Veranstaltungen 2016

Her­mi­ne Witt­gen­steins Familienerinnerungen

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Ilse Somavilla und Eleonore Bürcher

Intellektualität, Ethos und Kultur

Die von Hermine Wittgenstein in der Zeit von 1944 bis 1947 verfasste Chronik gibt nicht nur Einblick in die private Lebensgeschichte von vier Generationen der Familie Wittgenstein, sondern dokumentiert deren mannigfache soziokulturelle Beziehungen mit bekannten Persönlichkeiten, Dichtern, Musikern, bildenden Künstlern und Wissenschaftlern. Die Aufzeichnungen sind auch ein wichtiger Beitrag, um das aus seiner familiären Herkunft im Wien der Jahrhundertwende gewachsene Kulturverständnis Ludwig Wittgensteins zu belegen und seine philosophischen Reflexionen über ethische und ästhetische Fragestellungen besser zu verstehen. Darüber hinaus zeichnet Hermine Wittgenstein ein lebhaftes Bild einer konfliktreichen Zeit, „in der Menschen und Dinge gleichermaßen vom Untergang bedroht erscheinen“ – der Zeit der beiden Weltkriege sowie des Nationalsozialismus.

Ulrich Pelt­zer

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Thomas Wegmann

Jochen Brockmann ist Sales Manager. Die Bank gibt keinen Kredit mehr, Indonesien investiert nicht, es bieten sich die Chinesen an. Da erscheint der Investor und Risikoberater Sylvester Lee Fleming: ist er Retter, Verführer oder Versucher? Ulrich Peltzer, „ein Erzähler von europäischem Rang“ (Jury des Heinrich-Böll-Preises) legt mit seinem groß angelegten Roman Das bessere Leben einen metaphysischen Thriller über das 21. Jahrhundert und über die Gespenster der Vergangenheit vor, und einen eindringlichen Text über die Gegenwart, in der die Utopien eines besseren Lebens in Terror umgeschlagen sind und die Revolutionäre des 20. Jahrhunderts sich im Kapitalismus eingerichtet haben.

Ein Abend für und mit Karl Lubomirski

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Annette Steinsiek

Vortrag: Eleonore De Felip

Der Autor wird aus seinem aktuellen Lyrikband Sieben Meere lesen, zu dem Eleonore De Felip einige Analysen und Beobachtungen vorträgt. Ein Blick in die Werke und Briefe von Karl Lubomirski, die sich seit 2014 im Brenner-Archiv befinden, zeigt den Autor in seiner Entwicklung und Bewegung: als Reisenden, Suchenden, Betrachtenden, der das Wissen verschiedener Welt-
ecken in seine persönlichen Synthesen einschließt, und dies in der Form zunehmend verknappt. Was treibt ihn an, wie arbeitet er, welche Begegnungen präg(t)en ihn? Annette Steinsiek wird in einem Gespräch mit dem Autor diesen und anderen Fragen nachgehen. Eine Vitrinenausstellung zeigt Stücke aus dem Bestand.

Der Gast von Albert Camus

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Doris Eibl

Die Novelle Der Gast von Albert Camus erschien erstmals 1957 und spielt in Algerien, kurz vor dem Ausbruch des Algerienkriegs. Camus thematisiert unter anderem die Frage, ob es eine neutrale Position geben kann.

Die Romanistin Doris Eibl wird in einem kurzen Impuls-Referat in den Text einführen, anschließend sind Sie zum Mitdiskutieren eingeladen. Um einen dichten Austausch zu ermöglichen, bitten wir Sie, den Text vorab zu lesen und sich für diese Reihe anzumelden, da es eine begrenzte TeilnehmerInnenzahl gibt.

