Dmitrij Prigov und Lev Rubinstejn

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Christine Engel

Lesung in russischer und deutscher Sprache.

In der "intimen" Öffentlichkeit eines beinahe familiären Kreises befreundeter Künstler, Dichter und Kritiker entstand im Moskau der beginnenden siebziger Jahre ein von der monumentalen Umgebung der Metropole abgegrenzter ästhetischer Lebensraum. Wohnungen und Ateliers waren die Orte, an denen Dichterlesungen, Aktionen und Ausstellungen stattfanden - weniger als Präsentation für ein anonymes Publikum von Konsumenten, sondern vielmehr als Anlässe für Begegnungen und Gespräche. Der Leseabend ("wetscher") oder die gemeinsame Teilnahme der persönlich geladenen Gruppe von "Zuschauern" an Aktionen wurden zu idealen - und zunehmend auch selbst ästhetisierten - Anlässen der Zusammenkunft.

Prigovs Interesse gilt vor allem den massenkulturellen Erscheinungen, den Sprach-und Bilderwelten des sowjetischen und heutigen russischen Alltags. Seine Lesungen und Auftritte werden zu aktionshaften Selbstinszenierungen der eigenen Person als Kunstfigur. Rubinstejns Texte sind schon auf den ersten Blick zu erkennen: Textfragmente auf einzelnen Karten oder Blättern, mit einer Nummer versehen, werden zu Serien zusammengesetzt. Diese Arbeitsweise ist im Laufe der Jahre nicht nur zu einer Art Markenzeichen geworden, sondern hat darüber hinaus eine eigene ästhetische und semantische Dynamik entwickelt.

    Prigov, Dmitrij

    1940 in Moskau geboren. Am Stroganov-Insti­tut Aus­bil­dung als Bild­hauer. Seit 1971 zahlre­iche Gedichtveröf­fentlichun­gen. Außer­dem ver­schiedene Arbeit­en im Bere­ich der visuellen Poe­sie, poet­is­che Objek­te, Poeme, Dra­men, Minidra­men, Alpha­bete und Beschwörun­gen. Mit­be­grün­der des Moskauer Konzeptualismus.

    Rubinstejn, Lev

    1947 in Moskau geboren. Studi­um der Philolo­gie. Arbeit­ete als Bib­lio­thekar. Derzeit Kolum­nist der Wochen­zeitung Ito­gi. Erste Veröf­fentlichun­gen in A‑Ja, Paris 1971. Seit 1974 serielle Tex­tkom­po­si­tio­nen, “Kar­totheken”. Teil­nehmer an zahlre­ichen Lyrik­fes­ti­vals, ab 1989 Per­for­mances. Mit­be­grün­der des Moskauer Konzeptualismus.