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In diesem Ver­anstal­tungs­for­mat soll an Schrift­stel­lerIn­nen und Per­sön­lichkeit­en des Geis­teslebens erin­nert wer­den, die in Vergessen­heit ger­at­en sind, zu Unrecht aus dem lit­er­arischen Kanon her­aus­ge­fall­en sind oder in ihrer Bedeu­tung auch heute noch aktuell sind. Sie wer­den im Rah­men von Vorträ­gen oder Essays von Wis­senschaft­lerIn­nen oder anderen Schrift­stel­lerIn­nen vorgestellt. Dazu sind jew­eilige Lesun­gen aus Tex­ten der Vorgestell­ten geplant.

Hugo Bettauer

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Ekkehard Hey-Ehrl

Am 10. März 1925 streckte der Zahntechniker Otto Rothstock den Schriftsteller, Journalisten und Verleger Hugo Bettauer durch mehrere Schüsse nieder. Dieser erlag am 25. März seinen schweren Verletzungen. Der heute längst in Vergessenheit geratene Autor war zu seiner Zeit ein zwar umstrittener aber höchst erfolgreicher. Allein sein Roman Stadt ohne Juden erreichte eine Auflage von 250.000 Stück. Zentrales Thema des Romans ist der grassierende Antisemitismus in der Ersten Republik. Insgesamt verfasste Hugo Bettauer neben seiner journalistischen und verlegerischen Arbeit 20 Romane. Großer Beliebtheit erfreuten sich seine Kriminalgeschichten, die neben einem spannenden Plot immer auch eine gute Portion Sozialkritik enthielten. Karl Kraus, ehemaliger Mitschüler von Bettauer, urteilte über ihn: „Von Bettauer weiß ich nur, daß er immerhin ein besserer Schriftsteller war als jene, die seine Wunden mit Steinen beworfen haben“. (Kraus, Die Fackel)

    William Shakespeare: Der Mann und sein Mythos

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Andrew Milne-Skinner, Sandra Milne-Skinner und Heinrich Payr

    Vortrag und Lesung in deutscher und englischer Sprache

    William Shakespeare (1564–1616) war ein Theatermensch: Dramatiker, Schauspieler – aber auch Dichter. Vor 450 Jahren wurde er in Stratford-upon-Avon getauft. Wer war dieser „Shakespeare“ aber wirklich? Wo verbrachte er die „verlorenen Jahre“? Und später, nachdem er als führendes Mitglied der Theatertruppe The Lord Chamberlain’s Men aufgetreten war – was wurde da aus diesem Schauspieler? Seit Shakespeares Tod ranken sich zahllose Überlieferungen und Legenden um seine Person, sehr verlässlich sind sie aber nicht. Sicher ist bloß: Er war einer der erfolgreichsten englischen Schriftsteller seiner Zeit, des Elisabethanischen Zeitalters. Die Stücke Shakespeares wurden veröffentlicht, indem sie aufgeführt wurden. Doch brachten sie nicht bloß Unterhaltung der Spitzenklasse, sondern behandelten ebenso brennende moralische und philosophische Fragen jener Zeit.

      Dunkle Lieben: Georg und Margarethe Trakl

      Ort: Literaturhaus

      Moderation: Erika Wimmer

      Lesung und Gespräch mit Hilde Schmölzer

      Die Geschwisterbeziehung von Georg und Margarethe Trakl gibt nach wie vor Rätsel auf: Gab es einen realen Geschwisterinzest oder handelt es sich dabei lediglich um inzestuöse Phantasien des berühmten Dichters? Tatsache bleibt, dass die Schwester für ihn der wichtigste Mensch gewesen ist, dass er sie in seinen Gedichten an die 60 Mal anruft, beschwört, verklärt, dämonisiert, die „Jünglingin“, „Fremdlingin“, „Mönchin“. Die reale Gestalt Margarethes hingegen versinkt im Dunkel der Geschichte, sie wurde von ZeitgenossInnen ebenso wie von der Nachwelt verzerrt und verfälscht. Nicht einmal ihr Grab ist bekannt.

        Versteckte Lesarten: Oskar Pastior

        Ort: Literaturhaus

        Moderation: Ursula Schneider

        Vortrag mit Lucia Gorgoi, Verena Stross, Ursula Wittstock

        Der rumäniendeutsche Lyriker und Übersetzer Oskar Pastior (1927, Hermannstadt / Sibiu – 2006 Frankfurt a. M.) stand im Zentrum des Buches Atemschaukel von Herta Müller (2009). Das Buch hat die aus ethnischen Gründen erfolgte Deportation des jungen rumäniendeutschen Protagoni-nisten in ein russisches Lager zum Inhalt, ebenso die Homosexualität des Protagonisten und seine Angst vor gesellschaftlichen Repressalien.

          Albert Camus, Glückssucher zwischen Algerien und Frankreich

          Ort: Literaturhaus

          Vortrag von Julia Pröll
          Mit einer Lesung von Florian Eisner

          Der 100. Geburtstag des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus im vergangenen Jahr war der Anlass für zahlreiche Publikationen zu seinem Leben und Werk, aber auch, um sich erneut mit den Gedanken des Denkers auseinanderzusetzen. Der 1913 in Algerien geborene Albert Camus suchte in seinen Werken nach moralischen Grundsätzen und Positionen, die mehr denn je auch unsere Gegenwart betreffen – sowohl in seinen literarischen als auch in seinen philosophischen Werken.

