[Montagsfrühstück]

Mit dem Mon­tags­früh­stück ist seit mitt­ler­wei­le 7 Jah­ren ein Forum geschaf­fen, das sich mit der nöti­gen Lang­sam­keit der Refle­xi­on grund­sätz­li­cher Fra­gen und Pro­ble­me des Zusam­men­hangs von Literatur/Kunst, Wis­sen­schaft und Gesell­schaft widmet.

Ein­mi­schung, aber schnell! Kunst und Tagespolitik

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Antonio Fian und Konrad Paul Liessmann im Gespräch

Ausgangspunkt dieses Montagsfrühstücks ist die Beobachtung, die in den Medien verschiedentlich seit einigen Jahren auch beklagt wird, dass sich SchriftstellerInnen und GeisteswissenschaftlerInnen immer weniger in (gesellschafts)politische Diskussionen einmischen würden. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob diese Beobachtung den Tatsachen entspricht, woran dies - sofern es stimmt - liegen könnte und ob es bedenklich ist. Es geht also um Fragen nach den Formen der Einmischung der Kunst und der Wissenschaft in gesellschaftspolitische Debatten: dabei sollen grundsätzlichere Fragen (nach den Begriffen des Autors, der Autorität, der Autorisierung etc.) aufgeworfen werden. Ebenso soll das „Apolitische“ in der Literatur und Kunst konturisiert werden, indem ein historischer Vergleich mit den Zeiten eines Günter Grass, einer Christa Wolf, eines Martin Walser, eines Jean-Paul Sartre oder eines Wolf Biermann gezogen werden soll.


Sub­ver­si­ve sex sale? Lite­ra­ri­sche Aneig­nun­gen des Obszönen

Ort: Literaturhaus

Moderation: Julia Prager

Mieze Medusa und Waltraud Mittich im Gespräch.

Läuft der Sex der Erotik in der Literatur den Rang ab? Sind „schmutzige Worte“ oder eine „Ästhetik des Hässlichen“ ein Indiz für eine emanzipatorische Bewegung der Aneignung eines „weiblichen“ Begehrens in der Schrift, möglicherweise sogar ein Instrument der Subversion, während gefühlsbetonte erotische Darstellungen in die Trivialität abdriften – und sozusagen zum Verworfenen des Kanons werden? Oder verkommt der literarische Sex gerade dann zur Ware, wenn er als omnipräsente Behauptung von Authentizität daherkommt? Zum Frühlingsbeginn lässt das Montagsfrühstück die Hüllen fallen und lädt zu einer heißen Diskussion zwischen den Autorinnen Waltraud Mittich und Mieze Medusa.

Wirt­schaft am Wendepunkt

Ort: Literaturhaus

Moderation: Herbert Salzmann

Unter der Gesprächsleitung von Herbert Salzmann (Unternehmens- und Organisationsberater sowie Literaturwissenschaftler) diskutieren der Schriftsteller und Unternehmer Ernst-Wilhelm Händler und der Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Kappler (Leiter des Instituts für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck, Abteilungsleiter für Controlling und Organisationskultur).  

Bei diesem Montagsfrühstück soll die Art und Weise, wie wir Wirtschaft betreiben, diskutiert und die Frage aufgeworfen werden, welchen Stellenwert die vorherrschende Form des kapitalistischen Wirtschaftens in unserem Handeln und auch Denken einnimmt und ob diese Form langfristig überhaupt (noch) Sinn macht. Diese Form scheint so selbstverständlich geworden zu sein, dass wir nur selten die Frage stellen, ob sie noch gesamtgesellschaftlich vertretbar ist bzw. ob sie es je war. Im Montagsfrühstück sollen zum einen alternative Formen des Wirtschaftens thematisiert werden, die – jenseits von sozialromantischen Vorstellungen – denkbar sind; zum anderen könnten auch Möglichkeiten ins Spiel gebracht werden, wie tief sitzende Überzeugungen von Menschen und kaum steuerbar erscheinende Strukturen gesellschaftlichen (ökonomischen, politischen) Seins und Agierens hinterfragt oder gar verändert werden können. Dass Kunst und Literatur bei der Reflexion und Veränderung von solchen Überzeugungen eine Rolle spielen oder spielen könnten, scheint uns evident.


Men­schen­bil­der hin­ter Bildungskonzepten

Ort: Literaturhaus

Moderation: Doris Eibl

Es diskutieren Karlheinz Töcherle, Kulturhistoriker, Altphilologe und Rektor der Universität Innsbruck, sowie Helmwart Hierdeis, em. Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck.


