Tanja Maljartschuk und Alherd Bacharevič — muss aufgrund einer plötzlichen Erkrankung leider verschoben werden

Ort: BEI IHNEN ZU HAUSE

Moderation: Eva Binder, Miriam Finkelstein

Vom Baltikum bis Usbekistan:
Gegenwartsliteraturen 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion

 

Station 1: Ukraine und Belarus
Lesung & Gespräch mit Tanja Maljartschuk und Alhierd Bacharevič per
Zoom 
Zoom - Zugangsdaten https://zoom.us/j/95116043686?pwd=Y091SFQxWXJFRFRUVFo4Zmswb29TQT09

Eine literarische Veranstaltungsreihe von Literaturhaus am Inn und Russlandzentrum der Universität Innsbruck

Im Jahr 2021 jährt sich der Zerfall der Sowjetunion zum 30. Mal. Aus dem riesigen Imperium, das seit den 1920er Jahren hymnisch als ein „Sechstel der Erde“ besungen wurde, gingen 15 Nationalstaaten hervor. Laut Herfried Münkler war die Sowjetunion das letzte im 20. Jahrhundert zerfallene Imperium eines „alten“ territorial begründeten Typs. Der Zerfall selbst verlief im welthistorischen Vergleich relativ unblutig, doch das Erbe, das die Sowjetunion politisch, gesellschaftlich und kulturell hinterlassen hat, wirkt in den Nachfolgestaaten bis heute – wenngleich auch unterschiedlich – nach. Wirtschaftliche Daten, politische Theorien und historische Fakten erfassen zwar die verschiedenen Dimensionen und Folgen dieses Umbruchs, doch die Emotionen und Erinnerungen, die Millionen von Menschen damit verbinden, vermitteln sie nicht. Die Literatur dagegen kann davon erzählen und sie kann dies auf vielfältige Weise tun. Sie kann von der Mehrheitsgesellschaft vergessene Stimmen hörbar und aus dem kollektiven Gedächtnis Ausgeblendetes sichtbar machen. Vor allem aber kann sie subjektiv Erlebtes und Erlittenes anschaulich zur Darstellung bringen.

In einer literarischen Veranstaltungsreihe werden von Januar bis Juni 2021 Autor*innen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu Wort kommen. Sie werden in einer Kombination aus Lesung und moderiertem Gespräch Einblicke in ihre jeweiligen Länder, Regionen und Sprachen gewähren und uns eine Vielfalt dort erahnen lassen, wo 70 Jahre lang zumindest ideologisch Einheit und Einheitlichkeit als Ziel ausgegeben wurden. Autor*innen unterschiedlicher Generationen, unterschiedlicher Schreibstile und Genres werde ihre Texte präsentieren und im Gespräch darüber reflektieren, welches Erbe das Sowjetsystem hinterlassen und was sich dennoch wesentlich verändert hat. Dabei wird es nicht zuletzt auch um die Frage des Stellenwertes des Russischen, der russischsprachigen Literatur und der damit verbundenen literarischen Traditionen im jeweiligen Land heute gehen.

Durch die Pandemie bedingt lassen sich die einzelnen Veranstaltungen zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht fixieren. Aus diesem Grund werden wir uns auch nicht, wie ursprünglich geplant, vom Baltikum über die Ukraine und Belarus, die Republik Moldau und Russland weit in den Osten nach Usbekistan begeben, sondern eher einer Zick-Zack-Route folgen. Wir beginnen im Jänner 2021 mit den beiden slawisch-sprachigen Ländern Ukraine und Belarus und den Autor*innen Tanja Maljartschuk und Alhierd Bacharevič und schließen, so die Hoffnung, im Juni mit einem Live-Auftritt der lettisch-russischen Lyrik- und Performance-Gruppe Orbita ab. Wir bitten um Verständnis, dass die Veranstaltungen vorerst nur kurzfristig angekündigt werden können.

Organisation und Moderation: Eva Binder (Institut für Slawistik der Universität Innsbruck) und Miriam Finkelstein (Institut für Slawistik der Universität Graz) gemeinsam mit Anna Rottensteiner (Literaturhaus am Inn)

 

 

 

 

Bacharevič, Alhierd

geb. 1975 in Min­sk, Belarus; arbeit­et als Schrift­steller und Über­set­zer; von Novem­ber 2020 bis Mai 2021 ist er „Writer in Exile“ in Graz. Er ist der Autor zahlre­ich­er Romane; zulet­zt wurde sein mon­u­men­taler Roman „Die Hunde Europas“ (Saba­ki Ejropy) Buch des Jahres in Belarus. In deutsch­er Über­set­zung erschien 2009 der Roman „Die Elster auf dem Gal­gen“ und 2019 der Essay­band „Berlin, Paris und das Dorf“.

Maljartschuk, Tanja

Tan­ja Mal­jartschuk, geb. 1983 in Iwano-Franki­wsk, Ukraine; studierte Philolo­gie und arbeit­ete nach dem Studi­um als Jour­nal­istin in Kiew. Seit 2011 lebt die Autorin in Wien. Zu ihren Veröf­fentlichun­gen in deutsch­er Über­set­zung zählen die bei­den Romane „Biogra­phie eines zufäl­li­gen Wun­ders“ (2014) und „Blauwahl der Erin­nerung“ (2019) sowie der Erzählband „Von Hasen und anderen Europäern. Geschicht­en aus Kiew“ (2014). 2018 erhielt sie für den Text „Frösche im Meer“ den Ingeborg-Bachmann-Preis.