Fremdenhass – Rassismus – Antisemitismus

      Impulsreferate: Beate Eder-Jordan (Universität Innsbruck), Karl Müller (Universität Salzburg)

      Österreichische Autorinnen und Autoren gehörten nach dem Krieg, in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ und im Kontext der 1968er Bewegung zu den ersten, die die dringend notwendige (ehrliche) Aufarbeitung des Holocaust einforderten. Mit ihren Texten, in Essays oder in öffentlichen Wortmeldungen legten sie den Finger auf die Wunden, entlarvten den österreichischen „Opfer-Mythos“ als Lüge und zeigten, dass und wie der Faschismus in der Gesellschaft weiter lebt. Doch die Themen Fremdenhass und Rassismus stoßen oftmals auch heute noch auf Widerspruch – zumal bei jenen, die „das alles nicht mehr hören können“, die „das alles“ lieber verharmlost sehen.

      Beate Eder-Jordan und Karl Müller geben die Impulse zur anschließenden Diskussion mit den drei geladenen AutorInnen: Wo verlaufen die Bruchlinien zwischen den kritischen Intellektuellen und den beharrenden Kreisen des Landes? Inwieweit ist Versöhnung möglich?

      Eine Kooperationsveranstaltung von Literaturhaus am Inn und dem Cluster Kunst & Kultur in Konflikt   

        Poetik-Vorlesung mit Elisabeth Reichart

        Ort: Institut für Germanistik

        Von der Irritation durch Sprache zum Spiel mit ihr

        Elisabeth Reichart: „Sprache hat mich von Anfang an irritiert - wie ihr Gegenteil, die Sprachlosigkeit und alle Bereiche dazwischen und dahinter. Dieses Abenteuer, wie aus Erfahrungen ein Spiel mit der Sprache, ihrer möglichen Melodie, entsteht, wird eines der Themen sein. Ebenso, warum die uralten Menschheitsfragen - woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir – immer noch nach Antworten in der Literatur suchen. Eine offene Poetik, ein für die Kreativität der Teilnehmenden offenes Seminar.“

         

          Elisabeth Reichart

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Renate Giacomuzzi

          In ihrem Roman Das vergessene Lächeln der Amaterasu, der 1998 erstmals erschien und 2013 im Otto Müller Verlag neu aufgelegt wurde, setzt sich Elisabeth Reichart mit einer fremden Welt voller Abgründe auseinander. Die Heldin Alwina, Malerin aus Wien, folgt ihrem Geliebten Ichiro, einem Sänger, in sein Heimatland Japan, das auch ihr „Sehnsuchtsland“ ist. So sehr sie versucht, die Gesellschaft Japans zu verstehen, so sehr wird ihr bewusst, dass sie immer ausgeschlossen bleiben wird und gleichzeitig nach ihrer Heirat dem japanischen Familienclan ausgeliefert ist. Ein intensiver Roman über die Liebe und über die Konfrontation zweier Kulturkreise, geschrieben aus der genauen Kenntnis der japanischen Kultur.

          Elisabeth Reichart: Das vergessene Lächeln der Amaterasu. Roman. Otto Müller 2013

            Ulrike Draesner

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Gabriele Wild

            Sieben Sprünge vom Rand der Welt erzählt vom Schicksal der schlesischen Grolmanns, einer aus Ostpolen nach Wrocław vertriebenen Familie. Simone Grolmann ist 52, etabliert und angesehen, Professorin für Verhaltensforschung, Mutter einer Tochter, ein analytischer Mensch. Und doch hat sie Angst. Angst vor Schnee. Die Angst ist tief in ihr, versunken wie der Breslauer Wald, durch den ihr Vater, sein behinderter Bruder Emil und Lilly, die Mutter der beiden, in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1945 stapften, bei minus 21 Grad: drei Menschen mit drei durchweichten Pappkoffern. 17 Jahre vor Simones Geburt war das, und doch ist es ihre eigene Angst.

            In ihrem neuen Roman kreuzt Ulrike Draesner die Lebenswege von vier Generationen. Virtuos entwirft sie ein Kaleidoskop der Erinnerungen, die sich zu immer neuen Bildern fügen. Sie zeigen, wie die durch Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata weiterwirken und wie sich seelische Landschaften von einer Generation in die nächste weitervererben. Die Geschichten der Grolmanns und der Nienaltowskis werden zum Spiegel von hundert Jahren mitteleuropäischer Geschichte. Sie erzählen von den Mühen und Seligkeiten zwischen Eltern und Kindern, von Luftwurzeln, Freiheit und Migration. Die Entstehung dieses persönlichsten Romans von Ulrike Draesner ist auf der Homepage www.der-siebte-sprung.de dokumentiert.

