Veranstaltungen 2016

Hermine Wittgensteins Familienerinnerungen

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Ilse Somavilla und Eleonore Bürcher

Intellektualität, Ethos und Kultur

Die von Hermine Wittgenstein in der Zeit von 1944 bis 1947 verfasste Chronik gibt nicht nur Einblick in die private Lebensgeschichte von vier Generationen der Familie Wittgenstein, sondern dokumentiert deren mannigfache soziokulturelle Beziehungen mit bekannten Persönlichkeiten, Dichtern, Musikern, bildenden Künstlern und Wissenschaftlern. Die Aufzeichnungen sind auch ein wichtiger Beitrag, um das aus seiner familiären Herkunft im Wien der Jahrhundertwende gewachsene Kulturverständnis Ludwig Wittgensteins zu belegen und seine philosophischen Reflexionen über ethische und ästhetische Fragestellungen besser zu verstehen. Darüber hinaus zeichnet Hermine Wittgenstein ein lebhaftes Bild einer konfliktreichen Zeit, „in der Menschen und Dinge gleichermaßen vom Untergang bedroht erscheinen“ – der Zeit der beiden Weltkriege sowie des Nationalsozialismus.

    Universale” Literatur zwischen Eurozentrismus und Globalisierung

    Ort: Literaturhaus am Inn

    Moderation: Sebastian Donat

    Najem Wali und Young-Ae Chon im Gespräch.

    Der Eurozentrismus scheint bei der Definition von (kanonisierter) Weltliteratur überholt bzw. bedarf, mit dem Blick auf Migrationsbewegungen und Globalisierung, einer Hinterfragung und Überarbeitung.

      Ulrich Peltzer

      Ort: Literaturhaus am Inn

      Moderation: Thomas Wegmann

      Jochen Brockmann ist Sales Manager. Die Bank gibt keinen Kredit mehr, Indonesien investiert nicht, es bieten sich die Chinesen an. Da erscheint der Investor und Risikoberater Sylvester Lee Fleming: ist er Retter, Verführer oder Versucher? Ulrich Peltzer, „ein Erzähler von europäischem Rang“ (Jury des Heinrich-Böll-Preises) legt mit seinem groß angelegten Roman Das bessere Leben einen metaphysischen Thriller über das 21. Jahrhundert und über die Gespenster der Vergangenheit vor, und einen eindringlichen Text über die Gegenwart, in der die Utopien eines besseren Lebens in Terror umgeschlagen sind und die Revolutionäre des 20. Jahrhunderts sich im Kapitalismus eingerichtet haben.

      Ulrich Peltzer: Das bessere Leben. Roman. Fischer 2015

        Ein Abend für und mit Karl Lubomirski

        Ort: Literaturhaus am Inn

        Moderation: Annette Steinsiek

        Vortrag: Eleonore De Felip

        Der Autor wird aus seinem aktuellen Lyrikband Sieben Meere lesen, zu dem Eleonore De Felip einige Analysen und Beobachtungen vorträgt. Ein Blick in die Werke und Briefe von Karl Lubomirski, die sich seit 2014 im Brenner-Archiv befinden, zeigt den Autor in seiner Entwicklung und Bewegung: als Reisenden, Suchenden, Betrachtenden, der das Wissen verschiedener Welt-
        ecken in seine persönlichen Synthesen einschließt, und dies in der Form zunehmend verknappt. Was treibt ihn an, wie arbeitet er, welche Begegnungen präg(t)en ihn? Annette Steinsiek wird in einem Gespräch mit dem Autor diesen und anderen Fragen nachgehen. Eine Vitrinenausstellung zeigt Stücke aus dem Bestand.

        Eleonore De Felip arbeitet im Brenner-Archiv derzeit mit einem Habilitationsstipendium zur Lyrik Friederike Mayröckers und deren Neuperspektivierung im Lichte der literaturwissenschaftlichen „Intensitätsforschung“.

