[Montagsfrühstück]

Über­all wer­den notwendi­ge Freiräume des Denkens klein­er, weil sich – auch in der Wis­senschaft und der Kun­st – die Spi­rale ein­er Logik des Ver­w­ert- und Verkauf­baren immer schneller dreht und die poli­tis­chen Ver­hält­nisse zu ein­er Engführung des Denkens führen. Das [Mon­tags­früh­stück] span­nt seit 2010 einen solchen Freiraum auf und schafft ein Forum, das sich der Reflex­ion grund­sät­zlich­er Fra­gen und Prob­leme des Zusam­men­hangs von Literatur/Kunst, Wis­senschaft und Gesellschaft wid­met. Bis Ende 2018 in Koop­er­a­tion mit der Abteilung für Ver­gle­ichende Lit­er­atur­wis­senschaft der Uni­ver­sität Inns­bruck, hat das Lit­er­aturhaus am Inn seit Jan­u­ar 2019 einen neuen Part­ner: den Arbeit­skreis für Wis­senschaft und Ver­ant­wortlichkeit an der Uni­ver­sität Inns­bruck.

 

Wider die Überflüssigkeit

Ort: Literaturhaus

Moderation: Ekkehard Hey-Ehrl

Ilija Trojanow im Gespräch mit Josef Nussbaumer.

Der überflüssige Mensch – so lautet der Titel des Essays von Ilija Trojanow, in dem er, so der Untertitel, die Frage nach der Würde des Menschen im Spätkapitalismus stellt.

Wer nichts produziert und nichts konsumiert, ist überflüssig – so die mörderische Logik des Spätkapitalismus. Überbevölkerung sei das größte Problem unseres Planeten – so die internationalen Eliten. Doch wenn die Menschheit reduziert werden soll, wer soll dann verschwinden, fragt Trojanow in seiner humanistischen Streitschrift wider die Überflüssigkeit des Menschen. In seinen eindringlichen Analysen schlägt er den Bogen von den Verheerungen des Klimawandels über die Erbarmungslosigkeit neoliberaler Arbeitsmarktpolitik bis zu den massenmedialen Apokalypsen, die wir, die scheinbaren Gewinner, mit Begeisterung verfolgen.

Krimi und Kritik

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Fritz

Thomas Wegmann im Gespräch mit dem/der Autor/in von „Innsbruck liest“.

Das Lesen von Krimis wird durch die Verlage oft mit Schlagworten wie Entspannung und Unterhaltung beworben: sich zurücklehnen, das Böse und das Gute erkennen und beruhigt das Buch schließen, nachdem das Böse besiegt wurde.

Journalistisch? Ästhetisch? Literarisch?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner

Rainer Merkel und Andrei Siclodi im Gespräch.

Täglich konfrontieren die Medien mit Informationen über Krisenländer, Katastrophen, Kriege und Konflikte. Dabei stößt der klassische Journalismus in seiner Definition, Informationen für eine größtmögliche Anzahl von Menschen aufzuarbeiten, an seine Grenzen und hinterlässt bei den ZuseherInnen oft ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Information wird zur Konsumware, Verstrickungen und Hintergrundinformationen kommen selten zu Wort; es scheint Zeit für „Metamedien“ zu sein, für „die erklärende Sparte“.

Weil ich an euch glaube … “ – Religion und Öffentlichkeit

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Fritz

Hans Augustin und Wolfgang Palaver im Gespräch.

Nicht erst seit dem Wahlkampf zur österreichischen Nationalratswahl 2013 sind religiös grundierte Slogans politik-fähig; die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Staat beschäftigt vielmehr Staatstheorien seit der Antike ebenso wie theologische. In unserer Gegenwart scheinen sich zwei Positionen gegenüberzustehen: Die erste ist davon überzeugt, dass nach der Dekonstruktion aller Werte ab der 68er Bewegung eine Rückbesinnung auf jene christlich-jüdischen Werte nötig sei, die das Fundament der westlichen Gesellschaften darstellen, auch als Basis gegen die „drohende Islamisierung“. Die andere Position hingegen sieht in der Rückkehr der Religion(en) eine Gefahr, weil religiöse, also gesetzte und daher unhinterfragbare Werte sich dem demokratischen Prozess entzögen, der danach fragen soll, wie eine Gesellschaft bzw. kollektives Handeln zu gestalten sind.