Bei diesem [ Montagsfrühstück ] soll es um die Frage gehen, welche Menschenbilder und kulturelle Muster hinter verschiedenen Konzepten von Bildung und Ausbildung stehen. Diese kulturellen Muster - vereinfachend gesprochen das "romantisch-rousseauistische" Bild, demzufolge der Mensch als vollkommenes Wesen in die Welt gelangt und durch Einflüsse von Kultur und Zivilisation (vor allem dann, wenn sie staatlich "verordnet" werden) verbogen und verzogen wird, und das "aufklärerisch-voltairesche" Bild des Menschen, demzufolge der Mensch ein unvollkommenes und im Grunde egozentrisches Wesen ist, (das erst durch die Einflüsse der Kultur und der Zivilisation sich in gesellschaftliche Strukturen zu integrieren vermag), beeinflussen die Art und Weise, wie Bildung ganz allgemein gestaltet und diskutiert wird. Sie werden jedoch selten bewusst gemacht - weil sie auch nicht leicht bewusst gemacht werden können: Es ist allemal einfacher, über konkrete Fragen der ökonomischen und juristischen Rahmenbedingungen zu diskutieren, als jene Überzeugungen und Muster in den Vordergrund zu rücken, die uns dabei implizit leiten.

Eine Goog­le Welt­bi­blio­thek: Demo­kra­ti­sie­rung oder Raubzug?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Fritz

Gerhard Ruiss und Katja Stopka im Gespräch

Anlass für diese Veranstaltung rund um das Urheberrecht und die Verbreitung von Kunst im worldwideweb ist die vom kalifornischen Internet-Konzern Google geplante Bildung einer digitalen "Weltbibliothek". Im Kontext dieser heiklen Debatte eröffnet sich ein weiter Fragenkatalog: Bedeutet ein derartiges Unterfangen Demokratisierung oder unkontrollierte Freigabe? Wie kommt die Auswahl der aufgenommenen Werke zustande? Was für Folgen haben derartige Entwicklungen für die Schöpfer der Werke und für die klassische Konzeption des Urheberrechts? Müssen neue Rechts-/Entgeltformen angedacht werden?

Es diskutieren Katja Stopka, Bibliotheksleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Lehrbeauftragte am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin, und Gerhard Ruiss, Schriftsteller und Vorsitzender der IG Autorinnen Autoren.

Gen­der Main­strea­ming: Beläs­ti­gung, Mode oder Notwendigkeit?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Julia Prager

Beate Hausbichler, feministische Journalistin und Redakteurin bei dieStandard.at und Claudia Posch, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Innsbruck im Gespräch 

Im Kontext gesellschafts- politischer Debatten rund um das Thema „Gender Mainstreaming“ spalten sich die Meinungen darüber, ob und wenn ja wie Strategien entworfen werden könnten, dem ganz und gar nicht geschlechtsneutralen Gesellschafts-Alltag den Spiegel vorzuhalten oder sogar Chancengleichheit zu bewirken. Das erste Montagsfrühstück nach der Sommerpause widmet sich der sprachpolitischen Dimension dieser Diskussion: Inwiefern können sprachliche Markierungen wie das Binnen-I über einen universitären und elitären Kontext sprachwissenschaftlicher Auseinandersetzung Verbreitung bzw. Akzeptanz finden? Welchen Einfluss haben Medien auf unseren Sprachgebrauch und damit auch auf unsere Realitätswahrnehmung? Und wie legitim ist es, sich auf eine Ästhetik des Leseflusses zu berufen, um der sprachlichen Markierung auszuweichen?

Kunst, Kul­tur und Poli­tik: span­nen­de Verhältnisse

Ort: Literaturhaus

Moderation: Xaver Schumacher

Es diskutieren Erika Wimmer, Autorin und Literaturwissenschaftlerin, Ingeborg Erhart, Kuratorin und Geschäftsleiterin der Tiroler Künstlerschaft, und Beate Palfrader, Landesrätin für Bildung und Kultur.

Kulturpolitische Debatten zwischen VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und der Kunst- oder Kulturszene werden häufig als Kontroversen um Finanzierung und Verteilung von Geldern geführt. In dieser Veranstaltung des Montagsfrühstücks soll die kulturpolitische Diskussion auf eine fundamentalere Metaebene gehoben werden: Welche unterschiedlichen Definitionen der Begriffe „Kunst“ und „Kultur“ treffen in einer Begegnung dieser beiden gesellschaftlichen Bereiche aufeinander? In welchem Verhältnis stehen die Begriffe zueinander? Inwiefern sind (nationale) Kulturdefinitionen mit jenen der Kunst verbunden oder schließen sich aus? Welches Verständnis von Kunst und Kultur findet sich in der Politik und bei Kunst-Schaffenden?

