Veranstaltungen 2014

Dunkle Lieben: Georg und Margarethe Trakl

Ort: Literaturhaus

Moderation: Erika Wimmer

Lesung und Gespräch mit Hilde Schmölzer

Die Geschwisterbeziehung von Georg und Margarethe Trakl gibt nach wie vor Rätsel auf: Gab es einen realen Geschwisterinzest oder handelt es sich dabei lediglich um inzestuöse Phantasien des berühmten Dichters? Tatsache bleibt, dass die Schwester für ihn der wichtigste Mensch gewesen ist, dass er sie in seinen Gedichten an die 60 Mal anruft, beschwört, verklärt, dämonisiert, die „Jünglingin“, „Fremdlingin“, „Mönchin“. Die reale Gestalt Margarethes hingegen versinkt im Dunkel der Geschichte, sie wurde von ZeitgenossInnen ebenso wie von der Nachwelt verzerrt und verfälscht. Nicht einmal ihr Grab ist bekannt.

    Verortungen: Mösern – Arbeits- und Aufenthaltsort von Hermann Broch

    Ort: Mösern, Kirchplatz

    Moderation: Iris Kathan

    Ein Rundgang mit Iris Kathan und Thomas Lackner

    Für sein „von Sorgen, Nikotin und Überarbeitung genährtes Herz“, aber auch für sein neues Romanprojekt benötigt Hermann Broch einen „Aufenthalt in mittlerer Gebirgshöhe“. Broch arbeitet zu dieser Zeit am ersten Teil einer geplanten Romantrilogie. Schauplatz des Romans ist ein fiktives Dorf im Gebirge. Um das Lokalkolorit zu studieren, zieht Broch im September 1935 nach Mösern in Tirol und versucht, sich in der Abgeschiedenheit des Dorfes ein künstliches Vakuum zu schaffen, das es ihm erlaubt, jene radikale Konzentration und Naturerfahrung zu finden, die er für sein Schreiben zu brauchen glaubt. Während seines zehnmonatigen Aufenthalts in Mösern entstehen wesentliche Teile des unvollendet gebliebenen und in mehreren Fassungen vorliegenden „Bergromans“ (posthum Die Verzauberung).

      Neue Texte aus der Schreibwerkstatt

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Sepp Mall, Birgit Unterholzner

      Von „Schnipselsätzen“ zu ersten Geschichten
      Die jungen Autorinnen und Autoren präsentieren:

      Im letzten halben Jahr haben sich wieder junge Autorinnen und Autoren im Literaturhaus am Inn versammelt, um ihrer Kreativität und Fantasie freien Lauf zu lassen und ihr literarisches Schreiben zu vertiefen. Unter der Leitung von Sepp Mall und Birgit Unterholzner entstanden „Schnipselsätze“, Geschichten, Gedichte und sogar erste Entwürfe für Romane …

        Saskia Hennig von Lange

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Günther Eisenhuber

        Zurück zum Feuer erzählt die Geschichte dreier Menschen, in denen jeder für sich kämpft: um sein Überleben, um das Unwiederbringliche. Es ist ein Kampf ohne Gegner, in dem es nichts zu gewinnen gibt und der doch ein Feuer entfacht.

        Max Schmeling stirbt. Es gibt nichts mehr, woran er sich festhalten könnte: Sein Leben als Boxlegende, die Menschen, die ihn begleitet haben, seine Frau Anny Ondra, alles ist längst verloren. Der Sachverständige Max soll entscheiden, was mit Schmelings Haus geschehen soll, aber was als Besichtigung beginnt, gerät zunehmend außer Kontrolle. Während Max sich im Haus verkriecht, nimmt seine Frau Inge einen ganz anderen Kampf auf: Sie trennt sich von einem Leben, das es schon lange nicht mehr gibt.

        Saskia Hennig von Lange: Zurück zum Feuer. Roman. Jung und Jung 2014

        Lesen Sie dieses Mal im Inn-Lesebuch einen Auszug aus Zurück zum Feuer unter www.uibk.ac.at/literaturhaus

          Martin Pollack

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Joe Rabl

          An die offiziellen Opfer der Diktaturen und Kriege des 20. Jahrhunderts erinnern Mahnmale und Kriegerdenkmäler. Doch wo gedenken wir der Tausenden namenlos gewordenen, heimlich verscharrten Toten – seien es Juden oder Roma, Antikommunisten oder Partisanen? Wie leben wir in Landschaften, die kontaminiert sind mit den unzähligen vertuschten Massakern Mitteleuropas – im burgenländischen Rechnitz genauso wie im slowenischen Kocˇevski Rog oder in Kurapaty bei Minsk?

            Kohlweißling und Schrapnellwölkchen Ludwig von Ficker und der Erste Weltkrieg

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Markus Ender, Ingrid Fürhapter

            Obwohl Ludwig von Ficker (1880–1967) während seines Einsatzes im 1. Weltkrieg an der Col di Lana-Front desolaten Verhältnissen und starkem Beschuss ausgesetzt war, konnte er dem Kriegsgeschehen immer wieder poetische Aspekte abgewinnen, wie sich in seinen Briefen zeigt: „Und als ich vorgestern mittags aus dem Unterstand trat, um der Beschießung eines Fliegers zuzusehen, der hoch oben im Blau des Himmels dahinflog, da taumelte plötzlich – vom Tal in die Schneeregion verschlagen – ein Kohlweißling der Sonne zu und schien für ein paar rührende Augenblicke mit den hellhin zerfließenden Schrapnellwölkchen in einen seltsamen Reigen verwoben.“

              Daniel Falb, Steffen Popp und Katharina Schultens

              Ort: Literaturhaus

              Moderation: Gabriele Wild

              Frag nicht, was die Poesie für die Gegenwart tun kann.
              Frag, was die Gegenwart für die Poesie tun kann!

