Peter Landerl und Georg Pichler

Ort: Literaturhaus

Moderation: Bernhard Sandbichler

Peter Landerl liest aus seinem Roman Dunkle Gestalten (Bibliothek der Provinz 2007). Um seinen sterbenden Onkel, die einzige Bezugsperson seiner Kindheit, noch einmal zu sehen, kehrt der Ich-Erzähler Jakob vorübergehend nach Oberösterreich zurück. Ein Zeitungsausschnitt bringt ihn auf die Geschichte des mehrfachen Vergewaltigers und Mörders Engleder, der zwischen 1951 und 1957 in der Gegend von Steyr und Sierning als "Mörder mit dem Maurerfäustel" berüchtigt war. "Ein verstörendes Porträt der österreichischen Nachkriegsgesellschaft in dunklen Grautönen" (Georg Renöckl, Literaturhaus Wien)

Georg Pichler liest aus der Erzählung Alle heiligen Zeiten, die 2004 bei Suhrkamp erschienen ist und zu der Peter Handke ein Nachwort geschrieben hat. An einem Frühjahrsvormittag im Jahr 1945 trifft Robert Flusser mit seiner Frau Vera in einem ausrangierten Waggon der Kroatischen Eisenbahn im Grazer Hauptbahnhof ein. In der Stadt Fohnsdorf im obersteirischen Aichfeld finden sie Zuflucht vor den Tragödien, die sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in ihrem Heimatort Racinovci ereignen. Flusser findet Arbeit, aber keine Heimat. Georg Pilcher erzählt von einem betrogenen Leben, einem exemplarischen Flüchtlingsschicksal, vom Leidensweg eines Entwurzelten, über den das Schicksal gleichgültig hinweggeht, und der Tristesse eines Lebens, wie sie in der sterbenden Industrieregion Obersteiermark tief in die Gegenwart reicht, ungelöst und in dieser Deutlichkeit bisher noch unbeschrieben.

    Pichler, Georg

    geboren 1959 in Juden­burg, schrieb Rezen­sio­nen und Essays für Die Presse, von 1992 bis 1993 leit­ete er das Lit­er­atur­refer­at im Forum Stadt­park, seit 1994 ist er Redak­teur der Zeitschrift Bücherschau.

    Landerl, Peter

    1974 in Steyr geboren. Studi­um der Ger­man­is­tik und Geografie in Wien, Uni­ver­sität­slek­tor an der Uni­ver­sité Marc Bloch in Straßburg. Lebt als Lehrer und Schrift­steller in Straßburg.