Ilma Raku­sa

Ort: Literaturhaus

Eine Kindheit und Jugend in Mitteleuropa, als dieses Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg gerade seine politischen und kulturellen Konturen neu eingeschrieben bekam: Ilma Rakusa geht in ihren Erinnerungen dem kleinen Mädchen nach, der Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter, deren Lebensstationen von einer slowakischen Kleinstadt über Budapest, Ljubljana, Triest nach Zürich – und von da weiter ausgreifend nach Ost und West, nach Leningrad/Petersburg und Paris reichen.

Mehr Meer. Erinngerungspassagen geht weit über eine Nacherzählung einer Kindheit und Jugend hinaus; es ist die Beschwörung dessen, was von den vielen Lebensorten und Begegnungen bleibt: Töne und Klänge, Farben und Stimmungen, einzelne Szenen und Blitzlichter. In vielen kleinen Selbstbefragungen, in Dialogen, Gedichten und Erinnerungsbildern geht Ilma Rakusa ihrer Geschichte auf den Grund. Dadurch erstehen 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts im prismatischen Blick einer außergewöhnlichen Schriftstellerin, die wie wenige in und zwischen verschiedenen Kulturen lebt.

Ilma Rakusa, 1946 in der Slowakei geboren, seit 1951 in Zürich. Schriftstellerin, Übersetzerin (u.a. Duras, Kiš, Tschechow, Zwetajewa, Kertész, Péter Nádas), Literaturkritikerin. Zahlreiche eigene Veröffentlichungen, zuletzt Durch Schnee, Erzählungen und Prosaminiaturen (2006, Suhrkamp), Garten, Züge. Eine Erzählung und 10 Gedichte (2006, Edition Thanhäuser). Wichtigste Auszeichnungen: Petrarca-Übersetzerpreis (1991), Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1998), Adelbert von Chamisso-Preis (2003), Schweizer Buchpreis (2009).

Ilma Rakusa: Mehr Meer. Erinnerungspassagen (Droschl 2009)