        Annette Steinsiek, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Brenner-Archiv, hat den „Bestand Karl Lubomirski“ erschlossen.
        Siehe www.uibk.ac.at/brenner-archiv/archiv/lubomirksi.html

        In Kooperation mit dem Brenner-Forum

          Der Gast von Albert Camus

          Ort: Literaturhaus am Inn

          Moderation: Doris Eibl

          Die Novelle Der Gast von Albert Camus erschien erstmals 1957 und spielt in Algerien, kurz vor dem Ausbruch des Algerienkriegs. Camus thematisiert unter anderem die Frage, ob es eine neutrale Position geben kann.

          Die Romanistin Doris Eibl wird in einem kurzen Impuls-Referat in den Text einführen, anschließend sind Sie zum Mitdiskutieren eingeladen. Um einen dichten Austausch zu ermöglichen, bitten wir Sie, den Text vorab zu lesen und sich für diese Reihe anzumelden, da es eine begrenzte TeilnehmerInnenzahl gibt.

            Die Rezeption Georg Trakls in der NS-Zeit

            Ort: Literaturhaus am Inn

            Moderation: Sieglinde Klettenhammer, Dirk Rupnow, Eberhard Sauermann

            Die bisherige Forschung ist zum (Vor-)Urteil gelangt, Trakl sei in der NS-Zeit durchwegs abgelehnt worden. Wie ist es aber zu erklären, dass Trakl damals zwar von manchen ignoriert, ja verworfen, aber in etlichen nationalsozialistischen Literaturgeschichten und Zeitungsartikeln behandelt wurde, dass sein Werk mehrfach ediert wurde und zahlreiche Gedichte in Anthologien abgedruckt wurden, dass berühmte wie unbekannte Personen sich privat zu ihm bekannten? Eine Antwort darauf versucht die Studie Eberhard Sauermanns, die auf dem Nachlass Ludwig v. Fickers und der Trakl-Sammlung des Brenner-Archivs beruht. In ihr wird zudem die nationalsozialistische Kulturpolitik und Literaturwissenschaft herausgearbeitet sowie die Rezeption Trakls in der DDR skizziert.

              Die schärfsten Dialektiker sind die Flüchtlinge

              Ort: Literaturhaus am Inn

              Szenische Lesung von Bertolt Brechts: Flüchtlingsgespräche
              Besetzung: Helmuth A. Häusler und Hannes Perkmann
              Lieder: Judith Keller
              Inszenierung: Klaus Rohrmoser

              Die in den frühen 1940er Jahren geschriebenen Dialoge der Flüchtlingsgespräche handeln vom Alltag der aus Deutschland Vertriebenen, vertreten durch den Intellektuellen Ziffel und den Arbeiter Kalle, die sich im Restaurant des Hauptbahnhofs von Helsinki über die internationale Lage (deutsche Truppen haben Dänemark und Norwegen besetzt und rücken in Frankreich vor) und die eigene Situation unterhalten: Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen.

                Barbara Aschenwald und Martin Fritz

                Ort: Literaturhaus am Inn

                Moderation: Anna Rottensteiner und Gabriele Wild

                Lesung und Gespräch mit Barbara Aschenwald und Martin Fritz

                In der Reihe [Einblicke Ausblicke] lädt das Literaturhaus am Inn Tiroler Autorinnen und Autoren ein, aus ihren in Arbeit befindlichen Texten zu lesen und das Publikum im Gespräch am Prozess der literarischen Textproduktion teilhaben zu lassen.

                Dieses Mal werfen wir einen Blick in das aktuelle Schreibprojekt von Barbara Aschenwald mit dem Titel Spiegelscherben sowie in Martin Fritz’ Schreibarbeit am Performance-Textprojekt Emma.

                 

                  Norbert Gstrein

                  Ort: Literaturhaus am Inn

                  Moderation: Johann Holzner

                  John ist tot: Niedergestochen mitten in San Francisco. Er war amerikanischer Jude, ein hinreißender Draufgänger, kraftstrotzend und doch traumatisiert von seinem freiwilligen Dienst in der israelischen Armee. Hugo reist auf den Spuren seines Freunds nach Kalifornien, wo er und John sich vor einem halben Leben kennengelernt haben. Bald darauf landet er in Israel und findet sich auf beiden Seiten des jüngsten Gaza-Konflikts wieder. Zwischen den USA, Israel und Palästina, den ersten Lieben zweier junger Männer, ihrem Älterwerden und der großen Politik stellt Norbert Gstreins mitreißender Roman In der freien Welt eine aufrüttelnde Frage: Wie können wir in der freien Welt gemeinsam leben, ohne einander Schmerz zuzufügen?

