[Montagsfrühstück]

Über­all wer­den not­wen­di­ge Frei­räu­me des Den­kens klei­ner, weil sich – auch in der Wis­sen­schaft und der Kunst – die Spi­ra­le einer Logik des Verwert‐ und Ver­kauf­ba­ren immer schnel­ler dreht und die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se zu einer Eng­füh­rung des Den­kens füh­ren. Das [Mon­tags­früh­stück] spannt seit 2010 einen sol­chen Frei­raum auf und schafft ein Forum, das sich der Refle­xi­on grund­sätz­li­cher Fra­gen und Pro­ble­me des Zusam­men­hangs von Literatur/Kunst, Wis­sen­schaft und Gesell­schaft wid­met. Bis Ende 2018 in Koope­ra­ti­on mit der Abtei­lung für Ver­glei­chen­de Lite­ra­tur­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Inns­bruck, hat das Lite­ra­tur­haus am Inn seit Janu­ar 2019 einen neu­en Part­ner: den Arbeits­kreis für Wis­sen­schaft und Ver­ant­wort­lich­keit an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck.

 

Zukunft/Utopie: Kli­ma

Ort: Literaturhaus

Moderation: Doris Eibl

[Montagsfrühstück. Forum für strategische Langsamkeit]

Georg Kaser & Mirko Bonné

Der weltweit messbare und zu einem überwiegenden Teil durch menschliches Handeln hervorgerufene Temperaturanstieg ist eine  inzwischen wissenschaftlich belegte Tatsache. Und doch scheint die Gesellschaft diese – wie gelähmt durch „alternative Fakten", durch politische Krisen und durch eine schrankenlose kapitalistische Ökonomisierung der Welt – konsequent zu verdrängen. Beim Montagsfrühstück wollen wir weniger über Tatsachen debattieren als uns vielmehr die Frage stellen, wie unser zukünftiges Handeln angesichts des Unbestreitbaren aussehen könnte.

Zukunft / Uto­pie: Robo­tik

Ort: Literaturhaus

Moderation: Doris Eibl

Mit Isabella Feimer und Michael Decker

Das Montagsfrühstück wird sich ab Oktober in mehreren Einheiten den Themen Zukunft und Utopie widmen, ausgehend von den Überlegungen, wie sich Zukunft in wesentlichen Bereichen des menschlichen Lebens heute schon denken lässt und welche Utopien damit verbunden sein können. Die erste ist der Robotik gewidmet: Wie verändern Roboter unsere Arbeitswelt, welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Welche Folgen hat es, dass Roboter immer menschenähnlicher werden? Wie verändert sich dadurch die Beziehung Roboter-Mensch? Sind Roboter stets das Eigentum von jemandem oder können sie freie Rechtssubjekte sein? Macht der Begriff ‚Freiheit‘ Sinn, wenn wir über Roboter sprechen? Was bedeutet das alles für das ‚Mensch-Sein‘?

Wahr­neh­mungs­hel­fe­rin Poe­sie?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner

Aloisia Wörgetter & Stefan Weidner

Die Wahrnehmung des ‚orientalischen Raums‘ schwankt seit jeher zwischen Idealisierung und Dämonisierung. Heute gerät der Orient als Sehnsuchtsort  immer stärker in Konflikt mit den gegenwärtigen Bildern aus der arabischen Welt, die mit Islamismus und revolutionären bis kriegerischen Auseinandersetzungen verknüpft sind. Könnte ein Blick auf die Literatur dazu beitragen, der medialen Ver- und Entfremdung ein tieferes Verständnis entgegenzusetzen? Wie sehr dringen die durch eine lange Geschichte aufgeladenen Orientalismus-Diskurse in die realpolitischen Debatten ein?

Zwi­schen Selbst­ver­wirklichung und Exis­tenz­kampf

Winkler-Ebner, Claudia Globisch, Friederike Gösweiner und David Prieth

Ort: Die Bäckerei - Kulturbackstube

Moderation: David Winkler-Ebner

Friederike Gösweiner, Claudia Globisch und David Prieth im Gespräch.

Gemeinsam mit der heurigen Innsbruck-Liest-Autorin Friederike Gösweiner und ausgehend von deren Roman „Traurige Freiheit“ spürt das Montagsfrühstück im Mai mit dem Lebensgefühl und der Lebenssituation junger Menschen heute und fragt auch nach einem diesbezüglichen Wandel innerhalb der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Das gezähm­te Kin­der­buch

Ort: Literaturhaus

Moderation: Antonia Erhart

Hubert Flattinger & Ingrid Tomkowiak im Gespräch.

