Lui­sa Futo­ran­sky

Ort: Literaturhaus

Moderation: Gabriele Hassler

Luisa Futoransky: Formosa. Aus dem argentinischen Spanisch von Erna Pfeiffer. Löcker Verlag 2018

Lesung und Gespräch
Lesung auf Deutsch: Erna Pfeiffer

 

"Ich habe immer an fragmentarische Literatur geglaubt, weil das Leben fragmentarisch ist. Und die Realität bricht immer unvorhergesehen ein", sagt Luisa Futoransky einmal in einem Interview.

Die Autorin, 1939 in Buenos Aires als Nachfahrin einer osteuropäisch-jüdischen Immigrantenfamilie geboren, studierte Jura sowie Musikwissenschaft und Opernregie in Argentinien. 1976 konnte sie aufgrund einer Einladung nach Tokio der Militärdiktatur entgehen, doch war dies auch der Beginn ihres lebenslangen Exils. Im Mittelpunkt des Abends wird ihr von Erna Pfeiffer ins Deutsche übersetzte Text Formosa stehen. Unter diesem gemeinsamen Dach finden sich auch eingestreute Essays, Traumberichte, Dialogpassagen, Liebesgeschichten, kulturgeschichtliche Überlegungen und am Ende sogar ein humoristisches Glossar zu verwendeten jiddischen Ausdrücken. Dass seine Autorin ursprünglich als Lyrikerin begonnen hat, hört und sieht man auch ihren Prosatexten an. Sie sind ausgesprochen fragmentarisch, was im Fall einer Exilschriftstellerin nicht verwundert, deren Vita zum Zeitpunkt der fluchtartigen Ausreise aus ihrem Ursprungsland Argentinien einen nie mehr kittbaren Bruch erfahren hat. Wie bei ihren Vorfahren, die als Jüdinnen und Juden Anfang des 20. Jahrhunderts aus Osteuropa geflohen waren, sollte sich auch ihr eigener Lebensfaden nie mehr nahtlos zusammenknüpfen lassen, blieb er doch unwiederbringlich in abgerissene lose Enden zerfasert, durchtrennt zwischen einem Davor und einem Danach des Exils, einem Diesseits und Jenseits des Atlantiks, zwischen Buenos Aires und Paris.

Die Autorin hat zahlreiche Gedichtbände, Romane, Erzählungen und Essays veröffentlicht, die ins Französische, Englische und Deutsche sowie ins Hebräische, Portugiesische und Japanische übersetzt worden sind. 

 

Erna Pfeiffer ist außerordentliche Universitätsprofessorin im Ruhestand für Lateinamerikanische und Spanische Literaturwissenschaft.

Als literarische Übersetzerin hat Erna Pfeiffer 18 Bücher aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen, darunter Tristana von Benito Pérez Galdós (bei Suhrkamp), mehrere Essaybände und Erzählungen von Miguel de Unamuno (Droschl, Ullstein), Gedichte von Gioconda Belli (Peter Hammer-Verlag), einen Roman von Carmen Boullosa (Suhrkamp), Kurzgeschichten von Luisa Valenzuela (Milena, Drava), drei Romane von Alicia Kozameh (Milena, Löcker) sowie einen Roman von Luisa Futoransky (Löcker).

Als Herausgeberin hat sie mehrere Anthologien mit Texten und Interviews zeitgenössischer lateinamerikanischer AutorInnen publiziert, unter anderem beim Wiener Frauenverlag / Milena, Unionsverlag, Goldmann, Vervuert / Iberoamericana, dem Mandelbaum Verlag und dem Löcker Verlag.

Schließlich fungiert Erna Pfeiffer immer wieder als Organisatorin und Moderatorin von Kulturevents und literarischen Lesungen auch für ein nicht-fachliches Publikum.