                    Dževad Karahasan

                    Ort: Literaturhaus am Inn

                    Moderation: Cornelius Hell

                    In seinem Roman Der Trost des Nachthimmels begibt sich der bosnische Autor auf die Spuren des Astronomen, Mathematikers und Poeten Omar Chayyam in den Vorderen Orient des 11. und 12. Jahrhunderts, als das Reich der Seldschuken vom Untergang bedroht war. Karahasan lässt uns die Welt aus den Augen der Protagonisten sehen und zieht die Lesenden hinein in eine Epoche, die hinterrücks eine unheimliche Ähnlichkeit mit der unseren offenbart. Den Scharfsinn und die Ohnmacht seiner Protagonisten im Blick, schildert Dževad Karahasan, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört.

                    Dževad Karahasan: Der Trost des Nachthimmels. Roman. Suhrkamp 2016

                      Sabine Gruber und Dragica Rajčić

                      Ort: Literaturhaus am Inn

                      Moderation: Anna Rottensteiner und Gabriele Wild

                      Im März werden Sabine Gruber und Dragica Rajčić Einblicke in ihre jeweiligen Schreibprojekte geben: Sabine Gruber in ihr Romanprojekt mit dem Titel Daldossi oder Das Leben des Augenblicks (erscheint im Juli bei C.H.Beck); Dragica Rajčić in ihre literarische Arbeit mit dem Titel liebe um liebe.

                       

                        Werte- und Orientierungskurse“ – wozu, wohin?

                        Ort: Literaturhaus am Inn

                        Moderation: Anna Rottensteiner

                        Gespräch mit Marlene Streeruwitz und Christine Baur.

                        Ab Januar 2016 sind in Tirol verpflichtende „Werte- und Orientierungskurse“ für Asylberechtigte gestartet. Dabei geht es nicht nur darum, den Teilnehmer/innen die Geschichte Österreichs näherzubringen, sondern vor allem auch um die Vermittlung alltäglicher Gepflogenheiten sowie Themen wie Meinungsfreiheit, Demokratie, Trennung von Religion und Staat, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Sprache und Bildung, u. ä. m. Dabei stehen auch (österreichische? europäische? demokratische?) „Werte“ im Fokus.

                          Ein Abend zum 101. Geburtstag von Max Riccabona

                          Ort: Literaturhaus am Inn

                          Moderation: Ulrike Längle

                          Lesung: Mario Plaz

                          Einführung und Moderation: Ulrike Längle

                          Jeder Brief von Ihnen ist ein Ereignis – diese Worte schrieb David Bronsen, der Joseph-Roth-Biograph, an Max Riccabona, und er hat recht. Aus Riccabonas Korrespondenz, die zum Großteil unveröffentlicht im Brenner-Archiv in Innsbruck liegt, soll an diesem Abend ein Porträt erstehen, das die unterschiedlichen Facetten dieser zeitgeschichtlich wie künstlerisch faszinierenden Persönlichkeit zum Funkeln bringt.

                          Max Riccabona (19151997), Jus-Studium, Konsularakademie in Wien, Häftling in Dachau, nach dem Krieg Rechtsanwalt in Feldkirch, Schriftsteller, bildender Künstler.

                          Max Riccabona galt „über die Landesgrenzen hinaus als ungewöhnlicher Schriftsteller und origineller Erzähler. Die literarische Welt schätzte seine Sprachmacht und seine nicht zu versiegen scheinende satirische Energie, doch auch seinem unmittelbaren Umfeld sollte sich Riccabona durch seinen großen Reichtum an Geschichte und Geschichten nachhaltig einprägen.“ (Petra Nachbaur)

                           

                          In Kooperation mit dem Brenner-Forum

                            Katharina Winkler

                            Ort: Literaturhaus am Inn

                            Moderation: Gabriele Wild

                            Der Blauschmuck trägt die Handschrift der Männer. Das Werkzeug, Holz oder Eisen, und die Anzahl der Schläge bestimmen den Blauton.

