[Montagsfrühstück]

Nach acht erfolg­rei­chen Jah­ren des For­mats „Mon­tags­früh­stück. Forum für stra­te­gi­sche Lang­sam­keit“ wer­den wir die Ver­an­stal­tungs­rei­he in Form eines the­ma­ti­schen Zyklus gestal­ten: Aus­ge­hend von den Über­le­gun­gen, wie sich ZUKUNFT in wesent­li­chen Berei­chen des mensch­li­chen Lebens heu­te schon den­ken lässt und wel­che UTOPIEN damit ver­bun­den sein kön­nen, wer­den acht Ter­mi­ne der zu diver­sen The­men­be­rei­chen statt­fin­den.

Über­the­ma: Zukunft/Utopie: Robo­tik, Arbeit, Geld­we­sen, Fort­pflan­zung, Kli­ma­wan­del, Poli­tik, Geschlech­ter, Uto­pi­en rel­oa­ded (von Pla­ton bis Marx; his­to­ri­sche Zukunfts­for­schung)

Lite­ra­tur und Enga­ge­ment

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Ekkehard Hey-Ehrl und Robert Prosser im Gespräch

Littérature engagée – die von Jean Paul Sartre im Zusammenhang seiner Existenzialphilosophie vorgeschlagene Bezeichnung meint eine „Literatur der Praxis“, eine „Literatur der Stellungnahme“, die im Gegensatz zu einer reinen „Seins-Literatur“ steht. Engagierte Literatur bezeichnet im weitesten Sinne alle Literatur, die ein religiöses, ideologisches und politisches Engagement erkennen lässt. Begriff wie Phänomen der engagierten Literatur haben merklich an Kraft und Einfluss verloren: Weil sie mit dem Autonomieanspruch der Kunst kollidieren? Weil sie in den unterschiedlichsten politischen Regimes des 20. Jahrhunderts korrumpiert wurden? Weil es heute keine Position mehr gibt, gegen die SchriftstellerInnen ästhetisch ihr Engagement richten könnten? Die unterschiedlichen revolutionären Bewegungen des beginnenden 21. Jahrhunderts (vom arabischen Frühling bis zur Occupy-Wall-Street-Bewegung) lassen es jedoch angezeigt sein, die Frage des Engagements im literarischen Schreiben neu zu stellen.

Femi­nis­mus – wohin?! (De)konstruktion von Geschlech­ter­rol­len

Ort: Literaturhaus

Moderation: Edith Brotzge

Brigitte Mazohl, Karin Michalski und Maxi Obexer im Gespräch

Fehlende Chancengleichheit, Quotenregelung, mehr Chefinnen, Teilzeitfalle, Papa-Monat – am 8.3.2012, 101 Jahre nach dem ersten Frauentag, bestimmten diese Themen die österreichische Presse und Tagespolitik. Nicht nur an Tagen wie diesen wird frau mit der Rolle, die sie einnimmt oder die ihr von der Gesellschaft zugeschrieben wird, konfrontiert. Unendlich ist die Liste an Büchern, die das Verhalten von Frauen erklären wollen: Mit Titeln wie Warum Frauen zu viel denken. Wege aus der Grübelfalle oder Spiele mit der Macht: Wie Frauen sich durchsetzen will man „weiblichen Verhaltensweisen“ näher kommen und sie entschlüsseln. Ehefrau, Mutter, Powerfrau, Karrierefrau – frau sollte im Idealfall alles sein und vereinbaren können. Da nimmt es vielleicht gar nicht wunder, dass viele junge Frauen aus diesen Bildern ausbrechen wollen und sich ihre Zukunft als Hausfrau und Mutter vorstellen können.

In diesem Montagsfrühstück wollen wir mit drei Diskutant_innen aus Wissenschaft, Literatur und Kunst über das Frau-Sein, Frauenquoten und „weibliche“ Verhaltensweisen ebenso nachdenken wie über die Frage, welche Möglichkeiten Literatur und Kunst bieten, um aus vorgefertigten Geschlechterrollen auszubrechen.

Es diskutieren: die Historikerin Brigitte Mazohl, die Künstlerin Karin Michalski und die Autorin Maxi Obexer.

 

Sei­en Sie gemein, dann sind Sie wahr oder Was macht zeit­ge­nös­si­sche Lite­ra­tur zum Skan­dal?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Doris Eibl

Es diskutieren Stefan Gmünder, Literaturredakteur bei DER STANDARD, und Julia Pröll, Universitätsassistentin am Institut für Romanistik an der Universität Innsbruck.  

