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In diesem Ver­anstal­tungs­for­mat soll an Schrift­stel­lerIn­nen und Per­sön­lichkeit­en des Geis­teslebens erin­nert wer­den, die in Vergessen­heit ger­at­en sind, zu Unrecht aus dem lit­er­arischen Kanon her­aus­ge­fall­en sind oder in ihrer Bedeu­tung auch heute noch aktuell sind. Sie wer­den im Rah­men von Vorträ­gen oder Essays von Wis­senschaft­lerIn­nen oder anderen Schrift­stel­lerIn­nen vorgestellt. Dazu sind jew­eilige Lesun­gen aus Tex­ten der Vorgestell­ten geplant.

Nahaufnahme: Ein Abend für Elfriede Gerstl

Ort: Literaturhaus

Moderation: Christa Gürtler

Lesung: Bettina Rossbacher

Leben und Werk von Elfriede Gerstl (1932 – 2009) werden an diesem Abend vorgestellt. Dabei wird ein Bogen von den Anfängen bis zu Texten gespannt, die kurz vor ihrem Tod entstanden sind. Als einzige Frau im Umkreis der Autoren der Wiener Gruppe verbrachte sie die bewegten 1960er-Jahre in Berlin und Wien, 1972 zog sie wieder nach Wien, wo sie sich konsequent außerhalb des Literaturbetriebs positionierte. Für ihre Gedichte, Essays und Prosa, die in verschiedenen Kleinverlagen erschienen, erhielt sie erst spät literarische Auszeichnungen, seit 2017 liegt die fünfbändige Werkausgabe im Droschl Verlag vor.

Nahaufnahme: Franz Michael Felder

Ort: Literaturhaus

Vortrag: Jürgen Thaler
Lesung: Arno Geiger

Franz Michael Felder (1839 bis 1869), den Bauer aus Schoppernau im Bregenzerwald, kannte man zu seiner Zeit als rebellischen, vielfach angefeindeten Volksaufklärer. Als seine Frau überraschend starb und ihn mit fünf Kindern zurückließ, begann er, sein Leben aufzuschreiben. Entstanden ist Aus meinem Leben (Jung und Jung Verlag 2019) ein Meisterwerk der autobiografischen Literatur. Zum Buch spricht der Herausgeber Jürgen Thaler, es liest Arno Geiger, der ein Vorwort zum Band verfasst hat.

    Hertha Kräftner 1928 bis 1951

    Ort: Literaturhaus

    Moderation: Dine Petrik

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    Ein Gedenkabend mit Dine Petrik

    Dine Petrik, Burgenländerin und Lyrikerin wie Kräftner, begibt sich in ihren Büchern Die Hügel nach der Flut. Was geschah wirklich mit Hertha K. (1997) und Die verfehlte Wirklichkeit (2011) auf die Spuren einer Dichterin, die lange Jahre in Vergessenheit geraten war. Zu ihren Lebzeiten stand sie am Beginn einer literarischen Laufbahn, die vielversprechend begann, aber mit dem Selbstmord der 23-jährigen Dichterin jäh endete. Das Werk, das sie hinterließ, ist schmal – Lyrik, Prosaskizzen und -fragmente, Tagebücher und Briefe. Heute gilt Kräftner als bedeutende österreichische Lyrikerin der Nachkriegszeit.

      Itzik Manger – ein europäischer Dichter

      Ort: Literaturhaus am Inn

      Moderation: Efrat Gal-Ed

      Ihre umfassende Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Itzik Manger verschränkt Efrat Gal-Ed mit einer lebendigen Schilderung der jiddisch-säkularen Kultur Osteuropas zwischen den Weltkriegen. Dazu passend orientiert sich die Texteinrichtung durch die Autorin an der Seitengestaltung des Talmud: mit erzählendem Haupttext, Abbildungen und erläuternden Seitentexten.

        Ibn Arabi: Der Übersetzer der Sehnsüchte

        Ort: Literaturhaus am Inn

        Moderation: Stefan Weidner

        Mit Einspielung von Vertonungen einzelner Gedichte.

        Bekannt für seine Übersetzungen arabischer Poesie, zeigt er mit seiner Übertragung, wie modern und freizügig diese Gedichte sind.

        Am Abend wird er in das Leben und die Vorstellungswelten von Ibn Arabi einführen, zeitgeschichtliche Hintergründe beleuchten sowie ausgewählte Gedichte auf Deutsch und Arabisch vortragen. Ebenso werden Vertonungen einzelner Gedichte durch die Ensembles Ibn Arabi und Ibn Baja eingespielt.

