Melinda Nadj Abonji

Ort: Literaturhaus

Moderation: Angelika Klammer

Eine ungarische Familie aus Serbien in der Schweiz: In ihrem Roman Tauben fliegen erzählt Melinda Nadj Abonji die Geschichte der Familie Kocsis aus der Vojvodina im Norden Serbiens, wo die ungarische Minderheit lebt, zu der auch diese Familie gehört. Vor etlichen Jahren sind sie ausgewandert in die Schweiz, erst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern, Nomi und Ildiko. Sie ist es, die alles erzählt. So auch den Besuch im Dorf, der nicht der einzige bleibt, Hochzeiten und Tod rufen sie jedesmal wieder zurück ins Dorf, wo Mamika und all die anderen Verwandten leben, solange sie leben.

Die Schweiz ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem. Sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Ein schwungvoll und gewitzt erzählter Roman aus der Mitte Europas.

Melinda Nadj Abonji, geboren 1968 in Becsej, Serbien, lebt als Schriftstellerin und Musikerin in der Schweiz.

Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen. Roman. Jung und Jung Verlag 2010.