                            Filiz wächst in einem kurdischen Dorf in der Türkei auf. Sie ist zwölf, als sie sich in den um wenige Jahre älteren Yunus verliebt und mit ihm von einem gemeinsamen Leben im Westen träumt. Mit fünfzehn heiratet sie Yunus – heimlich und gegen den Willen ihres Vaters. Doch mit der Hochzeit platzen auch die Träume von Freiheit und Autonomie: Statt Jeans trägt Filiz jetzt Burka; gemeinsam mit den drei Kindern, die in dieser Ehe geboren werden, ist sie der körperlichen und seelischen Brutalität ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter ausgesetzt. Daran ändert auch die Emigration der Familie in den Westen nichts – vorerst.

                            In ihrem Debütroman, der auf einer wahren Lebensgeschichte beruht, schildert Katharina Winkler in eindringlicher, karger und zugleich mächtiger Sprache anschaulich die Abgründe von Abhängigkeit und brutaler Unterdrückung.

                            Katharina Winkler, geboren 1979 in Wien, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft. Blauschmuck ist ihr Debütroman. Die Autorin lebt in Berlin.

                            Katharina Winkler: Blauschmuck. Roman. Suhrkamp 2016

                              Sandra Gugić und Lydia Haider

                              Ort: Literaturhaus am Inn

                              Moderation: David Winkler-Ebner

                              Wie Astronauten, nur über ein dünnes inneres Kabel verbunden mit dem Mutterschiff Erde, bewegen sie sich in Sandra Gugićs Debutroman einen Sommer lang durch ihre Stadt: die Schulfreunde Darko und Zeno, das Mädchen Mara, der Taxifahrer und heimliche Schriftsteller Alen, sein Freund, der Polizist Niko, und der Kleinkriminelle Alex. Sehnsüchtig nach Wärme und Nähe begegnen sie einander und verstricken sich doch immer wieder in ihre Geheimnisse. In klarer, poetischer Sprache entfaltet sich ein Kosmos des alltäglichen Lebens, der uns zunehmend fremd und vertraut zugleich erscheint.

                              Lydia Haiders Roman Kongregation könnte ein Krimi sein, ein Provinzkrimi vielleicht. Sieben rätselhafte tödliche Unfälle von jungen Menschen erschüttern ein Dorf. Es ist ein kollektives Wir, das das Geschehen mit biblisch-homerischer Wucht berichtet. Diese Kongregation bilden nicht katholische Würdenträger, sondern die jungen Andersdenkenden, die sich als das Alpha und Omega setzen und es mit den mächtigen Alten aufnehmen. Trash trifft auf die Bibel, Jugendslang auf den hohen Ton, Pathos auf Ironie.

                              Sandra Gugić: Astronauten. Roman. C.H.Beck 2015

                              Lydia Haider: Kongregation. Roman. Müry Salzmann 2015

                                Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus

                                Ort: Literaturhaus am Inn

                                Fortsetzung der Lesereihe des Instituts kultureller Kompostierung

                                Im Rahmen der vierjährigen Lesereihe von Juni 2014 bis November 2018 entlang prägnanter Daten des sogenannten „Großen Kriegs“ vor hundert Jahren lesen Veronika Fiegl, Helga Hauffe, Christof Heinz, Sylvia Krismayr, Martin Mariner, Wolfgang Maurer, Johannes Payr, Roman Wegmann, Klaus Windisch.

                                Technik: Ernst Koder

                                Das ist wohl der Gipfel! Historische Einbettung: Hundertster Jahrestag der Sprengung des Gipfels Col di Lana in der Fanesgruppe. Der bereits seit 1915 vom deutschen Alpenkorps und später von österreichischen Truppen besetzte Col di Lana wird seit dem Winter 1915 /1916 immer wieder von italienischer Seite zu erstürmen versucht und fordert alleine durch Lawinenabgänge Hunderte an Opfern. Der Gipfel wird erst von italienischer Seite und ab Anfang 1916 auch von österreichischer Seite unterminiert und erreicht in der Nacht vom 17. auf 18. April seinen traurigen Höhepunkt mit seiner Sprengung.

