[Montagsfrühstück]

Nach acht erfolg­rei­chen Jah­ren des For­mats „Mon­tags­früh­stück. Forum für stra­te­gi­sche Lang­sam­keit“ wer­den wir die Ver­an­stal­tungs­rei­he in Form eines the­ma­ti­schen Zyklus gestal­ten: Aus­ge­hend von den Über­le­gun­gen, wie sich ZUKUNFT in wesent­li­chen Berei­chen des mensch­li­chen Lebens heu­te schon den­ken lässt und wel­che UTOPIEN damit ver­bun­den sein kön­nen, wer­den acht Ter­mi­ne der zu diver­sen The­men­be­rei­chen statt­fin­den.

Über­the­ma: Zukunft/Utopie: Robo­tik, Arbeit, Geld­we­sen, Fort­pflan­zung, Kli­ma­wan­del, Poli­tik, Geschlech­ter, Uto­pi­en rel­oa­ded (von Pla­ton bis Marx; his­to­ri­sche Zukunfts­for­schung)

Die Gren­zen von Mei­nungs­frei­heit und Kunst

Ort: Literaturhaus am Inn

Martin Sexl im Gespräch mit Andrea Maria Dusl und Roman Siebenrock.

Der Anschlag islamistischer Terroristen auf das Pariser Satiremagazin Charly Hebdo im Jänner 2015 ließ die Diskussion über die Grenzen von Meinungs- und Pressefreiheit und von Kunst neuerlich aufflammen. Mittlerweile hat sich der Arbeitsalltag des neu gegründeten Redaktionsteams, das immer wieder mit Karikaturen des Propheten Mohamed und zu Muslim_innen Aufsehen erregt(e), komplett gewandelt: Das Team arbeitet hinter bewachten Türen, ein kugel­sicherer Schutzraum steht für den Ernstfall zur Verfügung. ­Geblieben sind jedoch die gleichen Fragen: Warum existieren für eine satirische Auseinandersetzung mit religiösen Themen (nach wie vor) Tabu-Zonen? In welcher Gesellschaft leben wir, wenn sich Künstler_innen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, vor potentiellen Anschlägen schützen müssen? Woran liegt es, dass viele Gläubige in manchen (künstlerischen) Darstellungen eine „Verunglimpfung“ ihrer Religion sehen? Haben wir es bei Karikaturen von religiösen Themen und Figuren mit unangemessenen Darstellungen und Grenzverletzungen zu tun, die mit dem Argument der Meinungsfreiheit verkauft werden?

Frem­de und Flücht­lin­ge in unse­rer Wahr­neh­mung

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Anna Rottensteiner

Martin R. Dean und Gilles Reckinger im Gespräch.

Eine Zeitlang schien es, als würde Österreich den Flüchtlingskatastrophen, die sich vor der Küste von Lampedusa abspielen, nur betroffen zusehen, ohne sich dabei selbst in der Verantwortung zu sehen. Mittlerweile hausen Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten rund um Europa hierzulande in Zeltstädten, und nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa wird um die Verteilung und Unterbringung von Flüchtlingen gefeilscht. Die Bevölkerung scheint gespalten: Lokalen Aktionen der Hilfsbereitschaft und der Solidarität steht eine, von Rechtsparteien geschürte, wachsende Angst vor einer „Überfremdung“ gegenüber. Dass Österreich mit Flüchtlingen eine lange Geschichte verbindet, scheint in der aktuellen Debatte oft ausgeblendet: 1956 kamen mehr als 150.000 Ungarn nach Österreich, nahezu 20.000 blieben auf Dauer; in den 1990er Jahren wurden fast 100.000 Menschen aus den Kriegsgebieten (Ex-)Jugoslawiens aufgenommen, mehr als 50.000 blieben. Für den Autor Martin R. Dean scheint „das Wagnis der Differenz, auf das wir mit unserem Denken die letzten fünfzig Jahre gebaut haben, verloren gegangen“ zu sein. In einer westlich-orientierten Welt der globalen Freiheit ist das „Fremde“ am Verschwinden und damit auch „die Fähigkeit es auszuhalten“, schreibt er in einem Essay. Inwiefern haben sich unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmung des Fremden und der Flüchtlinge in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert? Worin liegen die Ursachen dieser veränderten Wahrnehmung? Darüber diskutieren der Autor Martin R. Dean und der Ethnologe Gilles Reckinger.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung
für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

schauen & lesen & hören: Lesen Sie dieses Mal im Inn-Lesebuch auf unserer Homepage den Essay Allmähliches Verschwinden aus Martin R. Deans Buch Verbeugung vor Spiegeln. Über das Eigene und das Fremde

Lyrik nervt – Poe­try slamt? For­men, Kon­zep­te und Wir­kung einer Dicht­kunst von heu­te

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Gabriele Wild

AbschlussW:ORTE zum Lyrik Festival mit Sandra Künzi und Sabine Scho.

