Zur Ader lassen, schröpfen, castrieren…

Ort: Literaturhaus am Inn

Erste im Literaturhaus am Inn erarbeitete Ausstellung "Der Scherer. Ein Innsbrucker Blatt der Jahrhundertwende" - Vernissage.
Eintritt frei.
Ausstellung von 16.12.1998 bis 22.1.1999, Mo-Fr (9-12 und 14-17 Uhr). Führung für Schulklassen nach Voranmeldung.

Die Zeitschrift "Der Scherer" war das Publikationsorgan der "Jungtiroler", einer Kulturbewegung um Dichter wie Adolf Pichler, Arthur von Wallpach und Anton Renk. Wie schon der Name sagt - ein "Scherer" war in Tirol ein Ratten- und Mäusefänger - sollte das 1899 gegründete Blatt den im Verborgenen agierenden (Volks)schädlingen den Garaus machen. "Schädlinge" waren für den "Scherer" alle politisch Konservativen und Rom-Treuen.

Die in erster Linie politischen Zielen folgende Redaktion unter dem Herausgeber Franz Habermann veröffentlichte im Laufe der Jahre unzählige literarische Texte, Glossen, Gedichte, Pamphlete, Grafiken und Karikaturen, die im Sinne einer deutschnationalen, also aus damaliger Sicht "fortschrittlichen" Gesinnung erzieherisch wirken sollten. "Hier wird zur Ader gelassen, geschröpft und castrirt" - so lautet etwa der Kommentar zu einer 1906 erschienenen, den Vatikan darstellenden Grafik. Die "Scherer"-Leute führten dementsprechend einen jahrelangen heftigen Kampf mit der Zensurbehörde in Innsbruck.
Die Historikerin Mag. Sabine Falch hat aus den Originalbeständen eine Dokumentation zusammengestellt und präsentiert diese als kommentierte Schau in rund 20 Tafeln - eine Ausstellung, die nicht nur historisch interessant ist, sondern mitunter auch vergnüglich Skurriles zum Vorschein bringt. Ein Ziel dieses Projektes ist es zu zeigen, wie Ideologie (welche auch immer!) vermittelt wurde und wird.