Special Guest Stefan Hayn Überlegungen zum Kinderfilm (Arbeitstitel)
Fellowship-Vorhaben im Künstlerhaus Büchsenhausen 2016/17

Kinderbücher müssen sich immer mehr Vorgaben beugen, sollten pädagogisch wertvoll sein und Vorbildfunktion haben. Ist es heute denkbar, die kleinen Held_innen ohne Schutzhelm Fahrrad fahren zu lassen, während Pippi Langstrumpf ohne Sicherheitsvorkehrungen Pferde ritt und mit zu Ballons umgebauten Betten um die Welt flog? Können heute noch Bücher mit Protagonist_innen, die Grenzen verletzen, geschrieben werden? Wie pädagogisch korrekt Kinderliteratur muss bzw. soll Kinderliteratur wirklich sein?

Suche nach dem ewi­gen Leben

Ort: Literaturhaus

Moderation: David Winkler-Ebner

Pidder Jansen-Dürr & Anne Siegetsleitner im Gespräch.

Bereits Gilgamesch, Held des gleichnamigen, jahrtausendealten Epos, zog in die Welt, um Unsterblichkeit zu erlangen; auch heute noch begeben sich Menschen auf die Suche nach dem ewigen Leben. Die Fortschritte der modernen Wissenschaft scheinen dieses in eine noch nie zuvor erreichte Nähe gerückt zu haben.

Doch woher stammt die Sehnsucht nach fortwährender Existenz und welche Probleme – soziale, ökonomische oder moralische – birgt die zunehmende Überalterung der Gesellschaft?

Zukunft der Demo­kra­tie

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Martin Sexl

Robert Misik & Marie-Luisa Frick im Gespräch.

Das Aufkommen neo-autoritärer Staatenlenker wie Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Erdoğan. Die Infragestellung oder gar Zurücknahme von demokratischen Errungenschaften wie Presse- und Redefreiheit. Die Rückkehr der Religion in die Politik. – Die Liste von Phänomenen, die in jüngster Vergangenheit vermehrt Diskussionen um die Zukunft der Demokratie entfachte, ist lang. Das Montagsfrühtstück versucht eine Annäherung.

 

Gren­zen der Sati­re?

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Erika Wimmer

Gespräch mit Sigurd Paul Scheichl und Tim Wolff.

Die Kunstgattung der Satire hat eine lange Tradition. Schon der griechische Komödiendichter Aristophanes kritisierte in seinem Stück Lysistrata auf humorvolle Weise die Kriegstreiberei der Männer im Peloponnesischen Krieg und der römische Dichter Horaz prangerte in seinen Sermones die Laster seines gesellschaftlichen Umfelds an. Eine Kritik der Zeit, die übertreibt, parodiert und gern auch einmal ins Lächerliche zieht – als solche lässt sich die Satire verstehen. Doch wie weit darf Satire gehen? Gibt es Grenzen des guten Geschmacks, die auch die Satire nicht überschreiten darf? Der Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Jänner 2015 sowie die Debatte um Jan Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdo˘an im heurigen Frühjahr werfen diese Fragen neu auf. Beim Montagsfrühstück stellen wir sie dem Satiriker Tim Wolff und dem Literaturwissenschafter Sigurd Paul Scheichl.

Shit­s­torm und Click­ti­vism: Kom­mu­ni­ka­ti­on im Netz

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: David Winkler-Ebner

Gespräch mit Theo Hug und Markus Koschuh.

Zweifelsohne hat das Internet die zwischenmenschliche Kommunikation revolutioniert: Im Netz erfolgen der Austausch von Wissen und die Pflege sozialer Kontakte weltweit, in Sekundenschnelle und – das eigentlich Entscheidende –: Jeder und jede kann, zumindest in der Theorie, eine beliebig große Zahl an Adressatinnen und Adressaten erreichen. Welchen Einfluss hat dies auf das Kommunikationsverhalten im Netz? Welche Auswirkungen hat es, dass wir im Internet oft unsichtbar, anonym und ohne klare Vorstellungen von unserem Gegenüber agieren? Und wie lässt sich erklären, dass verbale Gewalt in sozialen Netzwerken wie Facebook häufig aber doch unter Angabe des Klarnamens passiert?

Das Extre­me: Phan­tas­ma, Aus­wuchs oder gutes Geschäft?

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Martin Sexl

Helga Peskoller und Hans Platzgumer im Gespräch.

War der Grenzgänger und Extreme, wenn er seinen Weg freiwillig wählte, für lange Zeit eine literarische Figur oder, im wirklichen Leben, ein bemitleidenswerter Masochist, so scheint er in den letzten zwei, drei Jahrzehnten ein nahezu alltägliches Phänomen geworden zu sein: Eine Besteigung des Mount Everest kann man in einem Reisebüro buchen, Marathonlaufen ist beliebt wie nie zuvor und die Berge werden sommers wie winters von Tausenden Bergsteigern frequentiert.

Über die Frage, was Menschen – im imaginativen Raum der Literatur oder im Alltag – ins Extreme lockt, diskutieren die Erziehungswissenschaftlerin Helga Peskoller und der Autor Hans Platzgumer.