Ein Buch soll „beißen und stechen“, es soll uns „mit einem Faustschlag auf den Schädel“ wecken – dieser Ansicht war schon Franz Kafka. Stehen „SkandalautorInnen“ wie der Franzose Michel Houellebecq in dieser Traditionslinie? Oder geht es vielmehr darum, sich des Skandals als effiziente Marketingstrategie, der (Selbst)inszenierung als Mittel zur Absatzsteigerung zu bedienen?

Ausgehend vom „Phänomen“ Michel Houellebecq, der mittlerweile zum Goncourt-Preisträger und umjubelten Star geworden ist, möchte sich das Montagsfrühstück der Skandalträchtigkeit der zeitgenössischen Literatur widmen. Thematisiert werden neben Michel Houellebecq auch Catherine Millet und Christian Kracht. Gefragt werden soll beispielsweise nach den Mechanismen, die einen Text zum Skandal machen: Sind es seine Themen, ist es ein kruder Realismus, der sich an der Grenze zur Geschmacklosigkeit bewegt und ästhetische Normsetzungen verletzt? Ist es die Selbstinszenierung der Autorinnen und Autoren, die die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit verwischt? Oder ist die schonungslose, ungeschminkte Beschreibung des gesellschaftlichen Status quo, der sich Autoren wie Michel Houellebecq verschrieben haben, ohnehin nur als „Skandal“ denkbar?

Migra­ti­ons­li­te­ra­tur: ein kon­tro­ver­si­el­ler Begriff?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Anna Rottensteiner

Julya Rabinowich und Eva Hausbacher im Gespräch

Der Begriff „Migrationsliteratur“ hat sich mittlerweile im Literaturbetrieb und im literaturwissenschaftlichen Diskurs verankert. Zunächst ein Nischenphänomen in der Literaturlandschaft, haben als „Migrationsautorinnen und -autoren“ wahrgenommene Schriftstellerinnen und Schriftsteller über drei Generationen ihren Weg in die deutschsprachige Kulturproduktion gefunden. Zuschreibungen wie Ausländerliteratur, Gast-, Immigranten-, Emigrations-, Minderheitenliteratur, Literatur ohne Grenzen, Literatur ohne festen Wohnsitz zeugen von den Anstrengungen, Benennungsversuche und Kategorien zu finden. Doch inwiefern sind diese Begriffe bzw. ist der Begriff „Migrationsliteratur“ für die literarische Produktion eines Autors oder einer Autorin mit Migrationshintergrund wirklich bezeichnend? Sind diese Zuordnungsversuche als Bestandteil der Identität des Schreibenden wahrzunehmen oder als wissenschaftliche Kategorisierung? Kann der Begriff „Migrationsliteratur“ zu einem erweiterten Verständnis der deutschsprachigen Literatur und Kultur beitragen oder ist er ganz im Gegenteil einengend und diskriminierend?

Darüber diskutieren die Autorin Julya Rabinowich und die Slawistin Eva Hausbacher.

Eva Hausbacher, geboren 1967 in Schwarzach, Ao.Univ.-Prof. am Institut für Slawistik an der Universität Salzburg, Forschungsschwerpunkte: Zeitgenössische russische Literatur, Russische Frauenliteratur (19. und 20. Jahrhundert), Literatur- und Kulturtheorie, Gender Studies und Postcolonial Studies, Inter- und Transkulturalitätsforschung.

Die Ich‐AG: Selbst­aus­beu­tung oder Selbst­ver­wirk­li­chung?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Kathrin Röggla und Thomas Wegmann im Gespräch

In der spätkapitalistischen Leistungsgesellschaft werden Selbstregierungstechniken zum Prinzip erhoben. Der einzelne Mensch hat seiner Ausbeutung bereits längst zugestimmt und wird in einen Sog zwischen scheinbarer Selbstverwirklichung und „commitment“ mit Arbeitsstrukturen hineingezogen. Er wird zur Ich-AG, die die Mechanismen der (Selbst-)Ausbeutung unsichtbar zu machen droht. Das Montagsfrühstück im März wird die Frage ins Zentrum stellen, welche Möglichkeiten die Literatur hat, auf diese neuen Formen der Arbeitswelt und auf Veränderungen von Arbeit und Alltag durch Formen der (Selbst-) Organisation zu reagieren. Wie dringen Formen des Managements in unser Privatleben ein, das seinerseits zunehmend durch Selbstdisziplinierung und Selbstmanagement gekennzeichnet zu sein scheint?