            Michail Bulgakow

            Ort: Literaturhaus

            Mit Alexander Nitzberg

            Riesige Kater auf den Hinterpfoten, Papierschnipsel, die zu Geld werden, splitternackte Frauen über dem Kreml, Köpfe, die rollen und Schweine, die fliegen – das alles bildet nur eine winzige Schicht dieses verzwickten und subversiven Stadtlabyrinths. Meister und Margarita von Michail Bulgakow (1891–1940), einem Schriftsteller und Arzt, zählt zu den Grundbüchern der Weltliteratur und gilt als der wichtigste russische Roman des 20. Jahrhunderts. Als solcher inspirierte er zahllose Künstler, wie die Rolling Stones, Andrzej Wajda und Patti Smith. In der Neuübersetzung von Alexander Nitzberg bekommt das Werk im Deutschen eine neue Dimension – die poetische.

              Anita Pichler: „Ich wollte fahren, um nicht zu verliegen“

              Ort: Literaturhaus

              Eine Annäherung von Barbara Siller und Erika Wimmer

              Anita Pichler, 1948 in Schenna / Südtirol geboren, 1997 in Bozen gestorben, hat ein sehr vielfältiges und spannendes Werk hinterlassen. Es überrascht immer wieder in seiner Rätselhaftigkeit und Subversivität: Aufbrüche, Reisen, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Begegnungen sowie ein fortwährendes Fremdheitsgefühl sind einige der Schlüsselthemen. Formal ragt die Autorin aufgrund ihrer originellen, assoziativen und motivorientierten Schreibweise heraus. Anita Pichler zog mit 17 Jahren nach Triest. Sie studierte in Venedig und Prag Moderne Sprachen und Literatur. In Venedig arbeitete die Autorin als Übersetzerin, Dolmetscherin, Verlagsredakteurin sowie als Universitätslektorin. 1986 erschien ihre erste Erzählung Die Zaunreiterin im Suhrkamp Verlag, mit der sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilnahm. In der Folge veröffentlichte sie die Erzählungen und Texte Wie die Monate das Jahr (1989, Suhrkamp), Die Frauen aus Fanis (1992, Haymon), Beider Augen Blick. Neun Variationen über das Sehen (1995, Haymon).

                Judith Hermann und Manuela Reichart

                Ort: Literaturhaus

                Judith Hermann und Manuela Reichart sind begeisterte Munro-Leserinnen. Sie führen durch Werk und Leben der kanadischen Autorin, die auch im vergangenen Jahr wieder einmal nicht den Literaturnobelpreis bekommen hat, obwohl sie seit Jahren auf der Liste der Anwärterinnen steht. Angeblich spricht gegen ihre Wahl, dass sie immer nur das Gleiche schriebe – so ein renommierter deutscher Literaturkritiker. Dass das Gleiche jedoch eine große Qualität und stets anders ist – wie das Leben selbst, auch darum wird es an diesem Abend gehen: eine Hommage an die  große Erzählerin Alice Munro.

                  Veza Canetti — Hommage zum 50. Todestag

                  Ort: Literaturhaus

                  Moderation: Petra Ganglbauer

                  Veza Canetti wurde 1897 in Wien geboren. 1938 flüchtete die Dichterin der Moderne gemeinsam mit ihrem Mann Elias Canetti ins Londoner Exil, wo sie 1963 starb. Veza Canetti schrieb unter mehreren Pseudonymen und konnte die Veröffentlichung ihrer Werke, bis auf wenige Beiträge u.a. in der Arbeiter-Zeitung und ihre Übersetzungen, nicht miterleben. Ihr Leben war gekennzeichnet von zahlreichen Zäsuren; Teile ihres Werkes gelten bis heute als verschollen; inwieweit Elias Canetti ihre Arbeit als Schriftstellerin gefördert oder behindert hat, ist umstritten.  An diesem Abend werden verschiedene Themen ihrer sozial-und sprachkritischen Werke beleuchtet, wie beispielsweise die Kluft zwischen Arm und Reich, die Unterdrückung von und Gewalt gegenüber Frauen, die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

                    Alissa Walser über Sylvia Plath

                    Ort: Literaturhaus

                    Sylvia Plath, 1932 in Jamaica Plain bei Boston geboren, gestorben 1963 im einunddreißigsten Lebensjahr in London, übersetzte ihre Erfahrung in symbolische Bilder und hochkonzentriert erzählende Tableaus. Nun, fünfzig Jahre nach ihrem Freitod, ist es möglich, ihre letzten Gedichte, die Ariel-Gedichte, und den prägnantesten ihrer Prosatexte, Die Glasglocke, mit ihren Tagebuch-Texten zu konfrontieren, ihren nicht im Willen zum literarischen Text aufgehobenen Ambitionen, Träumen, Ängsten und Hoffnungen zu folgen.