                                Zum Projekt: Um das Gesamtwerk des Satirikers Karl Kraus annähernd zu würdigen, sieht sich das Institut kultureller Kompostierung veranlasst, das Studium der „Phrasiologie“ zu pflegen und versucht auf diesem Wege, den Ernst des Witzes der Sprache zu analysieren und aufs Genaueste zu beleuchten.

                                  Aleš Šteger

                                  Ort: Literaturhaus am Inn

                                  Moderation: Joe Rabl

                                  Zur Karnevalszeit im Jahr 2012 ist das slowenische Maribor Kulturhauptstadt Europas. Lokalpolitiker und Selbstdarsteller versuchen Profit daraus zu schlagen, jede erdenkliche Kunstform wird vermarktet. In den Medienrummel mischen sich der aus Maribor stammende Dramaturg Adam Bely und die kubanisch-österreichische Journalistin Rosa Portero. Das seltsame Paar verfolgt jedoch eine geheime Mission, die beiden sind einer bösartigen Verschwörung auf der Spur und wollen deren dreizehn Anhänger entmachten.

                                  In der Tradition von Bulgakow, Gogol und Kafka lässt Aleš Šteger die Kräfte des Guten und des Bösen aufeinander prallen, seziert die verrottete Gesellschaft des schönen Scheins. Sein Debütroman entpuppt sich so als Reise in das Herz der Finsternis Europas.

                                  Aleš Šteger: Archiv der toten Seelen. Roman. Aus dem Slowenischen von Matthias Göritz. Schöffling & Co 2016

                                    Kaum ausgewachsen, schon ausgebrannt – Kinder und Burn-Out

                                    Ort: Literaturhaus am Inn

                                    Moderation: Christine Riccabona

                                    Innsbruck liest-AutorIn und Martin Fuchs im Gespräch.

                                    Kommunikationsstress, Bildungsstress, Jobstress, Zukunftsstress, Individualisierungsstress, Leistungsdruck: Das Krankheitsbild Burn-Out greift immer stärker auch auf die jüngere Generation über. Dass bereits Kinder zu Patienten werden, wird in der Gesellschaft weitestgehend noch nicht wahrgenommen. Im Montagsfrühstück soll die Situation psychisch belasteter Jugendlicher beleuchtet werden. Darüber hinaus wird auch die Frage behandelt, inwiefern Literatur therapeutische Wirkung entfalten kann.

                                    Martin Fuchs, geboren 1974, Studium der Medizin in Innsbruck. Leitender Oberarzt für die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck, seit 2015 stellvertretender Direktor der Univ. Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

                                    Im Rahmen von Innsbruck liest.

                                      B. Traven: Das Totenschiff

                                      Ort: Literaturhaus am Inn

                                      Moderation: Ekkehard Hey-Ehrl

                                      Der Roman Das Totenschiff von B.Traven – erstmals 1926 in der Büchergilde Gutenberg erschienen – zählte in den 1920er und 1930er Jahren zu den großen und äußerst populären Romanen der so genannten sozialkritischen Literatur. Fälschlicherweise als Abenteuerroman abqualifiziert, wurde der Roman von der literaturwissenschaftlichen Forschung mehr oder weniger ignoriert. Der bewusste Einsatz unterschiedlicher sprachlicher Mittel und das Spiel mit verschiedenen literarischen Genres weisen den Text als ein außerordentliches Beispiel moderner Literatur aus. Auf thematischer Ebene (Flucht, Ausbeutung, Beschreibung brutaler Arbeitsverhältnisse) ist er ein Dokument von höchster Aktualität.

