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In diesem Ver­anstal­tungs­for­mat soll an Schrift­stel­lerIn­nen und Per­sön­lichkeit­en des Geis­teslebens erin­nert wer­den, die in Vergessen­heit ger­at­en sind, zu Unrecht aus dem lit­er­arischen Kanon her­aus­ge­fall­en sind oder in ihrer Bedeu­tung auch heute noch aktuell sind. Sie wer­den im Rah­men von Vorträ­gen oder Essays von Wis­senschaft­lerIn­nen oder anderen Schrift­stel­lerIn­nen vorgestellt. Dazu sind jew­eilige Lesun­gen aus Tex­ten der Vorgestell­ten geplant.

Stefan Zweig

Ort: Literaturhaus

Drei Leben - eine Biographie.
Mit Oliver Matuschek

"Meine drei Leben", so lautete Stefan Zweigs Arbeitstitel für sein großes Buch Die Welt von Gestern. Die Lehr- und Wanderjahre bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, die Erfolgsjahre des "Schriftstellerbetriebes" Stefan Zweig in Salzburg, schließlich die Exiljahre in Großbritannien, den USA und Brasilien - sie bilden die drei großen Blöcke in Stefan Zweigs Biographie.
Oliver Matuschek kann sich für seine Lebensbeschreibung auf eine Fülle neu zugänglicher Quellen, Forschungsergebnisse und bisher unbekannten Materials stützen. Er erzählt fesselnd das ausgefüllte Leben eines vom Erfolg verwöhnten Schriftstellers, das durch die Zeitläufe bedingt eine Wendung nimmt und tragisch im gemeinsamen Freitod mit seiner zweiten Frau Lotte in einer brasilianischen Kleinstadt endet. Überdies widmet sich Matuschek allgemeinen Fragen wie Stefan Zweigs Reisen, der Herangehensweise an die Stoffe seines Werks und dem Verhältnis Zweigs zu seinen Kollegen und Verlegern.
Oliver Matuschek, geboren 1971, Studium der Politologie und Neueren Geschichte. Mitautor mehrerer Dokumentarfilme zu historischen und politischen Themen. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Ich kenne den Zauber der Schrift. Katalog und Geschichte der Autographensammlung Stefan Zweig(2005).

    Ein Abend für Johannes Bobrowski

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Michael Klein

    Einführung und Lesung unter Verwendung von originalen Bild- und Tondokumenten.

    Geboren ist Johannes Bobrowski 1917 in Tilsit, im deutsch-polnisch­baltischen Grenzgebiet an der Memel. Nach der Matura, 1938 in Königsberg, Kriegsdienst in der deutschen Wehrmacht und anschlie­ßende russische Kriegsgefangenschaft von 1939 bis 1949. Später Ver­lagslektor in Ost-Berlin und erste Gedichtveröffentlichungen 1955 in der Zeitschrift Sinn und Form. Danach erscheinen die Gedichtbändchen Sarmatische Zeit (1961) und Schattenland Ströme (1962), der Roman Levins Mühle (1964) sowie die Erzählungen Mäusefest und andere Erzählungen (1965). - Gestorben ist Johannes Bobrowski 1965, mit erst achtundvierzig Jahren.

    Auch wenn man den erst nach seinem Tod erschienenen Roman Litauische Klaviere (1966) und die Gedichte aus dem Nachlass Wetter­zeichen (1967) hinzurechnet, an Zahl und Umfang ein insgesamt eher schmales Werk. Um so beeindruckender ist das Echo, das die Bücher bereits seinerzeit auslösten und das andauernde Erstaunen über ihre Kraft und den ganz unverwechselbaren Ton, von denen sie bis heute nichts verloren haben.

    Aber es kommt noch etwas hinzu: Johannes Bobrowski ist vermut­lich auch der letzte Zeuge einer Literatur- und Kulturlandschaft, sei­nes „Sarmatien", die ebenso unwiderruflich verloren ist wie das Galizien eines Bruno Schulz oder die Bukowina der Rose Ausländer.

    Befragt nach seinem „Thema" hat Johannes Bobrowski einmal erklärt: „Zu schreiben habe ich begonnen am Ilmensee 1941, über rus­sische Landschaft, aber als Fremder, als Deutscher. Daraus ist ein Thema geworden, ungefähr: die Deutschen und der europäische Osten. Weil ich um die Menschen herum aufgewachsen bin, wo Polen, Litauer, Russen, Deutsche miteinander lebten, unter ihnen allen die Judenheit. Eine lange Geschichte aus Unglück und Verschuldung, seit den Tagen des deutschen Ordens, die meinem Volk zu Buch steht. Wohl nicht zu tilgen und zu sühnen, aber eine Hoffnung wert und einen redlichen Versuch."

     

      Samuel Beckett — zum 100. Geburtstag

      Ort: Literaturhaus

      Wieland Schmied: Begegnung mit Samuel Beckett
      Lesung aus Endspiel mit Michael Arnold (TLT)

      Samuel Beckett (1906-89), geboren in Irland, lebte seit 1937 in Paris, lernte dort u.a. James Joyce kennen, schloss sich während des Zwei­ten Weltkriegs der Resistance an. 1952 publizierte er Warten auf Godot, wodurch er international bekannt wurde, 1957 folgte Endspiel, 1969 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

      Endspiel: Vier Menschen sind die Helden dieser grotesken Tragö­die. Sie werden gezeigt kurz vor dem Erlöschen ihres Lebens. Das Ende ergreift langsam Besitz von ihnen. Ein Zustand, worin die hilf­los kreatürliche Traurigkeit, die allen Geschöpfen innewohnt, nicht mehr mit Komfort und Geschäftigkeit übertönt werden kann. Das Stück rührt damit an eine elementare Dimension des Daseins.

