Christoph Linher und Ursula Wiegele

Ort: Literaturhaus am Inn

Moderation: Anna Rottensteiner, Christoph Linher und Ursula Wiegele

„Dämlich wie ein Stück Wild“ springt ein Mensch dem Ich-Erzähler in Christoph Linhers Roman Farn vor den Wagen. Auf den Unfall folgen für den Lenker Hausarrest und Fußfessel. Nach verbüßter Strafe hält dieser im leeren Haus seiner Kindheit den Arrest freiwillig aufrecht. Stück für Stück saniert der Ich-Erzähler das baufällige Haus – nicht zuletzt in dem Bestreben, etwas über sich in Erfahrung zu bringen. In seiner Wahrnehmung und seinem Denken völlig auf sich selbst bezogen, gerät nicht nur diese Arbeit ins Stocken, auch Dinge, die er zu besitzen glaubte, verschwinden …

Clara, die Protagonistin in Ursula Wiegeles Roman Im Glasturm ist seit ihrem achten Lebensjahr gehörlos, sie, die einst vielversprechende Musikerin, arbeitet nun als Gemälderestauratorin. Mit Anfang vierzig kommt sie vom toskanischen Gut nach Österreich zurück: ihr Bruder Paul hat sie gebeten, ihm beim Räumen der elterlichen Wohnung in Wien zu helfen. Im Glasturm eines Tiroler Hotels, den Bergen ganz nah, macht sie Station. Sie erinnert sich an Großes und Kleines, und wie sie durch ewiges Üben die Sprache „sehen“ lernte, indem sie den Menschen die Wörter von den Lippen ablas.

Christoph Linher: Farn. Eine Erzählung aus dem Off. Müry Salzmann 2016
Ursula Wiegele: Im Glasturm. Roman. Müry Salzmann 2015

Leseprobe aus Ursula Wiegeles Roman Im Glasturm

    Ursula Wiegele

    Ursu­la Wiegele, geboren 1963 in Kla­gen­furt, lebt seit 1993 in Graz. Stu­di­en­ab­schluss in Inns­bruck 1988. Derzeit Lehrende für DaF/DaZ, Leitung von Schreib­w­erk­stät­ten. Zahlre­iche Ausze­ich­nun­gen, u. a. Final­istin beim Lit­er­aturbe­werb Wartholz 2013, Frau Ava Lit­er­atur­preis 2015. Debüt 2011 mit dem Roman Cel­lo, stromab­wärts (Dra­va).