Gabriele Bösch und Sylvie Schenk

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Wild

Am Umschlagbild von Gabriele Böschs Roman Schattenfuge ist Die Liebenden von René Magrittes abgebildet und die Bilder des surrealistischen Malers begleiten das Zusammentreffen des Mannes und der Frau, das sich während einer einzigen Nacht abspielt. Die beiden haben eine Abmachung: Sie will schweigend sein Porträt malen, er soll währenddessen von sich erzählen. Er, ein Architekt, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hat, beginnt seine Erzählung mit der Schilderung seines Scheiterns. Als sie das nicht mehr aushält, schickt sie ihn fort. Er kommt zurück und beginnt, von seiner Fußwanderung nach Finisterre zu erzählen. Schritt für Schritt hört sie ihm zu, Strich für Strich entsteht das Porträt eines Liebenden, in dem sie sich selbst erkennt. Die Bezüge zu Malerei und Architektur machen den Roman zusätzlich zu einer Auseinandersetzung mit dem Sehen.

Der Aufbruch des Erik Jansen von Sylvie Schenk erzählt die bewegende Geschichte von Erik Jansen, einem Deutschlehrer mit Leib und Seele um die fünfzig. Er verliert seine Anstellung im katholischen Gymnasium zu Sankt Theresa. Wie es dazu gekommen ist, dass er nicht nur seine sichere Stelle, sondern auch seine Frau und ein wenig wohl auch sich selbst verlor, versucht er, alleine, auf einer Gruppenreise nach Jordanien zu reflektieren. Die Reise ist für ihn ein Aufbruch und Befreiungsschlag – nicht nur aus der fatalen Liebe zu einer Schülerin, sondern aus seinem unerfüllten Leben.

Sylvie Schenks Überschreibung der Parabel von Franz Kafka Der Aufbruch ist nicht nur die Geschichte eines Mannes in der Midlife-Crisis, sie ist auch ein Spiel mit der Literatur, mit Auslegungen und Signifikanz: ein kluger, feinsinniger Roman, durch den sich wie ein roter Faden die Liebe zu Kultur und Literatur zieht.

Gabriele Bösch: Schattenfuge. Limbus 2012

Sylvie Schenk: Der Aufbruch des Erik Jansen. Picus 2012

    Schenk, Sylvie

    geboren 1944 in Cham­béry / Frankre­ich, lebt in Stol­berg, Rhein­land. Sie schreibt Lyrik auf Franzö­sisch und Prosa auf Deutsch. Mehrere Ausze­ich­nun­gen, darunter der Hasen­clever Förder­preis. Pub­lika­tio­nen zulet­zt: Die Tochter des Buch­händlers (2008), Park­sün­der (2009) und Der Gesang der Haut (2011, alle: Picus).

    Bösch, Gabriele

    geboren 1964 in Koblach / Vorarl­berg, lebt in Hohen­ems. Veröf­fentlichun­gen in Zeitschriften seit 1996, 2004 Lit­er­aturstipendi­um des Lan­des Vorarl­berg, 2005 Zweit­er Preis beim Pros­apreis Brix­en-Hall. Zulet­zt erschienen: Der geometrische Him­mel (2007, Skarabäus).