Im Gespräch zwischen Kathrin Röggla und dem Germanisten und Kulturwissenschaftler Thomas Wegmann werden vor allem die sprachlichen Mechanismen des Umgangs mit hegemonialen Strukturen beleuchtet und die genannten Strategien und Strukturen hinterfragt.

Ohn­macht und Empö­rung

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabi Wild

Anneliese Rohrer, Xaver Schumacher und Andrea Umhauer im Gespräch

„Empört euch!“ – Die Streitschrift von Stéphane Hessel scheint ein Jahr nach dessen Erscheinen aktueller denn je zu sein. Überall auf der Welt trifft man sie mittlerweile an, die Empörten. Menschen treten in den Widerstand, wehren sich gegen den Umgang der Politik mit der Finanzkrise, kämpfen für den Erhalt des Wohlfahrtsstaates oder entrüsten sich, wenn sie eine Zerstörung der Umwelt durch große Bauprojekte wie „Stuttgart 21“ befürchten. Der so genannte Wutbürger scheint sich zu erheben, sich gegen Demokratieverlust und für mehr Basisdemokratie und Selbstbestimmung einzusetzen.

Doch sind die Menschen dazu bereit, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen? Was, wenn die am „Tag des Zorns“ erlangte Macht des „Volkes“ am Tag danach zur Ohnmacht wird? Wie kann Widerstand aufrecht erhalten werden und die Resignation durchbrochen werden? „Wir müssen aufhören, zu gehorchen, und anfangen, uns einzumischen. Es ist höchste Zeit.“, so die Meinung Anneliese Rohrers in ihrem Buch Das Ende des Gehorsams (2011, Braumüller).

Auch an der Universität Innsbruck gab und gibt es eine Bewegung der „Empörten“, und ein kleines Büro erinnert nach wie vor an die „Uni brennt“-Proteste von 2009 / 10. Unter dem Kennwort „Geiwimax“ scheint der Protest der Studierenden gegen unzulängliche Studienbedingungen und für mehr Autonomie weiterzugehen. Es gibt aber genauso Studierende, die sich von diesem Protest distanziert haben.

Es bleiben die Fragen, inwiefern wirklich etwas verändert werden kann und welche Wege und Mittel es gibt, die Forderungen durchzusetzen. Sind ziviler Ungehorsam und Unangepasstheit überhaupt Werte, die in unserer Gesellschaft noch Platz haben oder ist nicht viel eher Angepasstheit und Schweigen erwünscht?

Beim ersten Montagsfrühstück im neuen Jahr sollen verschiedene Generationen zu Wort kommen.

Anneliese Rohrer, geboren 1944, „die Doyenne der innenpolitischen Publizistik“ (Falter), gehört zu den profiliertesten JournalistInnen Österreichs. Sie ist seit 1974 Redaktionsmitglied und Kolumnistin der Tageszeitung „Die Presse“. www.facebook.com – Anneliese Rohrer

Franz Xaver Schumacher, geboren 1984, studierte in Wien, Innsbruck und Bochum vor allem Komparatistik. Derzeit arbeitet er an seiner Diplomarbeit über Systeminterferenzen im Professional Wrestling. Verschiedene Tätigkeiten im Kultur- und Veranstaltungsbreich, journalistische und literarische Veröffentlichungen in mäßig gelesenen Zeitschriften. Er lebt in Innsbruck und Köln.

Andrea Umhauer, geboren 1986 in München, Studium der Erziehungswissenschaft und Psychologie in Innsbruck, seit 2009 bei der „Uni brennt Bewegung“ aktiv. Seit 2011 studentische Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft.
www.facebook.com/#!/geiwimax

Kör­per, Tech­nik, Natur

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Fritz

Kordula Schnegg und Bernhard Kathan im Gespräch

Beim letzten Montagsfrühstück in diesem Jahr wird es auf einer grundsätzlichen Ebene um das Verhältnis von Natur und Kultur und um die Frage von Biopolitik gehen, wobei im Zentrum die Frage von Bildern des Körpers und von Körperlichkeit generell stehen wird. Ist der Körper ein natürliches Ideal oder ein technischer Effekt? Wie sehen die Normen von natürlicher Körperlichkeit aus und wie haben sie sich entwickelt? Orientieren sich „technische“ Eingriffe in den Körper an einem Ideal des „Natürlichen“?