            Ulrike Draesner, geboren 1962 in München, lebt in Berlin, Studium der Anglistik, Germanistik und Philosophie, erschien ihr erstes Buch, der Gedichtband gedächtnisschleifen (Suhrkamp, 1995), Publikationen (Auswahl): Spiele. Roman (2005), berührte orte. Gedichte (2008), Vorliebe. Roman (2010), Richtig liegen. Geschichten in Paaren. (2011, alle Luchterhand) www.draesner.de

            Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt. Roman.
            Luchterhand 2014

              Luiz Ruffato im Gespräch mit seinem Übersetzer Michael Kegler

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Heidi Unterhofer

              [Im Fokus: Brasilien]

              Luiz Ruffato gibt in seinen Romanen der armen Bevölkerung Brasiliens eine Stimme, den kleinen Leuten von der Straße, die nach wie vor die Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung darstellen. Sein zwischen 2005 und 2011 entstandener fünfbändiger Romanzyklus Inferno provisório (Dt.: Vorläufige Hölle, Verlag Assoziation A) erzählt die Geschichte der brasilianischen Arbeiter, Einwanderer und Binnenmigranten. 2013 war Luiz Ruffato Eröffnungsredner der Frankfurter Buchmesse und sorgte dabei mit seinen kritischen Worten zur Situation Brasiliens für Aufsehen.

              * In dieser Veranstaltungsreihe legen wir den Fokus auf die Literatur und literarische Systeme in anderen Ländern und Kulturkreisen.

                Nina Jäckle

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: Doris Eibl

                Der lange Atem spielt eineinhalb Jahre nach der verheerenden Fukushima-Tsunami-Katastrophe in einer der betroffenen japanischen Provinzen. Ein Inspektor, früher zuständig für Zeichnen von Phantombildern gesuchter Krimineller, ist nach dem Tsunami mit seiner Frau in deren zerstörtes Heimatstädtchen zurückgekehrt.
                Er verfertigt anhand von Fotos der entstellten Gesichter der Tsunamiopfer möglichst präzise Zeichnungen, damit den Hinterbliebenen die Identifizierung ihrer Angehörigen zumutbar wird. Der Zeichner stellt sich dieser Herausforderung von ganzem Herzen, mit all seinem Talent – getragen von der Hoffnung, dabei mitzuhelfen, die Welt der Hinterbliebenen wieder zurechtzurücken, wieder hinreichend „in Ordnung“ zu bringen.

                Nina Jäckle macht mit ihrem Roman erfahrbar und erahnbar, was die Überlebenden auch heute noch zu bewältigen haben – und wie es ist, mit der atomaren Bedrohung, der radioaktiven Verseuchung, mit Angst und Einsamkeit „fertig“ zu werden.

                Nina Jäckle: Der lange Atem. Roman. Klöpfer & Meyer 2014

                  Vergnügtsein heißt Einverstandensein“?

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Martin Fritz

                  Barbara Hundegger und Jochen Bonz im Gespräch

                  Diese Aussage von TheodorW.Adorno aus der Dialektik der Aufklärung (1947) hat bis heute Brisanz in den intellektuellen Debatten rund um die Haltung zu Massenmedien und Massenkultur – und dies trotz, oder gerade wegen, der Modifikationen im kulturellen Kanon der letzten Jahre und Jahrzehnte: Heute scheint es auch in den bürgerlichen und akademischen Eliten kein Problem mehr zu sein, Populärkultur und Megaevents des internationalen Sports massenmedial zu konsumieren. Man handelt sich dabei vielleicht den Vorwurf des Mitläufertums in der „Kulturindustrie“ des 21. Jahrhunderts ein, in der die Gehälter für Spitzensportler ähnlich absurde Ausmaße angenommen haben wie die Boni der Investmentbanker.

                    Barbara Hundegger

                    Ort: Literaturhaus

                    Vom seltsamen Sein zwischen Fabelzeiten, Horrorstürzen, Auswärtspleiten, Knock-out-Quoten, Herzschlagpunkten, Wassergräben, Abfahrtsschneisen … Anhand des Sports entfaltet Barbara Hundegger ein zwischen autobiographischen Schlüsselmomenten und der Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse changierendes Vexierbild. Der Text entstand im Rahmen von mitSprache, einem Projekt der Literaturhäuser Österreichs, in dem 10 österreichische Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen wurden, Reden zur Situation zu halten. www.zintzen.org/mitsprache-2012