Podiumsgespräch mit Stefan Horvath, Anna Mitgutsch und Vladimir Vertlib

Ort: Literaturhaus

Moderation: Andreas Maislinger

Fremdenhass – Rassismus – Antisemitismus

Impulsreferate: Beate Eder-Jordan (Universität Innsbruck), Karl Müller (Universität Salzburg)

Österreichische Autorinnen und Autoren gehörten nach dem Krieg, in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ und im Kontext der 1968er Bewegung zu den ersten, die die dringend notwendige (ehrliche) Aufarbeitung des Holocaust einforderten. Mit ihren Texten, in Essays oder in öffentlichen Wortmeldungen legten sie den Finger auf die Wunden, entlarvten den österreichischen „Opfer-Mythos“ als Lüge und zeigten, dass und wie der Faschismus in der Gesellschaft weiter lebt. Doch die Themen Fremdenhass und Rassismus stoßen oftmals auch heute noch auf Widerspruch – zumal bei jenen, die „das alles nicht mehr hören können“, die „das alles“ lieber verharmlost sehen.

Beate Eder-Jordan und Karl Müller geben die Impulse zur anschließenden Diskussion mit den drei geladenen AutorInnen: Wo verlaufen die Bruchlinien zwischen den kritischen Intellektuellen und den beharrenden Kreisen des Landes? Inwieweit ist Versöhnung möglich?

Eine Kooperationsveranstaltung von Literaturhaus am Inn und dem Cluster Kunst & Kultur in Konflikt   

    Mitgutsch, Anna

    1948 in Linz geboren, lehrt an Uni­ver­sitäten in Eng­land und Seoul, Süd­ko­rea und lebte von 1979 bis 1985 in den USA. Nach der Pub­lika­tion ihres ersten Romans Die Züch­ti­gung kehrte sie nach Öster­re­ich zurück und lebt sei­ther als freis­chaf­fende Autorin in Linz und Boston, seit 1974 ver­fasste sie zahlre­iche Essays und lit­er­atur­wis­senschaftliche Pub­lika­tio­nen zur anglo­pho­nen und deutschsprachi­gen Gegen­wart­slit­er­atur. Sie erhielt zahlre­iche Ausze­ich­nun­gen, u.a. den Anton Wildgans Preis, Solothurn­er Literaturpreis.
    Büch­er: u.a. Das andere Gesicht (Claassen 1986); Aus­gren­zung (Luchter­hand 1989); In frem­den Städten (Luchter­hand 1992); Abschied von Jerusalem (Rowohlt 1995); Erin­nern und Erfind­en (Graz­er Poet­ik-Vor­lesun­gen, Droschl 1999); Haus der Kind­heit (Luchter­hand 2000); Fam­i­lien­fest (Luchter­hand 2003).

    www.anna-mitgutsch.at/

    Horvath, Stefan

    geboren 1949 in Ober­wart. Er war der erste unter den Ober­warter Roma, der eine Hauptschule besuchte. Später arbeit­ete er bei Bau­fir­men in Wien und schaffte es zum Betrieb­srat und Poli­er. Im Feb­ru­ar 1995 kam ein­er sein­er Söhne beim Rohrbombe­nat­ten­tat von Ober­wart ums Leben. In der Folge begann Hor­vath zu schreiben und pub­lizierte über die Lei­dens­geschichte sein­er Eltern und über das Leben der Roma: Erzählband Ich war nicht in Auschwitz (2003), Katzen­streu (2007), in dem er dem Ter­ror des 4. Feb­ru­ar 1995 aus ver­schiede­nen Per­spek­tiv­en begeg­net. 2013 erschien das Buch Atsinganos (edi­tion lex liszt 12), das den Ober­warter Roma gewid­met ist. Roma-Lit­er­atur­preis des Öster­re­ichis­chen PEN 2013.