Kordula Schnegg wird mit dem Kulturhistoriker, Sozialwissenschaftler und Künstler Bernhard Kathan diskutieren, dessen Kunst und wissenschaftliche Arbeit sich immer wieder mit der Frage des Körpers und des Verhältnisses von Natur und Kultur / Technik auseinandersetzen.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Geld: Tausch­mit­tel, Ware, Machrsym­bol?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Silke Meyer und Peter Rosei im Gespräch

Wie reden wir über Geld? Was verbinden die Menschen emotional mit Geld? Und was ist Geld überhaupt? Eine soziale Praxis? Ein alltägliches Medium? Ein Fetisch? Eine Ware? Ein vernünftiges Instrument des Tausches? Gerade in Zeiten eines – wie es scheint – enthemmten Finanzkapitalismus sind solche und ähnliche Fragen hochinteressant. Das Montagsfrühstück wird zwar nicht das Entstehen von Finanzkrisen erklären können, allerdings kann es Raum geben, um über die Semantik des Geldes zu diskutieren und die Trennung von Ökonomie und Kultur in unserer Gesellschaft zu hinterfragen.

An diesem Montagsfrühstück treffen sich der historisch-ethnographische Blick der Innsbrucker Ethnologin Silke Meyer mit dem literarisch analytischen des Schriftstellers Peter Rosei, der mit seinem Roman Geld! ein lakonisch packendes Buch, ein scharfsinnigböses Puzzle mit komödiantischen Zügen geschrieben hat und seinen Blick auf die Gegenwart unserer Gesellschaft wirft, die bis in die Lebenswürfe des einzelnen hinein in den Fängen des Kapitalismus verstrickt ist. So heißt es denn auch in Anspielung auf Schnitzlers Meisterwerk: „Der Kapitalismus ist ein weites Land.“

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn, Denkpanzer und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft d. Universität Innsbruck

Zurück zur Natur – nur, zu wel­cher?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Das komplexe Wechselverhältnis von Natur und Kultur/Zivilisation soll in diesem Montagsfrühstück zur Diskussion gestellt werden.
Es diskutieren der Schriftsteller und Musiker Hans Platzgumer und Josef Nussbaumer.


Oft sprechen wir wenn es um Armut, atomare Unfälle, Klimawandel oder andere schreckliche Konsequenzen menschlichen Handelns geht von „Unglück“ oder „Katastrophen“, als ob solche Ereignisse „ganz natürlich“ über den Menschen hereinbrechen würden und nicht von diesem gemacht wären. Natur kann so gesehen in der gesellschafts-politischen und medialen Rhetorik als Argument dienen, um menschliches Handeln zu entschuldigen. Parallel dazu scheint es ein sehr starkes menschliches Bedürfnis und eine Sehnsucht nach einer „natürlichen Natur“ zu geben, die einen Rückzugsort bildet, der frei ist von zivilisatorischen Überformungen und technologischen Eingriffen, welche die Erde ja zunehmends an den Rande eines Kollapses zu führen scheinen. Diese „natürliche Natur“ ist jedoch vielleicht nicht mehr als unberührte Wildnis denkbar, die es schon lange nicht mehr gibt, sondern als in irgendeiner Form deformierte Natur. Exemplarisch wird das dort deutlich, wo vom Menschen gemachte Katastrophen zu einem zivilisatorischen Versagen geführt haben und die Natur zu wuchern beginnt, wie in der Sperrzone rund um Tschernobyl oder in den von Wirbelstürmen heimgesuchten Tropen.

Zwi­schen Dienst­leis­tung und Auto­no­mie­an­spruch: Wovon die Kunst leben soll

Ort: Literaturhaus

Moderation: Nina Fuchs

Cornelia Travnicek, Frank Klötgen und Martin Fritz im Gespräch.

Nur sehr wenige SchrifstellerInnen können allein von ihren Buchverkäufen leben. Literarisches Schreiben geht also fast immer mit der prekären Lage zwischen Hoffen auf Preise und Stipendien, privatem Mäzenatentum, Einkünften durch Lesungen oder literaturfernen Nebentätigkeiten einher. Welche und wessen Kriterien leiten dabei die jeweiligen eigenen künstlerischen Erzeugnisse? Und, gesellschaftspolitisch gefragt, welchen Ansprüchen sollte Literatur genügen? Hängen ästhetische Fragestellungen mit konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen zusammen? Wenn man als SchriftstellerIn am freien Markt nicht überleben kann, soll dann die Allgemeinheit dafür bezahlen – und falls ja, welche Art der Literatur soll dadurch gefördert werden? Und wer soll darüber entscheiden und wie?