Lyrik nervt, so nannte Hans Magnus Enzensberger ein Buch, das er unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr vor einigen Jahren publizierte. Darin verspricht er Hilfe für jene, die vorgeben, mit Lyrik „nichts anfangen zu können“. Mit der Verleihung des diesjährigen Leipziger Buchpreises an Jan Wagners Band Regentonnenvariationen zeichnete die Jury erstmals in der Geschichte des Leipziger Buchpreises ein lyrisches Werk aus: Ein starkes Zeichen für eine literarische Gattung, die – so heißt es zumindest im Buchhandel immer wieder – sich schwer verkaufen und schwer vermitteln lässt. Anders verhält es sich mit Slam-Poetry, eine „publikumsbezogene und live performte Literatur“ (Slam-Gründer Marc Kelly Smith), die sich seit ihrem Entstehen in den 1990er-Jahren einer immer größeren Beliebtheit erfreut und sich durch lebendige Performance sowie bessere Vermittlungsmöglichkeiten (etwa über Youtube) ihrer ‚älteren Schwester‘ – der manchmal als verkopft, langweilig und schwer zugänglich verschrienen Lyrik – nicht nur zur Seite stellt, sondern diese auch herausfordert. Im [ Montagsfrühstück ] wollen wir das Spannungsfeld von (lyrischen) ‚Texten‘ zwischen Performance und Gedicht erkunden und die Frage stellen, welchen literarischen Konzepten Lyrik und Slam-Poetry heute nachgehen, welche Funktionen sie einnehmen und welche Wirkung sie entfalten.

 

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

 

Neu­er Anti­se­mi­tis­mus in Euro­pa?

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Ingrid Böhler

Reinhold Gärtner und Doron Rabinovici im Gespräch.

Nicht nur die schockierenden Terroranschläge in Paris und zuletzt Kopenhagen machen deutlich: Gewalttätige Übergriffe auf Juden und Jüdinnen sowie jüdische Einrichtungen in Europa sind in den letzten Jahren nachweislich gestiegen. Die Täter finden sich dabei nicht mehr nur ausschließlich im rechtsextremen Umfeld, sondern es sind – den jüngsten Ereignissen zufolge – die Taten radikalisierter Moslems, die einen „neuen Antisemitismus“ vermuten lassen. -Immer häufiger wird von einem „neuen Judenhass“ in Europa -gesprochen. Als Reaktion darauf ist, beispielsweise in Frankreich, bereits eine spürbare Auswanderungswelle von Jüdinnen und Juden nach Israel zu beobachten; verstärkt nicht zuletzt durch den medien-wirk-samen Aufruf des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu: „Israel ist euer Heim“. Wie äußert sich nun dieser „neue Antisemitismus“? Wir wollen den 70. Jahrestag (am 27. Januar) der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum Anlass nehmen zu fragen, wie sich das Phänomen Antisemitismus bis heute gewandelt hat, ob man zu Recht von einem „neuen“ Antisemitismus sprechen kann und welche Rolle die zunehmende Radikalisierung des Islams dabei spielt. Wie kann man diese Entwicklung (historisch) erklären und was kann man tun, um ihr entgegenzutreten? Diese Fragen diskutieren der Politikwissenschaftler Reinhold Gärtner und der Autor Doron Rabinovici.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

Euro­pa: Zwi­schen Uto­pie und „Zer­fall“?

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Christina Antenhofer

Anton Pelinka im Gespräch mit dem/der Innsbruck-liest Autor/in.

„Europa ist eine Utopie des Friedens, der ökologischen und sozialen Gerechtigkeit in der globalisierten Welt“, meinte der Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit in einem Interview, kurz vor den jüngsten EU-Wahlen. Eine Utopie, die den Traum nach einer anders denkenden und funktionierenden Gesellschaft miteinschließt. Doch wie sollte eine derartige europäische Gesellschaft aussehen? Zu bedenken ist bei diesen Fragen, dass diese „Utopie des Friedens“ nicht nur durch die jüngsten politischen Ereignisse (Stichwort: Ukraine) in die Ferne zu rücken scheint, sondern dass sie auf einem labilen ökonomischen Fundament beruht, das in globaler Perspektive alles andere als „sozial gerecht“ ist: Der Wohlstand Europas verdankt sich nicht (nur) einer spezifischen „Kultur“, sondern auch Prozessen einer globalisierten Wirtschaft, die Produktion in Billiglohnländern verschiebt, wo die Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern keine Ausnahme ist. Zudem bedrohen Prozesse des Finanzkapitalismus das komplexe ökonomische Gefüge Europas. Beim [ Montagsfrühstück ] wollen wir nicht zuletzt die Frage diskutieren, in welche Richtung sich Europa momentan bewegt.