      Wieland Schmied, geboren 1929 in Frankfurt am Main, emeritierter Professor für Kunstgeschichte, hat sich über Jahrzehnte gleicher­maßen mit Fragen der bildenden Kunst wie der Literatur beschäf­tigt. Dabei gehören der Maler Giorgio de Chirico und der Dichter Ezra Pound zu den Figuren, mit denen er sich am intensivsten aus­einandergesetzt und über die er immer wieder geschrieben hat. Wie­land Schmied wurde mit dem Friedrich-Märker-Preis für Essay­isten und dem Theo-Wormland-Preis für sein kunstschriftstelle­risches Werk ausgezeichnet, er lebt in Vorchdorf. Seine jüngste Publi­kation ist Begegnung mit Samuel Beckett in Berlin (Rimbaud Verlag 2006).

      Michael Arnold, geboren in Graz, Schauspielstudium an der Grazer Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Schauspie­ler am Tiroler Landestheater, zuletzt in Chorphantasie von Gert Jonke zu sehen und derzeit in Der Kontrabass von Patrick Süßkind (Innsbrucker Kellertheater).

       

        Elias Canetti. Zum 100. Geburtstag.

        Ort: Literaturhaus

        Sven Hanuschek: Elias Canetti. Biographie (Hanser 2005) Vortrag mit Original-Tondokumenten

        " Man stelle sich die Verheerungen dieses Tempelbezirks vor, den ein Mensch in sich trägt, wenn er eine Weile gelebt hat. Kein Archäologe könnte zu einer vernünftigen Auffassung der Anlage kommen." (Elias Canetti)

        Die erste Biographie des Nobelpreisträgers Elias Canetti legt Sven Hanuschek vor, der als einer der ersten den Nachlass Canettis einsehen und Freunde und Weggefährten befragen konnte. Und so erzählt er das Leben eines Menschen voller Leidenschaft und Energie, der trotz aller Begabung, Beziehungen zu knüpfen, immer ein Einzelgänger blieb. Er erzählt von einem Dichter, dessen Werk quer steht zu den großen Strömungen der Literatur des 20. Jahrhunderts, und er erzählt von einem exemplarischen Schicksal jüdischer Emigration, das vom kleinen bulgarischen Rustschuk nach Wien, Berlin, London und Zürich führte.
        Sven Hanuschek, geboren 1964, ist Publizist und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

          Anna Achmatowa

          Ort: Literaturhaus

          Moderation: Christine Engel

          Der Autor Alexander Nitzberg liest in russischer und deutscher Sprache aus Anna Achmatovas Gedichten.

          Anna Achmatova, geboren 1889 in Bolschoj Fontan bei Odessa, studierte Jura in Kiew und Philologie in Petersburg. 1910 heiratete sie Nikolaj Gumiljov, wie sie ein Vertreter der literarischen Bewegung des Akmeismus, die sich in Abgrenzung von dem damals herrschenden Futurismus und Symbolismus durch eine klare, wirklichkeitsnahe Poesie auszeichnet. Ihre Werke wurden von sowjetischen Kritikern als zu "privat" und "asozial" verurteilt. Zwischen 1922 bis 1958 durfte sie nichts veröffentlichen. Ihr Gedichtzyklus Rekviem (entstanden 1935-1963), der sich mit dem stalinistischen Terror auseinandersetzte, erschien in der ehemaligen UdSSR erst nach ihrem Tod.
          Neben Lyrik verfasste Anna Achmatova zahlreiche Essays, Übersetzungen und wissenschaftliche Arbeiten. Sie starb 1966 in Domodjedowo bei Moskau. Alexander Nitzberg wird aus den von ihm übertragenen Werken Achmatovas lesen: Enuma Elisch (Engeler 2005), Poem ohne Held (Grupello 2001).

            Filmische Portraits zu Elfriede Jelinek

            Ort: Literaturhaus

            Moderation: Sieglinde Klettenhammer

            " Elfriede und Elfriede"

            Ein Portrait der beiden Autorinnen und Freundinnen Elfriede Gerstl und Elfriede Jelinek. 2003/03

            "Die Preisträgerin"

            In diesem Film verliest Elfriede Jelinek ihre Rede anlässlich der Verleihung des Lessing-Preises für Kritik 2004.

            Regisseurin beider Filme: Hanna Laura Klar

              Filmisches Portrait zu Ingeborg Bachmann

              Ort: Literaturhaus

              Ingeborg Bachmann - "Ein Tag wird kommen. Gespräche in Rom"
              Ein Portrait von Gerda Haller

              Erst wenige Monate vor deren Tod im Herbst 1973 führt die junge ORF- Redakteurin Gerda Haller ein Fernseh- und ein Toninterview mit Ingeborg Bachmann. Die Autorin war angetan von der Idee, der Redakteurin Rom zu zeigen, jene Plätze, die ihr in all den Jahren, die sie in dieser Stadt lebte, unverzichtbar geworden waren. Tagsüber drehte man, und abends im Hotel sprach Ingeborg Bachmann dazu als Tonspur jene Sätze und Verse, die im soeben erschienenen Buch, herausgegeben von Gerda Haller, nachzulesen sind.