                                        Christoph Linher und Ursula Wiegele

                                        Ort: Literaturhaus am Inn

                                        Moderation: Anna Rottensteiner, Christoph Linher und Ursula Wiegele

                                        „Dämlich wie ein Stück Wild“ springt ein Mensch dem Ich-Erzähler in Christoph Linhers Roman Farn vor den Wagen. Auf den Unfall folgen für den Lenker Hausarrest und Fußfessel. Nach verbüßter Strafe hält dieser im leeren Haus seiner Kindheit den Arrest freiwillig aufrecht. Stück für Stück saniert der Ich-Erzähler das baufällige Haus – nicht zuletzt in dem Bestreben, etwas über sich in Erfahrung zu bringen. In seiner Wahrnehmung und seinem Denken völlig auf sich selbst bezogen, gerät nicht nur diese Arbeit ins Stocken, auch Dinge, die er zu besitzen glaubte, verschwinden …

                                        Clara, die Protagonistin in Ursula Wiegeles Roman Im Glasturm ist seit ihrem achten Lebensjahr gehörlos, sie, die einst vielversprechende Musikerin, arbeitet nun als Gemälderestauratorin. Mit Anfang vierzig kommt sie vom toskanischen Gut nach Österreich zurück: ihr Bruder Paul hat sie gebeten, ihm beim Räumen der elterlichen Wohnung in Wien zu helfen. Im Glasturm eines Tiroler Hotels, den Bergen ganz nah, macht sie Station. Sie erinnert sich an Großes und Kleines, und wie sie durch ewiges Üben die Sprache „sehen“ lernte, indem sie den Menschen die Wörter von den Lippen ablas.

                                        Christoph Linher: Farn. Eine Erzählung aus dem Off. Müry Salzmann 2016
                                        Ursula Wiegele: Im Glasturm. Roman. Müry Salzmann 2015

                                        Leseprobe aus Ursula Wiegeles Roman Im Glasturm

                                          Nationalismen im Vormarsch?

                                          Ort: Literaturhaus am Inn

                                          Moderation: Martin Sexl

                                          Timo Heimerdinger und Ulrich Schmid im Gespräch.

                                          Mit ihrer Entscheidung, an einer umstrittenen Justizreform festzuhalten und sich somit gegen das Urteil der Verfassungsrichter zu stellen, ließ die polnische Regierung kürzlich aufhorchen. Aber nicht nur in Polen wird die Nation inzwischen über das juristische System von Bürgerrechten gestellt, sondern auch in Ungarn und Russland. Auch in den „identitären“ Bewegungen West- und Mitteleuropas wird das „Nationale“ als ein Wert verstanden, der dem „Staatlichen“ übergeordnet ist und sich zunehmend gegen Europa richtet. Inwiefern stützt sich dieses Verständnis von Nation auf Identitäten, die als „natürlich“ und evident angenommen werden? Wird ein kulturalistischer Nationalismus wieder hoffähig, der an imperiale Reichsideen anschließt und die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik aushebelt?

                                            Ibn Arabi: Der Übersetzer der Sehnsüchte

                                            Ort: Literaturhaus am Inn

                                            Moderation: Stefan Weidner

                                            Mit Einspielung von Vertonungen einzelner Gedichte.

                                            Bekannt für seine Übersetzungen arabischer Poesie, zeigt er mit seiner Übertragung, wie modern und freizügig diese Gedichte sind.

                                            Am Abend wird er in das Leben und die Vorstellungswelten von Ibn Arabi einführen, zeitgeschichtliche Hintergründe beleuchten sowie ausgewählte Gedichte auf Deutsch und Arabisch vortragen. Ebenso werden Vertonungen einzelner Gedichte durch die Ensembles Ibn Arabi und Ibn Baja eingespielt.

                                              Ein Abend in Erinnerung an Walter Schlorhaufer

                                              Ort: Literaturhaus am Inn

                                              Moderation: Ulrike Tanzer

                                              Johann Holzner, Martin Sailer und Veronika Schmidinger

                                              Walter Schlorhaufer hat sich nicht nur als Arzt, sondern auch schon früh als Schriftsteller einen Namen gemacht. Bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit finden sich seine Texte in wichtigen österreichischen Anthologien, neben Autorinnen und Autoren wie Herbert Eisenreich, Hertha Kräftner, Christine Busta, Christine Lavant, Gerhard Fritsch oder Friederike Mayröcker.

