Norbert Gstrein

Ort: Literaturhaus

Moderation: Johann Holzner

Wer liebt, will den anderen ganz. Aber kann man ihn zum persönlichen Eigentum machen, bis über den Tod hinaus? Kann eine Frau behaupten, die ganze Wahrheit über ihren Mann zu wissen? Und liegt diese nicht immer irgendwo zwischen Wirklichkeit und Fiktion?

Nirgends ist die Welt so klein wie in Wien. Jeder spricht über jeden, jeder schreibt über jeden. Einen Verleger wie Heinrich Glück kann es nur dort geben: Über vier experimentierfreudige Lyrikerinnen und eine katholische Mystikerin mit esoterischem Einschlag ist er nicht weit hinausgekommen. Dann aber taucht mit der exzentrischen Dagmar eine junge Frau auf, die seinem Leben eine andere Bedeutung geben will. Er läßt sich scheiden, um mit ihr seine letzten Jahre zu verbringen, aber sie ergreift nur immer ausschließlicher Besitz von seiner Existenz. Als er stirbt, soll er endgültig ihr Eigentum werden: Sie schreibt ein Buch über seinen Tod. Doch da zerbricht das prekäre Gleichgewicht: Der langjährige Verlagslektor weigert sich, das Buch zu publizieren. Er beschließt, Dagmars Wahrheit seine eigene Version entgegenzusetzen.
In einem ironischen, brillanten Vexierspiel zeichnet Norbert
Gstrein das Porträt einer Frau, die nur an eine Wahrheit glauben will: ihre eigene. Dabei stellt er die große Frage: Was soll das sein, die ganze Wahrheit über einen Menschen? Die Antwort wird eine Inszenierung der Macht.

Norbert Gstrein: Die ganze Wahrheit. Roman. Hanser 2010

    Gstrein, Norbert

    Nor­bert Gstrein, geboren 1961, freier Schrift­steller in Ham­burg, zahlre­iche Ausze­ich­nun­gen, u. a. Alfred-Döblin-Preis, Uwe-John­son-Preis. Zahlre­iche Pub­lika­tio­nen  Die Win­ter im Süden. Roman (2008, Hanser), Die ganze Wahrheit. Roman (2010, Fis­ch­er), zulet­zt: Die kom­menden Jahre (Hanser 2018).