Es diskutieren der Politikwissenschaftler Anton Pelinka und der/die diesjährige Innsbruck-liest Autor Jonas Lüscher der am 8. April von der Stadt Innsbruck präsentiert wird.

 

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

soci­al fre­e­zing — Bio­lo­gi­sche Befrei­ung oder öko­no­mi­scher Zwang?

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Doris Eibl

Anna Bergmann und Gertraud Klemm im Gespräch.

Die Entnahme von unbefruchteten Eizellen und deren Konservierung durch Einfrieren war bisher als Möglichkeit für junge Krebspatientinnen gedacht: Junge Frauen können sich Eizellen entnehmen lassen, um zu einem späteren Zeitpunkt die Chance zu haben, ein eigenes Kind zu bekommen. Was bisher aus rein medizinischen Gründen praktiziert wurde, etwa vor einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung, erscheint nun unter dem Begriff „social freezing“ in einer neuen Dimension: Frauen können sich etwa auch aus karrieretechnischen Gründen entscheiden, ihre Eizellen einzufrieren und zu einem für sie geeigneten Zeitpunkt darauf zurückgreifen. Durch das Angebot von Firmen wie Facebook oder Google, ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu finanzieren, damit sich diese auf ihre Karriere konzentrieren können, fand „social freezing“ Einzug in die öffentliche Debatte. Das [ Montagsfrühstück ] möchte sich der Frage stellen, ob die Praxis des „social freezing“ die Emanzipation von Frauen von biologischen und gesellschaftlichen Zwängen vorantreibt und tatsächlich Wahl- und Entscheidungsfreiheit über ihre Karriere-, Lebens- und Familienplanung ermöglichen könnte. Oder ist diese Praxis ein weiterer Schritt der Verfügbarmachung des (weiblichen) Körpers und der Unterwerfung unter die Mechanismen eines kapitalistischen Arbeitsmarktes, auf dem ökonomisch sehr potente Firmen zunehmend in jene Bereiche eingreifen, die bislang als privat galten?

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung
für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

Wem gehört der öffent­li­che Raum? Wem gehört die Stadt?

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Antonia Erhart

Arno Ritter und Irmtraud Peer im Gespräch.

Im vergangenen Herbst wurde die von der Politik als Fußgängerzone und Begegnungsort erklärte Maria-Theresien-Straße, in Form einer Kunstaktion öffentlich zu Grabe getragen. Der Grund für die inszenierte Trauerfeier war die stadtpolitische Durchsetzung eines Alkoholverbots für einen zentralen Teil der Innsbrucker Innenstadt. Hinter dieser Entscheidung wurde von Kritiker_innen die Verdrängung von Obdachlosen aus der Innsbrucker „Prachtstraße“ vermutet, denn das Verbot galt allein dem Alkoholkonsum auf offener Straße, nicht aber dem Konsum alkoholischer Getränke in einer der zahlreichen Bars oder Straßencafés der Hauptstraße. Das „Montagsfrühstück“ möchte dies als Anlass nehmen, die Bedeutung des öffentlichen, städtischen Raums und die Grenzen zu dem, was wir als privaten Raum (und Raum des Privateigentums) betrachten, zu diskutieren: Wem gehört der öffentliche Raum? Wie werden Orte der Begegnung, des Verweilens und der Kommunikation genutzt und eingeschränkt? Wer gestaltet den öffentlichen Raum? Wer hat dabei ein Mitspracherecht? Wer nutzt den öffentlichen Raum (gerade in einer Touristenstadt wie Innsbruck)? Welche Rolle spielen Gender und das Geschlecht von Menschen dabei? Diese und weitere Fragen diskutieren die Künstlerin und Architektin Irmtraud Peer und der Leiter des Architekturforums aut. architektur und tirol Arno Ritter. Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

Lite­ra­tur vs. (Natur)wissenschaft?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Thomas Berger und Ernst-Wilhelm Händler im Gespräch.