                                              Der von Johann Holzner, Bettina Schlorhaufer und Anton Unterkircher herausgegebene Band Glasfeder (erschienen in der Edition Brenner-Forum im Innsbrucker StudienVerlag) versammelt die schönsten Texte Walter Schlorhaufers: eine Auswahl aus seinen Erzählungen, Gedichte aus den Jahren 1947–1960 und 1992–2001, Schriften zur Literatur und Kunst, Auszüge aus Korrespondenzen mit Rudolf Stibill und Peter Zwetkoff sowie Zeugnisse das Malers. Beiträge über sein Werk sowie ausführliche bio- und bibliographische Anzeigen runden den Band ab.

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                                                Aischylos: Die Schutzsuchenden

                                                Ort: Literaturhaus am Inn

                                                Moderation: Karlheinz Töchterle

                                                Die Schutzsuchenden ist das am wenigsten bekannte Stück von Aischylos. Die fünfzig Töchter des Danaos fliehen aus Ägypten, da sie dort die Söhne des Aigyptos, ihre eigenen Vettern, heiraten sollen. Verfolgt von den unerwünschten Freiern, gelangen sie nach Argos, der Heimat ihres Geschlechtes, wo sie bei König Pelasgos um Aufnahme und Schutz flehen. Dieser gerät in einen moralisch-politischen Konflikt. Nach seinem Gewissen und aus rechtlichen Gründen muss er den Frauen wegen ihrer argeischen Abstammung Unterschlupf gewähren, politisch riskiert er dadurch einen Krieg mit dem Heimatland der verlassenen Ehemänner.

                                                  Barbara Hundegger — Poetik Vorlesung

                                                  Ort: Literaturhaus am Inn

                                                  Moderation: Barbara Hundegger und Sieglinde Klettenhammer

                                                  Poetik-Vorlesung
                                                  Dienstag, 31. Mai 16:30–18 Uhr
                                                  Mittwoch, 1. Juni 16:30–18 Uhr

                                                  Lesung. Einführung: Sieglinde Klettenhammer
                                                  Mittwoch, 1. Juni  20 Uhr

                                                  Konversatorium für Studierende
                                                  Donnerstag 2. Juni, 16:30–18 Uhr

                                                    Nuruddin Farah

                                                    Ort: Literaturhaus am Inn

                                                    Moderation: Doris Eibl, Ulla Ratheiser und Katharina Hölbing

                                                    Einführung und Moderation: Doris Eibl (Inst. f. Romanistik) / Ulla Ratheiser (Inst. f. Anglistik)
                                                    Lesung auf Deutsch: Katharina Hölbing

                                                    Mit Nuruddin Farah, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Afrikas, in Innsbruck zu Gast.

                                                    Am Abend wird der soeben auf Deutsch erschienene Roman Jenes andere Leben im Mittelpunkt stehen: Als die Modefotografin Bella vom gewaltsamen Tod ihres Bruders Aar bei einem terroristischen Anschlag in Mogadischu erfährt, bricht sie auf, um sich der halbwüchsigen Kinder des Bruders anzunehmen. In Nairobi, wo Aar mit den Kindern lebte, übernimmt sie die Verantwortung, denn Valerie, die Mutter der Kinder, hat die Familie bereits vor Jahren verlassen, um mit einer anderen Frau ein neues Leben zu beginnen. Jetzt aber erhebt sie ihre eigenen Ansprüche, und zwischen den Frauen entspinnt sich ein gnadenloser Machtkampf. In seinem neuen großen Roman erzählt Nuruddin Farah das bewegende Schicksal einer Familie in Zeiten des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs.

                                                    Nuruddin Farah: Jenes andere Leben. Roman. Suhrkamp 2016

                                                    Mittwoch, 22. Juni, 19 Uhr, Die Bäckerei, Dreiheiligenstraße 21a: Die italo-somalische Autorin Igiaba Scego im Gespräch mit Anna Rottensteiner, Benedikt Sauer und Andreas Oberprantacher.