Kann Literatur (noch) die Welt verändern?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner

Norbert Gstrein und Christian Quendler im Gespräch.

Inwiefern haben Texte, also „Weltwissen“ in Form von gedruckten Büchern, Einfluss darauf, wie jede(r) Einzelne die Welt wahrnimmt und infolge am gesellschaftlichen Diskurs teilnimmt? Kann die Lektüre von Gedrucktem, insbesondere von literarischen Texten, soweit in die eigene Persönlichkeitsbildung und in das Kollektiv der Gesellschaft eingreifen, dass sie (radikale) Handlungen auslöst, wenn man die Literatur tatsächlich „wörtlich“ nimmt?

@kulturjournalismus. Zur Lage von Kunst und Kultur in den Medien

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Cornelius Hell und Michalea Monschein im Gespräch.

Was bedeutet (Kultur)journalismus heute? In einer Zeit, wo viele qualitätsvolle Printmedien unter massiven Druck der Medienverlage stehen und sich finanziell kaum mehr halten können, wo anspruchsvolle Radio- oder Fernsehsendungen dem Druck der „Quote“ ausgesetzt sind und das Internet als medialen Mitbewerber haben, stellen sich viele Fragen: Hat die Form des Feuilletons in einer beschleunigten und flüchtig gewordenen Zeit überhaupt noch Bestand? Wo finden die großen geistigen und gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen mittlerweile statt, wenn sie denn stattfinden? Internet und Web 2.0 scheinen neue Möglichkeiten der Vermittlung und Partizipation mit sich zu bringen, in Blogs oder auf Amazon kann sich beispielsweise jeder / jede in aktuelle kulturelle Debatten einbringen. Inwiefern aber gelten hier Qualitätskriterien? Welche Rolle nimmt der Kulturjournalist, die Kulturredakteurin heute ein?

Political correctness: „Wovon man nicht sprechen soll, darüber muss man schweigen“?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Thomas Edlinger und Manfred Kienpoitner im Gespräch.


Dieses Montagsfrühstück, dem das berühmte Zitat von Ludwig Wittgenstein in abgewandelter Form und als Frage vorangestellt wurde, greift die Debatte über den politisch korrekten Gebrauch von Sprache auf. Im Laufe der Zeit verändern sich Begriffe und ihre Konnotationen und damit ihre Verwendbarkeit. Besonders im Feld der Literatur stößt man auf die sprachlichen Spuren von Diskursen und Anschauungen, die heute als ausgrenzend und überholt gelten. Kann eine Überarbeitung problematischer Begriffe in literarischen Texten der Vergangenheit als Zensur gesehen werden, als Eingriff in die künstlerische Freiheit der Autorin bzw. des Autors? Wird mit einer solchen Korrektur die Problematik ausgeklammert und eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung verhindert? Wie verhalten sich die Opfer diskriminierender Bezeichnungen dazu? Gibt es Gegenstrategien, wie das Aneignen und Umdeuten marginalisierender Begriffe oder das In-Anführungszeichen-Setzen? Wo sind die Gegenstimmen zur Political Correctness politisch zu verorten?

Menschliche und nicht-menschliche Tiere“ – Zu einer komplexen Beziehung

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Fritz

Bernhard Kathan und Reingard Spannring im Gespräch.

