Die Ich-AG: Selbstausbeutung oder Selbstverwirklichung?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Kathrin Röggla und Thomas Wegmann im Gespräch

In der spätkapitalistischen Leistungsgesellschaft werden Selbstregierungstechniken zum Prinzip erhoben. Der einzelne Mensch hat seiner Ausbeutung bereits längst zugestimmt und wird in einen Sog zwischen scheinbarer Selbstverwirklichung und „commitment“ mit Arbeitsstrukturen hineingezogen. Er wird zur Ich-AG, die die Mechanismen der (Selbst-)Ausbeutung unsichtbar zu machen droht. Das Montagsfrühstück im März wird die Frage ins Zentrum stellen, welche Möglichkeiten die Literatur hat, auf diese neuen Formen der Arbeitswelt und auf Veränderungen von Arbeit und Alltag durch Formen der (Selbst-) Organisation zu reagieren. Wie dringen Formen des Managements in unser Privatleben ein, das seinerseits zunehmend durch Selbstdisziplinierung und Selbstmanagement gekennzeichnet zu sein scheint?

Im Gespräch zwischen Kathrin Röggla und dem Germanisten und Kulturwissenschaftler Thomas Wegmann werden vor allem die sprachlichen Mechanismen des Umgangs mit hegemonialen Strukturen beleuchtet und die genannten Strategien und Strukturen hinterfragt.

    Röggla, Kathrin

    geboren 1971 in Salzburg, lebt in Berlin. Zulet­zt erschienen: wir schlafen nicht (2004, Fis­ch­er), dis­as­ter aware­ness (2006, Droschl), gespen­ster­ar­beit, krisen­man­age­ment und welt­mark­t­fik­tion (2009, Picus), die alarm­bere­it­en (2010, Fis­ch­er), pub­likums­ber­atung (zusam­men mit Leopold von Ver­schuer, 2011, Matthes&Seitz). Zahlre­iche Radioar­beit­en und Theatertexte.

    www.kathrin-roeggla.de/

    Wegmann, Thomas

    geboren 1962 in Bochum, Studi­um der Ger­man­is­tik, Anglis­tik und Philoso­phie in Essen, Dublin und Berlin, seit 2011 Univ.-Prof. am Insti­tut für Ger­man­is­tik an der Uni­ver­sität Inns­bruck. Forschungss­chw­er­punk­te u.a. Lit­er­atur und Ökonomie, Kul­turtech­niken des Schreibens und der Schrift, Lit­er­atur und Medi­en, Lit­er­atur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert.