Alicia Kozameh und Reina Roffé

Ort: Literaturhaus

Moderation: Erna Pfeiffer

Jüdisch-argentinische Autorinnen in Exil und Diaspora
Zweisprachige Lesung (spanisch-deutsch)

Argentinien war im 19. Jahrhundert Ziel- und Fluchtpunkt mehrerer Millionen von Einwanderern, darunter vieler jüdischer ImmigrantInnen, sowohl aus dem sephardischen als auch aus dem Ashkenazi-Bereich. Während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 sahen sich zahlreiche Nachfahren der jüdischen Zuwanderer gezwungen, das Zufluchtsland ihrer Großeltern wieder zu verlassen. Viele fanden Exil in Europa oder den USA und kehrten auch später nicht mehr nach Argentinien zurück. Dazu kam eine zunehmende Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen, die im Zuge der Wirtschaftskrise des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts ebenfalls dem Land den Rücken kehrten, in den meisten Fällen allerdings ohne großen Erfolg, da sie auch heute in Europa oder in den USA vielfach in prekären Verhältnissen leben.

Mit Alicia Kozameh und Reina Roffé lesen zwei jüdisch-argentinische Autorinnen aus Werken, in denen sie versuchen, mit verschiedenen literarischen Mitteln die komplexe Wanderungsgeschichte ihrer Familien und ihr eigenes Exil künstlerisch zu reflektieren.

In Alicia Kozamehs literarischen Werk (Romane, Lyrik, Erzählungen) vermengt sie Erfundenes, Historisches und selbst Erlebtes zu einem höchst innovativen Gemisch. Durch dokumentarische Zeugnisse, Briefesammlungen und Essays sowie ihre Tätigkeit als Vortragende für Amnesty International versucht sie auch international, Bewusstsein und Sensibilität für die Lage der argentinischen Exilierten zu wecken.

In Reina Roffés komplexen Romanen und Erzählungen bearbeitet sie vor allem Probleme weiblichen Begehrens in einer machistischen Gesellschaft; neuerdings geht sie auch vermehrt den Spuren ihrer sephardischen Vorfahren nach.


    Pfeiffer, Erna

    ist lit­er­arische Über­set­zerin und Außeror­dentliche Pro­fes­sorin für Spanis­che und Lateinamerikanis­che Lit­er­atur­wis­senschaft an der Karl-Franzens-Uni­ver­sität in Graz und hat sich schw­er­punk­t­mäßig mit dem Schreiben lateinamerikanis­ch­er Autorin­nen abseits des Main­stream befasst.

    Roffé, Reina

    geboren 1951 in Buenos Aires, Tochter ein­er jüdis­chen Ein­wan­der­erfam­i­lie aus Marokko, har­rte während der Jahre der Dik­tatur (die 1976 ihren zweit­en Roman Monte de Venus als „unmoralisch“ ver­bot) zunächst in innerem Exil in Argen­tinien aus, ging dann 1981 für einige Jahre in die USA und zog nach einem kurzen Inter­mez­zo der vor­läu­fi­gen Rück­kehr 1988 aus wirtschaftlichen Grün­den nach Spanien, wo sie heute lebt.

    Kozameh, Alicia

    geboren 1953 in Rosario, Argen­tinien, Tochter ein­er jüdisch-ara­bis­chen Ein­wan­der­erfam­i­lie, war als linke Aktivistin von 1975 bis 1978 poli­tis­che Gefan­gene der Mil­itärdik­tatur und ging anschließend ins Exil nach Mexiko und in die USA, wo sie heute noch lebt.