Abu Kickl

Dass die Frei­heit­li­chen, zumal in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung, nichts gegen Juden haben, wis­sen wir. Sind sie doch selbst, wie Stra­che vor sechs Jah­ren sag­te, die neu­en Juden. Zudem sind sie, wie Stra­che und Co. sagen, die Speer­spit­ze gegen den neu­en Anti­se­mi­tis­mus, also gegen jenen impor­tier­ten, der mit den vie­len Mos­lems kommt, ohne die der Anti­se­mi­tis­mus längst von der öster­rei­chi­schen Schol­le ver­schwun­den und höchs­tens in man­chen spe­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Kel­lern noch viru­lent wäre.

Wenn es bis­wei­len doch zu bedau­er­li­chen Ein­zel­fäl­len kommt, die die­ser Tage im Tages­ryht­h­mus auf­tre­ten, wer­den die bedau­er­li­chen Ein­zel­fäl­le hart und kon­se­quent bedau­ert — und zwar dann, wenn es schein­bar nicht mehr anders geht. Nach sei­ner Rede auf dem soge­nann­ten Aka­de­mi­ker­ball, in wel­cher der Par­tei­chef vor der ver­sam­mel­ten geis­ti­gen Eli­te der schla­gen­den Bur­schen­schaf­ten den Anti­se­mi­tis­mus scharf und unmiss­ver­ständ­lich ver­ur­teil­te, wur­de der Held des klei­nen Man­nes, der Beschüt­zer von Hei­mat und Schol­le und der Far­ben­bru­der der natio­na­lis­ti­schen Fech­ter und Bier­trin­ker erst­mals auf sei­ner eige­nen Facebook-Seite mit Spott und Häme über­zo­gen: Knie­fall vor dem lin­ken Mei­nungs­ter­ror, Ver­rat am eige­nen Geschichts­bild, Kotau vor gewis­sen Krei­sen, mit denen natür­lich immer die Juden gemeint sind.
Für sei­ne Ver­tei­di­gung Udo Land­bau­ers hin­ge­gen ern­te­te Stra­che  fre­ne­ti­schen Bei­fall. Aller­dings frag­ten sich die meis­ten Kom­men­ta­to­rin­nen und Kom­men­ta­to­ren auf sei­ner Sei­te, war­um die­se soge­nann­ten Jour­na­lis­ten der­glei­chen über­haupt unge­straft schrei­ben dürf­ten. Sie gehör­ten ein­ge­sperrt. (Es wur­de ihnen auch Schlim­me­res gewünscht.) Die Wüte­ri­che ver­ste­cken sich meist nicht hin­ter Pseud­ony­men. Sie schrei­ben in ihrem Namen. Man muss sich der eige­nen Gemein­heit und Nie­der­tracht nicht mehr schä­men. Stra­che wird ihnen bald ver­bie­ten, FPÖ zu wäh­len. Anti­se­mi­tis­mus hat in ihr kei­nen Platz. Wir soll­ten sie an ihren Taten mes­sen, hören wir immer wie­der. Wir glau­ben ihnen natür­lich.

 

In den nächs­ten Tagen wird der Par­tei­chef jenem alten Tiro­ler, der vor lau­fen­den Kame­ras im Gespräch mit dem Tiro­ler FP-Spitzenkandidaten von der HJ und ihrer Zucht und Ord­nung schwärm­te und mein­te, man dür­fe nicht mehr „die stin­ken­den Juden“ sagen, weil man dann gleich ein Nazi sei, kon­se­quen­ter­wei­se klar und deut­lich ver­bie­ten, blau zu wäh­len. Und es dürf­te sich auch nur noch um Tage han­deln, bis Stra­che auf sei­ner Facebook-Seite den bis­lang bei­na­he 50,000 Mal geteil­ten Auf­ruf „Wem unse­re Kul­tur nicht gefällt soll wie­der gehen!! Tei­le das Schweins Schnit­zel wenn du der glei­chen Mei­nung bist.“ aufs Schärfs­te ver­ur­tei­len wird — mit dem Hin­weis auf jüdi­sche, aber auch vege­ta­ri­sche Spei­se­ge­set­ze befol­gen­de Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger.
Da man bei faschis­to­iden und auto­ri­tä­ren Cha­rak­te­ren oft ande­re, näm­lich psy­cho­ana­ly­ti­sche Kri­te­ri­en zu Rate zie­hen muss, und sich in ihren res­sen­ti­ment­zer­fres­se­nen Zel­len bis­wei­len schein­bar Para­do­xes ent­wi­ckelt, stellt sich für die Zukunft der neu­en Anti-Antisemiten eine ande­re heik­le Fra­ge. Ein Blick nach Deutsch­land und zur AfD, die den Frei­heit­li­chen noch am Wahl­abend im Novem­ber gra­tu­lier­te, weist die Rich­tung. „Die ein­zi­gen, die noch bei Arthur Wag­ner anru­fen“, ist in der aktu­el­len ZEIT zu lesen, „sind Jour­na­lis­ten.“ Arthur Wag­ner ist noch in der AfD, aber seit er Ahmad Wag­ner heißt und zum Islam kon­ver­tiert ist, wol­len sei­ne ehe­ma­li­gen Kame­ra­den und Kame­ra­din­nen nichts mehr von ihm wis­sen. Wahr­schein­lich weil sie fürch­ten, mit ihm kom­me der Anti­se­mi­tis­mus in die Par­tei.

Nun denn: Wer wird dem gro­ßen Bru­der fol­gen und Unfrie­den stif­ten? Abu Kickl? Moham­mad Land­bau­er? Saif Gude­nus? Fat­ma Rosen­kranz? Osa­ma Hofer? Oder gar Ji-Had Stra­che?