Die Rezep­ti­on Georg Tra­kls in der NS-Zeit

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Sieglinde Klettenhammer, Dirk Rupnow, Eberhard Sauermann

Die bisherige Forschung ist zum (Vor-)Urteil gelangt, Trakl sei in der NS-Zeit durchwegs abgelehnt worden. Wie ist es aber zu erklären, dass Trakl damals zwar von manchen ignoriert, ja verworfen, aber in etlichen nationalsozialistischen Literaturgeschichten und Zeitungsartikeln behandelt wurde, dass sein Werk mehrfach ediert wurde und zahlreiche Gedichte in Anthologien abgedruckt wurden, dass berühmte wie unbekannte Personen sich privat zu ihm bekannten? Eine Antwort darauf versucht die Studie Eberhard Sauermanns, die auf dem Nachlass Ludwig v. Fickers und der Trakl-Sammlung des Brenner-Archivs beruht. In ihr wird zudem die nationalsozialistische Kulturpolitik und Literaturwissenschaft herausgearbeitet sowie die Rezeption Trakls in der DDR skizziert.

Die schärfs­ten Dia­lek­ti­ker sind die Flüchtlinge

Ort: Literaturhaus am Inn

Szenische Lesung von Bertolt Brechts: Flüchtlingsgespräche
Besetzung: Helmuth A. Häusler und Hannes Perkmann
Lieder: Judith Keller
Inszenierung: Klaus Rohrmoser

Die in den frühen 1940er Jahren geschriebenen Dialoge der Flüchtlingsgespräche handeln vom Alltag der aus Deutschland Vertriebenen, vertreten durch den Intellektuellen Ziffel und den Arbeiter Kalle, die sich im Restaurant des Hauptbahnhofs von Helsinki über die internationale Lage (deutsche Truppen haben Dänemark und Norwegen besetzt und rücken in Frankreich vor) und die eigene Situation unterhalten: Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen.

Bar­ba­ra Aschen­wald und Mar­tin Fritz

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Anna Rottensteiner und Gabriele Wild

Lesung und Gespräch mit Barbara Aschenwald und Martin Fritz

In der Reihe [Einblicke Ausblicke] lädt das Literaturhaus am Inn Tiroler Autorinnen und Autoren ein, aus ihren in Arbeit befindlichen Texten zu lesen und das Publikum im Gespräch am Prozess der literarischen Textproduktion teilhaben zu lassen.

Dieses Mal werfen wir einen Blick in das aktuelle Schreibprojekt von Barbara Aschenwald mit dem Titel Spiegelscherben sowie in Martin Fritz’ Schreibarbeit am Performance-Textprojekt Emma.

 

Nor­bert Gstrein

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Johann Holzner

John ist tot: Niedergestochen mitten in San Francisco. Er war amerikanischer Jude, ein hinreißender Draufgänger, kraftstrotzend und doch traumatisiert von seinem freiwilligen Dienst in der israelischen Armee. Hugo reist auf den Spuren seines Freunds nach Kalifornien, wo er und John sich vor einem halben Leben kennengelernt haben. Bald darauf landet er in Israel und findet sich auf beiden Seiten des jüngsten Gaza-Konflikts wieder. Zwischen den USA, Israel und Palästina, den ersten Lieben zweier junger Männer, ihrem Älterwerden und der großen Politik stellt Norbert Gstreins mitreißender Roman In der freien Welt eine aufrüttelnde Frage: Wie können wir in der freien Welt gemeinsam leben, ohne einander Schmerz zuzufügen?

Dže­vad Karahasan

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Cornelius Hell

In seinem Roman Der Trost des Nachthimmels begibt sich der bosnische Autor auf die Spuren des Astronomen, Mathematikers und Poeten Omar Chayyam in den Vorderen Orient des 11. und 12. Jahrhunderts, als das Reich der Seldschuken vom Untergang bedroht war. Karahasan lässt uns die Welt aus den Augen der Protagonisten sehen und zieht die Lesenden hinein in eine Epoche, die hinterrücks eine unheimliche Ähnlichkeit mit der unseren offenbart. Den Scharfsinn und die Ohnmacht seiner Protagonisten im Blick, schildert Dževad Karahasan, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört.