Lange Nacht der Museen

Ort: Literaturhaus

21.15 Uhr: Begrüßung

21.30 Uhr: Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht. Der Briefwechsel zwischen Karl Kraus und Kurt Wolff. Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin (Wallstein).
Einleitung und Kommentare: Friedrich Pfäfflin

22.30 Uhr: N. C. Kaser elementar. Ein Leben in Texten und Briefen (Haymon). Ausgewählt - und am Abend gelesen - von Raoul Schrott

"Der Briefwechsel zwischen Karl Kraus und Kurt Wolff ist die Dokumentation eines der merkwürdigsten Beispiele einer Autor-Verleger-Beziehung. Kurt Wolff, der Verleger für expressionistische Literatur in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts schlechthin, warb mit Karl Kraus um einen Schriftsteller, der den Literaturbetrieb verachtete. Wolff verehrte den polemischen Moralisten, der Weltgericht hielt über die "große Zeit". Und Karl Kraus? Seine Wertschätzung für den "edlen Jüngling" Wolff überstand verlagsinterne Autorenpolemiken, seine grundsätzliche Abneigung gegen alle, die er "Neutöner" nannte und die großen Fährnisse bei der Herstellung seiner Bücher.

Dichter und Provokateur, Kapuziner und Kommunist, Volksschullehrer, der kleine Prosaminiaturen für "seine" Kinder verfasste, und Trinker, der seinen Rotwein mit Gedichten bezahlte: norbert c. kaser (1947-1978) war nicht nur eine außergewöhnliche, zu Lebzeiten sträflich unterschätzte Begabung, sondern zugleich auch eine schillernde, facettenreiche Persönlichkeit: Seine Verse "voller spröder Schönheit, voll Trauer und Empörung" (NZZ) und seine minimalistischen Prosaskizzen spiegeln das Wesen, die Brüche, die Wendungen und Abgründe seines Lebens, seine Verletzlichkeit ebenso wie seine Rebellion gegen das konservative kulturelle und gesellschaftliche Klima seiner Zeit.

Die Biografie norbert c. kasers nimmt Raoul Schrott zum Ausgangspunkt für seine Werkauswahl: Die Briefe, Gedichte und Prosatexte Kasers geben einen Eindruck von Vielfalt, Energie und poetischem Reichtum von dessen Schaffen, das mittlerweile, knapp 30 Jahre nach seinem Tod, verdientermaßen zum modernen Klassiker erhoben worden ist.

    Raoul Schrott

    Schrott, Raoul

    geboren 1964, studierte Lit­er­atur und Sprach­wis­senschaft in Inns­bruck, Nor­wich, Paris und Berlin. Schrift­steller und Lit­er­atur­wis­senschaftler. Neben seinen Roma­nen zahlre­iche Essays zur Dich­tung und Über­set­zun­gen vom Gil­gamesch-Epos bis Derek Walcott.
    Er erhielt für seine Gedichte, Essays und Romane, die oft in ferne Wel­ten und Zeit­en führen, zahlre­iche Ausze­ich­nun­gen. Derzeit arbeit­et Raoul Schrott mit Unter­stützung der Bun­deskul­turs­tiftung am Pro­jekt Atlas der Ster­nen­him­mel, das im Herb­st 2022 veröf­fentlicht wird.

     

    Pfäfflin, Friedrich

    geboren 1935, Karl-Kraus-Experte, war 25 Jahre lang Leit­er der Muse­umsabteilung des Deutschen Lit­er­at­u­rar­chivs Mar­bach. Als Autor, Her­aus­ge­ber und Ausstel­lungs­mach­er beschäftigte er sich u.a. mit Hein­rich Fis­ch­er, Else Lasker-Schüler, Wern­er Kraft und Berthold Vier­tel. In der von ihm betreuten Rei­he Bib­lio­thek Janowitz erschienen u.a. Büch­er zu Rain­er Maria Rilke, Sidonie Nád­h­erny von Borutin und Karl Kraus.