          In Memoriam Gerhard Kofler (1949–2005)

          Ort: Literaturhaus am Inn

          Federico Italiano und Erika Wimmer lesen aus Meeressammlungen / Collezioni marine

          Gerhard Kofler zählt bis heute zu den wichtigsten Südtiroler Lyrikern. Seine Verse zeugen von Weitsicht, sein poetischer Blick auf die Welt ist einfühlsam und humorvoll. Die doppelte Ausdrucksform – alle seine Gedichte sind in deutscher und italienischer Fassung entstanden – ist bis heute einzigartig. Wie kaum einem anderen gelang es ihm, Poesie und Alltag miteinander zu verschmelzen, dem Unscheinbaren ebenso wie tiefen Erkenntnissen einen Platz in der Erinnerung zu sichern.

            Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy

            Ort: Literaturhaus am Inn

            Moderation: Bernhard Fetz und Antonio Fian

            Eine Annäherung in Gesprächen und Lesungen an den Schauspieler, Sänger, Dramatiker und Wiener Vorstadttheater-Autor

            Jeder Zeit ihr Nestroy – Es hat ihn ja auch jede Zeit bitter nötig, nicht zuletzt unsere, in der sich unter dem Druck einer durchökonomisierten Gesellschaft der Mensch in seiner ganzen Niedertracht und Dummheit präsentiert. Dass sich mit dem, was man Fortschritt nennt, vieles ändert, aber eben nicht der Mensch, zeigt sich auch darin, dass Nestroy Stücke nichts an Aktualität, Brisanz und Treffsicherheit eingebüßt haben. Freiheit in Krähwinkel, Der Schützling, Der Talisman, Der Unbedeutende – Antonio Fian, seinen Zeitgenossen selbst ein Nestroy mit modernen Mitteln, hat vier Stücke ausgewählt, Klassiker und weniger bekannte, eine Art Quintessenz. Und er hat sie ergänzt, durch eine Auswahl von Briefen, in denen wir Johann Nestroy (1801 – 1862), den Klassiker, den „Fixstern am Weltliteraturhimmel“, in die alltäglichsten Angelegenheiten verstrickt sehen – als erstaunlichen Menschen.

              2015 ist Bierbaum-Jahr

              Ort: Literaturhaus am Inn

              Wolfgang Bunzel, Michael Pilz und Thomas Wegmann im Gespräch

              Falls Sie es noch nicht wussten: 2015 ist Bierbaum-Jahr. Wer aber erinnert sich heute noch an den 1865 im niederschlesischen Grünberg geborenen und 1910 in Dresden verstorbenen Schriftsteller, Publizisten und Herausgeber Otto Julius Bierbaum? Als Autor dickleibiger satirischer Zeitromane wie Stilpe (1897) oder Prinz Kuckuck (1906) wird er heute ebenso wenig mehr gelesen wie als deutscher Bearbeiter von Carlo Collodis Kinderbuchklassiker Pinocchio (1905 u.d.T. -Zäpfel Kerns Abenteuer) oder gar als Lyriker und Singspieldichter. Dabei hat Bierbaum vor allem als Zeitschriftengründer, -redakteur und Anthologist sowie als unermüdlicher Promotor der Buchkunstbewegung nachhaltige Spuren in der Literatur- wie auch in der Kunst-geschichte des frühen 20. Jahrhunderts hinterlassen. Am ehesten dürfte Bierbaum wohl noch als Verfasser des Buches Eine empfindsame Reise im Automobil von 1903 im Gedächtnis geblieben sein: Auf Goethes Spuren hatte er in einem 8PS starken Einzylinder-Wagen der Marke „Adler“ von Berlin kommend den Brenner überquert. Mit der Literarisierung dieser Italienfahrt schuf Bierbaum das erste Autoreisebuch der deutschen Literaturgeschichte überhaupt, das bereits unter dem bezeichnenden Motto stand: Lerne Reisen ohne zu rasen.

                W. G. Sebald

                Ort: Literaturhaus am Inn

                Moderation: Uwe Schütte

                „Ich habe einen Horror vor allen billigen Formen der Fiktionalisierung. Mein Medium ist die Prosa, nicht der Roman.“ (W. G. Sebald)

                W. G. Sebald ist einer der anerkanntesten und zugleich umstrittensten Schriftsteller der deutschsprachigen Literatur des späten 20. Jahrhunderts. Sein vielgerühmtes literarisches Werk ruht auf einem Fundament, das weitenteils kaum bekannt ist, nämlich die im Verlauf von rund 30 Jahren entstandenen kritischen Schriften. Uwe Schüttes umfangreiche Studie Interventionen bietet daher einen Überblick der literaturkritischen Arbeiten Sebalds, unter Einbezug zuvor unveröffentlichter Archivdokumente. Die Studie legt anschaulich dar, wie sich Sebalds eigenwillige Literaturkritik – von der Magisterarbeit über Carl Sternheim bis zum polemischen Essay über Luftkrieg und Literatur – entwickelt hat. Zugleich skizziert Schütte mit seinem Buch die intellektuelle Biografie des vom Allgäu in die Provinz East Anglias entlaufenen Germanisten. Vor allem aber zeichnet Interventionen nach, wie Sebald im kritischen Widerspruch zu Germanistik und deutscher Nachkriegsliteratur selbst zum Schriftsteller wurde.