Wie der Skandal um die „Pferdefleisch-Lasagne“ – abgesehen von der Absurdität einer globalisierten Lebensmittelindustrie – kürzlich zeigte, gibt es in unseren Breiten auch moralische und ethische Bedenken, wenn es um den Verzehr von (bestimmten) Tieren geht. Die vielschichtigen Beziehungen zwischen Tier und Mensch sind immer wieder Anlass für höchst emotional geführte Diskussionen, wobei elementare Impulse am Aufkommen der mittlerweile breit geführten Debatte von den TierrechtsaktivistInnen ausgingen. Seit einigen Jahren findet der Diskurs auch Eingang in die Wissenschaft, in Form von inter- und transdisziplinär angelegten Human-Anmial-Studies, deren methodischer Zugang dabei von u. a. Soziologie, Psychologie, Philosophie, Kultur- und Literaturwissenschaft bis hin zur Erziehungswissenschaft reicht. Daraus ergibt sich ein breites Themenspektrum, wie z.B. die Frage nach der kulturell symbolischen Bedeutung von Tieren, die Auseinandersetzung mit Tierrechten sowie die kritische Analyse der Mensch-Tier-Verhältnisse.

Die Erziehungswissenschaftlerin Reingard Spannring diskutiert in diesem Montagsfrühstück mit dem Kulturwissenschaftler  Bernhard Kathan, der sich mit Fragestellungen der historischen Anthropologie ebenso beschäftigt wie mit dem sich wandelnden Verständnis des Schmerzes und Todes, mit der Geschichte der Tierliebe oder mit der Organisation von Wahrnehmung.

Wieso schreiben sie? Nicht in muttersprache …“ Autobiographisches Schreiben und Sprachwechsel

Ort: Literaturhaus

Moderation: Eva Binder

Dragica Rajčić und Birgit Mertz-Baumgartner im Gespräch.


„Nicht in muttersprache“ dieses Zitat von Dragica Rajcˇi verdeutlicht schon die Fragen dieses Montagsfrühstücks: Welche Rolle spielen autobiographisches Schreiben und Sprachwechsel im Kontext der Migrationsliteratur? Welche sprachlichen und literarischen Ausdrucksweisen ergeben sich daraus? Unter welchen Gesichtspunkten wird „Migrationsliteratur“ in Österreich poetologisch eingeordnet? Wird ein Unterschied gemacht zwischen den Texten von Autoren und von Autorinnen? Spielt das jeweilige Herkunftsland eine Rolle? Diese und andere Fragen diskutieren die Schriftstellerin Dragica Rajcˇic´ und die Literaturwissenschaftlerin Birgit Merz-Baumgartner (gemeinsam mit Eva Binder Herausgeberin von Migrationsliteraturen in Europa, iup 2012).

Familienkonstellationen

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Raoul Schrott und die Innsbruck liest-Autorin Margit Schreiner im Gespräch.


Sowohl Margit Schreiner als auch Raoul Schrott beschäftigen sich in ihren Büchern mit Familienbeziehungen und –konstellationen. Während Margit Schreiner in ihrem Buch „Die Tiere von Paris“ aus weiblicher Sicht die Berufstätigkeit als Alleinerzieherin sowie die Mutter-Tochter-Beziehung in den Mittelpunkt stellt, nimmt Raoul Schrott in „Das schweigende Kind“ die männliche Perspektive ein, jene eines Vaters, dem die Entwicklung einer Beziehung zum eigenen Kind verwehrt wird. Beide bringen zusätzliche Ebenen ins Spiel: Margit Schreiners Roman, der an unterschiedlichen Schauplätzen wie Paris, Tokio, Wien und Italien angesiedelt ist, streift ein weites Panorama unterschiedlicher Lebensentwürfe; Raoul Schrott kombiniert die Thematik mit jener eines Künstlers in der Krise.

Schreiner und Schrott schildern die Thematik von Mutter-Vater- und Kindbeziehungen aus unterschiedlichen, beinahe konträren Standpunkten. Die Leseerfahrungen von Margit Schreiner und Raoul Schrott mit dem jeweils anderen Buch können spannende Impulse zum Gespräch geben.

Darüber hinaus soll diskutiert werden, welche erweiterten und erweiternden Zugänge jenseits einer identifikatorischen und therapeutischen Lektüre durch die Einbettung der Thematik in weitere Kontexte ermöglicht werden und inwieweit formal und stilistisch Klischees und Vorurteile sowie Schuldzuweisungen und Schwarz-Weiß-Denken aufgebrochen werden können.