Der Naturwissenschaft schreibt man häufig zu, wahre Aussagen über Faktisches und Reales zu tätigen, während im Gegensatz dazu die Literatur als Erfindung angesehen wird. Aber erfindet nicht auch die Sprache der (Natur)wissenschaft? Ist es nicht die Aufgabe des Forschenden, Modelle und Begriffe zu erfinden, mit denen wir Realität verstehen können? Und liefert nicht auch die Sprache der Literatur Modelle, mit denen wir unsere Realität erst begreifen können? Am Beispiel der Neurowissenschaften wollen wir diskutieren, wie nahe die Wissenschaft mit ihren Instrumenten tatsächlich an ihre Realität – an kognitive und neuronale Prozesse – herankommt und welche Art der Erforschung der Gedanken- und Gefühlswelt die Literatur zu bieten hat. Welche „Resultate“ liefern uns Naturwissenschaft und Literatur? Welche „Zwecke“ verfolgen sie? Wie greift die Literatur Stoffe aus den verschiedensten Wissenschaften und Lebensbereichen auf? Und inwiefern lässt sich die Wissenschaft von den Möglichkeiten und der Metaphernwelt der Literatur leiten oder beeinflussen? In diesem Montagsfrühstück machen sich der Autor Ernst-Willhem Händler und der Neurologe Thomas Berger auf die Suche nach Schnittstellen, Gegenpolen und Grenzen von Literatur und Wissenschaft.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

Opfer­boom und Sün­den­bock­kul­tur: Phä­no­me­ne des 21. Jahr­hun­derts?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Fritz

Kirstin Breitenfellner und Andreas Oberprantacher im Gespräch

„Alle wollen Opfer sein, aber niemand will sich mehr opfern“, so heißt es in Kirstin Breitenfellners aktuellem Sachbuch Wir Opfer. Breitenfellner diagnostiziert für das 20. und 21. Jahrhundert eine zunehmende Verdrängung des „aktiven Opfers“, das sich für etwas hingibt bzw. für etwas hingegeben wird, durch das „passive Opfer“, das sich jemandem oder etwas ausgeliefert fühlt und darunter leidet. Auch wenn die Geschichte der Menschheit voll von unsinnigen aktiven Opfern ist, die Diktaturen, Kriegen oder extremer Armut ausgesetzt sind, so verwundert diese Verdrängung: Fühlen sich doch – und heute mehr denn je – viele Menschen, die man eher auf der Seite der vom Leben Begünstigten oder sogar auf der der Täter_innen sehen würde, als Opfer. Das reicht von all den überzeugten österreichischen Nationalsozialist_innen, die sich nach 1945 als Opfer deutscher Aggression empfanden, bis zu jenen, die sich versehentlich in den Finger schneiden und den Messerhersteller dafür verantwortlich machen. Über die Gründe und die Konsequenzen eines solchen Opferbooms für unsere Wohlstands- und Überflussgesellschaft diskutieren die Autorin Kirstin Breitenfellner und der Philosoph Andreas Oberprantacher.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Innsbruck

 

Lite­ra­tur und Wer­tung: Was ist „gute“, „beprei­sens­wer­te“, „bespre­chens­wer­te“ Lite­ra­tur?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Federico Italiano und Paul Jandl im Gespräch.

Auch in diesem Jahr wurde beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt wieder um die Wette gelesen. Das Prozedere ist Jahr für Jahr dasselbe: Die von den Jurymitgliedern ausgewählten Autorinnen und Autoren werden dem Publikum vorgesetzt und der Gewinner oder die Gewinnerin wird schließlich der Öffentlichkeit als herausragend schreibend präsentiert. Doch welche Kriterien und Überlegungen stecken hinter dieser Auswahl? Oder ist diese Auswahl aufgrund der Jury-Autoritäten schon nicht mehr zu hinterfragen? Die Debatte um Wertungskriterien für Literatur scheint zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Auch in den Literaturkritiken werden Kriterien nur noch selten sichtbar gemacht. Es scheint, als hätten die Mechanismen des Marktes die Literaturkritik abgelöst. Die Aufgabe von Bildungseinrichtungen ist es nach wie vor eine Art Bildungskanon zu erstellen, es geht also um Auswahl, Orientierung und letztlich darum, die Studierenden im Umgang mit „guten“ Texten zu bilden. Umso wichtiger erscheint hier die Reflexion der Auswahlkriterien, wie z. B. „Nachhaltigkeit“ oder „Zeitlosigkeit“. Es diskutieren der Lyriker und Literaturwissenschaftler Federico Italiano und der Literaturkritiker und u. a. ehemalige Juror des Ingeborg-Bachmann-Preises Paul Jandl.