Elfriede Jelineks Auseinandersetzung mit Liquidationen des Lebendigen

Ort: Literaturhaus

Öffentlicher Vortrag Dr. Sieglinde Klettenhammer (Institut für Germanistik)

Im Rahmen der Ringvorlesung am Institut für Erziehungswissenschaften zum Thema: Die Gegenwart der Zukunft des menschlich Lebendigen. Das Literaturhaus am Inn zeigt dazu Fotografien von Elfriede Jelinek in Innsbruck 1969.

Eintritt frei

Vor dem Hintergrund des Unbehagens an einer mechanistisch-technizistischen Einstellung zum Lebendigen und an der technischen Reproduzierbarkeit der Natur hat sich seit den 70er Jahren auch die Literatur wieder verstärkt dem Thema Natur zugewandt. Im Unterschied zur ökologischen Naturästhetik, die die sinnlich-ekstatische Naturerfahrung ins Zentrum rückt und Natur als nicht entfremdeten(Selbst-)Erfahrungsraum neu entdeckt, steht in den provokanten Texten Elfriede Jelineks die ideologiekritische Entmystifizierung des Natur-Begriffs mit den Mitteln der Satire im Vordergrund. Die Auseinandersetzung mit dem Roman Die Kinder der Toten (1995) und dem Drama Ein Sportstück (1999) soll sichtbar machen, daß Jelineks sprachkritische Durchquerung des Natur-Diskurses vor allem auch eine Durchquerung des Todes ist, weil sich die gesellschaftliche Rede über Natur als synthetisches Produkt erweist, das Herrschaftsverhältnisse verschleiert und Bilder kreiert, die auf Verdrängung der Geschichte und auf die Vernichtung des Subjekts ausgerichtet ist.
Dr. Sieglinde Klettenhammer (Jg. 1957) ist Assistentin am Institut für Germanistik, zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge zur österreichischen Literatur und zur regionalen Literaturdebatte.