 

Inkom­pa­ti­bel? Die Spra­che der Wis­sen­schaft und die Spra­che der Medien

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Es diskutieren der Innsbrucker Glaziologe Georg Kaser, der als Mitglied des „Intergovernmental Panel on Climate Change   /   IPCC“ wesentlich an den Aufsehen erregenden internationalen Klimaberichten mitgewirkt hat und mitwirkt, und der Journalist Peter Angerer.

Im Zentrum steht das Thema der Begegnung von Wissenschaft und  Öffentlichkeit(en), wobei die Frage im Vordergrund stehen wird, wie und mit welcher Sprache Wissenschaft  in den Medien verhandelt wird. Welche Sprache verwendet die universitäre Institution in der Begegnung mit den verschiedenen Öffentlichkeiten? Welche Sprache „verlangen“ die Medien von WissenschaftlerInnen? Diese Fragen sollen anhand der aktuellen Diskussion rund um die Berichte der KlimaforscherInnen diskutiert werden, deren Fehler von jenen umgehend instrumentalisiert wurden, die nicht an eine vom Menschen gemachte Erderwärmung glauben bzw. glauben wollen. In der Diskussion soll ein Reflexionsraum über die emotionale Ausschlachtung der Klimaforschung, insbesondere des medialen In-Szene-Setzens von Angst geschaffen werden.

 

Gefro­re­ne Zeit: Vom Erinnern

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Gespräch zwischen der Autorin Anna Kim und der Historikerin Ingrid Böhler über die Frage nach unterschiedlichen Arten des Erinnerns und nach dem Zugang zu vergangenen Ereignissen in Literatur und Geschichte bzw. Geschichtswissenschaft.

Anna Kim, geboren 1977 in Südkorea. Studium der Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien. Veröffentlichungen seit 1999 . Zuletzt erschienen: Bilderspur ( 2004 ), Die gefrorene Zeit ( 2008 , beide Droschl).

Ingrid Böhler, geboren 1964 , Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Innsbruck, seit 1994 Universitätsassistentin am Institut für Zeitgeschichte. Forschungsschwerpunkte: österreichische Zeitgeschichte, Regionalgeschichte (Vorarlberg/Tirol), jüdische Geschichte, quantifizierende Geschichte, neue Medien in den Geschichtswissenschaften.

Kann man Krea­ti­vi­tät messen?

Ort: Literaturhaus

Moderation: Martin Sexl

Tasos Zembylas und Andrea Winkler im Gespräch

„Lassen Sie sich Zeit, aber tun Sie es schnell, denn Sie wissen nicht, was Sie erwartet.“
{Jacques Derrida}

Überall werden notwendige Freiräume des Denkens kleiner, weil sich – auch in der Wissenschaft (der Universität) und der Kunst – die Spirale einer Logik des Verwert- und Verkaufbaren immer schneller dreht. Mit dem Montagsfrühstück wollen wir einen solchen Freiraum aufspannen und ein Forum schaffen, das sich mit der nötigen Langsamkeit der Reflexion grundsätzlicher Fragen und Probleme des Zusammenhangs von Literatur/Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft widmet. Das Montagsfrühstück findet ungefähr einmal im Monat statt und richtet sich an Studierende sowie an alle, die sich für den erwähnten Zusammenhang interessieren. Kaffee und Croissants sollen uns zur Langsamkeit verpflichten, ohne die Schärfe des Gedankens zu beeinträchtigen.

Die Auftaktveranstaltung der Reihe widmet sich der Frage nach Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer wissenschaftlich-empirischen Erhebung und Darstellung von literarischen Arbeits- und Schreibprozessen.

Andrea Winkler, geboren 1972 in Freistadt. Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft in Wien, wo sie als freie Schriftstellerin lebt. Zuletzt erschienen: Arme Närrchen ( 2006 ), Hanna und ich ( 2008 , beide Droschl).

Tasos Zembylas, Professor für Kulturbetriebslehre an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Publikation zum Thema (gemeinsam mit Claudia Dürr): Wissen, Können und literarisches Schreiben. Eine Epistemologie der künstlerischen Praxis (Passagen 2009 ).