Bernhard Strobel & Xaver Bayer

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Carolina Schutti

Voll absurder Komik und Fabulierlust gestalten sich Xaver Bayers Miniaturen in Geheimnisvolles Knistern aus dem Zauberreich. Da sitzt er, der Dichter, in der Früh, allein, im Café Irgendwo, und lässt den Blick, die Wahrnehmung und die Fantasie schweifen. Mit gespannten Sinnen begegnet er der Gegenwart, und durchaus kritisch stellt er sich einer Welt, die seinen wütenden Ekel verdient. Er ist ein hellwacher Beobachter mit Blick für das Unscheinbare, ein Wanderer in Niemandslandschaften, ein Flaneur, unter dessen Augen sich die fade Monotonie, die Unerheblichkeit des Alltags verwandelt, sodass für Momente das Unerwartete, das Fantastische, das Ungeheuerliche der Fantasie in die Wirklichkeit einbricht.

Die Menschen in Bernhard Strobels Erzählband Ein dünner Faden hingegen sind entsetzlich genervt voneinander, und diese Gereiztheit steht jeweils knapp vor einer beängstigenden Entladung. Die lethargischen, schweigsamen (oder sprechfaulen?) Helden dieser Texte leben fast ausschließlich in ihren kleinen Häuschen, nicht in der Stadt, nicht am Land, sondern in der Region dazwischen; es gibt den kleinen oder größeren Garten, es gibt die obligatorische Garage, es gibt Nachbarn – und es gibt Kinder. Und das Ergebnis ist das schiere Gegenteil von Idylle: Vorwürfe, Aggressionen, Misstrauen, viel Unausgesprochenes und Geheimnisse, die Strobel, der „Meister des Weglassens“, seinen Personen ohnehin belassen würde, da er ihnen so wenig nahetritt, wie diese Personen Distanz zueinander halten.

Die Autorin Carolina Schutti, in ihrer Arbeit selbst Meisterin des Verdichtens, spricht an diesem Abend mit ihren Kollegen über die Möglichkeiten der literarischen Kurzform.

Bernhard Strobel: Ein dünner Faden. Erzählungen. Droschl 2015

Lesen Sie dieses Mal im Inn-Lesebuch auf unserer Homepage einen Auszug aus dem Erzählband Ein dünner Faden von Bernhard Strobel

    Schutti, Carolina

    geboren 1976, lebt in Inns­bruck. Studi­um der Ger­man­is­tik, Anglis­tik und Amerikanis­tik, Konz­ert­gi­tarre und Gesang. Tätigkeit als Lek­torin an der Uni­ver­sität Flo­renz und als wis­senschaftliche Mitar­bei­t­erin im Lit­er­aturhaus am Inn. Pub­lika­tio­nen in Antholo­gien und Lit­er­aturzeitschriften. Mehrere Ausze­ich­nun­gen und Preise, zulet­zt 2016 wurde sie mit dem Hilde-Zach-Lit­er­aturstipendi­um aus­geze­ich­net. Zulet­zt erschienen: Ner­ven­fieber. Lyrik­band (2018, Edi­tion Lau­rin).

    Darüber hin­aus ver­fasste sie die Hör­spiele Kalte Asche (ORF 2011), …laut­los (ORF 2014) und Voic­es (2012, gemein­sam mit Ralph Schut­ti). Sie lebt als freie Autorin in Inns­bruck.

    Ihre Büch­er wur­den in zahlre­iche Sprachen über­set­zt.

    Car­oli­na Schut­ti

    Strobel, Bernhard

    wurde 1982 in Wien geboren. Er studierte Skan­di­nav­is­tik an der Uni­ver­sität Wien. Heute lebt er als freier Autor und Über­set­zer aus dem Nor­wegis­chen in Neusiedl am See. Zu seinen Ausze­ich­nun­gen zählen der Lit­er­atur­preis des Lan­des Bur­gen­land 2003, das Staatsstipendi­um für Lit­er­atur 2007 und 2009 sowie der Förder­preis der Stadt Wien 2014, zulet­zt Theodor-Kery-Preis 2016.
    Büch­er: Sack­gasse, Erzäh­lun­gen (Droschl, 2007), Nichts, nichts, Erzäh­lun­gen (Droschl, 2010), Ein dün­ner Faden, Erzäh­lun­gen (Droschl, 2015).

    www.bernhard-strobel.de/

     

     

     

    Bayer, Xaver

    geboren 1977 in Wien, wo er Philoso­phie und Ger­man­is­tik studierte und heute als freier Schrift­steller lebt. Sein Werk umfasst sowohl Erzäh­lun­gen und Romane als auch inter­me­di­ale Arbeit­en für Kun­st, The­ater und Film. Zulet­zt erschienen: Geschicht­en mit Mar­i­anne, Jung und Jung, Salzburg 2020. Zahlre­iche Preise und Stipen­di­en, zulet­zt 2019: Niederöster­re­ichis­ch­er Kul­tur­preis – Anerken­nung­spreis in der Kat­e­gorie Lit­er­atur.