              „Muss man es akzeptieren, dass Literaturkritik alle Jahre wieder auf dem Niveau dieser Frage betrieben wird: ‚Wie gegenwärtig ist die Gegenwartsliteratur?‘“ fragte die Literaturkritikerin Insa Wilke in ihrer Dankesrede zum Alfred-Kerr-Preis 2014. Gerade die Poesie wird immer wieder auf die Frage reduziert, ob und in welcher Weise sie vermeintliche Gegenwart aufnimmt, zeigt und verarbeitet. Daniel Falb, Steffen Popp und Katharina Schultens möchten dieser Frage nicht ausweichen, sondern sich ihr stellen, indem sie sie umdrehen: „Frag nicht, was die Poesie für die Gegenwart tun kann. Frag, was die Gegenwart für die Poesie tun kann!“ Welches Material liefern Begriffsfelder aus Politik und Gesellschaft, etwa der Finanzwelt und der Ökologie, für Gedichte? Kann Gegenwart allein über die Sprache in die Poesie einwandern? In Lesungen und Gesprächen stellen Daniel Falb, Steffen Popp und Katharina Schultens ihre Gedichte zur Diskussion.

               

                Andrej Kurkow und Jurij Wynnytschuk

                Ort: Literaturhaus

                Moderation: Georg Hasibeder

                Übersetzung: Ukrainisch-Deutsch: Mila Scharnagl-Nidzelska

                „Vom Partisanenkrieg ist immer öfter auch bei jenen die Rede, die nicht daran glauben, dass der Majdan den Machthabern irgendwelche Zugeständnisse abtrotzen kann“, notiert Andrej Kurkow am 1.12.2013 in seinen Aufzeichnungen aus dem Herzen des Protests, zusammengefasst unter dem Titel Ukrainisches Tagebuch. Vor ca. einem Jahr blickte die Welt gebannt auf die Ereignisse in der Ukraine: wochenlange Demonstrationen auf dem Kiewer Majdan, die Eskalation der Gewalt, die Annexion der Krim durch Russland, die drohende Spaltung des Landes – aber wie ist es dazu gekommen? Und wie wird es weitergehen? Die Situation in der Ukraine scheint ungewisser und undurchsichtiger denn je. Andrej Kurkow lebt wenige Gehminuten vom Kiewer Majdan entfernt und hat das Geschehen hautnah miterlebt. In seinem Ukrainischen Tagebuch schildert er die Tage des Umbruchs in seiner Heimat und liefert eine persönliche Chronik der Ereignisse.

                  Literatur und Wertung: Was ist „gute“, „bepreisenswerte“, „besprechenswerte“ Literatur?

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Gabriele Wild

                  Federico Italiano und Paul Jandl im Gespräch.

                  Auch in diesem Jahr wurde beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt wieder um die Wette gelesen. Das Prozedere ist Jahr für Jahr dasselbe: Die von den Jurymitgliedern ausgewählten Autorinnen und Autoren werden dem Publikum vorgesetzt und der Gewinner oder die Gewinnerin wird schließlich der Öffentlichkeit als herausragend schreibend präsentiert. Doch welche Kriterien und Überlegungen stecken hinter dieser Auswahl? Oder ist diese Auswahl aufgrund der Jury-Autoritäten schon nicht mehr zu hinterfragen? Die Debatte um Wertungskriterien für Literatur scheint zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Auch in den Literaturkritiken werden Kriterien nur noch selten sichtbar gemacht. Es scheint, als hätten die Mechanismen des Marktes die Literaturkritik abgelöst. Die Aufgabe von Bildungseinrichtungen ist es nach wie vor eine Art Bildungskanon zu erstellen, es geht also um Auswahl, Orientierung und letztlich darum, die Studierenden im Umgang mit „guten“ Texten zu bilden. Umso wichtiger erscheint hier die Reflexion der Auswahlkriterien, wie z. B. „Nachhaltigkeit“ oder „Zeitlosigkeit“. Es diskutieren der Lyriker und Literaturwissenschaftler Federico Italiano und der Literaturkritiker und u. a. ehemalige Juror des Ingeborg-Bachmann-Preises Paul Jandl.

                    William Shakespeare: Der Mann und sein Mythos

                    Ort: Literaturhaus

                    Moderation: Andrew Milne-Skinner, Sandra Milne-Skinner und Heinrich Payr

                    Vortrag und Lesung in deutscher und englischer Sprache

                    William Shakespeare (1564–1616) war ein Theatermensch: Dramatiker, Schauspieler – aber auch Dichter. Vor 450 Jahren wurde er in Stratford-upon-Avon getauft. Wer war dieser „Shakespeare“ aber wirklich? Wo verbrachte er die „verlorenen Jahre“? Und später, nachdem er als führendes Mitglied der Theatertruppe The Lord Chamberlain’s Men aufgetreten war – was wurde da aus diesem Schauspieler? Seit Shakespeares Tod ranken sich zahllose Überlieferungen und Legenden um seine Person, sehr verlässlich sind sie aber nicht. Sicher ist bloß: Er war einer der erfolgreichsten englischen Schriftsteller seiner Zeit, des Elisabethanischen Zeitalters. Die Stücke Shakespeares wurden veröffentlicht, indem sie aufgeführt wurden. Doch brachten sie nicht bloß Unterhaltung der Spitzenklasse, sondern behandelten ebenso brennende moralische und philosophische Fragen jener Zeit.