Hele­ne Flöss , Wolf­gang Her­mann und Bir­git Unterholzner

Ort: Literaturhaus

i nnsbruck university press präsentiert die ersten drei Bände der edition laurin von Helene Flöss, Wolfgang Hermann und Birgit Unterholzner

Begrüßung: Rektor Karlheinz Töchterle  und VR Tilmann Märk

Helene Flöss: Mütterlicherseits . Roman. Schon als Kind zieht Lilí verträumt die Erinnerungen mütterlicherseits wie einen geheimen Sack hinter sich her. Darin die Bruchstücke einer ihr nicht ganz geheuren Welt, der Schneiderstube ihrer Mutter, deren Überlebenswerkzeug die Nähmaschine ist. Helene Flöss macht einerseits aus der Perspektive eines Kindes, andererseits aus dem Blickwinkel alter, gebrechlicher Menschen sichtbar, was die Welt gern übersieht: Das scheinbar Unscheinbare, das oft identisch ist mit dem Wesentlichen. In einem Ton, der vielfach überlieferte Redensarten aufnimmt, durchbricht sie keineswegs nur die Grenzlinien zwischen dem Deutschen und dem Italienischen; in bild(er)dichter Sprache enthüllt sie die Poesie der Erzählungen von Menschen, die noch etwas zu erzählen haben.
Helene Flöss, geboren 1954 in Brixen, Südtirol, Lehramt für Technikerziehung, Mittelschullehrerin. Ab 1985 Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Anthologien und im Rundfunk. Seit 1991 freie Schriftstellerin. Nasses Gras ( 1990 ), Spurensuche ( 1992 ), Briefschaften (gemeinsam mit Walter Schlorhaufer, 1994 ), Dürre Jahre ( 1998 ), Brüchige Ufer ( 2005 ), Der Hungermaler ( 2007 , alle: Haymon).
   
Wolfgang Hermann: In Wirklichkeit sagte ich nichts. Erzählungen. „Ich spüre, wie die Nacht zögert. Schritt für Schritt weicht sie zurück. Eine Handbreite noch, und der Tag ist über die Schwelle“, heißt es am Ende der Erzählung Die Tunesische Nacht , in welcher der Erzähler versucht, dem Winter zu entkommen und – wie die meisten von Wolfgang Hermanns Figuren – ein Leben zu führen, das ihm ganz allein gehört. Wie der Protagonist der Erzählung Die Treppe , der sich nach langer Krankheit auf die Seite der „Zeitdiebe“ schlägt. Oder jener am Pariser Flughafen gestrandete Iraner, dem der Leser in Warte im Schatten auf mich begegnet. Es geht darin um nichts und doch um alles. Aus der Gleichzeitigkeit des Schönen und des Schrecklichen, dem ständigen Grenzgang zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit entwickeln diese Erzählungen ihre Kraft und ihre Zerbrechlichkeit.
Wolfgang Hermann, geboren 1961 in Bregenz, studierte Philosophie und Germanistik in Wien. Lebte u.   a. in Berlin, Paris sowie von 1996 bis 1998 als Universitätslektor in Tokio. Seit 1987 freier Schriftsteller. Das schöne Leben (Hanser 1988 ), In kalten Zimmern (Suhrkamp 1997 ), Fliehende Landschaft (Haymon 2000 ), Herr Faustini verreist (Deuticke 2006 ), Herr Faustini und der Mann im Hund (Deuticke 2008 ).

Birgit Unterholzner: Flora Beriot . Roman. In ihrer Goldschmiede entwirft Flora Beriot Schmuckstücke. Eines Tages kommt ein Mann Mitte vierzig in die Werkstatt und erklärt, er wolle ein Buch über sie, die Tochter des Malers Jakob Beriot, schreiben. Von der unerwarteten Nähe des Fremden angezogen, stellt sich Flora mehr und mehr den Irrungen der Vergangenheit. Die Wahrheit lässt sich kaum mehr finden, denn diese ist untrennbar verknüpft mit der Frage der Perspektive. Birgit Unterholzner erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte einer deutsch-italienischen Künstlerfamilie, eine Geschichte, die von Glanz und Verlust und einer außergewöhnlichen Liebe geprägt ist.

Birgit Unterholzner, geboren 1971 in Bozen, Südtirol, studierte Germanistik, Zeitgeschichte und Medienkunde in Innsbruck. 2001 – 2003 Theaterpädagogischer Lehrgang. Mittelschullehrerin für literarische Fächer und Fachberaterin für Theaterpädagogik. Studienaufenthalte in England. Bildungsreisen nach Namibia, Thailand und Mexiko. Lebt als freie Schriftstellerin in Bozen. Zuletzt erschienen: Die Blechbüchse (Skarabaeus 2006 ).