                                                      Peter Waterhouse

                                                      Ort: Literaturhaus am Inn

                                                      Moderation: Peter Waterhouse

                                                      Peter Waterhouse gilt als herausragender Vertreter der deutschsprachigen literarischen Avantgarde sowie als feinsinniger Übersetzer poetischer (englisch- und italienischsprachiger) Texte. Waterhouse schreibt Lyrik, Theaterstücke, erzählende und essayistische Prosa. So wie seine Übersetzungen mikroskopische Details des Originals erfassen und übertragen, so lebt auch seine Dichtung von der äußerst genauen Lektüre der Welt: aus diesem Grund erkennt sie in vorgeblichen ‚Tatsachen‘ – seien diese soziale Bewegungen und Notstände oder (sich berührende) Sprachwelten – immer auch eine utopische Dimension. Den Autor und Friederike Mayröcker verbindet seit Jahren eine von wechselseitiger Wertschätzung und literarischer Würdigung geprägte künstlerische Freundschaft. Im März dieses Jahres ist nun bei Matthes & Seitz Waterhouse‘ jüngster Band Der Fink. Einführung in das Federlesen mit Aufsätzen zu einigen ihrer Gedichte erschienen. In seiner Lesung wird der Autor aus seinen Neuerscheinungen und aktuellen Schreibprojekten vorlesen.

                                                        W:ORTE 2. Lyrikfestival Innsbruck

                                                        Ort: Literaturhaus am Inn

                                                        Moderation: José F. A. Oliver

                                                        Donnerstag, 16.  Juni      
                                                        Literaturhaus am Inn
                                                        18 Uhr

                                                        Am W:ORT: Junge Autorinnen und Autoren
                                                        Texte aus der Jugend-Schreibwerkstatt mit José F. A. Oliver zum Schwerpunkt Poesie

                                                        20 Uhr
                                                        Fest der W:ORTE
                                                        Lyriklesung in 4 Sprachen mit Odile Kennel (deutsch-französisch), José F. A. Oliver (deutsch-spanisch) und Erica Zingano (portugiesisch)

                                                        Freitag 17. Juni, 20:15 Uhr  
                                                        ORF Tirol, Studio 3 Rennweg 14
                                                        klang_sprachen 2016
                                                        wie ein mensch der umdreht geht. dantes läuterungen reloaded
                                                        Barbara Hundegger und 15 MusikerInnen des Tiroler Kammerorchesters InnStrumenti
                                                        Konzeption: Klex Wolf, Hannes Sprenger
                                                        Musikalische Leitung: Gerhard Sammer www.innstrumenti.at

                                                        Samstag 18. Juni
                                                        10:30–11:30, 11:45–12:45, 14:30–15:30 Uhr   
                                                        Café Katzung, Salon Pauli, Herzog-Friedrich-Straße 16
                                                        Poetische Interventionen im Halbstundentakt bei Kaffee & Kuchen
                                                        Jan Wagner (D), Daniela Chana (A), Andreas Neeser (CH), Gerd Sulzenbacher (I), Frieda Paris (D), Martin Piekar (D), Robert Prosser (A), Rafael Urweider (CH), Elisabeth Wandeler-Deck (CH)

                                                        18 Uhr
                                                        Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Museumstraße 4
                                                        Lange Nacht der W:ORTE
                                                        Durs Grünbein, Maja Haderlap, Ferdinand Schmatz, Ulf Stolterfoht

                                                        Sonntag, 19. Juni - Ohne W:ORTE

                                                         

                                                        Für weitere Informationen zu den einzelnen Programmpunkten, achten Sie auf Flyer und Aussendungen von Literaturhaus am Inn und 8ung Kultur
                                                        www.8ungkultur.com

                                                          Poesie & Revolution

                                                          Ort: Literaturhaus am Inn

                                                          Moderation: Erika Wimmer

                                                          AbschlussW:ORTE im Rahmen des Lyrik-Festivals mit Elisabeth Wandeler-Deck und Ferdinand Schmatz.

                                                          Während in den 1950er und 1960er Jahren die Lyrik der Avantgarde noch klar einen revolutionären Anspruch hatte, ist die Frage nach Poesie & Revolution heute nicht mehr so einfach zu beantworten. Der Protest scheint sich eher in anderen Formen, wie z. B. in Songs oder in Aktionen wie jenen der Punkband Pussy Riot abzuspielen. Inwiefern äußern sich Protest und Revolution heute im Gedicht? Welcher Definition folgt ein politisches Gedicht und welche Haltungen nehmen „politische“ Dichter und Dichterinnen ein? Sind die Fragen nach Ästhetik und politischer Poesie heute neu zu stellen?